
Das erwartet dich
- Warum dieser Hund darauf gezüchtet ist, dich auf große Entfernung zu lesen, und was das im Alltag bedeutet
- Was ein schottischer Kenner über ihn schrieb, als Liebhaber für einen einzigen Hund so viel zahlten wie für ein Haus
- Wie aus einem Arbeitshund binnen einer Generation ein Schönheitshund wurde und was dabei blieb
- Warum bei dieser Rasse vor jeder Wurmkur und vor jeder Narkose eine Frage steht
- Wie es um den Hund aus den Filmen heute in seiner Heimat steht
Film
Bevor es in die Geschichte des Langhaarcollies geht, sieh ihn dir zunächst in Bewegung an.

Abb.: „Mr. R. A. Tait’s Ch. Wishaw Leader“, aus: Robert Leighton (Hrsg.), „The New Book of the Dog“, Cassell and Company, London 1907 (Gemeinfrei).
Material zum Reel: Danke für die Filme an Markus
Kurzbeschreibung
Beim Langhaarcollie fällt zuerst der Kopf auf: ein sauber geschnittener Keil, der von den Ohren zur Nase glatt zusammenläuft, mit mandelförmigen Augen und Ohren, die zu zwei Dritteln stehen und an der Spitze nach vorn kippen. Der große, kräftige Körper ist etwas länger als hoch und frei von Plumpheit. Das dichte Haar liegt an, darunter sitzt eine weiche, pelzige Unterwolle, Mähne und Halskrause sind üppig. Gebürstet wird er seltener, als man bei dieser Fülle denkt. Im Wesen ist er freundlich und aufgeschlossen und dabei aufmerksam für alles, was um ihn herum geschieht.
Wie die Rasse um 1900 beschrieben wurde
Um zu verstehen, was in diesem Hund steckt, muss man ihn sich auf einem schottischen Hügel vorstellen. Der Schäfer geht auf einem schmalen Pfad bergauf, der Hund läuft weit draußen im Heidekraut, holt die Schafe aus Schluchten und hinter Kuppen hervor und ist trotzdem oben, wenn sein Mensch ankommt. Es sei die härteste Tagesarbeit, die man von einem Hund verlange, schreibt James C. Dalgliesh, der die Rasse 1907 in einem britischen Standardwerk beschreibt und die Schäfer im Tal von Yarrow selbst begleitet hat.
Eine Beobachtung aus diesen Tagen ist für diese Rasse zentral geblieben. Dalgliesh sieht zu, wie die Hunde den Hang hinaufsteigen, und hält fest, was geschieht, sobald sie zu weit weg sind, um noch etwas zu hören: „when they are beyond the sound of call or whistle, how they will watch with eagerness for the semaphore signal given by the shepherd’s directing hand“ (Dalgliesh, The Collie, 1907, S. 100). Auf Deutsch, in eigener Wiedergabe: Sind sie außerhalb von Ruf- und Pfiffweite, achten sie gespannt auf das Winkzeichen der weisenden Hand ihres Schäfers. Der Hund gibt die Verbindung nicht auf, wenn die Stimme nicht mehr trägt. Er wechselt das Sinnesorgan.
Auch zum Wesen ist Dalgliesh deutlich, und er beschreibt einen Hund, den heutige Halter wiedererkennen werden: „Peculiarly shy in disposition, the Collie is slow to make friends with strangers; but once he gains confidence under proper treatment, his attachment surpasses that of any other animal“ (Dalgliesh, The Collie, 1907, S. 100). Eigenartig scheu sei er, langsam im Freundschließen mit Fremden, doch wenn er einmal Vertrauen gefasst habe, übertreffe seine Anhänglichkeit die jedes anderen Tieres. Und er neige dazu, seine Zuneigung auf einen Menschen zu richten, statt sie an viele zu verteilen.
Dalgliesh schreibt in einem Moment, in dem sich die Rasse gerade teilt. Über den Ausstellungscollie hält er fest: „Produced from the old working type, he is now practically a distinct breed. His qualities in the field are not often tested“ (Dalgliesh, The Collie, 1907, S. 106). Aus dem alten Arbeitsschlag hervorgegangen, sei er inzwischen praktisch eine eigene Rasse, und seine Fähigkeiten im Gelände würden nur noch selten geprüft. Was in den Ausstellungsringen zählte, war der Kopf. Dagegen setzt er einen Satz, der die Auseinandersetzung von damals in einer Zeile fasst: „If the ornamental Collie is to remain a Sheepdog, fifty points out of the hundred are too many to allow for head properties“ (Dalgliesh, The Collie, 1907, S. 106).
Richard Strebel, der die Rasse 1905 für deutsche Leser beschreibt, sieht dieselbe Wandlung und urteilt anders. „Der Collie ist heute überwiegend Luxushund geworden“, schreibt er, und über das Fell: „War sein damaliges Haarkleid die brauchbare Arbeitsjacke, so ist jetzt das wallende, seidig glänzende Gewand wohl das Vollendetste und Prachtvollste, was eine raffinierte Zucht zu erreichen imstande war, ohne daß er dadurch zum Stubenhund geworden wäre“ (Strebel, Die deutschen Hunde, Band 2, 1905, S. 84). Wo Dalgliesh den Schäferhund verloren gehen sieht, bewundert Strebel das Ergebnis der Zucht.
Quelle: James C. Dalgliesh (1907), S. 98 bis 111. Vollständige Quellenangabe siehe Quellen.
Die Entstehung der Rasse
Woher der Collie kommt, ist nicht sicher zu klären, und die zeitgenössischen Autoren geben das offen zu. Was feststeht, ist der Arbeitsplatz: die Schafwirtschaft der schottischen Hochlagen und der Grenzregion zu England, wo Herden über weite, unwegsame Flächen bewegt werden mussten und nach Dalgliesh ein einziger guter Hund die Arbeit von zwanzig Männern tat. Dort entstand kein einheitlicher Typ, sondern ein Schlag von Hunden, die nach Leistung ausgewählt wurden und in ganz unterschiedlicher Gestalt arbeiteten. Neben den Schäfern hielten auch Bauern, Metzger und Viehhändler solche Hunde, die Vieh und Schweine zum Markt trieben.
Aus diesem Schlag wurde in wenigen Jahrzehnten eine Ausstellungsrasse. 1881 entstand in England „The Collie Club“, und als der Collie in Mode kam, wurden hohe Preise bald üblich. Für den Rüden Metchley Wonder wurden 1888 fünfhundertdreißig Pfund gezahlt, nach Dalgliesh der erste sehr hohe Preis für einen Hund dieser Rasse. Später wechselte Ormskirk Emerald für dreizehnhundert Pfund und einen weiteren Hund im Wert von dreihundert Pfund den Besitzer. Dalgliesh, der die Zahlen aufschreibt, rechnet selbst dagegen: Für das Geld hätte man ein Haus kaufen können (Dalgliesh, The Collie, 1907, S. 107).
Auf dem Festland beginnt die Geschichte nach Strebel am Ende der 1870er Jahre, mit den ersten eingeführten Hunden (Strebel, Die deutschen Hunde, Band 2, 1905, S. 85). 1889 entstand der Verein, der die Rasse in Deutschland bis heute betreut, und Dalgliesh zählt 1907 Collieklubs nicht nur in Großbritannien und Amerika auf, sondern auch in Südafrika und Deutschland (Dalgliesh, The Collie, 1907, S. 106). In England schlossen sich 1924 „The Collie Club“, der Northern Collie Club und der Rough Coated Blue Merle Club zum British Collie Club zusammen.
Dass Langhaar und Kurzhaar zwei Rassen sind, ist dagegen jung. Die FCI hat den Kurzhaarcollie erst 1974 endgültig als eigene Rasse anerkannt, und in Großbritannien durften die beiden Schläge bis Ende 1993 miteinander verpaart werden. Erst seit dem 1. Januar 1994 führt der dortige Kennel Club sie getrennt. Wer also einen Langhaarcollie hat, hat einen Hund, dessen Stammbaum vor gar nicht langer Zeit noch kurzhaarige Verwandte enthalten durfte. Heute führt der Royal Kennel Club den Langhaarcollie auf seiner Beobachtungsliste für heimische Rassen, auf der Rassen stehen, von denen jährlich 300 bis 450 Welpen eingetragen werden. Der Kurzhaarcollie steht eine Stufe tiefer unter den gefährdeten Rassen mit weniger als 300.
Ursprüngliche Verwendung und Entwicklung
Die Arbeit, für die dieser Hund gebaut ist, findet auf Entfernung statt. Er sammelt verstreute Schafe ein, bringt sie in geschlossener Ordnung vor sich her und hält sie in einer Ecke des Feldes fest, ohne sie anzufassen. Dabei ist er über weite Strecken außer Hörweite und trotzdem nicht auf sich gestellt: Er arbeitet, sieht zwischendurch her und nimmt auf, was der Mensch ihm auf Sicht mitteilt. Das ist etwas anderes als ein Hund, der Anweisungen abwartet, und etwas anderes als einer, der allein losgeht.
Wie eng dieser Hund dabei auf seinen Menschen ausgerichtet ist, zeigt eine Beobachtung von 1907 an einem Rüden namens Kep, der viele Hüteprüfungen gewonnen hatte. Solange er Schafe hütete, sah er Hase und Kaninchen nicht an, die vor ihm hochgingen. Nahm sein Mensch die Flinte auf, war er sofort ein anderer Hund und apportierte, was geschossen war (Dalgliesh, The Collie, 1907, S. 101). Was er tat, hing daran, was sein Mensch gerade vorhatte.
Von dieser Arbeit ist im heutigen Deutschland fast nichts übrig. Der Langhaarcollie ist Familienhund, und wo Schafe gehütet werden, tun es andere Rassen. Geblieben ist, was er für diese Arbeit mitbringt: den Blick zum Menschen und die Bereitschaft, auf ein Zeichen zu achten.
Was diese Rasse heute prägt
Ein Langhaarcollie behält seinen Menschen im Auge, auch wenn er nicht neben ihm läuft, und bleibt über den Abstand hinweg mit ihm in Verbindung. Das kommt aus einer Arbeit, bei der er weit draußen war und trotzdem nie auf sich allein gestellt.
Damit hängt zusammen, wie genau er hinschaut. Diese Hunde lesen die Körperhaltung ihres Menschen fein und reagieren auf Kleinigkeiten, die andere Rassen übersehen. Das macht sie leicht führbar und zugleich empfindlich für Spannungen im Haus.
Wachsam ist er dabei ohne Härte. Der Standard verlangt einen freundlichen Hund ohne jede Spur von Nervosität oder Aggressivität, und genau so tritt er auch auf. Er meldet, was sich nähert, und geht dabei nicht vor. Was sich seit den Beschreibungen von vor gut hundert Jahren nicht geändert hat, ist die Neigung, sich einen Menschen im Haus besonders auszusuchen.
Was Hundehalter heute erwarten, und woran sie sich reiben
Der Collie ist der Hund aus den Filmen, der Hilfe holt, die Kinder bewacht und immer weiß, was zu tun ist. Die Vorlage dazu ist ein Roman aus dem Jahr 1940, und die Filme, die daraus wurden, haben Generationen geprägt. Wer sich daran erinnert, erwartet einen Hund, der von selbst mitdenkt und dem man nicht viel erklären muss.
Der Teil davon, der stimmt, ist die Aufmerksamkeit. Ein Collie merkt tatsächlich, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Der Teil, der nicht stimmt, ist die Vorstellung, er komme von allein zurecht. Er denkt nicht mit, er sieht her.
Im Alltag reibt es sich vor allem beim Melden. Wachsamkeit gehört zu dieser Rasse, schon Dalgliesh beschreibt den Collie 1907 als treuen Wächter (Dalgliesh, The Collie, 1907, S. 99). Seine Meldung richtet sich aber an einen Menschen, und bleibt der stumm, meldet der Hund weiter, öfter und lauter. Viele Halter erleben das als Bellerei, obwohl er nur tut, wofür er gezüchtet ist: bemerken und Bescheid geben.
Anforderungen, die diese Rasse stellt
Mit der Herde fehlt diesem Hund die Arbeit auf Distanz, von der oben die Rede war, und dafür braucht er einen Ersatz. Am weitesten trägt ihn die Apportierarbeit, weil der Collie dort wieder tun kann, was er mitbringt: sich von seinem Menschen entfernen und ein Zeichen aufnehmen, das nicht als Wort kommt. Auch die Personensuche passt zu ihm, denn dabei arbeitet er vor seinem Menschen und behält ihn im Bewusstsein, statt ihn hinter sich zu vergessen. Was diese beiden Arbeiten mit der Anlage eines Hütehundes zu tun haben, erklärt das Sachthema Hüteverhalten.
Ebenso wichtig ist Anwesenheit. Der Collie ist auf einen Menschen im Haus ausgerichtet und braucht ihn über den Tag verteilt, nicht nur zu den Spaziergängen; ein Zuhause, in dem tagsüber nie jemand da ist, passt dazu schlecht. Ruhige, gleichbleibende Abläufe tragen bei ihm mehr als große Runden.
Das Fell braucht alle ein bis zwei Wochen eine feste Zeit, im Fellwechsel deutlich mehr. Öfter zu bürsten hilft nicht, es nimmt ihm die Unterwolle, die das Haarkleid wetterfest macht.
Gesundheit im Blick
Der MDR1-Defekt ist bei den beiden Collierassen so verbreitet wie bei keiner anderen in Europa untersuchten Rasse. Betroffenen Hunden fehlt ein Eiweiß, das an der Blut-Hirn-Schranke arbeitet und Fremdstoffe aus dem Gehirn heraushält. Fällt es aus, reichern sich bestimmte Wirkstoffe im Zentralnervensystem an. Betroffen sind mehrere gebräuchliche Wirkstoffe gegen Würmer und Parasiten, dazu das Durchfallmittel Loperamid, einzelne Mittel zur Beruhigung und zur Vorbereitung einer Narkose und eine Reihe von Krebsmedikamenten. Die Reaktionen reichen bis zum Tod. Auch bei Hunden mit nur einer betroffenen Kopie müssen einzelne Mittel niedriger dosiert werden. Ein einmaliger Gentest klärt den Status, und das Ergebnis sollte jeder Tierarzt kennen, der den Hund behandelt.
Das zweite Thema betrifft die Augen. Die Collie Eye Anomaly ist eine angeborene Fehlanlage der Aderhaut, die von einer harmlosen Ausdünnung bis zu Sehschwäche und Netzhautablösung reicht. Sie ist bei dieser Rasse deutlich häufiger als bei ihren Verwandten und wird bei Welpen früh untersucht, weil sich leichte Formen später schwerer erkennen lassen.
Die Merle-Frage behandelt der nächste Abschnitt. Die Lebenserwartung übertrifft den Wert, den die Studie für große Rassen nennt, und an den Hüften liegt der Collie im britischen Röntgenprogramm gleichauf mit verwandten Hütehunden.
Zur Qualzuchtfrage
Der strittige Punkt beim Langhaarcollie ist der Merle-Faktor. Was Qualzucht rechtlich bedeutet und warum bei Zahlen zur Taubheit Vorsicht geboten ist, steht im Sachthema Qualzucht.
Blue Merle gehört beim Collie seit Langem dazu. Schon der Standard, den Dalgliesh 1907 abdruckt, rechnet bei merlefarbenen Hunden mit einem oder zwei blauen Augen und hält die Farbe insgesamt für unerheblich (Dalgliesh, The Collie, 1907, S. 111). Der heutige Standard ist genauer: Er verlangt vorwiegend klares, silbriges Blau mit schwarzen Flecken und nennt große schwarze Flächen, Schieferfarbe und einen ganz oder überwiegend weißen Hund höchst unerwünscht.
Merle dünnt das Pigment stellenweise aus und lässt es in Flecken stehen. Ein Hund, der den Faktor einmal trägt, bleibt meist ohne Befund. Haben zwei Träger zusammen Welpen, bekommt rechnerisch jeder vierte ihn doppelt; solche Hunde sind großflächig weiß, taube Ohren und fehlgebildete Augen sind bei ihnen häufiger.
Rechtlich ist die Sache eindeutig. Paragraph 11b des Tierschutzgesetzes untersagt Zuchtformen, bei denen mit erblich bedingten Schäden an den Nachkommen zu rechnen ist. Das Gutachten der Sachverständigengruppe von 1999 führt den Merle-Faktor eigens auf und rät dazu, weder zwei Träger miteinander zu verpaaren noch doppelt merlefarbene Tiere selbst weiterzuzüchten.
Einhalten lässt sich das nur mit einem Gentest, denn Merle ist nicht immer zu sehen: Manche Träger zeigen das Muster im Fell gar nicht, und auf zobelfarbenem Haar ist es nicht immer zu erkennen.
↓ Die genauen Zahlen und die Belege dazu stehen unter „Zahlen und Studien zur Gesundheit“.
Zahlen und Studien zur Gesundheit
MDR1. Eine europäische Erhebung an 4.729 Hunden, gesammelt zwischen 2012 und 2014, nennt für den Langhaarcollie eine Frequenz des mutierten Allels von 48,3 Prozent und für den Kurzhaarcollie von 58,5 Prozent.[1] Das sind die beiden höchsten Werte aller dort untersuchten Rassen, zum Vergleich: Australian Shepherd 35 Prozent, Shetland Sheepdog 30,3 Prozent, Border Collie 0 Prozent. Fallzahlen je Rasse nennt die Arbeit nicht.
MDR1 in Deutschland. Eine Untersuchung an 1.500 Hunden aus Deutschland kommt zu dem Ergebnis, dass der Anteil der Tiere mit zwei betroffenen Kopien bei Collies mit 33,0 Prozent am höchsten liegt, vor Australian Shepherd mit 6,9 und Shetland Sheepdog mit 5,7 Prozent.[2] Die Arbeit führt die Rasse als „Collies“ und trennt Langhaar und Kurzhaar nicht.
Collie Eye Anomaly. In einer Schweizer Auswertung von Augenuntersuchungen aus den Jahren 1999 bis 2007 waren von 785 Langhaarcollies 40,1 Prozent betroffen: 36,9 Prozent mit einer Aderhautunterentwicklung allein, 2,8 Prozent zusätzlich mit einem Kolobom, 0,38 Prozent mit einem Kolobom allein.[3] Bei 101 Kurzhaarcollies waren es 8,9 Prozent, bei 720 Shetland Sheepdogs 15,1 und bei 1.248 Border Collies 0,7 Prozent. Welpen unter acht Wochen fielen mit 53,8 Prozent deutlich häufiger auf als ältere Hunde mit 31,7 Prozent, weil sich leichte Befunde mit dem Alter verdecken können. Beim Langhaarcollie fanden die Autoren keinen gesicherten Zusammenhang mit Geschlecht oder Fellfarbe.
Merle und Taubheit. Die Referenzarbeit zu dieser Frage untersuchte 153 merlefarbene Hunde aus zehn Rassen, darunter 15 Collies. Von diesen 15 hörten 13 beidseitig, zwei waren einseitig taub, keiner beidseitig; die beiden einseitig tauben gehörten zu den drei doppelt merlefarbenen Tieren.[4] Das sind sehr kleine Zahlen und für sich genommen keine Häufigkeit für die Rasse. Über alle zehn Rassen hinweg waren von den doppelt merlefarbenen Hunden 10 Prozent einseitig und 15 Prozent beidseitig taub.
Hüftgelenke. Im Röntgenprogramm des britischen Kennel Club wurden über fünfzehn Jahre 574 Langhaarcollies ausgewertet, der Rassemedian liegt bei einem Hüftwert von 9 auf einer Skala von 0 bis 106, bei der niedrigere Werte besser sind.[5] Zum Vergleich: Bearded Collie 9, Border Collie 10, Australian Shepherd 10, Airedale Terrier 11.
Lebensdauer. Die größte verfügbare Auswertung stützt sich auf 584.734 Hunde aus britischen Datenquellen und kommt für den Collie auf ein medianes Lebensalter von 13,3 Jahren, Konfidenzintervall 13,3 bis 13,6, gegenüber 12,0 Jahren bei Mischlingen, 12,7 Jahren bei Rassehunden insgesamt und 11,9 Jahren bei großen Rassen.[6] Die Rasse ist dort mit 2.171 Tieren und 1.104 Sterbefällen vertreten. Auch diese Arbeit führt nur „Collie“ und trennt Langhaar und Kurzhaar nicht, während Bearded Collie und Border Collie eigene Zeilen haben; die Rassebezeichnung kam als freier Text von achtzehn Datenlieferanten.
Quellen: [1] Firdova und andere (2016), Research in Veterinary Science 106, S. 89 bis 92 (Zusammenfassung frei). [2] Geyer und andere (2005), Journal of Veterinary Pharmacology and Therapeutics 28, S. 545 bis 551 (Zusammenfassung frei). [3] Walser-Reinhardt, Hässig und Spiess (2009), Schweizer Archiv für Tierheilkunde 151, S. 597 bis 603 (Volltext frei). [4] Strain und andere (2009), Journal of Veterinary Internal Medicine 23, S. 282 bis 286 (Volltext frei). [5] British Veterinary Association und Kennel Club, Hip Dysplasia Scheme Breed Specific Statistics 2024 (Berichtsangabe). [6] McMillan und andere (2024), Scientific Reports 14:531, Rassewerte in Supplementary Table S3 (Volltext frei).
Die Methode bei dieser Rasse
Ihr seid auf einer Wiese, der Langhaarcollie ist ein Stück entfernt, am Rand kommt ein anderer Hund vorbei. Was jetzt geschieht, ist leicht zu übersehen, weil es an den Ohren beginnt. Eben lagen sie noch zurückgelegt und fast unsichtbar in der Mähne, jetzt kommen sie nach vorn und richten sich halb auf. Erst dann dreht er den Kopf zu dir. Das ist seine Rückfrage, und sie hat schon an den Ohren begonnen. Bleibt die Antwort aus oder wird aus ihr ein mehrfaches Rufen ohne klare Aussage, entscheidet der Hund irgendwann selbst.
Genau hier setzt bei Anton Fichtlmeier die Binärsprache an. Auf eine solche Rückfrage gibt der Mensch eine klare Richtung: JA oder NEIN. Nicht die Lautstärke entscheidet darüber, sondern ob die Rückmeldung für den Hund eindeutig ist. Dazu müssen Gestimmtheit, Stimme, Mimik, Gestik und Körperhaltung zusammenpassen. Ein NEIN, das der Körper gleichzeitig wieder zurücknimmt, ist ebenso unklar wie ein JA, das ohne Überzeugung gegeben wird. Gerade ein Hund, der seinen Menschen aufmerksam beobachtet, nimmt solche Widersprüche sehr genau wahr.
Für diese Rasse kommt noch etwas hinzu. Ihr Standard nennt den Ausdruck von größter Wichtigkeit und beschreibt genau diesen Moment: die Ohren, die nach vorn kommen, sobald die Aufmerksamkeit geweckt ist, und den lebhaften, wachsamen Blick beim Lauschen. Wer darauf achtet, sieht die Rückfrage, bevor sich der Kopf dreht. Damit trifft die Anlage des Collie auf einen weiteren Grundgedanken der Fichtlmeier-Methode: Vieles wird über Geste, Körpersprache und Symbolik vermittelt, statt den Hund mit immer neuen Worten zu steuern. Ein Collie, dessen Rückfragen zuverlässig beantwortet werden, wird weiter Rückfrage halten.
Wie sich eindeutige Signale aufbauen und über Entfernung halten lassen, beschreibt Anton Fichtlmeier in seinen Büchern und Onlinekursen, siehe Empfehlung.
Kurz zusammengefasst
- Seine Anlage stammt vom schottischen Hang, weit weg vom Menschen arbeiten und die Verbindung über den Blick halten. Im Familienhund ist sie unverändert da.
- Schon 1907 warnte ein Kenner, dass zu viel Gewicht auf den Kopf aus dem Schäferhund einen Zierhund macht.
- Das Bild aus den Filmen stimmt bei der Aufmerksamkeit und täuscht bei der Selbstständigkeit. Dieser Hund denkt nicht für dich mit, er sieht zu dir her.
- Ein einmaliger Gentest genügt, damit jeder behandelnde Tierarzt weiß, welche Mittel er meiden oder niedriger dosieren muss. Außer beim Kurzhaarcollie ist der Defekt bei keiner in Europa untersuchten Rasse so verbreitet.
- Wer auf die Ohren achtet, sieht seine Rückfrage, bevor er den Kopf dreht, und kann sie eindeutig beantworten.
Empfehlung
Für die Erziehung und Ausbildung des Langhaarcollies passen folgende Angebote von Anton Fichtlmeier:
Bücher: Grunderziehung für Welpen, Der Hund an der Leine und Suchen und Apportieren.
Onlinekurse:
Weiterführende Informationen zur Fichtlmeier-Methode, zu Büchern, Seminaren und lizenzierten Hundeschulen findest du auf fichtlmeier.de.
Mitreden
Das Reel zu dieser Rasse findest du auf Instagram. Wenn du Fragen hast oder eigene Erfahrungen gemacht hast, diskutier dort mit.
Belege und Quellen
Zeitgenössische Quelle
James C. Dalgliesh, „The Collie“, Kapitel IX in: Robert Leighton (Herausgeber), „The New Book of the Dog“, Cassell and Company, London 1907, S. 98 bis 111 (Volltext frei). Verfasser des Kapitels ist Dalgliesh, so die Kapitelüberschrift auf S. 98. Alle Zitate und Seitenzahlen am 10. und 11. September 2026 am Originalscan gegengelesen. Gemeinfrei. Vollständige Angabe siehe Quellen.
Arbeit und Herkunft
Sammelbeleg für „Die Entstehung der Rasse“, erster Absatz, und für „Ursprüngliche Verwendung und Entwicklung“: Dalgliesh, S. 99 bis 101, zur ungeklärten Herkunft, zu Schäfern, Bauern, Metzgern und Viehhändlern als Haltern und zur Arbeit auf den Schafweiden; S. 101 zu Kep und seinen Hüteprüfungen.
Historische Abbildung
Dalgliesh, S. 106. Unter der Aufnahme steht gedruckt „Mr. R. A. Tait’s Ch. Wishaw Leader“, darunter die Abstammung und „Photograph by C. Reid, Wishaw“. Der Fotograf Charles Reid lebte von 1837 bis 1929, die Aufnahme ist damit gemeinfrei.
Steckbriefdaten
FCI-Rassestandard Nr. 156 (Volltext frei), Publikationsdatum des gültigen offiziellen Standards 8. Oktober 2012, deutsche Fassung. Gruppe, Sektion, Widerristhöhe, Farben, Ohren und Augen stammen direkt aus dem Standard, ein Gewicht legt er nicht fest. Der Standard beschreibt das Zuchtziel, nicht den durchschnittlichen Hund.
Trennung von Langhaar und Kurzhaar
Endgültige Anerkennung des Kurzhaarcollie durch die FCI: Rasseseite der FCI (Berichtsangabe). Verpaarung beider bis Ende 1993 und getrennte Führung in Großbritannien seit 1994: Smooth Collie Club of Great Britain, Seite zur Rasse (Vereinsangabe).
Vereinsgeschichte
„The Collie Club“ 1881 und British Collie Club 1924: Rough Collie Breed Council, Seite zum British Collie Club (Vereinsangabe). Gründungsjahr 1889 des in Deutschland betreuenden Vereins: Club für Britische Hütehunde e. V. (Vereinsangabe). Deutsche Collieklubs im Jahr 1907: Dalgliesh, S. 106. Beobachtungsliste und Liste der gefährdeten heimischen Rassen: Royal Kennel Club, Vulnerable native breeds, Stand 2025 (Berichtsangabe).
Bild aus Film und Roman
Eric Knight, „Lassie Come-Home“, erstmals 1940 bei The John C. Winston Company erschienen, nachgewiesen im Katalog von Open Library (Berichtsangabe).
MDR1, Wirkung und Wirkstoffe
Blut-Hirn-Schranke, betroffene Wirkstoffe und die Lage bei Hunden mit einer Kopie: Dekel und andere (2017), BMC Veterinary Research, Einleitung (Volltext frei). Mittel zur Narkosevorbereitung und die Dosisverringerung auch bei einer Kopie: Washington State University, Veterinary Teaching Hospital, „Is your pet at risk of an adverse reaction to common drugs?“, 5. August 2021 (Berichtsangabe).
Fellpflege
Bürsten alle ein bis zwei Wochen und der Verlust der Unterwolle bei häufigerem Bürsten: Rasseseite Collie (Langhaar) des VDH (Vereinsangabe). Das regendichte Haarkleid als Ziel: Dalgliesh, S. 101.
Merle, nicht immer sichtbar
Träger ohne sichtbares Muster und das auf Zobel nicht immer erkennbare Merle: Strain und andere (2009), Diskussion, Nachweis unter „Zahlen und Studien zur Gesundheit“, Quelle 4. Der Standard von 1907 mit blauen Augen bei Merle und der Farbe als unerheblich: Dalgliesh, S. 111.
Rechtslage zur Merle-Verpaarung
Tierschutzgesetz Paragraph 11b (Volltext frei) sowie das Gutachten zur Auslegung von Paragraph 11b des Tierschutzgesetzes, Verbot von Qualzüchtungen, Sachverständigengruppe Tierschutz und Heimtierzucht im Auftrag des BML, vom 2. Juni 1999 (Volltext frei), Merlesyndrom Abschnitt 2.1.1.1.7, S. 23 bis 24. Ländervergleich und Einordnung stehen im Sachthema Qualzucht.
Gesundheitszahlen
stehen unter „Zahlen und Studien zur Gesundheit“ weiter oben.
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