Wer heute etwas über eine Hunderasse wissen will, findet überall dasselbe. Die Beschreibungen gleichen sich bis in die Formulierungen, weil sie voneinander abgeschrieben sind. Wo der Ursprung liegt, lässt sich meist nicht mehr feststellen.
Deshalb arbeiten wir mit Büchern, die vor dieser Zeit entstanden sind. Sie stammen aus den Jahrzehnten um 1900, aus Deutschland, Frankreich und England, und ihre Verfasser schrieben aus eigener Anschauung. Sie hatten die Hunde vor sich, die sie beschrieben.
Diese Seite sagt, welche Werke das sind, was sie taugen, wo Vorsicht geboten ist und wo du sie selbst nachlesen kannst.
Was diese Bücher anders machen
Sie berichten aus der Gegenwart, nicht im Rückblick. Wenn Strebel 1905 über den Dackel schreibt, beschreibt er die Hunde, die er auf den Ausstellungen seiner Zeit gesehen hat, nicht das, was hundert Jahre später über sie erzählt wird.
Sie kritisieren offen. Zuchtentscheidungen, Modeerscheinungen und Richterurteile werden benannt und angegriffen. In heutigen Rassebeschreibungen fehlt diese Stimme fast vollständig.
Sie zeigen, wie die Rassen damals aussahen. Viele dieser Bücher sind durchgehend illustriert, und die Abbildungen sind oft aussagekräftiger als der Text.
Und sie sind gemeinfrei. Wir können daraus zitieren und die Abbildungen zeigen, ohne dass jemand um Erlaubnis gefragt werden müsste.
Wie wir damit arbeiten
Wir nutzen Originalausgaben, keine Nachdrucke und keine Zusammenfassungen.
Wörtliche Zitate behalten die Schreibweise der Quelle, auch wo sie heute falsch aussieht.
Jedes Zitat trägt Band und Seite der gedruckten Ausgabe, nicht die Seite eines PDFs.
Fremdsprachige Stellen stehen im Original mit Übersetzung.
Wo eine Angabe nicht am Digitalisat oder Scan gegengelesen wurde, steht das im Beleg des jeweiligen Portraits.
Richard Strebel, 1903 bis 1905
Die deutschen Hunde und ihre Abstammung, mit Hinzuziehung und Besprechung sämtlicher Hunderassen, zwei Bände, München. Die Hauptquelle für alle deutschen Rassen.
Strebel, 1861 bis 1940, war Hunde- und Landschaftsmaler und zugleich kynologischer Fachautor. Von seinen 448 bekannten Bildern zeigen 337 Hunde. Er illustrierte sein Buch vollständig selbst, überwiegend mit Federzeichnungen nach eigenen Gemälden.
Genau das macht das Werk einzigartig und zugleich angreifbar: Bild und Text stammen aus einer Hand und aus einem Urteil. Wo Strebel einen Rassetyp für verfehlt hielt, konnte er das auch zeichnerisch mitteilen.
Zu beachten ist außerdem, dass Strebel nicht jede heutige Rasse behandelt. Wo er eine Rasse nicht kennt, sagen wir das im Portrait, statt ein allgemeines Kapitel so aussehen zu lassen, als habe er sie gemeint. Beim Briard etwa zählt er die französischen Schäferhundschläge nur auf und schreibt ausdrücklich, deren Beschreibung liege nicht im Sinne seines Werkes.
Ein frei zugängliches Digitalisat gibt es nicht. Gesucht wurde bei archive.org, der Biodiversity Heritage Library, Google Books, HathiTrust, dem Münchener Digitalisierungszentrum und der Deutschen Digitalen Bibliothek. Vom Werk liegt digital nur ein Inhaltsverzeichnis vor. Es gibt einen Nachdruck des Kynos-Verlags von 1986, wir zitieren aber nach der Originalausgabe, damit Band- und Seitenangaben eindeutig bleiben. Die Scans fertigen wir selbst an.
Emil Ilgner, 1902
Gebrauchs- und Luxushunde, Magdeburg, Creutz’sche Verlagsbuchhandlung. 168 Seiten in Fraktur, mit einer Farbentafel und 90 Textabbildungen.
Ilgner, 1860 bis 1942, war preußischer Offizier und schrieb dieses Buch als Oberleutnant außer Dienst in Bad Soden am Taunus. Auf dem Titelblatt nennt er sich „Preisrichter auf deutschen, russischen, österreichischen, schwedischen, englischen, dänischen, belgischen u. holländischen Hundeausstellungen“. Mit dem Hundesport fing er 1880 als Leutnant in Minden an, 1882 kaufte er seinen ersten Teckel, der Erdmann hieß und dem Zwinger Erdmannsheim den Namen gab. 1888 gründete er mit Klaus Graf Hahn den Deutschen Teckelklub und war dessen erster Vorsitzender.
Für den Dackel ist er damit Quelle erster Hand. Wer bei Ilgner über den Teckel liest, liest keinen Beobachter, sondern den Mann, der den Klub gegründet hat, in dem die Rassekennzeichen festgelegt wurden.
Das Buch hat fünf Abschnitte: Allgemeines zu Geschichte, Zucht, Aufzucht, Pflege, Erziehung und Krankheiten, dann Gebrauchshunde, große, mittelgroße und kleine Luxushunde. Diese Einteilung ist selbst ein Zeitdokument. Ob ein Hund 1902 als Gebrauchs- oder als Luxushund gilt, entscheidet nicht die Rasse, sondern der Zweck, für den man ihn hält.
Vorsicht ist an drei Stellen geboten. Ilgner ist Partei: Er richtet die Rassen, die er selbst züchtet, und die Farbentafel des Buches zeigt zwei seiner eigenen Teckel. Jedes Rassekapitel endet mit einer Züchterliste samt Adressen, in der er und seine Frau vorkommen; das ist halb Nachweis, halb Anzeige. Und sein Motto lautet „Aus der Praxis für die Praxis“: Er will belehren, nicht forschen, und gibt im geschichtlichen Teil Sagen und Anekdoten ungeprüft weiter.
Ein frei zugängliches Digitalisat haben wir nicht gefunden. Gesucht am 17. August 2026 bei archive.org, HathiTrust, Google Books und der Deutschen Digitalen Bibliothek. Die Scans fertigen wir selbst an.
Henri de Bylandt, 1897
Les races de chiens. Leurs origines, points, descriptions, types, qualités, aptitudes et défauts, Brüssel. 1160 Seiten, 1392 Gravuren, 2064 abgebildete Hunde, 316 Rassen und Schläge.
Bylandt, 1860 bis 1943, war niederländischer Graf, Zuchtrichter und Verbandsfunktionär. Er trug als Privatmann zusammen, was damals kein Verband leistete: eine länderübergreifende Bestandsaufnahme aller ihm bekannten Rassen. Für Rassen ohne deutsche Überlieferung ist er oft die einzige zeitgenössische Quelle.
Der Text steht mehrsprachig in parallelen Spalten. Beim Zitieren gehört deshalb neben der Seite auch die Sprachspalte dazu.
Vorsicht bei den Standards: Wo es noch keinen Verbandsstandard gab, hat Bylandt selbst einen formuliert. Er dokumentiert also nicht nur, er normiert mit.
Digitalisate bei Gallica: Band 1 und 2, Band 3.
Eugène Gayot, 1867
Le Chien: histoire naturelle, races d’utilité et d’agrément, reproduction, éducation, hygiène, maladies, législation, Paris, 698 Seiten, mit einem Atlas von 67 Tafeln und 127 Figuren.
Gayot, 1808 bis 1891, war französischer Veterinär und Generalinspekteur der staatlichen Gestüte. Seine Autorität kam aus der Pferdezucht, und er übertrug deren Systematik von Rasse, Leistung und Zuchtwahl auf den Hund.
Das Buch ist dreißig Jahre älter als Bylandt und damit unsere früheste ausführliche Quelle für die französischen Rassen.
Vorsicht ist an zwei Stellen geboten. Der medizinische und der rechtliche Teil sind historisch zu lesen, nicht sachlich. Und Gayot gibt an mehreren Stellen andere Autoren wieder, ohne dass das auf den ersten Blick auffällt; beim Briard etwa stammt die Beschreibung des chien de Brie von Pierre Pichot, nicht von Gayot selbst.
Digitalisat bei archive.org.
Pierre Mégnin, 1883 bis 1900
Le chien et ses races, vier Bände, dazu Einzelschriften wie Le dogue de Bordeaux von 1896.
Mégnin, 1828 bis 1905, war französischer Militärveterinär, Parasitologe und Kynologe. Von ihm stammt die Einteilung der Hunderassen in lupoide, molossoide, braccoide und graioide Formen, die bis heute verwendet wird. Sie ist eine Formtypologie, keine Aussage über Abstammung, wird aber oft als solche missverstanden.
Nicht zu verwechseln mit seinem Sohn Paul Mégnin, 1868 bis 1952, Journalist und Kynologe, der nach dem Tod des Vaters dessen Verlag und die Zeitschrift L’Éleveur übernahm. Wo wir Werke von 1906 oder später nennen, ist der Sohn gemeint.
Frei verfügbar sind Band 3 und Band 4. Band 1 und 2 sind nirgends digitalisiert.
Digitalisate bei Gallica: Band 3, 1897, Band 4, 1900.
Robert Leighton, 1907 und 1910
The New Book of the Dog, London 1907, und Dogs and All About Them, 1910.
Leighton, 1859 bis 1934, war britischer Journalist, langjähriger Hunderedakteur der Zeitschrift The Field und Zuchtrichter. Er schrieb nicht als Wissenschaftler, sondern als Fachredakteur mit Zugang zu Züchtern und Ausstellungen.
Das Werk von 1907 ist ein Sammelband mit Beiträgen zahlreicher Rassespezialisten; Leighton ist Herausgeber und Hauptautor zugleich. Bei einem Zitat aus einem Rassekapitel lohnt deshalb der Blick, wer es geschrieben hat. Das Buch von 1910 ist die knappere Bearbeitung desselben Stoffs.
Digitalisate: 1907 bei archive.org, 1910 bei Project Gutenberg.
Walter Esplin Mason, 1915
Dogs of All Nations, entstanden im Umfeld der Weltausstellung in San Francisco.
Mason war kein Zoologe, sondern der Zusammensteller eines Überblickswerks. Die Texte sind kurz und teils aus Verbandsstandards übernommen. Als Beleg für Herkunftsgeschichten taugen sie wenig.
Als Beleg für den Formzustand einer Rasse um 1915 dagegen sehr gut: Das Buch bringt einheitlich gestaltete Rasseportraits mit knappen Standardangaben und ist bis heute die meistreproduzierte Bildquelle zum Rassehund dieser Zeit.
Digitalisat bei Project Gutenberg.
Rozier 1784 und Buffon 1766
Zwei Texte aus der Zeit vor der Rassezucht, die wir dann heranziehen, wenn es um die Herkunft eines Typs geht und nicht um eine Rasse.
Im Cours complet d’agriculture, herausgegeben von Abbé François Rozier, steht in Band 3 von 1784 der Artikel CHIEN auf den Seiten 285 bis 293. Er ist nicht von Rozier selbst gezeichnet, sondern mit „M. T.“. Der Hund erscheint dort als landwirtschaftliches Nutztier, nicht als Rassetier. Das ist die beste Momentaufnahme dessen, was man 1784 praktisch über Hundehaltung wusste, ein halbes Jahrhundert vor der Entstehung der Rassezucht.
Buffons Abhandlung De la dégénération des animaux erschien 1766 im vierzehnten Band seiner Histoire naturelle. Sein Begriff der Degeneration meint nicht Verfall, sondern Abwandlung vom Urtyp durch Klima, Nahrung und Domestikation, also einen frühen Gedanken über Veränderlichkeit, lange vor Darwin. Zugleich enthält der Text klimatheoretische und rassenhierarchische Passagen über Menschen, die nur mit Einordnung zitierbar sind. Wir behandeln Buffon deshalb ausdrücklich als historische Sichtweise.
Digitalisate: Rozier bei Wikisource/CHIEN), Buffon bei Wikisource.
Was man beim Lesen beachten muss
Diese Bücher sind Kinder ihrer Zeit. Was darin über Vererbung, Abstammung und Rassenbildung steht, ist überholt, und manches ist heute unlesbar.
Sie verfolgen eigene Absichten. Ein Autor, der zugleich Richter ist, beschreibt nicht nur, er wertet. Ein Autor, der einen Standard aufschreibt, wo es noch keinen gibt, entscheidet mit.
Und Zeitzeugenschaft ist keine Garantie für Richtigkeit. Wer dabei war, kann sich trotzdem irren, und wer eine Rasse liebt, sieht sie anders als sein Nachbar.
Wir zitieren diese Werke deshalb als das, was sie sind: als Stimmen ihrer Zeit. Wo eine Angabe heute widerlegt ist, sagen wir das im Portrait dazu.
Rassestandards, Vereine und Wikipedia
Die Steckbriefdaten der Portraits stammen aus den offiziellen Rassestandards der FCI und, wo eine Rasse dort nicht anerkannt ist, aus dem Standard des führenden Vereins.
Ein Standard beschreibt allerdings ein Zuchtziel und keinen durchschnittlichen Hund. Wenn im Steckbrief eine Widerristhöhe steht, ist das die Vorgabe, nicht der Messwert an einem lebenden Tier. Wo wir das Wesen aus einem Standard zitieren, kennzeichnen wir es als Zitat.
Wikipedia dient als Ausgangspunkt für die Suche, nie als Beleg. Rassevereine und Züchter werden dort zitiert, wo sie selbst die Quelle einer Tatsachenangabe sind, etwa bei Vereinsdaten oder Zuchtauflagen.
Studien zur Gesundheit und zur Lebenserwartung werden in den Portraits einzeln nachgewiesen, mit Autor, Jahr und Fundstelle.
Stand dieser Seite: 17. August 2026. Alle Adressen zuletzt am 15. August 2026 geprüft.
