FCI-Gruppe
Gruppe 2 Molossoide, Sektion 2.2 Berghunde, mit Arbeitsprüfung
FCI-Standard
Nr. 190, Fassung vom 21. März 2025
Ursprungsland
Deutschland
Ursprüngliche Verwendung
Hof- und Wachhund, ab 1922 neu gezüchtet
Heutige Verwendung
Gebrauchshund, dazu Begleit-, Wach-, Schutz-, Rettungs- und Fährtenhund
Format
Kraftvoller, mittelgroßer, leicht gestreckter Gebrauchshund im Langhaar
Widerristhöhe (FCI-Standard)
Rüden 63 bis 70 cm, Hündinnen 58 bis 65 cm
Gewicht (FCI-Standard)
Im FCI-Standard nicht festgelegt
Fell und Fellpflege
Kräftiges, leicht gewelltes Langhaar mit wenig Unterwolle, genügsam, regelmäßig bürsten
Typische Merkmale
Dreieckige Hängeohren, buschige Rute, Schwarzmarken, Schwarz oder Blond
Lebenserwartung
Rund 12,9 Jahre, Median des Sterbealters
Gesundheit im Blick
Schilddrüse, Hüftgelenke, OCD, degenerative Myelopathie, Lebershunt
Schwarzer Hovawart im Kopfbild, von schräg unten fotografiert, Fang geöffnet, Blick zur Seite, dahinter blauer Himmel und Büsche

Das erwartet dich

  • Warum ein Name, der seit dem frühen Mittelalter im Recht steht, noch keine alte Rasse macht
  • Was der Sachsenspiegel wirklich über den Wert eines Hofwarts sagt und welche zwei Erzählungen daran zerbrechen
  • Wie der Dienst eines Hofhunds aussah, Tag und Nacht, nach einer Anweisung von 1494
  • Welches Gesundheitsthema bei dieser Rasse an erster Stelle steht und an welcher anderen Stelle der Rassestandard mehr verspricht, als die Zahlen hergeben
  • Warum er an einem Ort wacht, an dem er zehn Minuten vorher nichts zu tun hatte

Film

Am Anfang dieser Rasse steht ein alter Name, am Ende ein junger Hund. Wie der aussieht und sich bewegt, zeigt der Film.

Pergamentseite einer Handschrift, links Text in gotischer Schrift, rechts eine Spalte mit Federzeichnungen von Menschen, Vögeln und Vierfüßern

Abb.: Die Seite mit der Bußtaxe für Tiere, Sachsenspiegel, Oldenburger Bilderhandschrift, Rastede 1336, Landesbibliothek Oldenburg, CIM I 410, fol. 78r (Gemeinfrei). Der Text setzt den „honuart“ dem saugenden Fohlen gleich, die Bildspalte daneben zeigt die Tiere der Taxe, darunter einen Hund mit Halsband.

Material zum Reel: Conny Becker

Kurzbeschreibung

Der Hovawart ist ein kraftvoller, leicht gestreckter Hund im Langhaar, dessen Haar kräftig ist, leicht gewellt und anliegend, mit wenig Unterwolle darunter. Länger wird es an Brust, Bauch, der Rückseite der Läufe und an der buschigen Rute, kurz bleibt es am Kopf. Es gibt ihn in drei Farbschlägen, schwarzmarken, schwarz und blond. Die dreieckigen Ohren hängen und liegen locker an, die Rute trägt er je nach Stimmung hoch über dem Rücken oder gesenkt. Viel Arbeit macht das Haar nicht, Bürsten in Abständen reicht. Im Wesen ist er ausgeglichen, selbstsicher und eng an seine Familie gebunden, mit einer sehr guten Nase und einem ausgeprägten Blick dafür, was um ihn herum vorgeht. Gesundheitlich steht die Schilddrüse bei ihm an erster Stelle.

Die Entstehung der Rasse

Diese Rasse fängt mit einem Wort an, nicht mit einem Hund. Das bairische Volksrecht des frühen Mittelalters kennt den Hund, „qui curtem domini sui defendit, quem houauuart dicunt“, also den, der den Hof seines Herrn verteidigt und den man houauuart nennt. Wer ihn nachts tötete, zahlte drei Schillinge, weil es heimlich geschah; bei Tag musste er einen gleichwertigen Hund ersetzen und einen Schilling zahlen. Gut fünfhundert Jahre später steht er wieder in einem Rechtsbuch. Der Sachsenspiegel setzt in seiner Bußtaxe für Tiere den „hofwart“ dem Fohlen gleich, solange es saugt, und beide sind einen Schilling wert; den Schäferhund vergilt dieselbe Stelle mit dreien. Zwei verbreitete Erzählungen gehen daran zugrunde: dass der Sachsenspiegel den Hofwart nicht nenne, und dass er ein Vermögen wert gewesen sei. Er war ein Drittel eines Schäferhunds wert.

Was diese Stellen zeigen, ist ein alter Name für eine Aufgabe. Was sie nicht zeigen, ist eine Rasse. Sie sagen kein Wort über Größe, Farbe oder Haar, und zwischen ihnen und dem heutigen Hund steht keine Zuchtlinie, sondern eine Lücke von Jahrhunderten. Der FCI-Standard nennt den Hovawart trotzdem bis heute „ein sehr alter deutscher Gebrauchshund im ursprünglichen Sinn“. Alt ist der Name.

Wieder ins Gespräch brachte ihn ein Buch über eine andere Rasse. Max von Stephanitz beschreibt 1921 in „Der deutsche Schäferhund in Wort und Bild“ den Hund, den er für den Vorfahren seines Schäferhunds hält: „er war der Hovawart des frühen, der Hofwart des späteren Mittelalters“ (Stephanitz, Der deutsche Schäferhund, 1921, S. 110). Über dessen Wesen schreibt er, dass der verständige Hofwart „zur Abwehr bereit steht und durch Lautgeben warnt, aber erst einschreitet, wenn der Ernst der Stunde es verlangt“ (S. 110). Nach der Chronik des Rassezuchtvereins hat genau dieses Buch Kurt Friedrich König und seine Mitstreiter bewegt (Vereinsangabe).

Von da an lässt sich die Geschichte datieren. Ein Wurf von Kurt Friedrich König trägt 1922 die Nummer eins im Zuchtbuch, deshalb gilt dieses Jahr als Beginn; planmäßig gezüchtet wurde nach Darstellung desselben Vereins aber erst, als sich zwei Jahre später im Harz ein Verein dafür gründete. Gesucht wurden Hunde vom alten Schlag, wie man sie auf Bauernhöfen noch fand, eingekreuzt wurden Schäferhunde, Neufundländer, Kuvasz und Leonberger. König wollte dabei ausdrücklich keinen gedrillten Hund, sondern einen, der eine Lage einschätzen und selbst entscheiden kann, wann er sich einsetzen muss, dazu eine gute Nase und Bringlust (Vereinsangabe).

Zehn Jahre nach dem ersten Wurf kam der Rüde dazu, der die Rasse durchzüchtete. Castor Meyer-Busch deckte so oft, dass er bis heute in fast jedem Stammbaum steht. 1937 wurde der Hovawart als Rasse anerkannt, 1964 als Gebrauchshund. Nach dem Krieg wurde die Zucht neu geordnet, und heute führen drei Vereine im Verband für das Deutsche Hundewesen Zuchtbücher für ihn.

Ursprüngliche Verwendung und Entwicklung

Was ein Hofhund zu leisten hatte, steht ungewöhnlich genau in einer landwirtschaftlichen Anweisung, die 1494 zuerst auf Deutsch erschien. Ihr Verfasser, der italienische Landwirtschaftslehrer Petrus de Crescentiis, unterscheidet dreierlei Hunde auf einem Hof, die Wachthunde „oder die Wächter“, die Hirtenhunde und die Jagdhunde. Über die ersten schreibt er, „mit den grossen starken Rüden kan man die gantze Hoffstatt verwahren“, und beschreibt den Tagesablauf: Tagsüber sind sie im Hof nahe am Tor angelegt, „damit sie mit ihrem bellen die Einwohner anmahnen / so jemands frömbdes in den Hof auss und eingehen will“; nachts werden sie abgelassen und laufen frei im Hof um (Crescentiis, wiedergegeben bei Stephanitz, Der deutsche Schäferhund, 1921, S. 57). Der Wortlaut stammt aus dieser Wiedergabe, nicht aus dem Original. Ein Beleg für die Abstammung des heutigen Hovawarts ist die Stelle nicht, wohl aber die genaueste Beschreibung des Dienstes, nach dem er benannt ist: melden, wenn jemand kommt, und nicht mehr.

Der heutige Standard führt den Hovawart als Gebrauchshund und nennt ihn Begleit-, Wach-, Schutz-, Rettungs- und Fährtenhund, mit der sehr guten Nasenveranlagung und der besonderen Bindung an die Familie. Geführt wird er in der Rettungs- und Fährtenarbeit, und er lebt in Familien. Der Hof, nach dem er heißt, kommt in dieser Aufzählung nicht mehr vor.

Was diese Rasse heute prägt

Der Hovawart meldet. Das ist die Aufgabe selbst und kein Nebeneffekt seiner Wachsamkeit, und sie besteht aus zwei Teilen, die zusammengehören: anzeigen, dass etwas ist, und dann entscheiden, ob mehr nötig ist. Den zweiten Teil trifft er allein. Genau so hat Stephanitz den Hofwart 1921 beschrieben, und genau so steht es im Zuchtziel Königs: ein Hund, der eine Lage einschätzt, statt auf Ansage zu handeln. Was Melden von Aggression unterscheidet, steht im Sachthema Wachverhalten.

Nach außen zeigt sich das als Zurückhaltung. In der Mentalbeschreibung des schwedischen Rasseklubs gibt es einen Teil, in dem eine fremde Person aus einiger Entfernung zum Spiel auffordert. Ein Hovawart geht dort in aller Regel nicht hinaus, und der Klub führt das selbst auf die Herkunft der Rasse zurück (Vereinsangabe, eigene Wiedergabe). Er sieht hin, er ordnet ein, und er bleibt, wo er ist.

Was Hundehalter heute erwarten, und woran sie sich reiben

Wer sich für diese Rasse interessiert, sucht meistens genau das, was der Standard beschreibt: einen ausgeglichenen, gutartigen Hund mit enger Bindung an seine Familie, der mitbekommt, was am Haus passiert. Das bekommt er auch. Unterschätzt wird meist, was daneben noch dazugehört, und nichts davon ist ein Fehler des Hundes.

Ein Hovawart begrüßt nicht jeden, und er lässt sich auch nicht von jedem begrüßen. Wer das für Unfreundlichkeit oder für Unsicherheit hält, fängt an, dagegen zu arbeiten: schickt ihn zu fremden Leuten hin, lässt ihn aus fremder Hand füttern, verabredet Begegnungen. Damit wird nichts besser, denn der Hund war nie unsicher. Er sortiert, und das Sortieren ist Teil seiner Anlage.

Erwachsen ist ein Hovawart nach Angaben des Verbands für das Deutsche Hundewesen erst mit drei bis vier Jahren, und in diesen Jahren wird das, was heute harmlos aussieht, zur Gewohnheit. Bei einem Hund von dieser Größe ist das ein Unterschied, den man erst später sieht.

Ein Hund, dessen Aufgabe das Melden ist, hat an einer belebten Straße mehr zu tun als am Ortsrand, und er hat es jeden Tag. Das lässt sich nicht wegtrainieren und auch nicht weglaufen, es gehört zur Rechnung dazu, bevor der Welpe einzieht.

Anforderungen, die diese Rasse stellt

Dieser Hund braucht eine Arbeit, und die Antwort steht in seinem eigenen Zuchtziel, siehe oben: Nase und Bringlust. Personensuche und Apportierarbeit sind bei dieser Rasse deshalb keine Ersatzbeschäftigung, sie liegen auf der Linie, auf der er gezüchtet wurde. Beide greifen Fähigkeiten auf, die sich sonst am Gartentor zeigen: aus der Ruhe heraus von selbst anfangen und lange an einer Sache bleiben. Warum Bewegung allein einen wachsamen Hund nicht auslastet und welche Arbeiten dafür infrage kommen, steht im Sachthema Wachverhalten.

Geduld über Jahre gehört dazu. Wer diesen Hund führt, hält drei bis vier Jahre lang dieselbe Linie, auch wenn zwischendurch nichts Sichtbares passiert.

Seine Größe und Kraft muss man dabei im Blick behalten. Wer die Leine in der Hand hat, sollte ihn auch dann halten können, wenn er gerade etwas anderes vorhat. Auch wie viel vor der Tür los ist, gehört geprüft, siehe oben.

Gesundheit im Blick

An erster Stelle steht bei dieser Rasse die Schilddrüse. Die Unterfunktion tritt bei ihr deutlich häufiger auf als bei Hunden allgemein, sie ist erblich mitbestimmt, und sie beginnt meist im mittleren Alter, oft schleichend, mit Gewichtszunahme, Antriebslosigkeit und Fellproblemen. Behandelt wird sie mit Hormonen, lebenslang; erkannt wird sie über eine Blutuntersuchung, und die Zuchtvereine verlangen sie zum Teil regelmäßig. Am Bewegungsapparat stehen die Hüftgelenke und die Osteochondrose im Blick. Der Rassestandard schreibt, durch Zuchtauslese seit den sechziger Jahren sei die Hüftgelenksdysplasie „beinahe vollständig zurückgedrängt“ worden. Nach einer schwedischen Röntgenauswertung liegt der Hovawart tatsächlich niedriger als andere große Rassen derselben FCI-Gruppe, verschwunden ist die Erkrankung aber nicht, und die Zahlen dazu stehen unten. Dazu kommt die degenerative Myelopathie. Sie zerstört im Alter langsam Bahnen im Rückenmark, beginnt an der Hinterhand und lässt sich über einen Gentest in der Zuchtauswahl steuern. Seltener, aber bekannt ist der Lebershunt, eine angeborene Fehlverbindung der Blutgefäße an der Leber. Herz und Augen liegen in der schwedischen Versicherungsauswertung unter dem Wert aller Rassen. Das mediane Sterbealter von rund 12,9 Jahren ist für einen Hund dieser Größe ein hoher Wert, beruht allerdings auf wenigen Meldungen.

Zahlen und Studien zur Gesundheit

Lebenserwartung. Der einzige rassespezifische Wert stammt aus einer Erhebung des britischen Kennel Club und der British Small Animal Veterinary Association von 2004. Sie stützt sich beim Hovawart auf 19 gemeldete Todesfälle. Das mediane Sterbealter liegt danach bei 12 Jahren und 11 Monaten, der jüngste gemeldete Hund wurde 7 Jahre alt, der älteste 14 Jahre und 9 Monate; über alle Rassen der Erhebung liegt der Median bei 11 Jahren und 3 Monaten.[1] Neunzehn Fälle sind eine Größenordnung und kein Messwert, und die Erhebung rät auf dem Titelblatt jedes Rasseberichts selbst zur Vorsicht.

Warum die Leitquelle hier fehlt. Die größte Überlebensanalyse britischer Hunde weist Medianwerte für 155 Rassen aus. Der Hovawart ist nicht darunter, am 19. September 2026 an der Zusatztabelle S3 nachgesehen.[2] Auch die britische Sterbeerhebung von 2014 führt ihn nicht.[3] Deshalb steht oben ein Sterbealter, und das ist etwas anderes als eine Überlebensdauer.

Schilddrüse. Drei unabhängige Quellen zeigen dasselbe Bild. In der schwedischen Versicherungsauswertung 2016 bis 2021 liegt die Unterfunktion rund fünfmal so hoch wie bei allen Rassen zusammen, am Diagramm abgelesen und deshalb ohne Kommastelle.[6] Eine schwedische Untersuchung an 95 Hovawarts nennt die Rasse eine Hochrisikorasse: Drei Hunde, 3,2 Prozent, waren bei der Probe bereits diagnostiziert, unter den übrigen hatten rund zehn Prozent erhöhte Werte für Schilddrüsenantikörper und Schilddrüsenhormon.[4] Das sind auffällige Laborwerte, keine Krankheitshäufigkeit. Eine finnische Arbeit an 4.953 Hovawarts der Jahrgänge 1990 bis 2010 fand 107 gemeldete Fälle, also 2,2 Prozent, und schätzt die Erblichkeit auf 0,47 bis 0,62; die Autoren erwarten selbst eine höhere wahre Häufigkeit, weil die Meldung freiwillig war.[5]

Hüften und Ellbogen. Eine Auswertung schwedischer Röntgendaten von Hunden zwischen 12 und 24 Monaten, geröntgt von 2007 bis 2016, erfasst 880 Hovawarts. Davon hatten 70,1 Prozent den Befund A und 18,0 Prozent B, 9,2 Prozent C und 2,7 Prozent D, den Befund E kein einziger; zusammen 11,9 Prozent mit C bis E. Bei den Ellbogen waren von 725 Hunden 98,6 Prozent ohne Befund. Die Autoren halten fest, die vergleichsweise niedrigen Werte bei Boxer und Hovawart stünden im Gegensatz zu anderen Rassen derselben FCI-Gruppe, und vermuten den schlankeren Bau als Grund.[7] Es sind Screeningdaten, also eine ausgewählte Gruppe.

Todesursachen. In der schwedischen Sterbestatistik 2006 bis 2011 lag die Sterblichkeit der Rasse etwa beim 1,4-Fachen aller Rassen. Die Hüftgelenksdysplasie steht dort an erster Stelle der häufigsten Einzelursachen, vor Bandscheibenerkrankungen und Knochentumoren; die Osteochondrose erscheint mit hohem relativem Risiko bei wenigen Fällen.[6] Diese Daten sind fünfzehn bis zwanzig Jahre alt.

Das Krankheitsrisiko im Zeitverlauf. Gemeint ist hier ein anderes Maß als oben, nämlich der Anteil der Hunde mit mindestens einem Tierarztfall, nicht die Sterblichkeit. Der Anbieter lässt den Vergleich der relativen Risiken über seine Ausgaben hinweg ausdrücklich zu, und dort sinkt der Wert: 1,4 für 2006 bis 2011, 1,23 für 2011 bis 2016 und 1,2 für 2016 bis 2021.[6] Dass für 2006 bis 2011 bei beiden Maßen 1,4 steht, ist ein Zufall der Zahlen und keine gemeinsame Aussage. Alle Werte beruhen auf einer kleinen Zahl versicherter Hunde, worauf die Berichte selbst hinweisen.

Degenerative Myelopathie. Unter 64 getesteten Hovawarts einer amerikanischen Auswertung waren 31 frei, 17 Träger und 16 reinerbig für die Genvariante, die mit dieser Erkrankung in Verbindung steht; die Allelfrequenz lag bei 0,38.[8] Eine italienische Arbeit beschreibt drei Hovawarts im Alter von 9 bis 12 Jahren mit feingeweblich bestätigter Erkrankung, alle drei reinerbig, und schließt daraus auf eine Veranlagung der Rasse für diese Variante.[9] Reinerbig heißt gefährdet, nicht erkrankt, und drei Fälle sind keine Häufigkeit. Eine belegte Zahl, wie viele reinerbige Hovawarts tatsächlich erkranken, liegt nicht vor.

Was in der Zucht verlangt wird. Die drei Zuchtvereine im Verband für das Deutsche Hundewesen schreiben für die Zuchtzulassung das Hüftröntgen vor und lassen nur die Befunde A und B zu, dazu eine Augenuntersuchung. Bei Schilddrüse und degenerativer Myelopathie gehen ihre Ordnungen auseinander: Eine verlangt ein Schilddrüsenprofil und den Gentest auf die Myelopathie verbindlich und regelt den Lebershunt eigens, eine andere schließt die Osteochondrose von der Zucht aus, und bei einer dritten stehen beide Themen nicht in der Zuchtordnung selbst.[10]

Quellen: [1] Kennel Club und BSAVA Scientific Committee (2004), Summary results of the Purebred Dog Health Survey for the Hovawart breed (Berichtsangabe). [2] McMillan und andere (2024), Longevity of companion dog breeds, Scientific Reports, Supplementary Table S3 (Volltext frei). [3] Lewis und andere (2018), Longevity and mortality in Kennel Club registered dog breeds in the UK in 2014, Canine Genetics and Epidemiology (Volltext frei). [4] Ferm und andere (2009), Prevalence of diagnostic characteristics indicating canine autoimmune lymphocytic thyroiditis in giant schnauzer and hovawart dogs, Journal of Small Animal Practice (Zusammenfassung frei). [5] Åhlgren und Uimari (2016), Heritability of hypothyroidism in the Finnish Hovawart population, Acta Veterinaria Scandinavica (Volltext frei). [6] Agria Breed Profiles Hovawart, Veterinary Care 2006 bis 2011, 2011 bis 2016 und 2016 bis 2021 sowie Life 2006 bis 2011 (Berichtsangabe). [7] Engdahl und andere (2026), Prevalence of hip and elbow dysplasia in young adult dogs in Sweden, The Veterinary Record (Volltext frei). [8] Zeng und andere (2014), Breed distribution of SOD1 alleles previously associated with canine degenerative myelopathy, Journal of Veterinary Internal Medicine (Volltext frei). [9] Mandrioli und andere (2021), Degenerative Myelopathy in Hovawart Dogs, Journal of Comparative Pathology (Zusammenfassung frei). [10] Zuchtordnung der Hovawart-Zuchtgemeinschaft Deutschland, gültig ab 23. März 2025, Abschnitt 5.4 mit Durchführungsbestimmungen; Zuchtordnung des Hovawart-Clubs, Stand 24. Oktober 2021, Abschnitt 5.4; Zuchtordnung des Rassezuchtvereins für Hovawart-Hunde, Stand 18. Juni 2022, Paragraphen 3 und 4 (Vereinsangaben).

Die Methode bei dieser Rasse

Eine Annahme liegt bei dieser Rasse nahe: zu Hause der Wächter, unterwegs der entspannte Begleiter. Sie stimmt nicht, und Stephanitz hat schon 1921 aufgeschrieben, warum. Im eigenen Hof, notiert er, sei der Hofwächter in seinem Reich; draußen ändere sich das, mit einer Ausnahme: „Anders freilich wieder, wenn er seinen Herrn begleitet, oder einen Teil von dessen Habe; dann hat er auch außerhalb des Hofbezirkes das Stück Heimat, für das er eintritt“ (Stephanitz, Der deutsche Schäferhund, 1921, S. 55).

So sieht das heute aus. Du machst an einem Wiesenrand Pause, setzt dich, legst Jacke und Tasche neben dich ins Gras, der Hund liegt daneben. Zehn Minuten vorher sind dieselben Läufer auf dem Weg an euch vorbeigekommen, und er hat nicht einmal den Kopf gehoben. Jetzt kommt einer an der Bank vorbei, und der Hund steht auf.

Der Läufer hat das nicht ausgelöst. Ausgelöst hat es der Augenblick, in dem die Tasche ins Gras kam, und in diesem Augenblick hat der Hund eine Grenze gezogen, die vorher nicht da war. Das Missverständnis liegt deshalb nicht im Aufstehen, sondern in der Annahme, hier entscheide die Adresse. Entscheidend ist vielmehr, ob dort etwas von dir liegt, das der Hund seinem Bereich zurechnet.

Für den Alltag heißt das zweierlei. Erstens ist der Moment, in dem etwas zu klären ist, der ruhige und nicht der laute: Wenn du dich hinsetzt, bekommt der Hund seinen Platz an deiner Seite, und die Tasche bleibt deine Sache, nicht seine. Zweitens lässt sich die Grenze verschieben, weil sie an einem Gegenstand hängt. Nimm die Tasche auf den Schoß, und der Bereich, den der Hund eben noch bewacht hat, ist damit aufgehoben, ohne dass ein Wort gefallen ist.

Woran solche Stellen im Alltag zu erkennen sind und was dort hilft, beschreibt Anton Fichtlmeier in seinen Büchern und Onlinekursen, siehe Empfehlung.

Kurz zusammengefasst

  • Der Name steht seit dem frühen Mittelalter im Recht, gezüchtet wird die Rasse erst seit 1922. Dazwischen liegen Jahrhunderte ohne Überlieferung.
  • Der Sachsenspiegel setzt den Hofwart mit einem saugenden Fohlen gleich und den Schäferhund dreimal so hoch. Vom Vermögen, das oft behauptet wird, steht dort nichts.
  • Melden und Eingreifen sind bei ihm zwei Schritte, und den zweiten setzt er selbst. Das war die Aufgabe, und es ist bis heute die Anlage.
  • Erstes Gesundheitsthema ist die Schilddrüse, dreifach belegt. Hüften und Ellbogen stehen im Rassevergleich gut da, ganz weg ist die Hüftgelenksdysplasie aber nicht.
  • Sein Hof hängt nicht an einer Adresse, sondern an deinen Sachen. Wo die liegen, zieht er die Grenze.

Empfehlung

Für die Erziehung und Ausbildung des Hovawarts passen folgende Angebote von Anton Fichtlmeier:

Bücher: Grunderziehung für Welpen, Der Hund an der Leine und Suchen und Apportieren.

Onlinekurse:

Weiterführende Informationen zur Fichtlmeier-Methode, zu Büchern, Seminaren und lizenzierten Hundeschulen findest du auf fichtlmeier.de.

Belege und Quellen

Der Name im Recht
Lex Baiuvariorum, Titel XX, Kapitel 9, in: Ernst von Schwind (Herausgeber), Monumenta Germaniae Historica, Leges nationum Germanicarum V, 2, Hannover 1926, S. 464 (Volltext frei). Die Handschriften schreiben den Namen unterschiedlich, zitiert ist die Form des Editionstextes. Dieselbe Bußhöhe gilt dort auch für den Hirtenhund.

Sachsenspiegel
Landrecht III 51 Paragraph 1, in: August Lübben (Herausgeber), Der Sachsenspiegel, nach dem Oldenburger Codex picturatus von 1336, Oldenburg 1879, S. 80 (Gemeinfrei, Volltext frei). Die Handschrift selbst liest „honuart“, der Herausgeber hat zu „hofwart“ normalisiert.

Historische Abbildung
Sachsenspiegel, Oldenburger Bilderhandschrift, Rastede 1336, Landesbibliothek Oldenburg, CIM I 410, fol. 78r (Gemeinfrei, Volltext frei). Das Blatt trägt die Textstelle mit dem „honuart“ und daneben die Tiere der Bußtaxe. Welche Figur den Hofwart darstellt, ist nirgends kommentiert; die Unterschrift nennt deshalb nur, was zu sehen ist.

Zeitgenössische Quelle
Max von Stephanitz, „Der deutsche Schäferhund in Wort und Bild“, sechste Auflage, Verlag des Vereins für deutsche Schäferhunde, München 1921, S. 55, 56, 57, 110 und 111 (Gemeinfrei, Volltext frei). Die Zitate sind am Seitenbild gegengelesen, die Textebene des Digitalisats ist unbrauchbare Fraktur. Stephanitz beschreibt den Hund, den er für den Vorfahren des Schäferhunds hält, nicht die Rasse.

Hofdienst um 1494
Petrus de Crescentiis, „New Feldt- und Ackerbaw“, Kapitel „Von den Hunden“, deutsch zuerst Straßburg 1494, wiedergegeben bei Stephanitz 1921, S. 56 und 57, nach dem Exemplar im Germanischen Museum zu Nürnberg. Zitiert wird nach dieser Wiedergabe, nicht nach dem Original.

Steckbriefdaten
FCI-Rassestandard Nr. 190, Datum der Publikation des gültigen offiziellen Standards 21. März 2025, deutsche Fassung (Volltext frei). Daraus stammen Gruppe, Sektion, Verwendung, Widerristhöhe, Haar, Farben, Ohren, Rute und die zitierten Abschnitte zu Wesen und Geschichte. Der Standard beschreibt das Zuchtziel, nicht den durchschnittlichen Hund.

Vereins- und Rassegeschichte
Sammelbeleg für den Abschnitt „Die Entstehung der Rasse“: Rassezuchtverein für Hovawart-Hunde e. V., Ursprung und Geschichte, Chronik von Helmut Rosche, sowie Hovawart-Zuchtgemeinschaft Deutschland e. V., Geschichte der Hovawarte (Vereinsangaben). Von dort stammen Zuchtbuchnummer eins, Vereinsgründung, die eingekreuzten Rassen, Castor Meyer-Busch, das Zuchtziel Königs und die Vereinsentwicklung nach 1945. Die beiden Vereine widersprechen einander darin, ob das Zuchtbuch oder die Vereinsgründung der Beginn ist; der Text nennt beides.

Wesen und Mentalbeschreibung
Rasspecifik avelsstrategi för Hovawart 2018 bis 2022, Svenska Hovawartklubben, S. 22 bis 24 (Vereinsangabe, schwedisch, eigene Wiedergabe). Grundlage sind 2.281 beschriebene Hunde seit 1997. Die Spätreife und die Angaben zum Territorialverhalten: Verband für das Deutsche Hundewesen, Rasse des Monats Hovawart (Vereinsangabe).

Gesundheitszahlen
stehen unter „Zahlen und Studien zur Gesundheit“ weiter oben, dort auch die Zuchtvorschriften der drei Vereine.