English Setter

FCI-Gruppe
Gruppe 7 Vorstehhunde, Sektion 2.2 Britische und irische Vorstehhunde, Setter, mit Arbeitsprüfung
FCI-Standard
Nr. 2, Fassung vom 28. Juli 2009
Ursprungsland
Großbritannien
Ursprüngliche Verwendung
Vorstehhund auf Moor und Stoppel, findet und hält das Wild vor dem Schuss
Heutige Verwendung
Vorstehhund im Feld und auf Prüfungen, daneben Begleithund
Format
Eleganter Vorstehhund mit klar umrissener Silhouette und langem, seidigem Haar
Widerristhöhe (FCI-Standard)
Rüden 65 bis 68 cm, Hündinnen 61 bis 65 cm
Gewicht (FCI-Standard)
Im FCI-Standard nicht festgelegt
Fell und Fellpflege
Lang, seidig, leicht gewellt, Befederung an Läufen und Rute, regelmäßig bürsten
Typische Merkmale
Beltontüpfelung in Blau, Orange, Zitronengelb oder Leberbraun, auch Tricolour, tiefe Behänge
Lebenserwartung
Rund 13,1 Jahre im Median
Gesundheit im Blick
Schilddrüse, angeborene Taubheit, Hüften und Ellbogen, neuronale Ceroid-Lipofuszinose

Das erwartet dich

  • Warum diese Rasse ihren Namen davon hat, dass sie sich hinlegt, und was das mit einem Netz zu tun hat
  • Warum die deutsche Begeisterung für englische Jagdhunde damals abkühlte, und was das über beide Zuchtwege sagt
  • Woher die Farbbezeichnung Belton kommt und was sie mit einem Dorf in Northumberland zu tun hat
  • Welches Gesundheitsthema bei dieser Rasse mit Abstand die deutlichsten Zahlen hat
  • Was ein Setter tut, wenn er etwas gefunden hat, und warum sein Mensch es oft falsch versteht

Film

Bevor es in Geschichte und Wesen des English Setter geht, sieh ihn dir zunächst im Bild an.

Abb.: „Englischer Setter. „Daisy“ mit Jungen. Bes.: L. D. Peterßon, Satscrup.“, aus: Emil Ilgner, „Gebrauchs- und Luxushunde“, Creutz’sche Verlagsbuchhandlung, Magdeburg 1902 (Gemeinfrei).

Material zum Reel: @setter_rosalie

Kurzbeschreibung

Ein English Setter fällt zuerst über sein Haar auf: lang, seidig, leicht gewellt, an Läufen und Rute als Befederung herabhängend, und über den ganzen Körper eine feine Tüpfelung, die der Standard großen Farbflecken ausdrücklich vorzieht. Darunter steckt ein mäßig langer Körper mit tiefer Brust auf trockenen Läufen, der Kopf wird hoch getragen, die Behänge liegen in Falten an der Wange. Gebürstet werden muss er regelmäßig, vor allem an der Befederung. Sein Gesicht wirkt sanft, und der Rassestandard scheint das zu bestätigen: Dort steht „besonders freundlich und gutmütig“. Einen Satz davor steht allerdings auch „sehr aktiv mit ausgeprägtem Jagdsinn“, und dieser zweite Satz ist der, der den Alltag mit ihm bestimmt.

Wie die Rasse um 1900 beschrieben wurde

Als Emil Ilgner 1902 sein Buch über Gebrauchs- und Luxushunde herausbringt, schaut er auf eine Rasse, die eben noch am Boden lag. Die Setterzucht sei stufenweise verfallen, schreibt er, durch Kreuzungen und Vernachlässigung sei aus der großen Mehrheit ein Gemisch entstanden, „welches eine Verschiedenheit der Formen zeigte wie kaum eine andere Rasse“. Wie weit das ging, zeigt sein Beleg dafür: Englische, Gordon- und irische Setter wurden auf Ausstellungen noch gemeinsam in einer einzigen Klasse gerichtet, alle drei Rassen zusammen in einem Ring. Erst mit den siebziger Jahren habe die Rasse „in ihrer Heimat einen besonderen Aufschwung genommen“, und das Verdienst daran schreibt Ilgner einem einzigen Züchter zu: Das Blut der Hunde von Mr. Laverack finde sich „in allen Stammbäumen der Koryphäen der Jetztzeit“ (Ilgner, Gebrauchs- und Luxushunde, 1902, S. 86 und 88).

Der Satz, der von Ilgner geblieben ist, steht aber woanders und hat mit Zucht nichts zu tun. „Der englische Setter ist von Ansehen schön, aber zart erscheinend, letzterer Eindruck wird durch seine Neigung, sich zu ducken und furchtsam auszusehen, noch erhöht, ohne daß der Hund wirklich furchtsam wäre“ (S. 88 und 89). Ilgner beschreibt hier nicht das Wesen des Hundes. Er warnt davor, es aus seiner Haltung abzulesen, und diese Warnung ist über 120 Jahre alt.

An einer Stelle wird Ilgner grundsätzlich. Er fragt, warum die deutsche Begeisterung für englische Hunde wieder abgekühlt sei, und findet die Antwort nicht im Setter, sondern im Vergleich. Setter und Pointer hätten „nur das freie Feld als Domäne“ und leisteten dort „lediglich Vorstehhunddienste“, denn zum Apportieren, Stöbern und für die Wasserarbeit verwende der Engländer andere Rassen, „während der deutsche Hund alle diese Leistungen auf sich nimmt“ (S. 88). Das ist kein Urteil über die Güte des Setters, sondern über zwei verschiedene Zuchtabsichten. Der eine Weg führt zum Spezialisten, der andere zum Hund, der alles können soll.

Robert Leighton sieht 1910 in England zwei Vorfahren am Werk. Die eine Seite komme von den Spaniels her; alte Bilder arbeitender Setter zeigten Hunde, die dem alten leberbraun-weißen Spaniel sehr ähnlich sahen. Die andere schreibt er dem alten spanischen Pointer zu, und mit ihr das, was für ihn den Kern dieser Hunde ausmacht: „the staunchness and patience by which they hold their game spellbound until the shooter has time to walk leisurely up, even from a considerable distance“, in eigener Wiedergabe die Standfestigkeit und Geduld, mit der sie ihr Wild festhalten, bis der Schütze in aller Ruhe herankommen kann, auch aus großer Entfernung (Leighton, Dogs and All About Them, 1910, Kapitel XXIII, Abschnitt I).

Quelle: Emil Ilgner (1902), S. 86 bis 89, sowie Robert Leighton (1910), Kapitel XXIII, Abschnitt I. Vollständige Quellenangabe siehe Quellen.

Die Entstehung der Rasse

Diese Rasse beginnt nicht mit einem Hund, der steht, sondern mit einem, der sich hinlegt. Ein englischer Arzt beschreibt um 1570 einen Vogelhund, den seine Landsleute Setter nennen, und schildert ihn bei der Arbeit. Hat er den Vogel gefunden, hält er still und geht keinen Schritt weiter, „layeth his belly to the grounde and so creepeth forward like a worme“, legt sich also auf den Bauch und kriecht wie ein Wurm voran. Ganz nah an der Stelle legt er sich hin und zeigt sie mit den Pfoten an. Erst dann breitet der Mann hinter ihm sein Netz aus, und auf ein gewohntes Zeichen hin steht der Hund wieder auf und drückt die Vögel hinein (Caius, Of Englishe Dogges, 1576, S. 16, eigene Wiedergabe). Geschossen wurde bei dieser Jagd nicht.

Zwei Dinge stehen damit am Anfang, und beide sind heute noch zu sehen. Die tiefe, flache Haltung, aus der der Name der Rasse kommt. Und ein Hund, der die ganze Zeit auf den Menschen hinter sich achtet: Ohne einen Laut zu machen, folgt er dessen Winken und Gesten, nach vorn, zurück, nach rechts, nach links, und er beendet seine Arbeit erst auf ein Zeichen.

Aus dieser Wurzel wuchsen drei Schläge, der englische, der irische und der Gordon Setter, und sie trennten sich spät. Unterschieden wurden sie über Aussehen und Herkunft, nicht über die Arbeit; die ist nach Leighton bei allen dreien dieselbe und wird auf dieselbe Weise verrichtet. Lange liefen die englischen Hunde noch unter den Namen ihrer Linien, „Blue Beltons“ und „Laveracks“, bis der Kennel Club sie, wie Leighton berichtet, unter einer einzigen Bezeichnung zusammenfasste und die alten Namen nach und nach verschwanden.

Der Name Belton ist geblieben, und zwar im Rassestandard selbst. Eine Anmerkung dort erklärt, dass „Belton“ die feine Tüpfelung dieser Rasse bezeichnet, dass Belton ein Dorf in Northumberland ist und dass der Züchter, der die Rasse in ihrer heutigen Form geprägt hat, den Ortsnamen in seinem Buch dafür verwendete. Die Farbe dieses Hundes heißt also nach einem englischen Dorf.

In Deutschland ist der English Setter nie eine große Rasse geworden. Von den vier Setterrassen ist er hier die seltenste: 27 eingetragene Welpen in einem Jahr, beim Irish Red Setter im selben Jahr 226. Auch in seiner Heimat gilt er inzwischen als gefährdet. Betreut wird er hierzulande von zwei Vereinen; der jüngere von beiden ist 1981 eigens für diese Rasse gegründet worden und nennt in seiner Satzung ausdrücklich den „Erhalt und die Förderung der jagdlichen Anlagen und der jagdlichen Gebrauchsfähigkeit“ (Vereinsangabe).

Ursprüngliche Verwendung und Entwicklung

Die Aufgabe hat Leighton in einem Satz beschrieben: Der richtige Ort für diesen Hund sei entweder das Moor, wenn es um das schottische Moorhuhn geht, oder das Stoppelfeld und die Hackfrüchte, wenn im September die Hühnerjagd beginnt. Der Setter geht weit voraus, sucht die Fläche ab, nimmt Witterung auf und macht das Wild fest. Dann passiert lange nichts. Der Mensch geht heran, ohne Eile, und erst wenn er da ist, geht es weiter.

Was diese Arbeit von der eines deutschen Vollgebrauchshundes unterscheidet, hat Ilgner benannt: Sie endet vor dem Schuss. Apportieren, Stöbern und Wasserarbeit gehörten in England zu anderen Rassen. Beendet war damit seine Beteiligung an der Beute, nicht seine Verbindung zum Menschen. Der Hund, den Caius beschreibt, folgt vom ersten Schritt an ohne Laut den Zeichen seines Menschen und hört auch erst auf ein Zeichen wieder auf. Dieser Teil ist geblieben, lange nachdem die Netze verschwunden waren. Der English Setter ist also nicht ein Hund, der weniger kann, sondern einer, der auf einen Ausschnitt hin gezüchtet wurde, und der ist bis heute sein Maß.

In Deutschland wird nur ein Teil dieser Hunde jagdlich geführt, und ihre Zahl ist klein. Beide betreuenden Vereine sind jagdlich ausgerichtet und dem Jagdgebrauchshundverband angeschlossen, ihre Zuchtziele nennen die jagdliche Leistung ausdrücklich. Der übrige Teil lebt als Begleithund, doch das ändert an den Anlagen nichts. Die Nase, die Ausdauer und der Drang, eine Fläche abzusuchen, sind auch dann vorhanden, wenn niemand sie braucht.

Was diese Rasse heute prägt

Der Standard sagt zwei Dinge über das Wesen dieser Rasse, und sie stehen in zwei aufeinanderfolgenden Sätzen: „Sehr aktiv mit ausgeprägtem Jagdsinn. Besonders freundlich und gutmütig.“ Beim English Setter ist das kein Widerspruch. Die eine Hälfte ist die Nase und das Bedürfnis, mit ihr eine Fläche zu bearbeiten. Die andere ist ein Hund, der Menschen zugewandt ist, der Kontakt sucht, der sich anschließt.

Diese Nähe ist alt. Schon Caius beschreibt einen Hund, der bei der Arbeit ununterbrochen auf die Zeichen seines Menschen achtet, und Leighton sieht in der Abstammung die Spaniels. Über das Verhalten heutiger Hunde sagt das nichts. Es sagt nur, dass diese Zuwendung von Anfang an zu den Beschreibungen dieser Rasse gehörte. Im Alltag merkt man sie daran, dass ein English Setter den Kontakt nicht abreißen lässt, auch wenn er weit draußen arbeitet. Er kommt zurück, er schaut her, er nimmt wieder Anschluss. Wer daraus schließt, sein Hund sei besonders gut erzogen, täuscht sich: Der Hund bietet das von sich aus an, und was von selbst kommt, kann auch von selbst wieder aufhören.

Was Hundehalter heute erwarten, und woran sie sich reiben

Zu diesem Hund kommen viele über ein Bild, und das ist nicht neu. Leighton hielt fest, wenige Hunde würden mehr bewundert, und auch Ilgners Abschnitt über die Rasse handelt zu großen Teilen von Kopf, Behang, Haar und Farben. Wer heute auf einen English Setter stößt, sieht zuerst das seidige Haar, die Tüpfelung, den sanften Ausdruck. Der Schluss auf einen ruhigen, weichen Familienhund liegt nahe, und der Standard scheint ihn zu bestätigen, solange man nur den Satz über die Freundlichkeit liest und den davor überspringt.

Schwierig wird es, wenn dieser Hund keinen Boden bekommt, den er absuchen darf. Ein English Setter, der seine Nase nicht gebrauchen darf, wird nicht laut und macht keinen Ärger. Er wird still, und Stille wird selten als Beschwerde verstanden. Deshalb fällt bei dieser Rasse spät auf, dass etwas fehlt, und wenn es auffällt, dann meist draußen und auf einen Schlag: an dem Tag, an dem er zum ersten Mal in offenem Gelände steht und merkt, wozu er gebaut ist.

Der zweite Punkt ist das Haar, und er ist banal und täglich. Die Befederung an Läufen und Rute nimmt mit, was im Bewuchs liegt: Kletten, Grannen, Samen, Wasser, Lehm. Wer diesen Hund arbeiten lässt, bringt jedes Mal ein Stück Gestrüpp mit nach Hause. Wer ihn deshalb aus dem Bewuchs heraushält, nimmt ihm das, wofür er da ist.

Anforderungen, die diese Rasse stellt

Am meisten verlangt dieser Hund Zeit, und zwar nicht Zeit zum Laufen, sondern Zeit zum Suchen. Eine Stunde auf einer Wiese, auf der er die Nase gebrauchen darf, bringt ihm mehr als ein langer Marsch am Weg entlang. Das setzt einen Menschen voraus, der stehen bleiben und zusehen kann, auch wenn dabei äußerlich wenig passiert.

Zweitens kostet das Haar jeden Tag ein paar Minuten. Die lange Befederung an Läufen und Rute sammelt ein, was im Gestrüpp hängt, und Kletten und Grannen müssen heraus, bevor sie sich festsetzen. Auch die dicht anliegenden Ohren gehören regelmäßig angesehen. Das ist kein großer Aufwand, aber ein täglicher, und er wächst mit jeder Stunde, die dieser Hund draußen arbeitet.

Drittens braucht er eine Aufgabe, der jagdlich geführte Setter genauso wie der, der nie in ein Revier kommt. Zu ihm passt das Apportieren. Dass das Bringen früher nicht seine Sache war, spricht nicht dagegen: Es geht nicht darum, die alte Arbeit nachzustellen, sondern darum aufzugreifen, was dieser Hund von sich aus anbietet. Beim Apportieren endet die Arbeit beim Menschen und nicht beim Fund, und genau darin liegt für ihn der Anschluss. Aus demselben Grund passt die Personensuche, bei der sein Mensch die ganze Zeit mitgeht. Warum auch ein jagdlich geführter Hund eine solche Aufgabe braucht, steht im Sachthema Jagdverhalten.

Gesundheit im Blick

Das größte Thema dieser Rasse ist die Schilddrüse. In der amerikanischen Untersuchungsdatenbank OFA steht der English Setter beim Anteil auffälliger Schilddrüsenbefunde an erster Stelle aller dort geführten Rassen. Dahinter steckt eine Entzündung, bei der der Körper das eigene Schilddrüsengewebe angreift. Sie tut zunächst nichts Sichtbares; erst wenn genug Gewebe zerstört ist, stellt die Schilddrüse zu wenig Hormon her. Der zweite Punkt betrifft die Welpen. Bei Rassen mit weißer Tüpfelung kommen taube Tiere gehäuft vor, auf einem Ohr oder auf beiden, und in den ersten Lebenswochen lässt sich das mit einem Hörtest feststellen. Selten, aber schwer ist eine erbliche Erkrankung des Nervensystems. Für sie gibt es einen Gentest. An Hüften und Ellbogen liegt die Rasse dagegen nahe am Durchschnitt, und alt wird sie auch: Das mittlere Lebensalter liegt bei rund 13,1 Jahren, große Rassen erreichen im Schnitt 11,9. Die Zahlen dazu stehen im Block darunter.

Zahlen und Studien zur Gesundheit

Lebenserwartung. Die Überlebensanalyse von McMillan und anderen aus dem Jahr 2024 wertet 584.734 britische Hunde aus und weist für den English Setter ein medianes Überlebensalter von 13,1 Jahren aus, bei 596 erfassten Tieren und 238 Todesfällen; das 95-Prozent-Vertrauensintervall reicht von 12,7 bis 13,6 Jahren. Gegenüber der Vergleichsgruppe der Mischlinge, deren Median in derselben Arbeit bei 12,0 Jahren liegt, beträgt die Hazard Ratio 0,70 mit einem Vertrauensintervall von 0,62 bis 0,80. Für große Rassen insgesamt weist die Arbeit 11,9 Jahre aus.[1]

Schilddrüse. Die amerikanische Screeningdatenbank OFA führt für den English Setter 2.266 Schilddrüsenbefunde. Davon sind 60,4 Prozent unauffällig, 1,1 Prozent zeigen eine Autoimmunthyreoiditis und 23,4 Prozent deren kompensierte Form, bei der Antikörper nachweisbar sind, ohne dass die Hormonwerte schon abweichen. Über alle Rassen lauten dieselben Werte 84,8 Prozent, 0,4 Prozent und 4,5 Prozent. Die Datenbank führt den English Setter damit auf Rang 1 aller gelisteten Rassen.[2] Abruf am 3. September 2026. Es handelt sich um eine US-Population mit freiwilliger Einsendung, und eine Rasse mit bekanntem Thema wird häufiger untersucht.

Angeborene Taubheit. Eine britische Auswertung von 2020 untersuchte 447 English-Setter-Welpen, die zwischen 2000 und 2018 im Alter von fünf bis zehn Wochen einen Hörtest bekamen, jeweils ganze Würfe. Bei 427 Welpen, also 95,5 Prozent, war das Gehör beidseits normal. Einseitig taub waren 3,6 Prozent, beidseits 0,9 Prozent, zusammen 4,5 Prozent. In der logistischen Regression der Autoren liegt die Chance, betroffen zu sein, bei Hündinnen 3,3-mal höher als bei Rüden und bei Welpen ohne einen geprüft hörenden Elternteil 4,6-mal höher.[3] Die amerikanische OFA kommt an 704 Hörtests auf 3,3 Prozent auffällige Befunde.[2]

Hüften und Ellbogen. Im britischen Hüftprogramm von BVA und Kennel Club liegt der Rassemedian der letzten fünf Jahre bei 11 Punkten, gemessen an 249 Hunden; die Einzelwerte reichen von 4 bis 103.[4] Die OFA kommt an 13.432 Hüftauswertungen auf 15,3 Prozent dysplastische Befunde gegenüber 14,2 Prozent über alle Rassen, an 4.951 Ellbogenauswertungen auf zusammen 14,8 gegenüber 12,0 Prozent.[2] Beides liegt nahe am Durchschnitt.

Neuronale Ceroid-Lipofuszinose. Für die seit Langem bekannte erbliche Nervenerkrankung dieser Rasse hat eine amerikanische Arbeitsgruppe 2005 eine Punktmutation im Gen CLN8 beschrieben. Sie trennte in einer Familie über zwei Generationen betroffene, anlagetragende und freie Hunde sauber nach dem Muster eines rezessiven Erbgangs, und 103 nicht verwandte Hunde trugen die Veränderung nicht.[5] Eine Häufigkeit in der Rasse nennt die Arbeit nicht, sie weist die Ursache nach und macht damit einen Gentest möglich.

Quellen: [1] McMillan und andere (2024), Longevity of companion dog breeds: those at risk from early death, Scientific Reports 14:531, Supplementary Table S3 (Volltext frei). [2] Disease Statistics, Orthopedic Foundation for Animals, Tabellen Thyroid, BAER Hearing Test, Hips und Elbow, abgerufen am 3. September 2026 (Berichtsangabe). [3] Marsh, Mellersh und andere (2020), Congenital sensorineural deafness in English setters in the United Kingdom: prevalence and association with phenotype and sex, Veterinary Record (Zusammenfassung frei). [4] Hip Dysplasia Scheme Breed Specific Statistics 2024, BVA und Kennel Club, Zeile English Setter (Berichtsangabe). [5] Katz und andere (2005), A mutation in the CLN8 gene in English Setter dogs with neuronal ceroid-lipofuscinosis, Biochemical and Biophysical Research Communications 327, S. 541 bis 547 (Zusammenfassung frei).

Die Methode bei dieser Rasse

In der Arbeit, für die dieser Hund gezüchtet ist, gibt es einen Moment, in dem der Mensch nichts tun soll. Der Hund hat Wild gefunden und zeigt an, wo es steckt. Bei dieser Rasse sieht das anders aus, als die meisten es erwarten: Sie richtet sich dabei nicht auf, sie geht hinunter. So steht es schon bei Caius, und daher hat die Rasse ihren Namen. Was der Mensch jetzt zu tun hat, schrieb Leighton 1910 auf: langsam herangehen, nicht rufen, nicht schneller werden, nicht eingreifen. Der Hund hält seine Stellung allein, bis sein Mensch bei ihm ist.

Im Alltag wird genau diese Haltung falsch gelesen, und der Grund liegt auf der Hand. Ein Hund, der flach wird, langsamer wird und den Kopf senkt, sieht nicht aus wie einer, der gerade etwas leistet, sondern wie einer, dem etwas fehlt. Sein Mensch sieht es durchaus, er weiß nur nicht, was der Hund gerochen hat. Also hilft er: geht hin, spricht ihn an, macht Mut, schnalzt und fordert ihn zum Weitergehen auf. Gut gemeint, und es beendet jedes Mal die Anzeige, mit der der Hund gerade gesagt hat, dass da etwas ist.

Wiederholt sich das, hört er irgendwann auf, es überhaupt noch zu zeigen. Das ist der eigentliche Verlust. Die Anzeige dieser Rasse ist ohnehin klein: ein Tiefergehen, kein Standbild, und wer sie abgewöhnt, hat danach nichts mehr zwischen einem Hund, der sucht, und einem Hund, der weg ist.

Zur Führung dieser Rasse gehört deshalb etwas, das schwerer ist, als es klingt: im entscheidenden Moment nicht einzugreifen und trotzdem da zu sein. Wie sich das aufbauen lässt und was der Hund währenddessen wahrnimmt, beschreibt Anton Fichtlmeier in seinen Büchern und Onlinekursen, siehe Empfehlung. Was das Vorstehen jagdlich bedeutet, steht im Sachthema Jagdverhalten.

Kurz zusammengefasst

  • Sein Name kommt davon, dass er sich hinlegt. Diese tiefe Haltung ist bis heute die Art, wie er anzeigt, dass er etwas gefunden hat.
  • Wer sie für Unsicherheit hält und ihm helfen will, bringt sie ihm ab. Danach fehlt die Vorwarnung.
  • Gesundheitlich steht die Schilddrüse ganz vorn, dazu kommen angeborene Taubheit und eine seltene Erbkrankheit des Nervensystems. Alt wird er trotzdem.
  • Von den vier Setterrassen wird er in Deutschland am seltensten eingetragen.
  • Was ihm fehlt, zeigt er nicht als Ärger, sondern als Stille. Deshalb fällt spät auf, wenn er zu wenig zu tun hat.

Empfehlung

Für die Erziehung und Ausbildung des English Setter passen folgende Angebote von Anton Fichtlmeier:

Bücher: Die Prägung des Jagdhundwelpen, Grunderziehung für Welpen, Suchen und Apportieren und Die Ausbildung des Jagdhundes.

Onlinekurse:

Weiterführende Informationen zur Fichtlmeier-Methode, zu Büchern, Seminaren und lizenzierten Hundeschulen findest du auf fichtlmeier.de.

Mitreden

Das Reel zu dieser Rasse findest du auf Instagram. Wenn du Fragen hast oder eigene Erfahrungen gemacht hast, diskutier dort mit.

Belege und Quellen

Zeitgenössische Quelle, deutsch
Emil Ilgner, „Gebrauchs- und Luxushunde“, Creutz’sche Verlagsbuchhandlung, Magdeburg 1902, S. 86 bis 89. Alle Zitate und Seitenzahlen wurden am 3. September 2026 an den Originalscans der Doppelseiten 86/87 und 88/89 gegengelesen, nicht an der Lesekarte. Ilgner starb 1942, das Werk ist gemeinfrei. Vollständige Angabe siehe Quellen.

Älteste Quelle, die Arbeit und Name erklärt
John Caius, „De Canibus Britannicis“, 1570, in Abraham Flemings englischer Fassung „Of Englishe Dogges“, 1576, Abschnitt „The Dogge called the Setter, in Latine Index“, gedruckte S. 16. Nach dem Volltext bei Project Gutenberg (Volltext frei), der die Cambridger Ausgabe von 1912 wiedergibt. Das Zitat steht im englischen Wortlaut, die deutsche Fassung daneben ist eigene Wiedergabe. Gemeinfrei.

Zeitgenössische Quelle, britisch
Robert Leighton, „Dogs and All About Them“, 1910, Kapitel XXIII „The Setters“, Abschnitt I, benutzt nach dem Volltext bei Project Gutenberg (Volltext frei). Diese Ausgabe trägt keine Seitenzählung. Das englische Zitat steht im Wortlaut, die deutsche Fassung daneben ist eigene Wiedergabe. Gemeinfrei.

Entstehung und Verwendung
Sammelbeleg für die Abschnitte „Die Entstehung der Rasse“ und „Ursprüngliche Verwendung und Entwicklung“. Aus Caius stammen Arbeitsweise, Netzjagd und Namensherkunft, aus Leighton die drei Setterschläge, die gleiche Arbeit aller drei, die Linienbezeichnungen samt ihrer Zusammenfassung durch den Kennel Club sowie Moor, Stoppel und Hackfrüchte, aus Ilgner die deutsche Vorgeschichte. Fundstellen bei den drei Quellen oben.

Steckbriefdaten
FCI-Rassestandard Nr. 2 (Volltext frei), Publikation des gültigen offiziellen Standards am 28. Juli 2009, benutzt in der deutschen Übersetzung von Jochen Mahlfeldt. Gruppe, Sektion, Widerristhöhe, Haar, Farbe und Wesen stammen daraus, ein Gewicht legt der Standard nicht fest. Der Standard beschreibt das Zuchtziel, nicht den durchschnittlichen Hund.

Belton und Laverack
Anmerkung der Standard-Kommission im FCI-Standard Nr. 2, Abschnitt Farbe. Von dort stammen die Erklärung der Tüpfelung, das Dorf Belton in Northumberland und die Zuschreibung an den Züchter, der die Rasse in ihrer heutigen Form geprägt hat.

Historische Abbildung
Ilgner 1902, ganzseitige Tafel gegenüber S. 86, ohne gedruckte Seitenzahl, im Buchblock an der Stelle von S. 87. Der gedruckte Bildtitel steht in der Bildunterschrift im Wortlaut. Es handelt sich um eine Autotypie nach einer Fotografie; der Fotograf ist im Buch nicht genannt.

Vereine in Deutschland
Verein für Pointer und Setter e. V., Gründungsjahr 1902 (Vereinsangabe). English Setter Club Deutschland e. V., Seite „Über uns“, Neugründung im August 1981, dort auch der zitierte Satzungszweck (Vereinsangabe). Beide sind Mitglied im VDH und im JGHV.

Bestandszahlen
Großbritannien: Vulnerable native breeds, The Royal Kennel Club, Liste der gefährdeten einheimischen Rassen mit den Eintragungszahlen 2016 bis 2025, abgerufen am 3. September 2026 (Berichtsangabe). Deutschland: Welpenstatistik der VDH-Mitgliedsvereine, Zeilen der vier Setterrassen, Jahr 2025: English Setter 27, Irish Red and White Setter 44, Gordon Setter 116, Irish Red Setter 226, abgerufen am 3. September 2026 (Berichtsangabe).

Gesundheitszahlen
stehen unter „Zahlen und Studien zur Gesundheit“ weiter oben.

Qualzuchtgutachten
Gutachten zur Auslegung von Paragraph 11b des Tierschutzgesetzes, Sachverständigengruppe Tierschutz und Heimtierzucht, vom 2. Juni 1999 (Volltext frei), am 3. September 2026 im Volltext nach der Rasse durchsucht. Der English Setter kommt darin nicht vor; genannt ist unter dem Blue-Dog-Syndrom allein der Irish Setter.