
Das erwartet dich
- Warum in den großen Hundebüchern um 1900 kein Berner Sennenhund steht, obwohl er längst auf den Höfen lag
- Wie ein Berner Kaffeewirt eine Rasse in Gang brachte, die vorher niemand aufgeschrieben hatte
- Was ein Bauernhof von einem Hund verlangte, der weder Pferd noch Knecht ersetzen sollte, sondern beides ein wenig
- Warum vier große Auswertungen zur Lebenserwartung vier verschiedene Zahlen nennen
- Weshalb die Ellenbogen darüber entscheiden, womit man diesen Hund auslastet
Film
Der Berner Sennenhund im Film, bevor es um die Höfe geht, auf denen er entstanden ist.
Material zum Reel: @lena.lorenz.hundetrainerin
Kurzbeschreibung
Der Berner Sennenhund, kurz Berner, stammt aus dem Kanton Bern, wo er auf den Bauernhöfen als Wach-, Treib- und Zughund arbeitete. Nach dem FCI-Standard erreichen Rüden eine Widerristhöhe von 64 bis 70 cm, Hündinnen von 58 bis 66 cm; ein Gewicht legt der Standard nicht fest, und die Lebenserwartung liegt im Median bei nur rund 10 Jahren. Er ist dreifarbig, tiefschwarz mit braunrotem Brand und weißer Blesse, kräftig gebaut und eher kompakt als gestreckt. Sein langes, glänzendes Haar braucht regelmäßiges Bürsten; einen kurzhaarigen Berner kennt der Standard nicht, kurzes Stockhaar trägt etwa der Appenzeller. Im Charakter ist er gutmütig, anhänglich und von mittlerem Temperament, dabei außerordentlich stark auf seinen Menschen bezogen.
Die Entstehung der Rasse
Wer wissen will, wie jung der Berner Sennenhund ist, fängt bei seiner Herkunft am besten mit den Büchern an, in denen er fehlt. Graf Henri de Bylandt verzeichnete 1897 dreihundertsechzehn Rassen und Schläge, darunter den Appenzeller Sennenhund. Richard Strebel fuhr für sein Standardwerk selbst in die Schweiz und zählte 1905 die Gruppe der glatthaarigen Triebhunde ab: „Ich rechne dieser Gruppe erstens den Istrianer, zweitens den Appenzeller, drittens den Rottweiler Metzgerhund und kurzhaarigen Colli zu“ (Strebel, Die deutschen Hunde, Band 2, 1905, S. 40). Bei beiden fehlt der Hund, der zur selben Zeit auf den Höfen rund um Bern lag. Das spricht nicht gegen seine Existenz, sondern gegen seine Bekanntheit.
Gegeben hat es ihn. Auf den Höfen zwischen Emmental und Voralpen lag ein Hund, den jeder kannte und den niemand aufgeschrieben hatte: dreifarbig, im Äußeren uneinheitlich, in Größe und Wesen erstaunlich gleich. Er bewachte den Hof und zog den Karren. Genannt wurde er nach einem Weiler samt Gaststätte südlich von Bern, wo er besonders häufig vorkam. Der Name sagte also nur, woher er kam: Dürrbächler.
In Gang gebracht hat die Sache ein Mann ohne kynologischen Rang. Fritz Probst, 1867 bis 1945, war Kaffeewirt in Bern. Er kannte diese Hunde von den abgelegenen Gehöften im Gurnigelgebiet und traf sie auch in der Stadt, wo sie als Zughunde ihren Dienst versahen. Probst überredete einige Freunde, ihre Dürrbächler an einer Hundeschau vorzuführen, und 1902 standen erstmals vier von ihnen auf einer Ausstellung. Zwei Jahre später schrieb die Internationale Hundeausstellung in Bern eine Versuchsklasse für „Schweizerische Hirtenhunde, Appenzeller Sennenhunde und Dürrbachhunde“ aus; von den sechs Hunden, die erschienen, kamen vier ins Schweizerische Hundestammbuch. Danach nahmen Fabrikanten und Geschäftsleute aus Burgdorf die Zucht in die Hand, die mit Bernhardinern und Neufundländern bereits Erfahrung hatten. Im November 1907 gründeten sie den Schweizerischen Dürrbach-Klub und stellten Rassekennzeichen auf.
Von da an ging es schnell, bis auf eines. 1908 führte der Klub dem Sennenhundrichter Albert Heim zweiundzwanzig Dürrbachhunde vor, 1910 kamen in Burgdorf schon hundertsieben Tiere zusammen. Heim schlug vor, den Hund in Angleichung an die übrigen Schweizer Sennenhunde „Berner Sennenhund“ zu nennen. Das stieß bei den Burgdorfer und Berner Züchtern auf heftigen Widerstand; der Klub ließ verlauten, der Name ihrer Lieblinge sei Dürrbachhund. Erst 1913 gaben sie nach.
In Bern hielt sich der alte Name trotzdem. Als die Zeitschrift „Die Berner Woche in Wort und Bild“ 1915 von einer Hundeausstellung in Wabern berichtet, stehen dort neben Dobermännern, deutschen Doggen und Neufundländern auch „die berühmten Appenzeller und Berner Sennenhunde, die Dürrbächler“ (Die Berner Woche in Wort und Bild, Band 5, 1915, S. 371). Zwei Jahre nach der Umbenennung setzte man in Bern den alten Namen also zur Erklärung hinter den neuen. Berühmt war sie da schon.
Ursprüngliche Verwendung und Entwicklung
Der FCI-Standard nennt drei Aufgaben, und die Reihenfolge ist aufschlussreich: Wach-, Treib- und Zughund auf den Bauernhöfen im Kanton Bern. Gewacht hat er zuerst. Getrieben hat er, wenn Vieh auf die Alp und zurück musste, aber das war Mithilfe und nicht sein Fach; dafür gab es weiter östlich den Appenzeller. Sein eigenes Fach war das Ziehen. Ein Hof, der weder Pferd noch Knecht erübrigen konnte, spannte den Hund an. Er brachte die Milch in die Käserei, Käse und Korbgeflecht auf den Markt und ging denselben Weg zurück. Das ist eine Arbeit, bei der ein Hund sein Gewicht gegen einen Widerstand legt, langsam und über Stunden, und bei der ein Mensch die ganze Zeit neben ihm hergeht.
Heute zieht kein Berner Sennenhund mehr einen Milchkarren. Der Standard hält das selbst fest, indem er die drei Aufgaben unter „ursprünglich“ führt, und der deutsche Zuchtverein schreibt, wegen der früher geschätzten Gebrauchseigenschaften werde die Rasse nur noch selten gehalten (Vereinsangabe). Der Körper dazu ist geblieben: gebaut für langsames, schweres Arbeiten, und mit der Neigung, sich in etwas hineinzulegen, sobald Widerstand da ist.
Was diese Rasse heute prägt
Im Wesen ist der Berner Sennenhund ganz auf den Menschen hin angelegt. Der Schweizer Rasseklub schreibt, Nähe und Kontakt seien für diesen Hund äußerst wichtig, und er zeige das auch, oft ungestüm, dabei aber lenkbar (Vereinsangabe). Der FCI-Standard beschreibt ihn als sicher, aufmerksam und furchtlos im Alltag, gutmütig und anhänglich bei vertrauten Menschen, friedlich gegenüber Fremden, mit mittlerem Temperament und guter Führigkeit. Beides zusammen ergibt einen Hund, der nicht neben seinem Menschen läuft, sondern an ihm.
Das ist wörtlich gemeint. Er lehnt sich an, er schiebt sich dazwischen, er legt sich auf den Fuß. Nähe stellt er über den Körper her, nicht über den Blick. Beim Welpen wirkt das rührend, und solange er leicht ist, ist es das auch.
Der Wachhund in ihm ist dabei leiser geworden. Der Schweizer Klub hält fest, der Wachtrieb sei nicht mehr groß gefragt, und beschreibt, was an seine Stelle getreten ist: Der heutige Hund lebt in dicht besiedelter Umgebung, trifft täglich auf Fremde und muss dabei sicher und freundlich bleiben (Vereinsangabe). Genau das verlangt auch der Standard. Warum die Anlage trotzdem bleibt und worauf es beim Wachen heute ankommt, erklärt das Sachthema Wachverhalten.
Was Hundehalter heute erwarten, und woran sie sich reiben
Viele Menschen entscheiden sich für diese Rasse über ein Bild. Der dreifarbige Berner auf der Wiese, ein Kind daneben, der ruhige Blick. Wer das erwartet, bekommt es auch: Gutmütig ist er tatsächlich, ein Kläffer ist er nicht, und unter Strom steht er selten. Auf dem Bild fehlen nur zwei Dinge, und beide wiegen schwer. Der Schweizer Klub setzt zum ersten einen Halbsatz dazu, den man selten liest: Die Verträglichkeit mit Kindern hänge nur bedingt an der Genetik und zum anderen Teil daran, was der Hund in seinen ersten Wochen erlebt habe (Vereinsangabe).
Das eine ist eine Frage von Kilo und Monaten. Der Standard verlangt einen übermittelgroßen Hund, und den größten Teil dieser Höhe hat ein Rüde, bevor er ein Jahr alt ist. Aus dem Welpen, der sich anlehnt, wird in wenigen Monaten ein Hund, der einen Menschen versetzt, ohne es zu wollen. Der Schweizer Klub weist ausdrücklich darauf hin, dass es im Jugendalter körperlich anstrengend wird (Vereinsangabe). Der Tag, an dem aus Anlehnen ein Schieben wird, lässt sich nicht datieren, und genau deshalb wird er übersehen.
Das andere lässt sich nicht abtrainieren. Wer einen Familienhund sucht, rechnet in der Zeitspanne einer Familie: Der Hund kommt, wenn die Kinder klein sind, und soll noch da sein, wenn sie aus dem Haus gehen. Beim Berner Sennenhund geht diese Rechnung oft nicht auf. Er wird selten alt, und er stirbt meist an Krebs. Mehrere voneinander unabhängige Erhebungen zeigen dasselbe, und sie messen die Rasse, nicht einzelne Linien. Wer diese Rasse hält, hat weniger Zeit mit ihr, als die Größe des Hundes erwarten lässt. Die Zahlen dazu stehen weiter unten.
Was die Zucht gegen den frühen Tod unternimmt
Dass diese Rasse zu früh stirbt, ist in ihrer Zucht kein Nebenthema, sondern das Hauptthema, und daran wird seit Jahren gearbeitet. Was das konkret heißt, lässt sich an den Regeln ablesen, die in den Zuchtvereinen gelten, und daran, was diese Regeln leisten können.
In der Schweiz verlangt der Rasseklub vor der ersten Verpaarung zwei Gentests, einen auf die degenerative Myelopathie und einen auf das histiozytäre Sarkom. Dazu kommen Röntgenaufnahmen von Hüften und Ellenbogen mit festgelegten Höchstgraden sowie eine Beurteilung von Wesen und Körperbau (Vereinsangabe). Der deutsche Zuchtverein schreibt in seiner Zuchtordnung neben dem Hüftröntgen ausdrücklich das Ellenbogenröntgen vor; von den vier Schweizer Sennenhundrassen gilt das nur für den Berner und den Großen Schweizer (Vereinsangabe).
Darüber hinaus rechnet der deutsche Verein genomische Zuchtwerte, und zwar ausdrücklich auf zwei Merkmale: Lebenserwartung und maligne Histiozytose. Das ist ein anderer Ansatz als ein einzelner Gentest. Er sucht nicht das eine Gen, das die Krankheit auslöst, sondern schätzt die Vererbung über viele Stellen im Erbgut ab und bildet daraus für jeden Zuchthund eine Zahl.
Und hier gehört die Einschränkung dazu, auch wenn sie unbequem ist. Der Test auf das histiozytäre Sarkom ist ein Markertest. Er sucht nicht die Ursache, sondern Stellen im Erbgut, die bei erkrankten Hunden häufiger vorkommen. Die International Partnership for Dogs, die solche Tests je Rasse bewertet, führt ihn für den Berner Sennenhund unter mittlerer Bedeutung und die beiden anderen angebotenen Tests eine Stufe darunter (Berichtsangabe). Ein Markertest von mittlerer Bedeutung sagt etwas über Wahrscheinlichkeiten in einer Population und nichts über den einzelnen Hund. Der deutsche Verein gibt an, seine Hunde würden dadurch wieder älter (Vereinsangabe). Belegt ist das bisher allein durch ihn: Keine der unabhängigen Auswertungen weiter unten misst diesen Bestand, und keine misst eine Veränderung über die Zeit.
Alles Genannte gilt dort, wo diese Regeln gelten, also innerhalb der Zuchtvereine. Außerhalb gelten sie nicht, und dabei sind zwei Dinge zu unterscheiden, die in der Diskussion meist in einen Topf geworfen werden. Die Zucht ohne Vereinsanbindung ist in Deutschland zulässig, es gelten dort schlicht keine Auflagen, weder Röntgen noch Gentest noch Zuchtwert. Der illegale Welpenhandel verstößt darüber hinaus gegen Tierschutz- und Seuchenrecht. Das eine mit dem anderen gleichzusetzen ist gegenüber der zweiten Gruppe unfair und verharmlost die dritte.
Anforderungen, die diese Rasse stellt
Was der Berner Sennenhund vor jeder Auslastung verlangt, ist Anwesenheit. Der Schweizer Klub schreibt, er gehöre dorthin, wo das Leben seiner Bezugsperson stattfindet, dürfe nicht über längere Zeit allein bleiben und sei für Menschen, die ganztags außer Haus sind, nicht geeignet (Vereinsangabe). Das gehört zu der Bindung, die weiter oben beschrieben ist. Dazu kommen täglich anderthalb bis zwei Stunden für Bewegung und Beschäftigung, ein geschützter Rückzugsort für die Ruhephasen und die Bereitschaft, Haare und Schmutz im Wohnraum hinzunehmen.
Bei der Auslastung ist dieser Hund ein Sonderfall. Gebaut ist er für langsame Arbeit über Stunden, nicht für Tempo, und die Grenze setzen bei ihm die Ellenbogen und nicht die Lunge. Müde wird er von Strecke ohnehin kaum. Was ihn fordert, ist die Nase, und dafür passt bei ihm die Personensuche. Sie verlangt genau die Nähe, die er ohnehin sucht: Er geht vor, sein Mensch geht mit. Was sie ist und was sie im Ernstfall leisten kann, steht im Sachthema Personensuche.
Gesundheit im Blick
Die kurze Lebenszeit ist das Gesundheitsthema des Berner Sennenhundes, und alle anderen Krankheiten ordnen sich darunter ein. Die größte verfügbare Auswertung kommt auf ein medianes Überleben von rund 10,1 Jahren. Gemessen an seiner Größenklasse ist das kein gewöhnlicher Wert: Große Rassen kommen in derselben Auswertung auf 11,9 Jahre, Mischlinge auf 12,0 und alle Reinrassigen zusammen auf 12,7. Am häufigsten steht Krebs dahinter, und die Krebsart, für die diese Rasse bekannt ist, heißt histiozytäres Sarkom, ein bösartiger Tumor aus Zellen des Immunsystems. An den Gelenken fällt der Ellenbogen stärker aus als die Hüfte. Auffällig sind außerdem die Nieren und die ableitenden Harnwege: In den schwedischen Versicherungsdaten stehen sie sowohl bei den Todesursachen als auch bei den Behandlungen an der Spitze, und in der Schweizer Arbeit haben Hunde mit Nierenschaden die kürzeste Überlebenszeit von allen. Dazu kommt, wie bei allen großen, tiefbrüstigen Hunden, die Magendrehung.
Zahlen und Studien zur Gesundheit
Lebenserwartung: vier Auswertungen, zwei Maße. Die Leitquelle McMillan und andere nennt für 1116 lebende und 449 verstorbene Berner Sennenhunde ein medianes Überleben von 10,1 Jahren, Vertrauensbereich 9,8 bis 10,4, und ein Sterberisiko gegenüber Mischlingen von 1,42; die Rasse steht auf Rang 143 von 156. Dieselbe Auswertung nennt für große Rassen 11,9 Jahre, für Mischlinge 12,0 und für alle Reinrassigen 12,7.[1] Eine Schweizer Arbeit verfolgte die Jahrgänge 2001 und 2002 bis zum Tod und kommt auf 8,4 Jahre.[2] Zwei britische Erhebungen nennen als Sterbealter 8,0 Jahre aus 78 Fällen und 7,7 aus 63.[3][4] Die ersten beiden schätzen das Überleben, die anderen zählen das Alter der Gestorbenen.
Woran sie sterben. In der Schweizer Arbeit war bei 222 von 381 Hunden eine Krebserkrankung die Todesursache, also bei 58,3 Prozent; für die Hundepopulation insgesamt nennt dieselbe Arbeit 14,5 bis 16,5 Prozent. Es folgen degenerative Gelenkerkrankungen mit 16 Fällen, Wirbelsäulenerkrankungen mit 13, Nierenschäden mit 12 und Magen- oder Gekrösedrehung mit 7. Hündinnen lebten länger als Rüden, 8,8 gegen 7,7 Jahre.[2] Die Autoren schränken selbst ein, dass viele Krebsdiagnosen ohne feingewebliche Bestätigung gestellt wurden.
Das histiozytäre Sarkom. Eine Untersuchung an 216 Bernern verglich erkrankte Hunde mit ihren gesunden Wurfgeschwistern. Bei Hunden, für die zuvor eine orthopädische Erkrankung festgestellt worden war, war die Chance einer solchen Diagnose rund zweieinhalbmal so hoch, Odds Ratio 2,5, Vertrauensbereich 1,5 bis 5,2. Bei Hunden, die entzündungshemmende Mittel erhalten hatten, lag sie niedriger, Odds Ratio 0,42.[5] Die Autoren schließen daraus, Entzündung könne ein beeinflussbarer Faktor sein. Ein Nachweis der Ursache ist das nicht.
Ellenbogen und Hüften. Die amerikanische Orthopedic Foundation for Animals führt den Berner bei den Ellenbogen auf Rang 13 aller Rassen: Von 25 966 Untersuchungen waren 73,1 Prozent unauffällig und 26,6 Prozent auffällig, davon 18,5 Prozent im ersten Grad. Bei den Hüften steht er auf Rang 75, 82,1 Prozent unauffällig, 16,3 Prozent dysplastisch, schwere Befunde 0,7 Prozent.[6] Es handelt sich um eingesandte Aufnahmen aus den USA, also um eine selbst gewählte Gruppe und nicht um einen Bevölkerungsschnitt.
Degenerative Myelopathie. Beim Gentest auf diese Rückenmarkserkrankung waren von 4242 untersuchten Bernern 46,6 Prozent unauffällig, 42,8 Prozent Träger einer Anlage und 10,7 Prozent Träger beider Anlagen.[6] Der letzte Wert beschreibt ein Erbbild und keine Erkrankung, nur ein Teil dieser Hunde wird je Symptome zeigen. Die International Partnership for Dogs stuft die Aussagekraft dieses Tests für die Rasse als gering ein und die des Tests auf das histiozytäre Sarkom als mittel.[7]
Schwedische Versicherungsdaten. Agria wertet für die Jahre 2016 bis 2021 die Sterbefälle je 10 000 Versicherungsjahre aus. Für den Berner Sennenhund sind es 637 gegenüber 238 über alle Rassen, das relative Sterberisiko liegt damit bei 2,68.[8] Am stärksten erhöht sind Krebs und die oberen Harnwege mit jeweils rund dem Fünffachen, danach folgen Blut und Gefäße sowie der Bewegungsapparat. Nicht verwendbar ist das dort genannte Sterbealter von 5,5 Jahren: Die Lebensversicherung endet nach Angabe von Agria altersabhängig, der Wert ist also nach oben abgeschnitten und keine Lebenserwartung.
Behandlungen, nicht nur Todesfälle. Dasselbe schwedische Material führt auch die tierärztlichen Behandlungen. Dort liegt der Berner bei 2343 Fällen je 10 000 Versicherungsjahre gegenüber 1641 über alle Rassen, das relative Risiko beträgt 1,43.[9] Der Abstand ist damit viel kleiner als bei der Sterblichkeit mit 2,68. Dieser Hund ist also nicht ständig krank, er stirbt früh. Das erste Behandlungsereignis fällt im Median mit 4,1 Jahren an, über alle Rassen mit 5,8. Am stärksten erhöht sind erneut die oberen Harnwege; das Herz liegt als einziger Bereich deutlich unter dem Schnitt aller Rassen.
Quellen: [1] McMillan und andere (2024), Longevity of companion dog breeds: those at risk from early death, Scientific Reports, Supplementary Table S3 (Volltext frei). [2] Klopfenstein und andere (2016), Life expectancy and causes of death in Bernese mountain dogs in Switzerland, BMC Veterinary Research (Volltext frei). [3] Lewis und andere (2018), Longevity and mortality in Kennel Club registered dog breeds in the UK in 2014, Canine Genetics and Epidemiology (Volltext frei). [4] O’Neill und andere (2026), Giant dog breeds under primary veterinary care in the UK, Companion Animal Health and Genetics (Volltext frei). [5] Abadie und andere (2016), Risk Factors Associated with Development of Histiocytic Sarcoma in Bernese Mountain Dogs, Journal of Veterinary Internal Medicine (Volltext frei). [6] Orthopedic Foundation for Animals, Disease Statistics by Breed, Abschnitte Elbow, Hips und Degenerative Myelopathy (Berichtsangabe). [7] International Partnership for Dogs, Rasseseite, Abschnitt Test Relevances (Berichtsangabe). [8] Agria Djurförsäkring, Breed Profiles 2016-2021, Bernese Mountain Dog LIFE, Charts 1 bis 6, bereitgestellt über DogWellNet (Berichtsangabe). [9] Agria Djurförsäkring, Breed Profiles 2016-2021, Bernese Mountain Dog Veterinary Care, Charts 1, 2 und 4, bereitgestellt über DogWellNet (Berichtsangabe).
Die Methode bei dieser Rasse
Die Stelle, an der es in der Erziehung eines Berner Sennenhundes schiefgeht, hat mit Jagen und Bellen nichts zu tun. Sie sieht so aus: Du stehst mit ihm an der Straße, gegenüber kommt jemand, den er kennt. Er will hin. Er reißt nicht ruckartig los, sondern legt sich in die Leine und drückt, gleichmäßig und ohne Eile, so wie ein Hund gegen ein Geschirr drückt, das an einem Wagen hängt. Und weil er zieht, hältst du dagegen.
Damit ist die Sache entschieden, nur anders, als es aussieht. In dem Augenblick, in dem der Mensch Gewicht gegen Gewicht setzt, bekommt der Hund genau das, was am Wagen die Arbeit war: einen Widerstand, in den man sich legen kann. Der Zug wird davon stärker statt schwächer. Er erlebt das nicht als Auseinandersetzung. Er erlebt es als Arbeit. Bei einem Junghund verliert der Mensch dieses Kräftemessen im Lauf eines halben Jahres, ohne den Tag zu bemerken, an dem es gekippt ist.
Deshalb ist die Leine bei dieser Rasse kein Bremsseil, und genau hier setzt das Leinenkonzept an. Die Leine ist die Verbindung zwischen Mensch und Hund, und an beiden Enden gilt dieselbe Regel: Niemand zieht, der Mensch eingeschlossen. Die Leine wird zur Nebensache. Sie sichert den Hund, während er sich von sich aus am Menschen orientiert. Wie sich das aufbauen lässt, sodass ein schwerer Hund von sich aus locker geht, statt gehalten zu werden, beschreibt Anton Fichtlmeier in seinen Büchern und Onlinekursen, siehe Empfehlung.
Kurz zusammengefasst
- Um 1900 stand diese Rasse in keiner der großen Übersichten. Gut zehn Jahre später hatte sie Klub, Standard und ihren heutigen Namen, gegen den sich ihre Züchter gewehrt hatten.
- Sein Fach war nicht das Treiben, sondern das Ziehen. Geblieben ist ein Hund, der mit seinem Gewicht arbeitet und den Menschen dicht bei sich haben will.
- Er wird selten alt und stirbt meist an Krebs. Mehrere unabhängige Auswertungen belegen das, und es betrifft die Rasse, nicht einzelne Linien.
- Die Zucht hält mit Gentests und Zuchtwerten dagegen; die internationale Fachstelle bewertet den wichtigsten dieser Tests als Marker von mittlerer Aussagekraft.
- Im Alltag entscheidet sich vieles an der Leine: Wo Gewicht gegen Gewicht steht, gewinnt der Hund.
Empfehlung
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Bücher: Grunderziehung für Welpen, Der Hund an der Leine und Suchen und Apportieren.
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Weiterführende Informationen zur Fichtlmeier-Methode, zu Büchern, Seminaren und lizenzierten Hundeschulen findest du auf fichtlmeier.de.
Mitreden
Das Reel zu dieser Rasse findest du auf Instagram. Wenn du Fragen hast oder eigene Erfahrungen gemacht hast, diskutier dort mit.
Belege und Quellen
Steckbriefdaten
FCI-Rassestandard Nr. 45, Publikation des gültigen offiziellen Standards 25. März 2003, deutsche Fassung (Volltext frei). Gruppe, Sektion, Verwendung, Widerristhöhe, Haarkleid, Farbe, Ohren und Rute stammen daraus, ein Gewicht legt er nicht fest. Der Standard beschreibt das Zuchtziel, nicht den durchschnittlichen Hund.
Dass die Rasse um 1900 in keiner Übersicht steht
Richard Strebel, „Die deutschen Hunde und ihre Abstammung“, Kern & Birner, Frankfurt am Main 1905, Band 2, S. 38 bis 46, sowie beide Inhaltsverzeichnisse; das Zitat steht auf S. 40. Henri de Bylandt, „Les races de chiens“, Vanbuggenhoudt, Brüssel 1897, Index des races, S. 1139 bis 1157 (Volltext frei). Beide am 2. September 2026 an den Seitenabbildungen der Originalscans gelesen, die Textebenen sind unbrauchbar. Gemeinfrei, die Scans liegen im Projekt.
Der alte Name 1915
„Die Berner Woche in Wort und Bild“, Band 5, 1915, S. 371, Rubrik Stadt Bern, Bericht über die Hundeausstellung in Wabern. Das Zitat wurde am 2. September 2026 an der Seitenabbildung gegengelesen, die Texterkennung des Scans ist unbrauchbar. Gemeinfrei, digitalisiert bei E-Periodica (Volltext frei).
Vereinsgeschichte
Sammelbeleg für „Die Entstehung der Rasse“: Schweizerischer Klub für Berner Sennenhunde, Seite Herkunft (Vereinsangabe). Von dort stammen Fritz Probst mit Lebensdaten, die Ausstellungen von 1902 und 1904, die Eintragung ins Hundestammbuch, die Burgdorfer Züchter, die Vorführung vor Albert Heim 1908 und die Umbenennung von 1913 samt dem Widerstand dagegen.
Zum Jahr der Umbenennung
Der Text folgt mit 1913 dem Schweizer Klub, Fundstelle siehe Vereinsgeschichte. Abweichend nennt der Schweizer Sennenhund-Verein für Deutschland e. V., Abschnitt Geschichte, das Jahr 1910 (Vereinsangabe). Der FCI-Standard Nr. 45 nennt kein Jahr.
Zuchtbestimmungen
Schweizerischer Klub für Berner Sennenhunde, Zuchtkriterien, und Schweizer Sennenhund-Verein für Deutschland e. V., Zuchtordnung Stand April 2022, Paragraph 8 Absatz 2 Ziffern 3 und 4 (Vereinsangabe). Die genomischen Zuchtwerte auf Lebenserwartung und maligne Histiozytose und die Angabe, die Hunde des Vereins würden dadurch wieder älter, stehen bei demselben Verein, Seite Gesundheit und Zucht (Vereinsangabe).
Wesen, Haltung und heutige Verwendung
Schweizerischer Klub für Berner Sennenhunde, Seiten Wesen und Haltung, sowie Schweizer Sennenhund-Verein für Deutschland e. V., Rasseportrait (Vereinsangabe). Beide Seiten treten für die Rasse ein; verwendet sind nur ihre Tatsachenangaben, nicht ihre Bewertungen.
Bewertung der Gentests
Quelle ist die Rasseseite der International Partnership for Dogs, eingeführt im Zahlenblock unter [7], abgerufen am 2. September 2026. Dieselbe Seite führt den Berner Sennenhund beim American Kennel Club und beim britischen Kennel Club in der Arbeitsgruppe.
Gesundheitszahlen
stehen unter „Zahlen und Studien zur Gesundheit“ weiter oben.
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