Dalmatiner

FCI-Gruppe
Gruppe 6, Sektion 3, Verwandte Rassen, ohne Arbeitsprüfung
FCI-Standard
Nr. 153, Fassung vom 13. Oktober 2010
Ursprungsland
Kroatien
Ursprüngliche Verwendung
Begleiter von Kutsche und Pferd, im Standard als Jagdhund geführt
Heutige Verwendung
Gesellschafts- und Familienhund
Format
Rechteckig, kräftig und muskulös, elegant in der Bewegung
Widerristhöhe (FCI-Standard)
Rüden 56 bis 62 cm, Hündinnen 54 bis 60 cm, größer bei perfektem Typ nicht bestraft
Gewicht (FCI-Standard)
Im FCI-Standard nicht festgelegt
Fell und Fellpflege
Kurz, glänzend, hart und dicht, wenig Pflege, haart aber das ganze Jahr
Typische Merkmale
Reinweiße Grundfarbe mit runden schwarzen oder leberbraunen Tupfen, getupfte Hängeohren
Lebenserwartung
Rund 13,2 Jahre im Median
Gesundheit im Blick
Angeborene Taubheit, Harnsteine durch Harnsäuredefekt, Haut und Allergie, Schilddrüse
Leberbraun getupfter Dalmatiner mit braunen Ohren und brauner Nase, das Maul offen, im Porträt von vorn

Das erwartet dich

  • Warum ein Hund, der zwischen den Rädern einer Kutsche lief, heute einen „Bracken-Instinkt“ haben soll
  • Warum ein Hund auf einem Foto von 1902 ein Ohr trägt, das der Text eine Seite weiter einen Fehler nennt
  • Was nach einem Zeichentrickfilm mit den Welpenzahlen geschah
  • Warum sich Vereine und Standards über einen dunklen Fleck am Kopf streiten
  • Was ein Hund braucht, der die Stimmung seines Menschen genau liest

Film

Bevor es um den Hund zwischen den Rädern geht, so sieht ein Dalmatiner heute aus.

Schwarzweißfoto von 1902: der Dalmatiner „Boris“ im Profil nach links, mit ganz dunklem Ohr und langer, ungekürzter Rute

Abb.: „Dalmatiner. ‚Boris‘. Bes.: Frau Illiau, Erbach i. Rheingau.“, aus: Emil Ilgner, „Gebrauchs- und Luxushunde“, Creutz’sche Verlagsbuchhandlung, Magdeburg 1902 (Gemeinfrei).

Kurzbeschreibung

Der Dalmatiner ist ein großer, rechteckig gebauter Hund, kräftig und muskulös, dabei leicht und elegant in der Bewegung. Das Haar ist kurz, hart und glänzend, auf reinweißem Grund sitzen runde Tupfen, auch auf den weichen Hängeohren. Es gibt zwei Farbschläge, schwarz getupft und leberbraun getupft; beim braunen sind die Tupfen etwas kleiner, und Nase und Augen tragen bei beiden die Farbe der Tupfen. Die Welpen kommen weiß zur Welt, die Tupfen erscheinen erst in den Tagen danach. Das Fell macht wenig Arbeit, nur haart er das ganze Jahr über. Freundlich, lebhaft und ausdauernd, sucht er die Nähe seiner Menschen. Mit der weißen Grundfarbe hängt ein angeborenes Hörproblem zusammen, das die Zucht seit Jahrzehnten begleitet.

Wie die Rasse um 1900 beschrieben wurde

Wer um 1900 einen Dalmatiner sehen wollte, sah nicht ins Feld, sondern unter die Kutsche. Dort, zwischen den Vorderrädern und dicht hinter den Hufen, lief er, und Emil Ilgner beschreibt 1902 genau diesen Platz. Als Begleiter beim Wagen und beim Pferd nennt er ihn vortrefflich geeignet, und beim Wagen folge er „ruhig zwischen den Vorderrädern des Wagens und drückt nicht wie der Collie seine Freude durch Anbellen der Pferde aus“ (Ilgner, Gebrauchs- und Luxushunde, 1902, S. 128).

Die ältere Geschichte gibt Ilgner in einem Satz weiter. Ursprünglich sei die Rasse in ihrer Heimat Dalmatien „zur Jagd benutzt“ worden, gelte jedoch „jetzt nur noch als Luxushund“ (S. 128). Woher er das weiß, sagt er nicht. Die Ähnlichkeit mit dem Pointer falle so sehr auf, dass man sagen könne, er unterscheide sich von ihm „nur durch seine aparte Zeichnung“ (S. 128).

Dann räumt er mit einem Vorurteil auf. „Allgemein verbreitet ist die falsche Meinung, daß der Dalmatiner wenig Intelligenz habe und daß er keinen anderen Dienst leisten könne, als den Pferden und Wagen seines Herren zu folgen“, schreibt er, und als Gegenbeweis führt er an, man sehe „im Zirkus und auf Artistenbühnen sehr gut dressierte Dalmatiner auftreten“ (S. 128).

Das Hauptmerkmal ist für Ilgner die Zeichnung: weißer Grund, darauf kleine schwarze oder leberfarbige Flecken von zwei bis drei Zentimetern. Beim Umblättern folgt ein Satz, der eine eigene Pointe bekommt: „Schwarze Maske und schwarze Ohren sind häufig vorkommende Fehler“ (S. 129). Eine Seite vorher steht das Foto des Rüden „Boris“, und sein Ohr ist ganz dunkel. Text und Bild sagen hier nicht dasselbe. Ob das eine angeborene Platte im heutigen Sinn ist, lässt sich an einem Druck von 1902 nicht entscheiden. Genau dieser dunkle Fleck am Kopf ist heute Gegenstand eines Streits zwischen Vereinen und Standards.

Quelle: Emil Ilgner (1902), S. 128 und 129. Vollständige Quellenangabe siehe Quellen.

Die Entstehung der Rasse

Sein Name zeigt nach Dalmatien, und der FCI-Standard folgt ihm. Er führt ihn auf die historische Provinz Dalmatien an der kroatischen Adria zurück. Er stützt sich dabei auf gefleckte Hunde auf einem Altarbild und einem Fresko aus Kirchen dieser Gegend und auf zwei Inschriften aus dem Bistum Đakovo vom Anfang des 18. Jahrhunderts, die einen „Canis Dalmaticus“ beschreiben. Als Ursprungsland nennt er Kroatien.

Seinen ersten Standard und seinen ersten Verein bekam er nach dem Abriss des Standards in England. Dort nennt ihn Thomas Bewick schon 1790 „Dalmatian or Coach Dog“ und beschreibt ihn als „an elegant attendant on a carriage“, in eigener Übersetzung als eleganten Begleiter der Kutsche, dem man damals so regelmäßig die Ohren abschnitt, dass Bewick nach eigenem Bekunden nie einen unversehrten gesehen hatte. Und er spricht ihm etwas ab: Seine „incapacity of scenting“, sinngemäß die Unfähigkeit, Witterung zu nehmen, schließe jede Verwandtschaft mit den Hasenhunden aus (Bewick, A General History of Quadrupeds, 1790, S. 293 bis 294). Der FCI-Standard, der den Hund 1955 zuerst als „Dalmatiner Jagdhund“ veröffentlichte, schreibt ihm heute einen „ausgeprägten Bracken-Instinkt“ zu. Beides beschreibt denselben Hund. Ob sich in diesen zweihundert Jahren die Nase verändert hat oder der Blick auf sie, beantworten zwei Sätze nicht.

Ein zweites Mal verändert hat ihn das Kino. Nach der Wiederaufführung des Zeichentrickfilms „101 Dalmatiner“ im Jahr 1985 stiegen die jährlichen Eintragungen beim American Kennel Club in acht Jahren von 8.170 auf 42.816 Welpen. Auf den Höhepunkt 1993 folgte nach der Auswertung, die diese Zahlen zusammengetragen hat, der steilste Absturz einer Rasse in der Geschichte des Verbands, ein Rückgang um 97 Prozent innerhalb eines Jahrzehnts (Herzog, Society & Animals, 2006, S. 390).

In Deutschland züchten heute vier Vereine im VDH. Im Jahr 2025 verzeichnete die Welpenstatistik des VDH 996 Dalmatinerwelpen.

Ursprüngliche Verwendung und Entwicklung

Am Wagen hatte er eine richtige Aufgabe. Der Dalmatiner lebte im Stall bei den Pferden, lief bei der Fahrt dicht am Gespann und bewachte bei der Rast Wagen und Gepäck, so beschreibt es der schwedische Rasseverein (Vereinsangabe). Die englischen Autoren des 19. Jahrhunderts betonen vor allem die Ausdauer. Andere Hunde würden lange Fahrten in schnellem Tempo bald leid, der Dalmatiner halte „year after year“ durch, in eigener Übersetzung Jahr für Jahr (Walsh, The Dogs of the British Islands, 1878, S. 182). Vero Shaw verlangt 1881 gute Läufe und Pfoten, weil ein Hund sonst nicht „for several hours a day“, in eigener Übersetzung mehrere Stunden am Tag, einem Wagen folgen könne (Shaw, The Illustrated Book of the Dog, 1881, S. 96).

Den Platz zwischen den Rädern gibt es nicht mehr, schon um 1900 galt er nur noch als Luxushund. In Schweden gehen einige Dalmatiner heute auf der Schweißfährte, als Jagdhund geführt wird die Rasse dort aber nicht (Vereinsangabe). Sonst lebt er als Gesellschafts- und Familienhund und bringt dorthin mit, was ihn am Wagen brauchbar machte: das lange Traben und die Nähe zum Gespann.

Was diese Rasse heute prägt

Am deutlichsten ist das Laufwerk. Ein Hund, der über Stunden neben einem Gespann getrabt ist, kommt erst auf langer Strecke richtig in Gang und hält sie ohne Mühe durch.

Ebenso alt ist seine Anhänglichkeit, nur hat sie das Ziel gewechselt. Seine alte Arbeit bestand darin, dicht bei dem zu bleiben, was er begleitete, und Shaw nennt 1881 seine Liebe zu Stall und Pferd die „ruling passion“, in eigener Übersetzung die herrschende Leidenschaft dieses Hundes (Shaw, The Illustrated Book of the Dog, 1881, S. 96). Heute gilt sie seinen Menschen: Für einen Dalmatiner, schreibt der schwedische Rasseverein, komme die Familie immer zuerst, und er wolle am Alltag teilhaben.

Was den heutigen Hund außerdem ausmacht, beschreibt derselbe Verein genauer als jede andere Quelle. Der Dalmatiner sei „signalkänslig“, er könne Stimmungen und Absichten sehr gut lesen, lerne leicht und verstehe sehr schnell, was sein Mensch will, entscheide sich aber nicht immer dafür, ihm zu Gefallen zu sein. Und er könne schnell die Lust verlieren, wenn er eine Aufgabe nicht als sinnvoll oder lohnend erkennt (Vereinsangabe, in eigener Übersetzung aus dem Schwedischen). Zugleich widerspricht der Verein dem Standard, den er selbst übersetzt: Eine ausgeprägte Jagd- oder Brackenanlage habe die Rasse heute nicht, und sie sei auch nicht erwünscht.

Was Hundehalter heute erwarten, und woran sie sich reiben

Das Bild, mit dem die meisten zu dieser Rasse kommen, stammt aus einem Zeichentrickfilm: ein fröhlicher, gefleckter Familienhund. Dass eine Mode Hunden schaden kann, schreibt der Autor der Auswertung zum Filmboom selbst: Wer einen Welpen wählt, weil ihn gerade alle wollen, stellt womöglich fest, dass der erwachsene Hund nicht zu seiner Lebenslage passt (Herzog, 2006, S. 394).

Im Alltag stößt dieses Bild zuerst an die Strecke. Nach einer Runde, die einen anderen Hund zufrieden macht, ist ein Dalmatiner gerade erst in Gang gekommen, und wenn er auf seine Strecke nicht kommt, sucht er sich Beschäftigung, die selten zu den Plänen seiner Menschen passt.

Das kurze Fell braucht kaum Pflege, verliert aber das ganze Jahr Haare.

Am Auto meldet er sich. Der schwedische Verein beschreibt, dass die meisten Dalmatiner Haus und Grundstück bewachen und auch den Wagen, wenn sich jemand nähert, laut und ohne Aggression (Vereinsangabe). Es erinnert an die alte Wache bei der Rast, nur steht der Wagen heute am Straßenrand, und ein Hund kann ihn, wie im Sachthema Wachverhalten beschrieben, zu seinem Bereich zählen.

Und nicht jeder Dalmatiner ist so gelassen, wie er aussieht. In einer Umfrage des schwedischen Vereins gaben 31 Prozent der Halter an, im Verhalten ihres Hundes etwas als problematisch zu erleben, vor allem Ängste, meist vor Geräuschen (Vereinsangabe).

Platten und Gehör

Anders als die Tupfen ist eine Platte schon beim neugeborenen Welpen da: ein oder mehrere scharf begrenzte dunkle Flecken. Um sie wird gestritten, weil sie in zwei Richtungen weist.

Der FCI-Standard ist eindeutig und zugleich nicht. An einer Stelle nennt er Flecken und Farbplatten „unerwünscht“, eine Seite später führt er unter den disqualifizierenden Fehlern „Monokel (schwarze Flecken an einem oder beiden Augen) oder Platten anderswo“, also Platten an jeder Stelle des Körpers, und in derselben Liste „Taubheit“. Der britische Standard sagt das Gegenteil: „Some patching on ears or head not to be penalised“, in eigener Übersetzung: Etwas Plattenbildung an Ohren oder Kopf wird nicht bestraft. Das schwarze Ohr galt dagegen schon 1881 in England und 1902 bei Ilgner als Fehler.

Auch innerhalb der FCI-Länder gehen die Vereine auseinander. In Norwegen sind Hunde mit Platte von der Zucht ausgeschlossen (Berichtsangabe). Der schwedische Rasseverein nennt die Platte einen Schönheitsfehler, der Gesundheit und Funktion in keiner Weise berühre; auf einem Züchtertreffen 2023 sprach sich die Mehrheit dafür aus, Plattenhunde zurückhaltend in der Zucht einzusetzen (Vereinsangabe). In Deutschland schließt die Zuchtordnung des Deutschen Dalmatiner-Clubs Hunde mit disqualifizierenden Fehlern grundsätzlich aus, sofern kein Sonderprogramm etwas anderes regelt. Der Club für Dalmatiner-Freunde hat ein solches Programm seit 2003, bis 2023 mit 11 Würfen und 90 Welpen. Unter ihnen war kein tauber Welpe ins Zuchtbuch eingetragen; der Verein schreibt selbst, das seien zu wenig Daten für eine belastbare Aussage (Vereinsangabe).

Warum die Frage überhaupt gestellt wird, zeigt die Studienlage. Die größte Untersuchung, an 8955 britischen Welpen, fand eine starke gegenläufige genetische Beziehung zwischen Kopfplatte und angeborener Taubheit, eine genetische Korrelation von −0,86. Eine deutsche Arbeit fand dieselbe Richtung, schwächer, mit −0,36. Genetisch gehört die Kopfplatte also eher zum hörenden Hund, das blaue Auge dagegen eher zum tauben.

Daraus folgt nicht, dass eine Zucht auf Platten die Taubheit beseitigt. Die Platte selbst ist nach derselben Studie nur schwach erblich, und die Autoren rechnen bei scharfer Auslese gegen Taubheit mit weniger als 4 Prozent mehr Kopfplatten. Die Platte zeigt eine Richtung an, ein Mittel gegen Taubheit ist sie nicht.

So steht ein Merkmal, das der Standard disqualifiziert, auf der Seite des besseren Gehörs. Und schon 1902 zeigt ein Foto einen Hund mit dunklem Ohr, eine Seite vor dem Satz, der dunkle Ohren einen Fehler nennt. Wie man das gewichtet, entscheiden Vereine und Länder verschieden. Das Urteil darüber bleibt bei dir.

Anforderungen, die diese Rasse stellt

Der größte Posten ist die Zeit auf der Strecke. Ein ausgewachsener Dalmatiner will täglich eine längere Strecke im Trab zurücklegen, am liebsten neben dem Rad oder beim Laufen, und zwar als fester Teil jedes Tages, das ganze Jahr über.

Allein bleibt er schlecht. Stundenlanges Warten in der Wohnung oder ein Leben im Zwinger verträgt er nach Angabe der IPFD schlecht (Berichtsangabe); ein guter Tag ist für ihn einer, in dem seine Menschen vorkommen.

Neben der Strecke braucht er Arbeit für den Kopf, die ihm einleuchtet. Einem Hund, der über lange Wege in Fühlung mit den Seinen bleibt, kommt die Personensuche entgegen, einem, der wissen will, wozu etwas gut ist, das Apportieren, an dessen Ende er mit etwas bei seinem Menschen ankommt. Für den Menschen heißt beides, selbst mitzuarbeiten.

Gesundheit im Blick

In der größten britischen Auswertung erreicht der Dalmatiner ein medianes Überleben von rund 13,2 Jahren, mehr als die großen, mittelgroßen oder kleinen reinrassigen Hunde derselben Arbeit.

Das zentrale Thema ist die angeborene Taubheit, die mit der weißen Grundfarbe zusammenhängt. Sie betrifft ein Ohr oder beide. Ein Hund, der auf einem Ohr hört, ist im Alltag nicht taub und wird von Laien oft für normal hörend gehalten; ein beidseitig tauber Hund hört nichts.

Das zweite Thema trägt fast jeder Dalmatiner in sich: einen erblichen Defekt im Harnsäurestoffwechsel. Seine Nieren scheiden Harnsäure aus statt eines anderen Abbauprodukts, und daraus können sich Harnsteine bilden. Nicht jeder Hund bekommt sie, betroffen sind aber vor allem Rüden, bei denen ein Stein die Harnröhre verschließen kann. Eine Ausnahme sind die sogenannten LUA-Linien, die auf eine einzige Kreuzung mit einem Pointer im Jahr 1973 zurückgehen und die gesunde Variante tragen.

Weitere Themen sind Haut und Allergien sowie die Schilddrüse. Selten, aber in der Rasse bekannt, ist ein erbliches, oft tödliches Lungenversagen, für das es einen Gentest gibt.

Zur Qualzuchtfrage

Rechtslage und Gutachten erklärt das Sachthema Qualzucht. Dieser Kasten trägt nur, was den Dalmatiner betrifft.

Das Gutachten nennt ihn beim Namen. Unter den erblichen Einzeldefekten führt es Hörschäden auf, die mit weißer Farbe zusammenhängen, nennt als Beispiel ausdrücklich den Dalmatiner und hält fest: „Tiere sind je nach Grad des Hörverlustes beeinträchtigt“ (Qualzuchtgutachten, 1999, S. 25). Für solche Defekte verlangt es: „Wenn in Rassen diese Defekte gehäuft auftreten, muss für Zuchttiere das Freisein von dem Defekt nachgewiesen werden“ (S. 27).

Beim Dalmatiner ist kein übertriebenes Körpermerkmal das Problem, keine kurze Nase und kein langer Rücken. Es ist die Grundfarbe selbst, die der Standard „rein weiß“ verlangt und die die Rasse ausmacht. Was daraus für die Platten folgt, steht weiter oben unter „Platten und Gehör“.

Nach einer deutschen Genstudie ist der Hörtest bei allen Dalmatinern in Deutschland Pflicht, und die vier Vereine im VDH lassen nur Hunde zur Zucht zu, die auf beiden Ohren normal hören (Berichtsangabe). Andere Länder gehen anders vor: In Finnland und Schweden dürfen einseitig hörende Hunde in die Zucht, wenn der Partner beidseitig hört (Vereinsangabe).

Bleibt die Frage, was mit tauben Welpen geschieht. In den Zuchtstrategien der schwedischen und der finnischen Rassevereine wird empfohlen, beidseitig taube Welpen vor der Abgabe einzuschläfern. Der finnische Verein schreibt, das sei weltweit üblich, und gerade deshalb wisse man wenig darüber, wie taube Dalmatiner leben (Vereinsangabe). In den gelesenen deutschen Zuchtordnungen ist dazu nichts geregelt. Das Tierschutzgesetz stellt das Töten eines Wirbeltiers ohne vernünftigen Grund unter Strafe; ob Taubheit ein solcher Grund ist, sagt es nicht. Eine Gegenstimme kommt aus der Tierethik: Der Philosoph Bernard Rollin unterstützte im Jahr 2000 den Vorschlag der Tiermedizinstudentin Liane Lunetta, die selbst einen tauben Dalmatiner hielt, taube Welpen zu kastrieren und an Menschen zu vermitteln, die um ihre Besonderheiten wissen, statt sie einzuschläfern (Rollin und Lunetta, Canadian Veterinary Journal, 2000, S. 439).

Zahlen und Studien zur Gesundheit

Lebenserwartung. McMillan und andere erfassen 3126 lebende und 1443 verstorbene Dalmatiner. Ihr medianes Überleben liegt bei 13,2 Jahren, Konfidenzintervall 13,0 bis 13,3. Gegenüber den Mischlingen derselben Arbeit, Median 12,0 Jahre, ist das Sterberisiko gesichert geringer, Hazard Ratio 0,77 (0,73 bis 0,81). Die Größenklassen liegen dort bei 11,9 Jahren für große, 12,5 für mittelgroße und 12,7 für kleine reinrassige Hunde.[1]

Taubheit in Großbritannien. Von 8955 Welpen, die zwischen 1992 und 2019 mit einer Hirnstammmessung des Gehörs getestet wurden, waren 17,8 Prozent taub, 13,4 Prozent auf einem Ohr und 4,4 Prozent auf beiden. In den Jahren 2015 bis 2018 waren es 13,72 Prozent, davon 2,41 Prozent beidseitig. Der Rückgang ist statistisch gesichert, die Autoren führen ihn wahrscheinlich auf die Auslese gegen Taubheit zurück. Es sind Screeningdaten, keine Zufallsstichprobe, und der Erstautor ist beim Kennel Club angestellt.[2]

Taubheit in anderen Ländern. Der schwedische Verein meldet für 2018 bis 2023 unter den getesteten Hunden 86 Prozent beidseitig hörende, gut 11 Prozent einseitig hörende und gut 2 Prozent taube.[3] Der finnische zählt 2012 bis 2021 unter 1437 Welpen 1186 beidseitig hörende, 196 einseitig hörende und 55 taube.[4] Für Deutschland nennt der Club für Dalmatiner-Freunde für 2020 bis 2023 1,9 Prozent beidseitig und 7,6 Prozent einseitig taube Welpen unter den ins Zuchtbuch eingetragenen.[5] Alles Vereinsangaben, erhoben mit verschiedenen Verfahren und nicht vergleichbar.

Harnsäure. Die Genveränderung, die den Harnsäuredefekt verursacht, fand sich doppelt in allen 247 getesteten Dalmatinern und in keinem von 378 Hunden aus 58 anderen Rassen.[6] Die Autoren vermuten, sie sei über die Zucht auf eine ausgeprägtere Tupfung festgelegt worden; belegt ist das nicht. In einer amerikanischen Befragung von Haltern sechsjähriger und älterer Hunde lag die Häufigkeit von Harnsteinen bei Rüden bei 34 Prozent, ermittelt über klinische Anzeichen und mit möglicher Selbstauswahl der Teilnehmer.[7]

Harnsteine in Versicherungsdaten. In den schwedischen Versicherungsdaten 2016 bis 2021 liegt das relative Risiko für Harnsteine im unteren Harntrakt beim Dalmatiner bei knapp dem Fünffachen aller Rassen. Betroffen sind dort vor allem Rüden, bei den Hündinnen erscheint die Diagnose nicht unter den dreißig häufigsten. Die Werte sind am Diagramm abgelesen und nach Angabe des Profils nicht auf statistische Signifikanz geprüft.[8]

Haut und Allgemeinbefinden. Dieselben Daten zeigen den Dalmatiner insgesamt nur wenig häufiger in Behandlung als alle Rassen, relatives Risiko 1,11. Für Allergie und Atopie liegt das relative Risiko am Diagramm abgelesen bei gut dem Doppelten.[8] Der schwedische Verein meldet aus seiner Umfrage, dass 20 Prozent der Hunde wiederholt oder anhaltend Haut- oder Ohrenprobleme hatten.[3]

Schilddrüse. In britischen Tierarztdaten wurde bei 13 von 2720 Dalmatinern, 0,48 Prozent, eine Unterfunktion der Schilddrüse diagnostiziert. Nach Bereinigung um weitere Einflüsse liegt die Chance einer Diagnose rund 2,2-mal so hoch wie bei Mischlingen (adjustiertes Odds Ratio 2,24, Konfidenzintervall 1,28 bis 3,92). Das ist eine Chance und keine Häufigkeit.[9]

Was nicht als Rassewert taugt. Das schwedische Lebensversicherungsprofil nennt ein medianes Sterbealter von 7,3 Jahren. Das ist keine Lebenserwartung, weil die Versicherung ältere Hunde nicht mehr erfasst.[10] Zur Kupferspeicherkrankheit der Leber liegen nur Einzelfallberichte vor.

Quellen: [1] McMillan und andere (2024), Longevity of companion dog breeds: those at risk from early death, Scientific Reports, Supplementary Table S3 (Volltext frei). [2] Lewis, Freeman und De Risio (2020), Decline in prevalence of congenital sensorineural deafness in Dalmatian dogs in the United Kingdom, Journal of Veterinary Internal Medicine 34, S. 1524 bis 1531 (Volltext frei). [3] Svenska Dalmatinersällskapet, Rasspecifik avelsstrategi (RAS) för dalmatiner 2025 bis 2029, von der Svenska Kennelklubben 2025 festgestellt, S. 12 und 14 bis 15 (Vereinsangabe). [4] Dalmatiankoirat – Dalmatinerna ry, Jalostuksen tavoiteohjelma 2023 bis 2027, S. 63 bis 64 (Vereinsangabe). [5] Club für Dalmatiner-Freunde, Plattenzuchtprogramm (Vereinsangabe). [6] Bannasch und andere (2008), Mutations in the SLC2A9 gene cause hyperuricosuria and hyperuricemia in the dog, PLoS Genetics (Volltext frei). [7] Bannasch, Ling, Bea und Famula (2004), Inheritance of urinary calculi in the Dalmatian, Journal of Veterinary Internal Medicine (Zusammenfassung frei). [8] Agria Djurförsäkring, Breed Profiles 2016 bis 2021, Dalmatian Veterinary Care, Charts 1, 6, 7 und 8, bereitgestellt über DogWellNet (Berichtsangabe). [9] O’Neill und andere (2022), Frequency, breed predispositions and other demographic risk factors for diagnosis of hypothyroidism in dogs under primary veterinary care in the UK, Canine Medicine and Genetics (Volltext frei). [10] Agria Djurförsäkring, Breed Profiles 2011 bis 2016, Dalmatian LIFE, bereitgestellt über DogWellNet (Berichtsangabe).

Die Methode bei dieser Rasse

Ihr kommt vom Laufen zurück, am Auto schlägt zwei Autos weiter eine Heckklappe zu. Dein Dalmatiner zuckt zusammen, und bevor er nachsieht, woher der Knall kam, sieht er dich an. Ob die Sache gefährlich war, liest er in dieser Sekunde nicht am Geräusch ab, sondern an deinem Gesicht.

Ein Hund, der Stimmungen so genau liest, liest auch die kleinen Dinge: dass du selbst kurz erschrocken bist, dass du dich zu ihm hinunterbeugst, dass deine Stimme weicher wird als sonst. Er schließt daraus, dass da etwas war, und beim nächsten Knall reagiert er bereits etwas stärker.

In der Fichtlmeier-Methode steht dahinter eine Frage der gruppenorganisierenden Verhaltensmuster, kurz GrOVM: Wer in der Gruppe ordnet eine Lage ein? Beim Dalmatiner lautet die Antwort, die er braucht: Du. Und zwar ohne Worte. Du nimmst den Knall zur Kenntnis, bleibst in deinem Schritt und gehst weiter zur Haustür. Das ist die klarste Auskunft, die du ihm geben kannst, weil er sie abliest, bevor du sie aussprechen könntest. Wie sich das aufbauen lässt, beschreibt Anton Fichtlmeier in seinen Büchern und Onlinekursen, siehe Empfehlung.

Kurz zusammengefasst

  • Belegt ist seine Arbeit am Wagen, die Jagd nur behauptet, und was die Quellen über seine Nase sagen, widerspricht sich seit zweihundert Jahren.
  • Das lange Traben und die Nähe zu seinen Menschen stammen aus der Arbeit am Gespann, dazu kommt ein feines Gespür für Stimmungen.
  • Eine Platte am Kopf geht genetisch mit besserem Gehör zusammen und ist nach dem FCI-Standard trotzdem ein disqualifizierender Fehler.
  • Mit rund 13,2 Jahren im Median lebt er länger als die großen Rassen derselben Auswertung, aber die weiße Grundfarbe bringt die Taubheit mit, und jeder Dalmatiner außerhalb der LUA-Linien trägt den Harnsäuredefekt.
  • Wenn es knallt, liest er die Antwort in deinem Gesicht; deshalb muss sie ruhig sein, bevor du etwas sagst.

Empfehlung

Für die Erziehung und Ausbildung des Dalmatiners passen folgende Angebote von Anton Fichtlmeier:

Bücher: Grunderziehung für Welpen, Der Hund an der Leine und Suchen und Apportieren.

Onlinekurse:

Weiterführende Informationen zur Fichtlmeier-Methode, zu Büchern, Seminaren und lizenzierten Hundeschulen findest du auf fichtlmeier.de.

Mitreden

Das Reel zu dieser Rasse findest du auf Instagram. Wenn du Fragen hast oder eigene Erfahrungen gemacht hast, diskutier dort mit.

Belege und Quellen

Zeitgenössische Quelle
Emil Ilgner, „Gebrauchs- und Luxushunde“, Creutz’sche Verlagsbuchhandlung, Magdeburg 1902, S. 128 bis 129, Abbildung „Boris“ auf S. 128. Alle Zitate am 18. September 2026 am Originalscan gegengelesen. Gemeinfrei (kein freies Digitalisat, gelesen am Scan des Originals). Vollständige Angabe siehe Quellen.

Frühere englische Quellen
Thomas Bewick, „A General History of Quadrupeds“, Newcastle 1790, S. 293 bis 294 (Volltext frei). J. H. Walsh („Stonehenge“), „The Dogs of the British Islands“, London 1878, S. 182 (Volltext frei). Vero Shaw, „The Illustrated Book of the Dog“, London 1881, S. 95 bis 97 (Volltext frei). Alle gemeinfrei.

Welpen und Tupfen
F. C. Hignett, „The Dalmatian, or Coach Dog“, in Robert Leighton (Hrsg.), „The New Book of the Dog“, London 1907, Kapitel VIII, S. 92 bis 97. Gemeinfrei (Volltext frei).

Steckbriefdaten
FCI-Rassestandard Nr. 153, Publikationsdatum des gültigen offiziellen Standards 13. Oktober 2010, deutsche Fassung vom 30. Mai 2011 (Volltext frei). Dort Gruppe 6 und als Verwendung „Jagdhund“; der Gruppentyp dieser Seite weicht davon ab. Der Standard beschreibt das Zuchtziel, nicht den durchschnittlichen Hund.

Herkunft und Wesen im Standard
Derselbe Standard, Abschnitte „Kurzer geschichtlicher Abriss“ für Dalmatien, Đakovo und 1955, „Verhalten / Charakter“ für den „Bracken-Instinkt“ sowie „Farbe“, „Nasenschwamm“ und „Augen“ für die beiden Farbschläge. Die Angaben zu Altarbild, Fresko und Inschriften sind Angaben des Standards.

Platten im Standard
Derselbe Standard, Abschnitte „Farbe“ und „Disqualifizierende Fehler“. Britischer Standard: The Royal Kennel Club, Breed Standard Dalmatian, Abschnitt Colour, Stand Januar 2025 (Volltext frei).

Wesen und Zucht in Schweden
Zuchtstrategie des schwedischen Vereins, siehe Zahlenblock, Quelle [3]. Dort Platten S. 8, Verwendung und Wesen S. 9 bis 10, Umfrage S. 12, Gehör und taube Welpen S. 14 bis 15.

Taube Welpen in Finnland
Siehe Zahlenblock, Quelle [4], dort S. 47 und S. 63 (Vereinsangabe).

Zucht in Deutschland
Deutscher Dalmatiner-Club von 1920, Zuchtordnung, Stand April 2022, Ziffern 4.2 und 7.6, und Zuchtzulassungsordnung, C 1.4 (Vereinsangabe). Hörtest als Pflicht in Deutschland: Kluth und Distl (2013), Congenital sensorineural deafness in dalmatian dogs associated with quantitative trait loci, PLoS One (Volltext frei). Plattenzuchtprogramm des Club für Dalmatiner-Freunde siehe Zahlenblock, Quelle [5].

Studien zu Platten und Gehör
Lewis und andere (2020), siehe Zahlenblock, Quelle [2]. Juraschko und andere (2003), Analysis of systematic effects on congenital sensorineural deafness in German Dalmatian dogs, Veterinary Journal (Zusammenfassung frei).

Mode und Film
Herzog (2006), Forty-two Thousand and One Dalmatians: Fads, Social Contagion, and Dog Breed Popularity, Society & Animals 14, S. 390 und 394 (Volltext frei). Welpenzahlen Deutschland: Welpenstatistik des VDH (Berichtsangabe).

Qualzucht und Rechtslage
Gutachten zur Auslegung von Paragraph 11b des Tierschutzgesetzes, 1999, S. 25 und S. 27; Nachweis siehe Sachthema Qualzucht. Tierschutzgesetz Paragraph 17 (Volltext frei).

Taube Welpen, Tierethik
Rollin und Lunetta (2000), An ethicist’s commentary on euthanizing deaf Dalmatian puppies, Canadian Veterinary Journal 41, S. 438 bis 439, berichtigt in Band 41, S. 537 (Volltext frei).

Einseitige Taubheit
Holliday und andere (1992), Unilateral and bilateral brainstem auditory-evoked response abnormalities in 900 Dalmatian dogs, Journal of Veterinary Internal Medicine (Zusammenfassung frei).

LUA-Linien
Pointerkreuzung von 1973 und Kennzeichnung im Zuchtbuch: Deutscher Dalmatiner-Club, Sonderzuchtprogramm LUA, Stand April 2022, und Club für Dalmatiner-Freunde, LUA-Zuchtprogramm (Vereinsangabe).

Rassebericht der IPFD
IPFD, Get a GRIHP! on Dalmatians, 2022 (Berichtsangabe, Anmeldung nötig). Fundstelle für Norwegen, die vier deutschen Vereine, die Haltung als Zwingerhund, das ganzjährige Haaren und das Lungenversagen.

Gesundheitszahlen
stehen unter „Zahlen und Studien zur Gesundheit“ weiter oben.