
Das erwartet dich
- Wovon eigentlich die Rede ist, wenn jemand Tigerdackel sagt
- Was ein Rassestandard von 1905 über den Tigerteckel sagt und wovor Richard Strebel damals schon warnte
- Warum die Verpaarung zweier gefleckter Hunde eine Rechtsfrage ist und keine Geschmacksfrage
- Welche Zahlen zu Taubheit und Augen es gibt und welche davon überhaupt vom Dackel stammen
- Was ein Teckel von seinem Menschen verlangt, sobald die Farbe geklärt ist
Film
Verschaff dir im Film einen ersten Eindruck, bevor es um die Geschichte des Farbmusters geht.

Abb.: Tafel „Verschiedenfarbige Dachshunde“. Obere Reihe: I. schwarzroter „Hundesports-Waldmann“, II. braune „Hexe“, III. roter „Monsieur Schneidig“. Untere Reihe: IV. gestromte „Waldloni“, V. graue „Staats-Hexe“, VI. gescheckte „Berolina-Edda II.“, der Tigerteckel. Illustration: Richard Strebel, aus: „Die deutschen Hunde und ihre Abstammung“, Kern & Birner, Frankfurt am Main 1905 (Gemeinfrei).
Kurzbeschreibung
Der Tigerdackel ist keine eigene Rasse und keine eigene Haarart, sondern ein Farbmuster, das der FCI-Standard unter „Farbmuster gefleckt (Merle)“ für alle drei Haararten und alle drei Größen beschreibt. Darunter steckt derselbe niedrige, langgestreckte und sehr muskulöse Hund wie beim Kurzhaardackel, beim Rauhaardackel und beim Langhaardackel, mit demselben Fellaufwand je nach Haarart. Im Fell zeigt sich eine unregelmäßige Aufhellung auf dunklem Grund, dazu kommen bei einem Teil der Hunde hell- bis blaugraue Augen. Das Muster entsteht durch ein einzelnes Gen, und dieses Gen betrifft nicht nur die Farbe, sondern auch Innenohr und Auge.
Wie die Rasse um 1900 beschrieben wurde
Der Tigerteckel ist keine Modefarbe der letzten Jahrzehnte. Als Richard Strebel 1905 im Kapitel über den kurzhaarigen Dachshund den damals geltenden Rassestandard wiedergibt, steht dort neben den einfarbigen und den zweifarbigen Teckeln längst eine dritte Farbklasse: „Gefleckte Teckel“. Beschrieben wird sie als heller, silbergrauer bis sogar weißer Grund mit dunklen, unregelmäßigen Flecken, große Platten ausdrücklich nicht erwünscht, und mit der Forderung, „daß weder die helle noch die dunkle vorherrscht“ (Strebel, Die deutschen Hunde, Band 2, 1905, S. 196). Maßgebend sei der Gesamteindruck, so dass der Hund aus einiger Entfernung eine unruhige, bunte Färbung zeige, „die ihn als Stöberhund besonders wertvoll macht“ (Band 2, S. 196). Das Muster hatte also einen Zweck: Ein Hund, der sich im Bewuchs vom Untergrund abhebt, ist für den Führer über der Erde erkennbar. Glasaugen erlaubte der Standard bei diesen Hunden, und bei weißem Grund war auch eine fleischfarbene oder gefleckte Nase kein Fehler. Im Augenabschnitt findet sich dieselbe Ausnahme noch einmal, dort steht die Augenfarbe braun, „mit Ausnahme der Glasaugen bei grauen und gefleckten Hunden“ (Band 2, S. 191).
Bemerkenswert ist, was Strebel selbst dazu anmerkt, denn seine Anmerkungen stehen im Buch neben dem Standardtext und widersprechen ihm gelegentlich. Zur Farbe schreibt er: „Die fortgesetzte Inzucht auf Farbe ist ein Unding“ (Strebel, Die deutschen Hunde, Band 2, 1905, S. 196). Er beschreibt, wie sich bei anhaltender Zucht auf Farbe das Pigment abschwächt, nennt das Tigermuster in der Sprache seiner Zeit einen Halbalbinismus und stellt fest, diese Tiger arteten bei Inzucht oder Kreuzung wiederum aus „in Weißschecken und Kakerlaken mit fleischfarbiger Haut, Glasaugen und Fleischnasen“ (Band 2, S. 196). Sein Schluss daraus ist eine Anpaarungsregel: Braune, graue oder gefleckte Hunde sollten nur mit schwarzen Hunden gekreuzt werden. Auch der Standard selbst zog schon eine Grenze und riet, Blut von Gescheckten nicht in die einfarbigen und zweifarbigen Teckel einzuführen, sondern nur umgekehrt.
Was er dort beschreibt, ist der Zusammenhang, um den es heute geht, nur ohne Genetik und ohne Zahlen: Je weiter die Aufhellung geht, desto mehr kommt mit ihr. Abgelesen hat er das am Fell, an der Nase und an den Augen. Beweiskraft für die heutigen Befunde hat das keine, dafür fehlte ihm jedes Mittel. Es zeigt aber, dass der Zusammenhang gesehen wurde, lange bevor jemand ihn erklären konnte.
Quelle: Richard Strebel (1905), Band 2, S. 191 und 196. Alle Zitate wurden am Originalscan gegengelesen. Vollständige Quellenangabe siehe Quellen.
Die Entstehung der Rasse
Am Anfang steht die Bracke. Strebel bringt es auf einen Satz: „Unser Teckel ist aus der Bracke geschaffen worden“ (Strebel, Die deutschen Hunde, Band 2, 1905, S. 177), und der FCI-Standard datiert die Rasse ins Mittelalter zurück. Vereinsmäßig organisiert ist sie seit 1888, seit Jahrzehnten in drei Größen und drei Haararten, also neun Varietäten. Das Farbmuster gehört in keine davon, es kann in jeder auftreten.
Um 1900 ist es eine anerkannte Farbklasse mit eigener Beschreibung, und zu den Kopfstudien, die Strebel im Buch abbildet, gehört ein Rüde namens „Tiger-Reinecke“, dem er einen schon ganz modernen Typ bescheinigt (Band 2, S. 191 und 192). Wie anders die Ordnung damals aussah, zeigt die Einteilung: Der Standard, den Strebel wiedergibt, sortiert die Teckel nach Gewicht in einen leichten, einen mittelschweren und einen schweren Schlag, die Grenzen liegen bei 7,5 und 10 Kilogramm (Band 2, S. 196). Erst später tritt an die Stelle des Gewichts der Brustumfang, gemessen frühestens mit 15 Monaten, und mit ihm die heutige Aufteilung in Teckel, Zwergteckel und Kaninchenteckel.
Die Geschichte des Musters selbst lässt sich von dort bis in die heutige Zuchtordnung verfolgen. 1935 beschreibt Hans Nachtsheim die Vererbung der Tigerscheckung. Ab den 1970er Jahren untersucht eine Arbeitsgruppe um Wilhelm Wegner an der Tierärztlichen Hochschule Hannover eine eigens aufgebaute Merlezucht, überwiegend an Dackeln, und legt nacheinander Befunde zu Gehör, Auge, Gleichgewichtsorgan und Fortpflanzung vor. Diese Arbeiten stehen bis heute im Literaturverzeichnis des Qualzuchtgutachtens von 1999.
2006 wird die genetische Ursache gefunden: eine Einlagerung im Pigmentgen SILV, auch PMEL genannt, die das Muster hervorruft. Seither lässt sich das Merkmal nicht mehr nur am Fell beurteilen, sondern im Labor bestimmen. Beim Dackel fällt das ins Gewicht, weil das Muster hier auf rotem oder hellem Fell so schwach ausfallen kann, dass es kaum oder gar nicht zu sehen ist. Die Zucht- und Eintragungsbestimmungen des Deutschen Teckelklubs verlangen deshalb vor einer Anpaarung mit einem gefleckten Hund den Gentest beim Zuchtpartner.
Ursprüngliche Verwendung und Entwicklung
Der Standard nennt den Dachshund einen Jagdhund über und unter der Erde, und beides ist wörtlich gemeint. Im Bau steht der Hund Fuchs oder Dachs allein gegenüber, in einer Röhre, in der er sich nicht umdrehen kann. Draußen gehört zu seinem Pensum die Suche im Dickicht, die laut angezeigte Hasenspur und die Arbeit auf der Fährte eines verletzten Stücks Wild.
Für den gefleckten Teckel kam nach dem alten Standard die Sichtbarkeit hinzu, wie im Abschnitt zu 1905 beschrieben. Das ist der einzige Punkt, an dem die Farbe je eine Aufgabe hatte, und sie erfüllte sie für den Menschen, nicht für den Hund.
Wie viele Teckel heute noch jagdlich geführt werden, ist nicht ausgezählt. Sicher ist, dass die Zuchtprüfungen weiterlaufen und dass daneben Hunde stehen, die nie einen Bau von innen sehen. Für die Anlagen macht das keinen Unterschied, sie fragen nicht danach, wozu sie gebraucht werden.
Was diese Rasse heute prägt
Ein Tigerdackel ist ein Kurzhaar-, Rauhaar- oder Langhaarteckel, der anders aussieht. Die Farbe verändert keine Anlage. Im Alltag merkt man das an Kleinigkeiten, lange bevor jemand von Jagdverhalten spricht. Der Hund bleibt an einer Sache dran, wenn andere längst weitergegangen sind. Er sucht sich Zugänge, unter dem Zaun, hinter dem Holzstoß, in der Hecke. Er misst Situationen ab, statt sich in sie hineinzustürzen, und wenn er sich für etwas entschieden hat, ist er schwer davon abzubringen.
Diese Beharrlichkeit ist keine Sturheit, auch wenn sie so genannt wird. Sie ist die Eigenschaft, die einen Hund im Bau am Leben hält, wo Nachgeben und Weglaufen keine guten Optionen sind. Genauso wenig ist der Laut eine Unart. Er war Arbeitsmittel und ist es geblieben, nur dass ihn im Wohngebiet niemand mehr braucht.
Was die Farbe verschiebt, ist nicht das Verhalten, sondern das, was der Mensch daraus liest. Ein Hund, der nicht reagiert, gilt schnell als stur. Bei diesem Farbmuster lohnt der zweite Gedanke, ob er überhaupt gehört hat.
Was Hundehalter heute erwarten, und woran sie sich reiben
Bei dieser Fellzeichnung fällt die Entscheidung oft über ein Foto. Gesucht wird ein Hund, der auffällt und in eine Wohnung passt, und das Muster liefert beides. Was dabei untergeht: Es ist kein Merkmal wie eine Ohrform, sondern die sichtbare Seite eines Gens, das auch auf Innenohr und Auge wirkt. Am Muster hängt damit eine Frage, die es bei einfarbigen Würfen nicht gibt, nämlich wie die Elterntiere verpaart waren. Und weil sich das Muster auf hellem Fell kaum zeigen kann, ist ein Hund ohne sichtbare Flecken kein Beweis für gar nichts.
Der zweite Punkt hat mit der Farbe nichts zu tun und trifft trotzdem dieselben Menschen. Ein Teckel geht der Nase nach, meldet, was er findet, und prüft eine Ansage, statt sie auszuführen. Im Wald heißt das, dass er sich entfernt, im Wohngebiet, dass die Nachbarn ihn hören. Beides lässt sich in geordnete Bahnen bringen, aber nicht wegerziehen, und wer den kleinen Hund für die bequeme Variante gehalten hat, merkt das in den ersten Monaten.
Anforderungen, die diese Rasse stellt
Das Erste, was dieser Hund verlangt, ist Klarheit über sein Gehör. Eine Hörprüfung beim Tierarzt bringt sie, und sie gehört an den Anfang, nicht ans Ende einer Reihe von Missverständnissen. Bei einem Hund, dessen Ohr sicher trägt, ist die Sache damit erledigt. Bei einem, der einseitig oder ganz taub ist, ändert sich der Alltag an vielen kleinen Stellen: Freilauf braucht andere Regeln, Wecken braucht Vorwarnung, und der Hund braucht ein Zeichen, das er sehen kann.
Dazu kommt der Aufwand, den jeder Teckel mitbringt. Der Rücken verträgt keine Stoßbelastung, also gehören Sprünge aus dem Kofferraum, tägliche Treppen und jedes überflüssige Kilo abgestellt, während gleichmäßige Bewegung über den Tag verteilt gebraucht wird. Und es braucht jemanden, bei dem eine Regel jedes Mal gilt und nicht nur beim ersten Mal, weil dieser Hund Ausnahmen sofort als neue Regel behandelt.
Bleibt die Frage, was er den Tag über tut. Zur jagdfreien Zeit und zu den Aufgaben, die dann greifen, steht das Nötige auf der Sachthemenseite Jagdverhalten. Beim Teckel liegt die Apportierarbeit nahe, und der Grund ist ein anderer als bei den meisten Jagdhunden: Hinweg, Fund und Abgabe müssen ohne Zuruf zustande kommen, über Zeichen, die er sieht.
Gesundheit im Blick
Beim Tigerdackel stehen zwei Themen nebeneinander. Das erste hängt am Farbmuster: Das Gen, das die Aufhellung erzeugt, wirkt auch auf die Pigmentzellen im Innenohr und im Auge. Die Folge können Hörminderung bis zur Taubheit sein, dazu Veränderungen am Auge, von einem fehlenden Tapetum lucidum über Anomalien der Regenbogenhaut bis zu Mikrophthalmie und Kolobomen. Entscheidend ist dabei die Anzahl der Genkopien: Einfach gefleckte Hunde sind selten und meist leicht betroffen, doppelt gefleckte Hunde regelmäßig und schwer. Die Zahlen dazu stehen weiter unten.
Das zweite Thema teilt er mit allen Teckeln und hat mit der Farbe nichts zu tun. Die Zwischenwirbelscheiben verändern sich bei dieser Rasse früher als bei anderen, was Vorfälle begünstigt, häufig zwischen dem dritten und siebten Lebensjahr. Die Zahlen unterscheiden sich zwischen den Varietäten erheblich, und sie folgen weder der Haarart noch der Größe.
Auf die Lebensdauer schlägt beides nicht durch. Mit 13,2 Jahren im Median liegt der Teckel über dem, was kleine Rassen im Mittel erreichen, nämlich 12,7 Jahren.
Zur Qualzuchtfrage
Was Qualzucht rechtlich bedeutet, was die Gerichte daraus machen und was das Gutachten von 1999 wert ist, steht im Sachthema Qualzucht. Für dieses Farbmuster gilt Folgendes.
Der Wortlaut des Standards steht dem weißen Hund entgegen, um den die Debatte geht. Beim Farbmuster verlangt er, dass weder die dunkle noch die helle Farbe überwiegt, und große Platten sind nicht erwünscht. Weiße Farbe mit oder ohne Brand disqualifiziert. Ein Hund also, der zu über der Hälfte unpigmentiert ist, wäre auf keiner Ausstellung ein Teckel. Nur bei den Augen macht der Standard eine Ausnahme für gefleckte Hunde: Glas-, Fisch- und Perlaugen sind dort zu tolerieren, bei allen anderen sind sie ein schwerer Fehler.
Das Qualzuchtgutachten von 1999 behandelt das Merlesyndrom in einem eigenen Abschnitt und zählt den Teckel unter den betroffenen Rassen namentlich auf. Seine Feststellung: Homozygote Tiere weisen regelmäßig Sinnesorganstörungen auf und sind damit Leiden ausgesetzt. Empfohlen wird ein Zuchtverbot für sie und für die Verpaarung zweier gefleckter Elterntiere, darüber hinaus der Verzicht auf die Zucht mit dem Merlegen überhaupt.
Die Zucht- und Eintragungsbestimmungen des Deutschen Teckelklubs setzen um, was das Gutachten empfiehlt: Die Verpaarung zweier Merleträger ist untersagt, ebenso die mit einem verdeckten Träger, und vor der Anpaarung an einen gefleckten Hund ist der Zuchtpartner auf das Merlegen zu testen. Für die Zucht außerhalb des Vereins gilt davon nichts, und wie viele Tigerdackel dort entstehen, ist nicht belegt.
↓ Die genauen Zahlen und die Belege dazu stehen unter „Zahlen und Studien zur Gesundheit“.
Zahlen und Studien zur Gesundheit
Taubheit, allgemein. Die größte Erhebung mit Genotypisierung untersuchte 153 gefleckte Hunde aus zehn Rassen mit einer Hörprüfung über akustisch evozierte Potenziale. Bei einfach gefleckten Hunden waren 2,7 Prozent einseitig und 0,9 Prozent beidseitig taub, bei doppelt gefleckten 10 Prozent einseitig und 15 Prozent beidseitig.[1] Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen ist statistisch gesichert. Ein Zusammenhang mit der Augenfarbe zeigte sich nicht.
Was davon für den Dackel gilt. Wenig. Erhebungen zum Merlegen laufen fast immer über mehrere Rassen, und in dieser waren Dackel mit vier Hunden vertreten, alle einfach gefleckt, alle hörend.[1] Ein Dackelwert liegt nur aus einer älteren deutschen Arbeit vor: 38 Dackel aus einer Zuchtkolonie, Hörminderung von leicht bis vollständig bei 54,6 Prozent der doppelt und 36,8 Prozent der einfach gefleckten Hunde, bei keinem Hund ohne Merlegen.[2] Diese Zahlen werden bis heute zitiert, und sie sind die Grundlage vieler Aussagen über die Rasse.
Warum die beiden Zahlen so weit auseinanderliegen. Die spätere Auswertung geht der Sache nach und rechnet die deutsche Erhebung um: Zählt man nur echte Taubheit, also das Ausbleiben einer Antwort auf den lautesten Reiz, bleiben 9,1 Prozent bei den doppelt gefleckten Hunden und 0 Prozent bei den einfach gefleckten. Der Rest waren Teilhörverluste, die sich mit Zwingerhaltung, Mittelohrentzündungen und Lärmbelastung erklären lassen.[1] Damit steht die höhere Zahl nicht im Raum als Rassewert, aber die Richtung bleibt in beiden Auswertungen dieselbe.
Augen. Auch hier stammt die einzige dackelspezifische Arbeit aus derselben Hannoveraner Zucht, einer Kolonie von 44 unter gleichen Bedingungen gehaltenen Teckeln. Schwere Fehlbildungen zeigten sich bei elf Hunden mit einem Aufhellungsgrad von 50 Prozent und mehr, also den doppelt gefleckten: Mikrophthalmus und Mikrokornea, Mikrokorie und Korektopie, Katarakte und Kolobome. Bei den einfach gefleckten Hunden kamen zweifarbige Regenbogenhaut, pigmentarme Netzhaut, fehlendes Tapetum lucidum, Papillenanomalien und erweiterte episklerale Gefäße vor, aber nicht bei allen. Die pigmentierten Kontrolltiere ohne Merlefaktor zeigten keine dieser Veränderungen, abgesehen von erweiterten episkleralen Gefäßen bei einzelnen Tieren.[3]
Bandscheibe. Eine Halterbefragung mit 1.975 auswertbaren Hunden und 310 Fällen ergab eine Gesamtprävalenz von 15,7 Prozent für Bandscheibenerkrankungen beim Dackel.[4] Zwischen den Varietäten liegen 17 Prozentpunkte, und zwar quer zu Haarart und Größe: Das Standardrauhaar kommt auf 7,1 Prozent, das Standardkurzhaar auf 24,4 Prozent, die Zwergvarietäten liegen dazwischen. Nach dem Farbmuster ist nicht ausgewertet worden. Die Teilnehmer haben sich selbst gemeldet, und ein Querschnitt sagt nichts darüber, was Ursache und was Folge ist.
Lebenserwartung. In der größten britischen Auswertung mit 584.734 Hunden liegt das mediane Lebensalter für den Dackel bei 13,2 Jahren, für den Zwergteckel bei 14,0 Jahren, gegenüber 12,0 Jahren bei Mischlingen.[5] Das Sterberisiko liegt damit unter dem der Vergleichsgruppe. Zum Farbmuster ist die Auswertung nicht aufgeschlüsselt, und für die Frage, ob das Merlegen die Lebensdauer beeinflusst, liegen keine belastbaren Daten vor.
Quellen: [1] Strain und andere (2009), Journal of Veterinary Internal Medicine 23, S. 282 bis 286, 153 gefleckte Hunde aus zehn Rassen (Volltext frei). [2] Reetz, Stecker und Wegner (1977), Deutsche Tierärztliche Wochenschrift 84, S. 273 bis 277, 38 Dackel; die Zahlen sind an der Wiedergabe und Einordnung in [1] gegengelesen, das Original lag nicht vor. [3] Dausch, Wegner, Michaelis und Reetz (1978), Albrecht von Graefes Archiv für klinische und experimentelle Ophthalmologie 206, S. 135 bis 150, 44 Dackel (Zusammenfassung frei). [4] Packer und andere (2016), Canine Genetics and Epidemiology 3:8, DachsLife 2015 (Volltext frei). [5] McMillan und andere (2024), Scientific Reports 14:531, 584.734 Hunde (Volltext frei).
Die Methode bei dieser Rasse
Zehn Meter Sicherheitsleine, ein abgeerntetes Feld, der Hund geht vor. Er nimmt Witterung auf, dreht ab und geht in eine Richtung, die du nicht ausgesucht hast, und die Leine lässt es zu. Genau daraus lernt er etwas, das niemand beabsichtigt hat: Ich habe eine Grenze, aber innerhalb davon mache ich, was ich will.
So ist diese lange Leine nicht gemeint. Sie soll verhindern, dass er ganz weggeht, mehr nicht. Alles, worauf es ankommt, passiert innerhalb der zehn Meter: dass er von sich aus Kontakt hält, dass er auf ein Körpersignal antwortet, dass er sich rückversichert, bevor er weitergeht. Die meisten Menschen setzen stattdessen auf die Stimme. Sie rufen, lauter, dann noch lauter, und wenn das nichts hilft, halten sie die Leine fest. Der Hund hat dann einen Widerstand am Halsband und keine Information.
Das Leinenkonzept dreht die Reihenfolge um. Die Leine hält den Hund nicht, sie sagt ihm etwas, über eine kurze Verzögerung, über ein Körpersignal, über ein Nachgeben im richtigen Moment, über die Länge, die du zulässt. So wird die Leine zur Nebensache, während das Kontakthalten die Arbeit übernimmt.
Bei jedem Hund ist die Stimme der schwächste Kanal, weil Worte in Erregung als Erstes durchfallen. Beim Tigerdackel kann sie ganz ausfallen, und ob ein Hund gut hört, sieht man ihm nicht an. Was über Körpersignale läuft, erreicht ihn dagegen in jedem Fall, ob er hört oder nicht. Wie das aufgebaut wird, beschreibt Anton Fichtlmeier in seinen Büchern und Onlinekursen, siehe Empfehlung.
Kurz zusammengefasst
- Der Tigerdackel ist keine Rasse und keine Haarart, sondern ein Farbmuster, das in allen neun Varietäten des Teckels auftreten kann.
- Schon der Standard von 1905 kannte die gefleckten Teckel, und Strebel schrieb dazu: „Die fortgesetzte Inzucht auf Farbe ist ein Unding“ (Band 2, S. 196).
- Das Gen wirkt nicht nur auf das Fell, sondern auch auf Innenohr und Auge, und zwar abhängig von der Zahl der Kopien: einfach gefleckt selten und leicht, doppelt gefleckt regelmäßig und schwer.
- Die Verpaarung zweier gefleckter Hunde ist deshalb Gegenstand einer Zuchtempfehlung des Qualzuchtgutachtens und im Deutschen Teckelklub untersagt.
- Weil niemand einem Hund ansieht, wie gut er hört, gehört die Hörprüfung an den Anfang, und eine Verständigung über Hand, Abstand und Blick trägt hier weiter als jeder Zuruf.
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Belege und Quellen
Zeitgenössische Quelle
Richard Strebel, „Die deutschen Hunde und ihre Abstammung“, Kern & Birner, Frankfurt am Main 1905, Band 2, S. 177, 191, 192 und 196, Farbtafel zwischen S. 176 und 177. Farb- und Augenabschnitt gehören zum wiedergegebenen Rassestandard, die Anmerkung auf S. 196 ist Strebels eigener Kommentar. Alle Zitate am Originalscan gegengelesen. Gemeinfrei.
Steckbriefdaten
FCI-Rassestandard Nr. 148 (Volltext frei), Publikationsdatum 25. Mai 2021, deutsche Fassung mit Kopfzeilendatum 14. März 2022. Eine Sektion nennt der Standard nicht. Er beschreibt das Zuchtziel, nicht den durchschnittlichen Hund.
Entstehungsgeschichte
Sammelbeleg für den Abschnitt „Die Entstehung der Rasse“. Mittelalter, Herkunft aus Bracken, Deutscher Teckelklub 1888, drei Größen und drei Haararten: FCI-Standard Nr. 148, Abschnitt „Kurzer geschichtlicher Abriss“. Einteilung nach Gewicht und Kopfstudie „Tiger-Reinecke“: Strebel, Band 2, S. 191, 192 und 196. Nachtsheim (1935) und die Hannoveraner Arbeiten: Literaturverzeichnis des Qualzuchtgutachtens zu Abschnitt 2.1.1.1.7, keine Einsicht in die Originale.
Größen im Standard
Der Standard legt weder Widerristhöhe noch Gewicht fest, sondern den Brustumfang, gemessen frühestens mit 15 Monaten. Teckel: Rüden über 37 bis 47 cm, Hündinnen über 35 bis 45 cm. Zwergteckel: Rüden über 32 bis 37 cm, Hündinnen über 30 bis 35 cm. Kaninchenteckel: Rüden 27 bis 32 cm, Hündinnen 25 bis 30 cm.
Farbmuster im Standard
FCI-Standard Nr. 148, Abschnitt „Farbe und Farbmuster“, Punkt c, je Haarart getrennt: Kurzhaar S. 6, Rauhaar S. 7, Langhaar S. 9. Der Satz zu den Augen steht im Abschnitt „Augen“ auf S. 3: „Glas-, Fisch- oder Perlaugen bei gefleckten Hunden sind nicht erwünscht, jedoch zu tolerieren.“ Glasaugen bei anderen Hunden stehen unter den schweren Fehlern auf S. 10, „Weiße Farbe mit oder ohne Brand“ unter den disqualifizierenden auf S. 12.
Rechtslage
Tierschutzgesetz Paragraph 11b, Absatz 1 (Volltext frei).
Qualzuchtgutachten
Gutachten zur Auslegung von Paragraph 11b des Tierschutzgesetzes, Verbot von Qualzüchtungen, Sachverständigengruppe Tierschutz und Heimtierzucht im Auftrag des BML, vom 2. Juni 1999 (Volltext frei). Merlesyndrom: Abschnitt 2.1.1.1.7, S. 23 bis 24, Übersichtstabelle S. 36. Zuchtempfehlung im Wortlaut: „Daher muss für Weißtiger sowie für den Paarungstyp Tiger x Tiger (Mm x Mm) ein Zuchtverbot […] empfohlen werden.“ Die Selbstbeschreibung als verbindliche Leitlinie steht auf S. 3.
Zuchtbestimmungen des Vereins
Deutscher Teckelklub 1888 e. V., Zucht- und Eintragungsbestimmungen, Fassung 2025, Abschnitt „Zucht mit Teckeln der Farbmusterung gefleckt (Merleträger)“ (Vereinsangabe). Dort stehen die untersagten Anpaarungen, die Testpflicht für den Zuchtpartner und die Regelung zur Eintragung.
Genetische Grundlage
Clark und andere (2006), Proceedings of the National Academy of Sciences 103, S. 1376 bis 1381, zur Einlagerung im Gen SILV als Ursache des Merlemusters (Volltext frei). Zu den schwer erkennbaren Varianten beim Dackel: Ballif und andere (2021), Human Genetics 140, S. 1581 bis 1591 (Zusammenfassung frei).
Gesundheitszahlen
stehen unter „Zahlen und Studien zur Gesundheit“ weiter oben.
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