Jagdarten

Die eine jagdliche Arbeit gibt es nicht. Beim Ansitz soll der Hund liegen und nichts tun. Bei der Bewegungsjagd arbeitet er selbstständig im Dickicht und hält oft nur über seine Stimme Verbindung. Am Wasser soll er schwimmen, im Schilf stöbern und eine Ente aus der Deckung drücken.

Derselbe Hund, jedes Mal eine andere Anforderung.

Anton Fichtlmeier betrachtet die verschiedenen Jagdarten deshalb vor allem danach, was sie vom Hund verlangen. Diese Seite gibt einen Überblick darüber, was bei den einzelnen Jagdarten geschieht und welche Aufgaben der Hund dabei übernimmt.

Was davon zur Anlage des Hundes gehört und was erst im Zusammenspiel mit seinem Menschen entsteht, wird beim Thema Jagdverhalten näher betrachtet.

Jagd in Wald und Feld

Vier Jagdarten gehören in diesen Bereich. Ihnen ist gemeinsam, dass Mensch und Hund in Sicht- oder Rufweite miteinander arbeiten.

Der Ansitz

Der Jäger wartet in Deckung auf anwechselndes Wild, am Boden oder auf einem Hochsitz. Ein großer Teil des Wildes wird bei dieser Jagdart erlegt.

Vom Hund verlangt der Ansitz etwas, das einfach aussieht und dennoch ausgesprochen anspruchsvoll ist: liegenbleiben. Und zwar so lange, wie der Ansitz dauert. Er verharrt bei Wittrung, wenn Wild dicht an ihm vorbeizieht und auch nach dem Schuss.

Gleichzeitig nimmt der Hund häufig früher wahr als der Mensch, dass Wild anwechselt. Nase, Gehör und Bewegungswahrnehmung machen ihn dabei zu einem sensiblen Frühwarnsystem.

Die Pirsch

Bei der Pirsch nähern sich Jäger und Hund langsam und möglichst geräuschlos dem Wild. Das Tempo wechselt, immer wieder wird stehen geblieben.

Jedes unnötige Wort könnte zu viel sein. Deshalb spielt die Körpersprache eine besondere Rolle. Der Hund muss fortwährend wahrnehmen, was sein Mensch tut. Bleibt der Mensch stehen, bleibt auch der Hund stehen. Nimmt der Hund dagegen zuerst Wittrung auf und hält inne, reagiert der Mensch darauf.

Fichtlmeier bezeichnet die Pirsch deshalb als die „Königsdisziplin des Zusammenspiels zwischen Mensch und Hund“.

Die Suche im Feld

Der Vorstehhund sucht ein bestimmtes Gelände planmäßig gegen den Wind nach Niederwild wie Rebhuhn, Fasan oder Hase ab.

Er sucht dabei bogenrein und unter der Flinte. Findet er Wild, steht er vor und hält diese Position, während der Mensch herankommt.

Daneben gibt es weitere Jagdformen auf Niederwild, darunter Buschierjagd, Vorstehtreiben, Kesseltreiben und Böhmische Streife. Je nach Jagdart verändern sich dabei Arbeitsraum, Selbstständigkeit und Aufgabe des Hundes.

Suche und Streife mit mehreren Gespannen

Bei der Herbstjagd auf Niederwild arbeiten mehrere Hundeführer mit ihren Hunden innerhalb einer Treiber- und Schützenkette. Die Arbeitsbereiche der Hunde sollen sich möglichst nicht überschneiden.

Anders als bei der Einzelsuche muss der Hund dabei mit zahlreichen zusätzlichen Reizen umgehen. Fremde Hunde, andere Schützen, flüchtende Hasen, aufstiebende Vögel und Schüsse in unmittelbarer Umgebung dürfen ihn nicht von seiner Aufgabe abbringen.

Auch an der Strecke darf kein Beuteneid entstehen. Sobald geschossen wurde, kommt die Jagdgesellschaft zur Ruhe, bis das Wild aufgenommen oder gefunden ist.

Die Bodenjagd

Bei der Bodenjagd arbeitet der Hund unter der Erde, in Dunkelheit und Enge und ohne Sichtkontakt zu seinem Menschen. Er nimmt den Bau an, folgt der Fuchswittrung und setzt dem Fuchs so lange zu, bis dieser die Röhre verlässt.

Am Naturbau ist diese Jagdart nicht in allen Bundesländern erlaubt. Für den Menschen ist es deshalb entscheidend, den Bau und seine möglichen Risiken zu kennen: Kann sich der Hund darin verkeilen, befindet sich möglicherweise ein Dachs darin und wäre im Notfall eine Bergung möglich?

Vom Hund verlangt die Arbeit unter der Erde vor allem selbstständiges Entscheiden. Sein Mensch kann ihm dort weder zeigen, was zu tun ist, noch unmittelbar eingreifen.

Die Jagd am Wasser

Auf Enten und Gänse wird unter anderem vom Ufer aus gejagt, mit stöbernden Hunden im Schilfgürtel oder beim Absuchen von Bächen und Tümpeln.

Der Einsatz eines brauchbaren Jagdhundes hat dabei eine besondere Bedeutung für den Tierschutz. Eine verletzte Ente kann sich tief ins Schilf drücken und wäre ohne Hund unter Umständen kaum aufzufinden.

Der Hund verfolgt Schwimmspuren, sucht im Bewuchs und kann eine Ente aus der Deckung drücken oder greifen. Ein Vorstehhund muss er dafür nicht sein.

Die Grenze dieser Arbeit setzt der Körper. Kaltes Wasser, dichter Bewuchs, Strömung und lange Schwimmstrecken können einen Hund stark beanspruchen. Ein Hund, der nach dem Herauskommen nicht mehr ins Wasser zurück möchte, kann damit deutlich zeigen, dass seine Kräfte erschöpft sind.

Anton Fichtlmeier lehnt die Arbeit mit flugunfähig gemachten Enten ab. Aus seiner Sicht verfälscht sie die natürliche jagdliche Situation: Diese Enten tragen menschliche Witterung und zeigen nicht das Fluchtverhalten eines frei lebenden Wildvogels.

Die Bewegungsjagd

Unter Bewegungsjagd werden verschiedene Jagdformen wie Drückjagd, Riegeljagd, Stöberjagd und Treibjagd zusammengefasst. Das Wild wird in Bewegung gebracht und wechselt den abgestellten Schützen an.

Die Hunde arbeiten dabei häufig weiträumig und selbstständig, ohne ihren Führer unmittelbar neben sich. Wahrnehmbar bleiben sie vor allem durch ihren Laut, je nach Hund als Sicht-, Spur- oder Standlaut.

Gefordert ist ein Hund, der selbstständig Entscheidungen trifft, ohne in unkontrolliertes Hetzen zu geraten. Für die Arbeit am Schwarzwild fasst Fichtlmeier diesen Anspruch mit einem kurzen Satz zusammen:

„Jagen mit Hirn und nicht unkontrollierbares Hetzen.“

Weil bei Bewegungsjagden viele Hunde unterschiedlicher Führer gleichzeitig arbeiten, ist soziale Verträglichkeit eine Grundvoraussetzung. Ein Hund, der sich mit anderen Hunden auseinandersetzt, ist für diese Form der Jagd kaum einsetzbar.

Die Wundfährte

Ist ein beschossenes Stück Wild nicht am Anschuss verendet, muss es nachgesucht werden. Die Nachsuche ist keine Jagdart wie jede andere, sondern sie dient unmittelbar dem Tierschutz.

Der Hund arbeitet die Spur langsam und konzentriert aus, obwohl sie bereits älter sein kann und frischere Wildspuren daneben verlaufen. Er muss bei dieser einen Spur bleiben und darf sich nicht verleiten lassen.

Hat er das Wild gefunden, muss für den Hundeführer erkennbar sein, dass die Suche zum Ziel geführt hat. Wie ein Hund dies anzeigt, kann unterschiedlich sein.

Wann eine Nachsuche beginnt, entscheidet der Mensch anhand der Pirschzeichen am Anschuss und der vermuteten Verletzung. Je nach Treffer kann sie unmittelbar, erst nach mehreren Stunden oder am folgenden Morgen erfolgen.

Reichen Erfahrung oder Möglichkeiten des eigenen Gespanns nicht aus, wird gewöhnlich ein spezialisiertes Nachsuchengespann hinzugezogen.

Was alle Jagdarten verbindet

Die Anforderungen könnten unterschiedlicher kaum sein. Beim Ansitz soll der Hund nichts tun, bei der Boden- oder Bewegungsjagd muss er weitgehend selbstständig handeln. Bei der Pirsch ist engste Abstimmung gefragt, bei der Wundfährte Ausdauer und Spurtreue.

Trotzdem verbindet diese Arbeiten etwas: Der Hund handelt nicht einfach für sich.

Selbst dort, wo er eigenständig entscheiden muss, bleibt seine Arbeit Teil einer gemeinsamen Aufgabe mit dem Menschen. Fichtlmeier beschreibt dieses Verhältnis als Übereinkünfte, Absprachen zwischen Mensch und Hund, die auch dann Bestand haben müssen, wenn jagdliche Reize besonders stark werden.

Die Anlage entscheidet, wozu ein Hund fähig ist. Die Übereinkünfte entscheiden, ob er sie dort einsetzt, wo sie gebraucht wird.

Empfehlung

Buch von Anton Fichtlmeier: Die Ausbildung des Jagdhundes.

Welche Aufgaben ein Jagdhund ohne Revier braucht und welche Kurse dazu gehören, steht auf der Seite zum Jagdverhalten.

Weiterführende Informationen zur Fichtlmeier-Methode, zu Büchern, Seminaren und lizenzierten Hundeschulen findest du auf fichtlmeier.de.

Belege und Quellen

Der Rahmen des Praxisteils
Anton Fichtlmeier, „Die Ausbildung des Jagdhundes“, unter Mitarbeit von Gila Fichtlmeier und Julia Numssen. Die Aufschlüsselung der verbreiteten Jagdarten und die Anlage je eines Anforderungsprofils steht auf S. 6. Teil 1 umfasst S. 8 bis 89.

Jagd in Wald und Feld
Ebenda, S. 8. Unter dieser Kapitelüberschrift stehen vier Jagdarten: der Ansitz auf S. 9, die Pirsch auf S. 14, die Suche im Feld als Einzeljagd auf S. 17 und die Suche oder Streife mit mehreren Gespannen auf S. 24. Bodenjagd, Jagd am Wasser, Bewegungsjagd und Wundfährte stehen im Inhaltsverzeichnis auf derselben Ebene wie diese Kapitelüberschrift, nicht darunter.

Der Ansitz
Ebenda, S. 9 bis 13. Der Morgen- und Abendansitz als eine der meistverbreiteten Bejagungsstrategien und die Feststellung, dass der überwiegende Teil des Wildes seit jeher bei dieser Jagdart erlegt wird, auf S. 9. Der Hund als Frühwarnsystem ebenfalls auf S. 9 und 10. Die vier Fälle der Standruhe und das Abliegen im Bleib „unabhängig davon, wie lang sich der Ansitz hinzieht“ auf S. 10.

Die Pirsch
Ebenda, S. 14 bis 16. Die Königsdisziplin im Kasten „Den Hund lesen“ auf S. 15.

Die Suche im Feld
Ebenda, S. 17 bis 23. Bogenrein und unter der Flinte samt der Fünfzig-Meter-Grenze auf S. 17, ausführlich auf der Seite zum Jagdverhalten. Die weiteren Niederwildformen im Kasten „Die Jagdarten auf Niederwild“ auf S. 23. Bogenrein und unter der Flinte auch im Glossar „Fachbegriffe im Jagdhundewesen“, S. 247 bis 249.

Suche und Streife mit mehreren Gespannen
Ebenda, S. 24 bis 27. Die eiserne Regel und das Verhalten neben fremden Gespannen auf S. 25, der Beuteneid an der Strecke auf S. 26.

Die Bodenjagd
Ebenda, S. 30 bis 45. Der Ablauf und die Einschränkung am Naturbau auf S. 30 und 31.

Die Jagd am Wasser
Ebenda, S. 46 bis 57. Die Formen der Wasserjagd und die gesetzliche Pflicht zum brauchbaren Jagdhund auf S. 47. Die Arbeit an der geflügelten Ente auf S. 48 und 49. Die Ablehnung flugunfähig gemachter Enten auf S. 52. Der Satz „Die meisten Hunde können ihre Kondition sehr gut einschätzen“ und das Verbot, einen erschöpften Hund erneut ins Wasser zu zwingen, auf S. 55. Die körperliche Belastung im kalten Wasser auf S. 57.

Die Bewegungsjagd
Ebenda, S. 58 bis 75. Die Formen auf S. 58 und im Überblick auf S. 68, dort auch sicht-, fährten- und standlaut. Der Spurlaut auf S. 78 und 128; das Buch führt spurlaut und fährtenlaut nebeneinander, fährtenlaut auf S. 60, beide im Glossar. „Jagen mit Hirn“ im Schwarzwildgatter auf S. 69.

Die Wundfährte
Ebenda, S. 76 bis 89. Die Pirschzeichen und die Wartezeiten auf S. 77.

Übereinkünfte
Ebenda, S. 19 („Übereinkünfte prüfen“) sowie Glossar S. 247 bis 249.

Alle Seitenangaben nach der gedruckten Ausgabe. Das Buch ist nicht gemeinfrei; auf dieser Seite stehen kurze Wiedergaben mit Fundstelle und einzelne kurze Zitate, keine längeren Übernahmen. Stand: 24. August 2026.