Welsh Terrier

FCI-Gruppe
Gruppe 3 Terrier, Sektion 1 Hochläufige Terrier, ohne Arbeitsprüfung
FCI-Standard
Nr. 78, Fassung vom 13. Oktober 2010
Ursprungsland
Großbritannien
Ursprüngliche Verwendung
Erdhund auf Fuchs, Dachs und Otter, geführt zur Otterhundemeute
Heutige Verwendung
Begleit- und Familienhund, vereinzelt jagdlich geführt
Format
Kleiner hochläufiger Terrier, kompakt, kurzer Rücken, forscher Eindruck
Widerristhöhe (FCI-Standard)
Nicht über 39 cm
Gewicht (FCI-Standard)
9 bis 9,5 kg
Fell und Fellpflege
Drahtig, hart, sehr dicht, mit Unterwolle, mehrmals im Jahr trimmen
Typische Merkmale
Schwarzer oder grizzlefarbener Sattel, lohfarbener Kopf und Läufe, Bart, kleine V-Ohren
Lebenserwartung
Rund 13,8 Jahre im Median
Gesundheit im Blick
Linsenluxation, paroxysmale Dyskinesie, degenerative Myelopathie, Augen

Das erwartet dich

  • Ein Streit zwischen zwei Zeitzeugen, die sich über das Alter dieser Rasse um Jahrhunderte uneinig sind
  • Ein walisischer Vierzeiler von etwa 1450 und was er über den Hund von heute verrät
  • Warum es in Deutschland eine zweite Rasse brauchte, um seine Arbeit zu erledigen
  • Der ruhige Terrier, und warum er im Alltag anstrengender ist, als das Wort klingt
  • Was aussieht wie ein Anfall und keiner ist

Film

Bevor es um Herkunft und Wesen des Welsh Terriers geht, zunächst ein Bild von ihm.

Illustration: Richard Strebel, aus: „Die deutschen Hunde und ihre Abstammung“, Kern & Birner, Frankfurt am Main 1905 (Gemeinfrei). Der Text nennt den abgebildeten Hund Champion „Resiant“. Er trägt die damals übliche gestutzte Rute.

Kurzbeschreibung

Der Welsh Terrier ist ein kleiner hochläufiger Terrier mit kurzem Rücken, kräftigem Kiefer und einem Ausdruck, den der Standard „forsch, geschickt, ausgewogen und kompakt“ nennt. Am Kopf sitzen ein Bart und kleine, nach vorn an die Wangen gefaltete V-Ohren. Sein Haar ist drahtig, hart und sehr dicht; Unterwolle gehört dazu, ihr Fehlen bezeichnet der Standard ausdrücklich als unerwünscht. Den Rücken deckt ein schwarzer oder grizzlefarbener Sattel, Kopf und Läufe sind lohfarben. Der Standard beschreibt ihn als anhänglich und leichtführig, fröhlich und launisch, selten scheu, unerschrocken und furchtlos, jedoch keinesfalls aggressiv. Er wird alt, und sein wichtigstes Gesundheitsthema betrifft die Augen.

Wie die Rasse um 1900 beschrieben wurde

Über kaum eine Rasse haben sich zwei Zeitzeugen so offen widersprochen. Für Richard Strebel ist der Welsh Terrier 1905 eine Erfindung. Er sei „nichts anderes als die rauhhaarige Form des black and tan-Terriers“ und „ganz jungen Ursprungs“; einen Klub gebe es in England überhaupt erst seit knapp zwanzig Jahren. Dann folgt der Satz, der seine Meinung trägt: „Ich gehe kaum fehl, wenn ich auch ihn als durch Jahre hindurch schlummernde Abart des alten historischen Terriers betrachte, dessen Lanzierung als Rasse wohl das Verdienst einiger Leute ist“ (Strebel, Die deutschen Hunde, Band 1, 1905, S. 118). Gemeint ist damit nichts über den Hund, sondern etwas über die Leute dahinter: Als Rasse habe es ihn vorher nicht gegeben, und wer ihn dazu erklärt habe, habe gewusst, was er tat.

Zwei Jahre später widerspricht ihm ein Mann, der die Rasse selbst züchtet. Walter S. Glynn räumt ein, dass der Welsh Terrier als Ausstellungshund kaum zwanzig Jahre alt ist. In Wales aber lebe er seit Jahrhunderten, und er sei kein neuer Hund, sondern der alte schwarz-lohfarbene Rauhaarterrier, der einmal Englands erster Terrier war und dort verschwand. Womit Glynn das belegt, ist das Bemerkenswerte: nicht mit Zuchtbüchern, die es nie gab, sondern mit einem Gedicht und einer Familie.

Das Gedicht ist ein walisischer Vierzeiler aus der Zeit um 1450. Jemand bedankt sich darin für zwei Geschenke, einen Stock und eine gute Hündin, eine schwarze mit rotem Bauch. Wofür sie taugt, steht in den letzten beiden Zeilen: den Iltis zu würgen und den Fuchs herauszureißen (Glynn in Leighton, The New Book of the Dog, 1907, Kapitel XXXIX, eigene Übersetzung nach Glynns englischer Wiedergabe). Das walisische Wort für diese Hündin heißt daeargast, wörtlich Erdhündin. Die Familie wiederum führt im Nordwesten von Wales eine Otterhundemeute, hielt schon um 1760 solche Terrier und arbeitete zu Glynns Zeit noch immer mit ihnen, ohne je einen Stammbaum aufgeschrieben zu haben.

Über die Streitfrage hinaus beschreibt Glynn auch, was er täglich vor sich hat, und das ist der brauchbarste Teil. Einen besseren Terrier zur Meute gebe es nicht. Sie seien nicht zänkisch, zeigten untereinander kaum Eifersucht bei der Arbeit und ließen sich deshalb zusammen führen und halten, darin besser als jede andere Terrierrasse. Sie bräuchten allerdings „a bit of rousing“, seien also nicht so auffällig schneidig wie andere. Wenn genug geredet sei und es ans Tun gehe, schreibt er, sei erfahrungsgemäß der ruhige Hund der gefragte.

Was Strebel für Deutschland festhält, erledigt er in einem Satz: „Bei uns in Deutschland hat er so gut wie keine Anhänger gefunden, wohl weil er sich erst sein Vaterland erobern mußte“ (Strebel, Die deutschen Hunde, Band 1, 1905, S. 118).

Quellen: Richard Strebel (1905), Band 1, S. 118 bis 119, sowie Walter S. Glynn in Robert Leighton (1907), Kapitel XXXIX. Vollständige Quellenangaben siehe Quellen.

Die Entstehung der Rasse

Folgt man Glynn, steht vor dem Ausstellungshund ein Arbeitshund ohne Papiere. Gezüchtet wurde in den walisischen Tälern auf Arbeit und nicht auf Aussehen. Jeder Landstrich hatte seinen eigenen Schlag, jeder Besitzer schwor auf den seinen, und aufgeschrieben war nichts davon.

Mitte der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts kam die Frage auf, diese Hunde auszustellen. Ein Klub entstand, der Kennel Club erkannte die Rasse an, und die ersten Schauen in Wales waren auf Anhieb voll. Die Hunde selbst fielen durch. Auf Arbeit gezogen, hatten sie kurze, keilförmige Köpfe, oft schwere runde Ohren und ein helles Auge, und genau das wollten die Richter nicht sehen.

Was dann geschah, hätte die Rasse beinahe erledigt. Neben ihr trat ein zweiter Hund an, der Old English Terrier: fast derselbe Hund, nur ansehnlicher, und die Sympathien flogen ihm zu. Auf manchen Schauen liefen beide in einer gemeinsamen Klasse, und der Schönere gewann. Glynn, der dabei war, beschreibt Jahre, in denen der Welsh Terrier verlacht wurde und eigene Züchter zur anderen Seite überliefen. Von allen Seiten wurde geraten, fremdes Blut einzukreuzen, damit endlich die Köpfe länger würden. Der Klub entschied das Gegenteil: Um seine Preise durfte nur laufen, wessen Hund nachweislich reinrassig war. Die Regel hielt, und der ansehnlichere Rivale verschwand innerhalb weniger Jahre wieder. Glynn erklärt sich das so: Man habe nie einen Old English Terrier gesehen, der von zweien seiner eigenen Art abstammte. Nachzüchten ließ er sich nicht.

In Deutschland begann alles ein halbes Jahrhundert später. Erst 1931 nahm der Klub für Terrier die ersten Welsh Terrier auf; über die Jahrzehnte sind daraus mehr als 37.000 Eintragungen geworden, womit die Rasse im Klub an vierter Stelle steht (Vereinsangabe). Die Zahlen von heute sehen anders aus. Der Verband für das Deutsche Hundewesen zählte 2011 noch 360 Welpen im Jahr. Im Ursprungsland setzte der Royal Kennel Club die Rasse 2024 auf die Liste der gefährdeten heimischen Rassen; darauf kommt, wer im Jahr weniger als 300 Eintragungen hat. 2025 waren es in Großbritannien 190 und in Deutschland 112. Die Rasse, die Strebel 1905 für eine Erfindung hielt, ist inzwischen in Wales wie in Deutschland eine Seltenheit.

Eine Merkwürdigkeit hat die Rasse aus dieser Zeit mitgenommen, und sie steht in der Rute. Kupieren ist hierzulande untersagt; ausgenommen sind allein jagdlich zu führende Hunde, und der Welsh Terrier zählt dem Wortlaut nach dazu. Die Ausnahme steht ihm damit offen, läuft aber ins Leere, weil ihn hier kaum jemand jagdlich führt. Dass das einmal anders war, ist an Strebels Rassekennzeichen von 1905 abzulesen, die die Rute als „gewöhnlich gestutzt“ führen, und an dem Hund auf seiner Zeichnung. Wie eng die Ausnahme gefasst ist und worüber gestritten wird, behandelt das Sachthema Kupieren der Rute.

Ursprüngliche Verwendung und Entwicklung

Der Welsh Terrier ist für die Enge gezogen worden. Der Standard nennt als ursprüngliche Aufgabe die Jagd auf Fuchs, Dachs und Otter, und die Quellen um 1900 zeigen, wie das aussah: Der Hund lief mit der Otterhundemeute, blieb dabei unauffällig neben den Hunden und ging dann allein hinein, wo kein Mensch hinterherkam. Wie diese Arbeit unter der Erde abläuft, steht im Sachthema Jagdverhalten. Zwei Dinge verlangte sie zugleich: stundenlang nichts tun, ohne sich an den anderen Hunden hochzuziehen, und dann ohne Anlauf voll da sein. Dass Terrier dabei nicht bloß draufgängerisch sein dürfen, behandelt dasselbe Sachthema unter Schärfe.

In Deutschland ist aus dieser Aufgabe nichts geworden, und der Grund dafür ist gut belegt. Nach dem Ersten Weltkrieg wollten deutsche Jäger einen Hund für die Arbeit unter der Erde, der allein nach Leistung gezüchtet wird. Sie führten dafür nicht den Welsh Terrier, sondern nahmen ihn als Baustein: Rudolf Frieß, Walter Zangenberg, Carl-Erich Grünewald und Herbert Lackner festigten ihre neue Rasse „durch geschicktes Einkreuzen des altenglischen rauhaarigen Urterriers sowie des Welsh Terriers“, so der heutige Standard des Deutschen Jagdterriers. 1926 wurde dessen Klub gegründet, und seither ist der deutsche Bauhund der Jagdterrier.

Formal steht die Tür weiter offen: Seit 2008 dürfen Welsh Terrier mit Papieren des Klubs für Terrier an den Bauanlagen des Deutschen Teckelklubs zur Baueignungsbewertung antreten, und der Klub führt die Rasse als eine von fünf jagdlich relevanten. Betrieben wird das kaum. Eigene Prüfungen hat er nicht, seine Zuchtordnung verlangt für diese Rasse keinerlei Nachweis, und noch 2023 erhob er erst einmal, wie viele seiner Mitglieder überhaupt einen Jagdschein haben. Wo der Welsh Terrier heute regelmäßig geprüft wird, beim österreichischen Klub, geschieht das über der Erde: Jugendprüfung, Vollgebrauchsprüfung, Schweißsonderprüfung. Zur Jugendprüfung im Sommer 2025 traten dort vier Gespanne an, drei bestanden.

Was diese Rasse heute prägt

Glynn beschreibt einen auffallend ruhigen Terrier, und derselbe Hund wurde auf einen Dachs geschickt. Das klingt nach einem Widerspruch, ist aber keiner: Ruhe und Entschlossenheit gehören bei ihm zusammen.

Die Ruhe ist keine Gemütlichkeit. Wer stundenlang neben einer Meute lag, ohne sich anstecken zu lassen, hat gelernt, nichts zu zeigen, solange nichts zu tun ist. Deshalb kündigt dieser Hund nichts an, sondern geht aus dem normalen Gang heraus los. Was dann kommt, ist die andere Seite: In der Enge konnte ihm niemand hineinreden, also musste er die Sache selbst zu Ende bringen wollen. Der Standard formuliert beides vorsichtig und nebeneinander, unerschrocken und furchtlos, jedoch keinesfalls aggressiv, und dazu jederzeit in der Lage, sich zu behaupten, wenn es nötig ist.

Eine weitere Eigenschaft fällt bei einem Terrier besonders auf, und Glynn hebt sie eigens hervor: die Verträglichkeit mit anderen Hunden. Welsh Terrier ließen sich gemeinsam führen, halten und arbeiten, weil sie untereinander kaum Eifersucht zeigten. Das war eine Aussage über Meutehunde vor über hundert Jahren, und der betreuende Verein formuliert es heute vorsichtiger. Er nennt den Welsh Terrier umgänglich, hält aber fest, dass er mit anderen Hunden gelegentlich Verständigungsschwierigkeiten haben könne (Vereinsangabe). Die Anlage ist also da, sie ist keine Garantie.

Was Hundehalter heute erwarten, und woran sie sich reiben

„Der kleine Airedale“ ist der Beiname, unter dem diese Rasse läuft, und der betreuende Verein stellt ihn selbst an den Anfang seiner Rassebeschreibung, samt dem Hinweis, dass der Welsh Terrier kein Kläffer sei. Wer sich davon angesprochen fühlt, erwartet ein vertrautes Erscheinungsbild in handlichem Format: dieselbe Farbe, derselbe Bart, passend für die Stadtwohnung. Was dieses Bild ausblendet, ist die Aufgabe, für die der Welsh Terrier ursprünglich gezüchtet wurde.

Er ist klein genug, dass man ihn nicht ernst nimmt, und was so ein Hund tut, wird selten als Problem behandelt. Er verschwindet für zwei Minuten in der Hecke und kommt wieder, er zieht am Ende der Leine einem Kaninchen nach, er geht durch den Zaun, wo ein größerer nicht durchpasst. Bei einem dreißig Kilo schweren Hund würde man am ersten Tag eingreifen. Beim Welsh Terrier winkt man ab, weil es niedlich aussieht, und aus dem Abwinken wird über Monate eine Gewohnheit. In dieser Zeit wird aus dem Verhalten eine Gewohnheit, und die ist danach schwerer aufzulösen als am ersten Tag.

Schwerer wiegt ein Problem, das zunächst kaum auffällt. Es entsteht ausgerechnet durch eine Eigenschaft, wegen der viele Menschen diesen Hund auswählen: Ein Hund, der wenig fordert und selten stört, bekommt im Alltag leicht zu wenig Aufmerksamkeit und Beschäftigung. Er beschwert sich nicht darüber. Deshalb fällt es lange nicht auf, und bemerkt wird es meist erst, wenn er sich selbst eine Aufgabe gesucht hat, die niemand für ihn vorgesehen hatte.

Anforderungen, die diese Rasse stellt

Handarbeit am Haar, mehrmals im Jahr. Hartes Deckhaar wird nicht abgeworfen, es wird gezupft. Wer es selbst macht, braucht dafür einmal eine Anleitung und danach einige Nachmittage im Jahr; wer es machen lässt, trägt die Termine fest in den Kalender ein. Bleibt es aus, wird das Haar weich, und dann findest du es auch auf dem Sofa.

Eine Aufgabe, die von dir ausgeht. Weil der Anfang bei ihm nicht von selbst sichtbar wird, muss ihn jemand setzen, und die freie Verlorensuche beim Apportieren tut genau das: Das Zeichen zum Anfangen gibst du, den Rest macht er allein. Welche Anlagen eine solche Arbeit anspricht, behandelt das Sachthema Jagdverhalten. Der Aufwand liegt dabei nicht in der Länge, sondern in der Häufigkeit: viermal zehn Minuten in der Woche bringen mehr als einmal zwei Stunden. Du musst allerdings selbst daran denken, denn er wird diese Beschäftigung nicht einfordern. Das gilt auch, wenn du ihn jagdlich führst.

Geduld mit der Sicherheitsleine. Sie wird hier länger gebraucht als bei den meisten Hunden, und zwar aus dem Grund, der oben steht. Wer zu früh ableint, hat die eine Situation, auf die es ankommt, nicht mehr in der Hand.

Ein Zaun, der ernst gemeint ist. Ein kleiner Hund auf kurzen, kräftigen Läufen findet Lücken, durch die andere nicht hindurchpassen. Dass er solche Wege nutzt, ist kein Erziehungsfehler, sondern gehört zu dem, wofür er gebaut ist.

Gesundheit im Blick

Der Welsh Terrier wird alt, und das ist ungewöhnlich gut belegt. Sein medianes Überleben liegt bei rund 13,8 Jahren und damit über dem Wert kleiner Rassen insgesamt, der bei 12,7 Jahren liegt. Unter 156 ausgewerteten Rassen steht er damit auf Rang 29.

Das zentrale Thema der Rasse betrifft die Augen. Bei der primären Linsenluxation zerfällt die Aufhängung der Linse, die Linse rutscht aus ihrer Lage, und das ist schmerzhaft und kann zu grünem Star und Erblindung führen. Sie zeigt sich spät, meist zwischen vier und acht Jahren. Seit 2009 gibt es einen Gentest, der Anlageträger und betroffene Hunde vorher unterscheidet; verpflichtend ist er nirgends.

Zweites Thema ist eine Bewegungsstörung, die erst 2022 überhaupt beschrieben wurde: die paroxysmale Dyskinesie. Betroffene Hunde zeigen anfallsartige Episoden mit Muskelanspannung, verdrehter Haltung und angezogenen Gliedmaßen, bei vollem Bewusstsein und ohne bleibenden Schaden. Sie sieht aus wie ein epileptischer Anfall und ist keiner; der Verlauf ist bei den meisten Hunden stabil oder wird besser.

Dazu kommt die degenerative Myelopathie, eine langsam fortschreitende Erkrankung des Rückenmarks im Alter, für die es ebenfalls einen Gentest gibt. Hüften, Kniescheiben, Herz und Schilddrüse sind in den Screeningregistern unauffällig.

Zahlen und Studien zur Gesundheit

Lebenserwartung. Die bislang größte Auswertung britischer Hunde führt den Welsh Terrier mit 570 lebenden und 146 verstorbenen Tieren. Das mediane Überleben beträgt 13,8 Jahre, das Konfidenzintervall reicht von 13,5 bis 14,6 Jahren.[1] Gegenüber der Mischlingsgruppe derselben Arbeit, die bei 12,0 Jahren liegt, ergibt sich ein Hazard Ratio von 0,54 mit einem Intervall von 0,46 bis 0,64 und einem p-Wert unter 0,001. Der Vorteil ist damit statistisch gesichert. Kleine Rassen liegen in derselben Arbeit bei 12,7 Jahren, alle reinrassigen Hunde ebenfalls bei 12,7. Nachgezählt an der Rassetabelle: Rang 29 von 156 Rassen.[1]

Paroxysmale Dyskinesie. Eine Arbeitsgruppe des Royal Veterinary College hat 2022 erstmals eine Bewegungsstörung dieser Rasse beschrieben, aus fünf klinisch untersuchten Hunden und einer Halterbefragung: 41 von 177 Antwortenden, also 22,8 Prozent, berichteten passende Episoden.[2] Das mediane Alter beim ersten Auftreten lag bei 59 Monaten, die Episoden dauerten 30 Sekunden bis 30 Minuten, im Median 3 Minuten 30, der Verlauf war meist stabil oder besser werdend. Eine erbliche Ursache halten die Autoren für möglich. Die Zahl ist nach unten einzuordnen: Eine freiwillige Befragung erreicht bevorzugt Betroffene. Ein Übersichtsaufsatz von 2024 ergänzt, dass ein Drittel der Hunde danach Magen-Darm-Zeichen zeigte und einzelne auf glutenfreie Fütterung ansprachen.[3]

Primäre Linsenluxation, das Krankheitsbild. Bei ihr zerfällt die Aufhängung der Linse, die Linse verlagert sich, und daraus können grüner Star und Erblindung entstehen. Betroffene Hunde zeigen das spät, meist zwischen vier und acht Jahren, weshalb ein erkrankter Hund oft schon in der Zucht steht, bevor etwas auffällt. Ein DNA-Test ist seit 2009 verfügbar und unterscheidet vorher zwischen freien Hunden, Anlageträgern und solchen mit zwei Kopien.[5]

Primäre Linsenluxation, zwei Register. Die amerikanische Screeningdatenbank führt 511 getestete Welsh Terrier: 78,7 Prozent frei, 20,7 Prozent Anlageträger, 0,6 Prozent betroffen. Unter allen dort geführten Rassen steht der Welsh Terrier damit auf Rang 12.[4] Der britische Rasseklub nennt für denselben Test 129 getestete Hunde, davon 87 frei (68 Prozent), 38 Anlageträger (29 Prozent) und 4 betroffen (3 Prozent).[5] Beide Zahlen stammen aus freiwilliger Einsendung und sind kein Bevölkerungsschnitt. Verlangt wird der Test weder beim Kennel Club noch beim betreuenden deutschen Verein.[6] Das internationale Verzeichnis der Gentests führt ihn dennoch als den Test mit der höchsten Bedeutung für diese Rasse.[13]

Degenerative Myelopathie, ebenfalls doppelt. Dieselbe Screeningdatenbank führt 149 Untersuchungen auf die auslösende Genvariante: 70,5 Prozent frei, 22,1 Prozent Anlageträger, 7,4 Prozent mit zwei Kopien.[4] Eine peer-reviewte Auswertung von 222 Rassen kommt beim Welsh Terrier auf 72 getestete Hunde mit einer Allelfrequenz von 0,26.[7] Dieselbe Arbeit ordnet ein, was das bedeutet: In einer Nachbefragung entwickelten 60 Prozent der Hunde mit zwei Kopien Krankheitszeichen, aber nur 4 Prozent der Anlageträger und 6 Prozent der freien Hunde. Das Risiko hängt also an den zwei Kopien, nicht an der Anlage.

Krebs, mit dem Vorbehalt der Autoren selbst. Eine britische Auswertung der Rasseberichte von 2004 führt den Welsh Terrier unter den Rassen mit der höchsten anteiligen Krebssterblichkeit: 10 von 23 Sterbefällen, also 43,5 Prozent, Konfidenzintervall 23,3 bis 63,7 Prozent.[8] Dieselbe Arbeit warnt im Text ausdrücklich davor, das für bare Münze zu nehmen, und nennt den Welsh Terrier dabei beim Namen: Bei zahlenmäßig kleinen Rassen könne eine geringe Zahl von Hunden das Ergebnis erheblich verzerren. Bei 23 Sterbemeldungen ist das Intervall entsprechend weit.

Sterbealter und Todesursachen. Die zugrunde liegende Halterbefragung von 2004 nennt für 23 gemeldete Todesfälle ein medianes Sterbealter von 12 Jahren und 8 Monaten, gegenüber 11 Jahren und 3 Monaten über alle Rassen der Erhebung.[9] Häufigste Ursachen waren Krebs mit 10 Fällen und Alter mit 5 Fällen. Bei 108 lebenden Hunden derselben Erhebung waren 73 ohne gemeldete Erkrankung; die häufigsten Diagnosegruppen waren Fortpflanzung, Haut, Bewegungsapparat und Augen. Ein medianes Sterbealter und ein Überlebensmedian sind zwei verschiedene Maße und dürfen nicht gegeneinandergestellt werden.

Augen im Übrigen. Von 173 augenärztlich untersuchten Welsh Terriern der amerikanischen Datenbank sind 98,3 Prozent ohne zuchtausschließenden Befund.[4] Die Einzelbefundtabelle desselben Registers zählt jedoch nur 110 der 173 Hunde als vollständig unauffällig; häufigster Einzelbefund sind persistierende Pupillarmembranen von Iris zu Iris mit 28 Hunden oder 16,2 Prozent, gefolgt von Pigmentresten auf der Linse mit 15,0 Prozent. Beide gelten nicht als zuchtausschließend. Von der Liste gestrichen: Goniodysgenesis, eine Fehlanlage des Kammerwinkels, stand für die Rasse auf der Beobachtungsliste des britischen Augenschemas und ist dort zum 1. Januar 2020 entfernt worden, weil über die Jahre zu wenige Fälle gemeldet wurden.[5]

Gelenke und Schilddrüse. 184 Hüftauswertungen liegen vor, 86,4 Prozent normal, 13,0 Prozent dysplastisch, davon 10,9 leicht, 2,2 mittel und 0,0 schwer. Die Kniescheiben sind bei 136 Untersuchungen zu 99,3 Prozent normal, die Schilddrüse bei 52 Untersuchungen zu 98,1 Prozent, das Herz bei 97 Untersuchungen ohne einen abweichenden Befund.[4] Die britische Hüftauswertung hilft hier nicht weiter: Sie führt für den Welsh Terrier in fünfzehn Jahren einen einzigen bewerteten Hund.[10]

Was nicht vorliegt. Weder VetCompass noch Agria haben eine frei zugängliche Auswertung zum Welsh Terrier veröffentlicht. Einen zusammenfassenden Rassegesundheitsbericht der IPFD gibt es für die Rasse ebenfalls nicht; der Bestand von 29 solchen Berichten ist am 29. August 2026 vollständig durchgesehen worden, die Rasseseite selbst am 1. September 2026.[13] Die große britische Sterblichkeitsauswertung von 2018 enthält die Rasse nicht. Die Erhebung des Kennel Club über 192 Rassen erfasst zwar 135 Welsh Terrier, berichtet für sie aber keine eigenen Erkrankungshäufigkeiten.[11] Das deutsche Qualzuchtgutachten von 1999 nennt die Rasse nicht.[12] Belastbare Aussagen stützen sich damit auf eine große Überlebensauswertung, zwei Screeningregister, eine Halterbefragung von 2004 und wenige neuere Einzelarbeiten.

Quellen: [1] McMillan und andere (2024), Longevity of companion dog breeds: those at risk from early death, Scientific Reports 14:531, mit Supplementary Table S3 (Volltext frei). [2] Whittaker, Volk, De Decker und Fenn (2022), Clinical characterisation of a novel paroxysmal dyskinesia in Welsh terrier dogs, The Veterinary Journal 281:105801 (Zusammenfassung frei). [3] Kolicheski und andere (2024), Canine paroxysmal dyskinesia, a review, Frontiers in Veterinary Science (Volltext frei). [4] Orthopedic Foundation for Animals, Rassestatistiken, abgerufen am 1. September 2026 (Berichtsangabe). [5] Welsh Terrier Club, Breed Health (Vereinsangabe), Stand der Testzahlen Oktober 2017. [6] Zucht-Ordnung des Klub für Terrier von 1894 e. V., Paragraph 7.2, rassespezifischer Teil Welsh Terrier (Vereinsangabe). [7] Zeng und andere (2014), Breed distribution of SOD1 alleles previously associated with canine degenerative myelopathy, Journal of Veterinary Internal Medicine (Volltext frei). [8] Dobson (2013), Breed-predispositions to cancer in pedigree dogs, ISRN Veterinary Science, Tabelle 1 (Volltext frei). [9] Kennel Club und BSAVA Scientific Committee (2004), Purebred Dog Health Survey, Rassebericht Welsh Terriers (Berichtsangabe). [10] BVA und Kennel Club, Hip Dysplasia Scheme Breed Specific Statistics 2024 (Berichtsangabe). [11] Wiles und andere (2017), Large-scale survey to estimate the prevalence of disorders for 192 Kennel Club registered breeds, Canine Genetics and Epidemiology (Volltext frei). [12] Gutachten zur Auslegung von Paragraph 11b des Tierschutzgesetzes, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, 2. Juni 1999 (Volltext frei). [13] International Partnership for Dogs, Rasseseite Welsh Terrier mit den Bewertungen des Verzeichnisses Harmonization of Genetic Testing for Dogs, abgerufen am 1. September 2026 (Berichtsangabe).

Die Methode bei dieser Rasse

Ein Feldweg, links eine Hecke, der Hund trabt seit zwanzig Minuten ruhig neben dir. Du siehst ihn die ganze Zeit, und du siehst nichts: kein Hochziehen des Kopfes, keine kürzeren Schritte, keine gestellten Ohren. Dann ist er in der Hecke. Zwischen dem letzten normalen Schritt und dem Verschwinden liegt nichts, worauf du hättest reagieren können. Das ist der entscheidende Punkt, und er entscheidet darüber, woran hier zu arbeiten ist.

Die meisten Halter arbeiten danach am Rückruf. Der Rückruf setzt hier jedoch erst an, wenn der Hund bereits gestartet ist. Entscheidend ist deshalb ein sichtbares Signal davor: Der Hund soll sich kurz zum Menschen orientieren, bevor er etwas beginnt. Manche Hunde zeigen eine solche Rückfrage von selbst. Beim Welsh Terrier muss sie gezielt aufgebaut werden.

Diese Rückfrage wird über den Blickkontakt aufgebaut. Sieht der Hund zu dir, bevor er etwas anfängt, gibt er dir damit ein Signal, das du rechtzeitig erkennen kannst. Aufgebaut wird das auf dem langweiligsten Stück Weg, das ihr habt: keine Hecke, kein Wild, nichts, was ihn beschäftigt. Er sieht zu dir her, du bestätigst ihn mit „Ja“. Das ist der ganze Vorgang. Schwer daran ist nur, lange genug in einer reizarmen Umgebung zu üben, statt die Rückfrage erst dort zu verlangen, wo der Hund bereits stark abgelenkt ist.

Der Welsh Terrier ist dafür ein dankbarer Hund. Der Standard nennt ihn leichtführig, und er sucht keinen Streit mit dem Menschen. Deshalb lässt sich diese Rückorientierung gut mit ihm aufbauen. Wie die Schritte im Einzelnen aussehen, beschreibt Anton Fichtlmeier in seinen Büchern und Onlinekursen, siehe Empfehlung.

Kurz zusammengefasst

  • Ein Erdhund, dem in Deutschland nie jemand den Bau gezeigt hat. Die Anlagen sind trotzdem da.
  • Seine Größe verleitet dazu, ihm durchgehen zu lassen, was man einem großen Hund abgewöhnen würde, und weil er von sich aus nie etwas einfordert, fällt beides spät auf.
  • Er wird alt, Rang 29 unter 156 ausgewerteten Rassen. Die Themen sind die Augen und eine erst 2022 beschriebene Bewegungsstörung.
  • Trimmen ist Handarbeit und keine Kür, mehrmals im Jahr.
  • Weil er kein Vorzeichen gibt, muss man ihm eines beibringen: den Blick, bevor er anfängt.

Empfehlung

Für die Erziehung und Ausbildung des Welsh Terriers passen folgende Angebote von Anton Fichtlmeier:

Bücher: Grunderziehung für Welpen, Der Hund an der Leine und Suchen und Apportieren.

Onlinekurse:

Weiterführende Informationen zur Fichtlmeier-Methode, zu Büchern, Seminaren und lizenzierten Hundeschulen findest du auf fichtlmeier.de.

Mitreden

Das Reel zu dieser Rasse findest du auf Instagram. Wenn du Fragen hast oder eigene Erfahrungen gemacht hast, diskutier dort mit.

Belege und Quellen

Zeitgenössische Quellen
Richard Strebel, „Die deutschen Hunde und ihre Abstammung“, Kern & Birner, Frankfurt am Main 1905, Band 1, S. 118 bis 119, Kapitel „Der Welsh-Terrier oder drahthaariger black and tan-Terrier“. Alle Zitate und Seitenzahlen am 1. September 2026 am Originalscan gegengelesen. Dazu Walter S. Glynn, „The Welsh Terrier“, Kapitel XXXIX in Robert Leighton, „The New Book of the Dog“, London 1907, nach dem OCR-Text, nicht seitengenau paginiert. Beide Werke gemeinfrei. Vollständige Angaben siehe Quellen.

Entstehung der Rasse
Sammelbeleg: Glynn, Kapitel XXXIX, Quellenangabe siehe oben. Dort stehen die walisischen Schläge, die ersten Schauen, der Old English Terrier und die Reinzuchtregel des Klubs.

Strebels Rassekennzeichen
Schulterhöhe für Rüden 38 cm, Hündinnen entsprechend niedriger; 9 kg als „ein gutes Durchschnittsgewicht für einen Rüden in Arbeitsverfassung“. Fundstelle wie oben, S. 119.

Die Abbildung
Federzeichnung Richard Strebels auf S. 119, signiert und mit der Jahresangabe 05. Eine gedruckte Bildunterschrift trägt die Seite nicht; den Namen Champion „Resiant“ nennt der Fließtext auf S. 118, am Originalscan gelesen.

Steckbriefdaten
FCI-Rassestandard Nr. 78, Publikationsdatum des gültigen offiziellen Standards 13. Oktober 2010, deutsche Fassung (Volltext frei). Gruppe, Sektion, Ursprung, Widerristhöhe, Gewicht, Haarkleid, Farbe und Rute stammen daraus, ebenso die Wesenszitate aus dem Abschnitt „Verhalten / Charakter“ und der Hinweis auf Fuchs, Dachs und Otter aus dem geschichtlichen Abriss. Der Standard beschreibt das Zuchtziel, nicht den durchschnittlichen Hund.

Vereinsgeschichte und Wesensangaben in Deutschland
Klub für Terrier von 1894 e. V., Rasseportrait Welsh Terrier (Vereinsangabe). Fundstelle für die Aufnahme 1931, die über 37.000 Zuchtbucheintragungen und den vierten Rang im Klub. Dort stehen auch der Beiname „der kleine Airedale Terrier“, der Satz, er sei kein Kläffer, und der Hinweis auf gelegentliche „Verständigungsschwierigkeiten“ mit anderen Hunden.

Welpenzahlen
Welpenstatistik der VDH-Mitgliedsvereine, Jahreswerte 2011 bis 2025 (Vereinsangabe). Für Großbritannien Vulnerable native breeds, The Royal Kennel Club, Jahreswerte 2016 bis 2025 und die Schwelle von 300 Eintragungen (Berichtsangabe).

Jagdliche Einordnung heute
Klub für Terrier, Beauftragter für jagdliche Angelegenheiten, Stand 15. März 2023 (Vereinsangabe), für die fünf jagdlich relevanten Rassen und den Stand des eigenen Prüfungswesens. Die Sondervereinbarung JGHV/DTK/KfT von 2008 über die Zulassung zur Baueignungsbewertung ist im Wortlaut wiedergegeben beim Border Terrier Förderverein im KfT (Vereinsangabe). Prüfungstermine des Österreichischen Welsh Terrier Klub (Vereinsangabe).

Deutscher Jagdterrier, Einkreuzung
FCI-Rassestandard Nr. 103, Fassung vom 19. März 2015, Abschnitt „Kurzer geschichtlicher Abriss“ (Volltext frei). Fundstelle auch für Zeitpunkt und Absicht: Dort steht, dass sich nach dem Ersten Weltkrieg Jäger vom Foxterrier-Club trennten, „um eine Zucht aufzubauen, die sich ausschließlich an der jagdlichen Leistung orientieren sollte“, und beschlossen, „einen schwarz-roten Jagdhund für die Arbeit unter der Erde zu züchten“.

Kupieren, Rechtslage
Tierschutzgesetz Paragraph 6, Absatz 1 (Volltext frei). Das Amputieren von Körperteilen ist verboten; die Ausnahme setzt voraus, dass der Eingriff „bei jagdlich zu führenden Hunden für die vorgesehene Nutzung des Tieres unerlässlich“ ist. Rassen nennt das Gesetz nicht.

Rute im Standard
FCI-Standard Nr. 78, Abschnitt „Rute“: „Früher üblicherweise kupiert“, danach kupierte und unkupierte Form nebeneinander. Quellenangabe siehe „Steckbriefdaten“.

Lebenserwartung
McMillan und andere (2024), siehe Zahlenblock, Quelle [1]. Erhoben an britischen Hunden. Die Übertragung auf den deutschen Bestand ist eine Näherung.

Gesundheitszahlen
stehen unter „Zahlen und Studien zur Gesundheit“ weiter oben, mit dreizehn einzeln nachgewiesenen Fundstellen.