Airedale Terrier

FCI-Gruppe
Gruppe 3 Terrier, Sektion 1 Hochläufige Terrier, Arbeitsprüfung fakultativ
FCI-Standard
Nr. 7, Fassung vom 27. Juli 2021
Ursprungsland
Großbritannien
Ursprüngliche Verwendung
Rattenfänger und Stöberer an Fluss und Hecke, später Dienst- und Kriegshund
Heutige Verwendung
Begleit- und Familienhund
Format
Größter Terrier, muskulös und aktiv, ziemlich kompakt, ohne überlangen Rücken
Widerristhöhe (FCI-Standard)
Rüden etwa 58 bis 61 cm, Hündinnen etwa 56 bis 59 cm
Gewicht (FCI-Standard)
Im FCI-Standard nicht festgelegt
Fell und Fellpflege
Hart, dicht und drahtig mit kürzerer, weicherer Unterwolle, regelmäßig trimmen
Typische Merkmale
Bart, kleine V-Ohren, schwarzer oder gräulicher Sattel, übriger Körper lohfarben
Lebenserwartung
Rund 12 Jahre im Median
Gesundheit im Blick
Krebs, Nieren und Harnwege, Schilddrüse, Gelenke, Augen, Haut

Das erwartet dich

  • Wofür man einen Terrier züchtet, der für die Arbeit am Bau zu groß ist
  • Warum ein Zeitzeuge von 1905 diese Rasse ablehnte und ihr trotzdem eine ganze Seite widmete
  • Was aus einem Hund wird, dem seine Aufgabe zweimal genommen wurde
  • Welche Erwartung beim Kauf am häufigsten enttäuscht wird, und warum sie zum Fell gehört
  • Wie gut die Datenlage zu dieser Rasse wirklich ist und woran sie am Ende stirbt

Film

Bevor es um Herkunft und Wesen des Airedale Terriers geht, hier zunächst ein Bild von ihm.

Illustration: Richard Strebel, „Airedale Terrier: Champion ‚Nelson-Luce-Aware‘ und Champion ‚Young-Chess-Aware'“, aus: „Die deutschen Hunde und ihre Abstammung“, Kern & Birner, Frankfurt am Main 1905 (Gemeinfrei). Beide Hunde tragen die damals übliche gestutzte Rute.

Kurzbeschreibung

Der Airedale Terrier ist die größte der Terrierrassen, so nennt ihn der Standard selbst. Er wirkt deswegen nicht hochbeinig, sondern kompakt und muskulös, mit kurzem, geradem Rücken und tiefer, aber schmaler Brust. Das Haar ist hart, dicht und drahtig, darunter liegt eine kürzere, weichere Unterwolle; über dem Rücken sitzt ein schwarzer oder gräulicher Sattel, der übrige Körper ist lohfarben. Dazu der lange, gerade Kopf mit Bart, die kleinen, seitlich getragenen V-Ohren und die hoch angesetzte Rute. Der Standard beschreibt ihn als offen, freundlich und intelligent, stets wachsam, nicht aggressiv, aber furchtlos.

Wie die Rasse um 1900 beschrieben wurde

Richard Strebel schreibt 1905 über den Airedale Terrier wie über einen Konkurrenten, und das macht sein Kapitel wertvoll. Er hält gleich am Anfang fest, was er von der Rasse hält: „Ich war nie sein begeisterter Freund, besonders deshalb, weil sein Erscheinen unsere Pinscherzucht einige Jahre in ihrer Entwickelung gehemmt hat“ (Strebel, Die deutschen Hunde, Band 1, 1905, S. 109). Was er der Rasse vorwirft, ist also nicht ihr Aussehen. Es ist ihr Erfolg. In der Verbreitung in Deutschland stand sie damals hinter dem Foxterrier an zweiter Stelle, und Strebel führt das auf zwei Dinge zurück: auf die Verwendung des Hundes zum Kriegsdienst und auf „eine sehr geschickt eingesetzte Reklame“, die ihm in kurzer Zeit „zu einer gewissen Beliebtheit“ verhalf (S. 109). Zur Ehrlichkeit der Stelle gehört, dass er im selben Atemzug einräumt: „Ich muß aber freimütig bekennen, daß es sonst ein schönes, formvollendetes Tier ist“ (S. 110).

Bemerkenswert ist, was er über die Arbeit sagt. Für Fuchs und Dachs hielt man den Hund schon wegen seiner Größe für unbrauchbar, geschätzt wurde er als Rattenfänger und als Stöberer in Zaunhecken und dichtem Unterholz (S. 110). Die deutschen Versuche, ihn darüber hinaus als Jagdhund zu vermarkten, nennt Strebel „eine von jenen überflüssigen Bemühungen, die ihm Volkstümlichkeit verschaffen sollten“ (S. 110). Was er dagegen ohne Vorbehalt gelten lässt, ist die Nase: „Sein Geruchssinn ist sehr fein ausgebildet, sodaß er bei der Polizei und beim Militär Verwendung findet“ (S. 110).

Am dichtesten wird das Kapitel dort, wo Strebel den Züchter Elard König zu Wort kommen lässt. Dessen selbst aufgezogener Rüde ließ sich von Fremden nicht anfassen und wich Schmeicheleien aus, ohne zu beißen. Er bemerkte jeden Unbekannten auf dem Anwesen, gleich wo er selbst gerade lag: „Er stellte jeden und gab so lange Standlaute, bis Jemand kam“ (Strebel, Die deutschen Hunde, Band 1, 1905, S. 110). Und er fand seinen Herrn quer durch die Stadt wieder, auch wenn Stunden vergangen waren, ehe man ihn losließ. Strebel schließt den Bericht mit einem Satz, der die Rasse bis heute beschreibt: „Dies machte er alles ohne jede Dressur bereits im Alter von 10 Monaten“ (S. 110). Was der heutige Standard mit „stets wachsam“ und „jederzeit voll gespannter Erwartung“ umschreibt, steht hier schon als Beobachtung an einem einzelnen Hund.

Quelle: Richard Strebel (1905), Band 1, S. 109 bis 112. Vollständige Quellenangabe siehe Quellen.

Die Entstehung der Rasse

Die Rasse kommt aus Yorkshire, aus den Niederungen der Flüsse Wharfe, Calder und Aire. Dort hielt man große, rauhaarige Terrier, die an Wasser und Uferböschung arbeiteten und deren Namen die Landschaft trugen: Waterside Terrier hießen sie oder, nach einem Ort, Bingley Terrier. Ihre Geschichte läuft anfangs mit der des Foxterriers zusammen und trennt sich erst im frühen 19. Jahrhundert. Um diese Zeit begann man, den Hund gezielt größer zu ziehen. Dass dafür Otter- oder Foxhounds eingekreuzt wurden, hielt Strebel für nicht von der Hand zu weisen, ohne es zu behaupten; im Hund selbst herrschte für ihn der Terrier vor. Mittelpunkt der Zucht war Bradford, und die besten Vertreter fand man im Tal der Aire.

Der Name war umstritten. Man schwankte zwischen Bingley, Waterside Terrier und Airedale Terrier, bis man sich auf den letzten einigte; der heutige Standard nimmt an, die Airedale Show habe ihn gegeben, auf der viele dieser Hunde in großen Meldezahlen vorgeführt wurden. Wie wenig einig man sich auch sonst war, zeigt der Vergleich zweier englischer Autoren, die Strebel gegenüberstellt. Stonehenge sah 1882 nicht ein, wozu man diese Rasse überhaupt züchte, wo es andere Terrier gebe, die ihren Zweck besser erfüllten. Ein Jahr darauf bekam sie in Birmingham auf der nationalen Hundeschau ihre erste eigene Klasse, 1886 wurde ihr das Zuchtregister eröffnet. Und 1894 stellte Rawdon B. Lee fest, der Airedale streite nach dem Foxterrier mit dem Irish Terrier um die beliebteste Rasse.

Im selben Jahr begann die deutsche Zucht. Elard König züchtete seit 1894 unter dem Zwingernamen „Aware“ und war nach Strebels Urteil der erste, der sich der Rasse hier ganz widmete. Was dann folgte, war eine vollständige Umwidmung. Der Hund, der für Ratten und Hecken gezüchtet worden war, wurde wegen seiner Nase und seiner Größe zum Diensthund. Er stand dem Roten Kreuz in Kriegszeiten zur Seite und tat bei Polizei und Militär in Großbritannien und Russland Dienst, und in Afrika, Indien und Kanada setzte man ihn zur Fährtensuche ein. Heute betreut die Rasse hier der Klub für Terrier von 1894 e. V.

Sichtbar geblieben ist von der alten Zeit die Rute. Strebel beschreibt sie in den Rassekennzeichen als hoch angesetzt und „meistens gestutzt“ (Strebel, Die deutschen Hunde, Band 1, 1905, S. 111), und auch die Tafel neben dem Film zeigt zwei kupierte Hunde. Der Standard von 2021 beschreibt beide Formen nebeneinander und vermerkt zur kupierten nur noch, sie sei früher üblich gewesen. In Deutschland ist das Amputieren von Körperteilen verboten; die eng gefasste Ausnahme des Tierschutzgesetzes gilt jagdlich zu führenden Hunden, und der Airedale wird hierzulande nicht jagdlich geführt.

Ursprüngliche Verwendung und Entwicklung

An diesen Gewässern und Hecken sah seine Arbeit so aus: Er suchte die Deckung ab, brachte heraus, was darin saß, und tötete Ratten an Ort und Stelle. Das ist eine Arbeit ohne Ansage: Der Hund geht hinein, der Mensch bleibt draußen und sieht nicht, was drinnen passiert. Anders als beim kleinen Terrier endete sie nicht unter der Erde, sondern in Deckung, die der Mensch zwar sehen, aber nicht betreten konnte. Ihm ließ sich unterwegs nicht sagen, was als Nächstes zu tun war. Er musste von sich aus anfangen und dranbleiben.

Was ihn danach in den Dienst brachte, war die Nase. Strebel hält 1905 fest, der Geruchssinn sei so fein ausgebildet, dass die Rasse bei Polizei und Militär Verwendung finde (Strebel, Die deutschen Hunde, Band 1, 1905, S. 110). Ein Hund, der eine Fährte ohne Anleitung aufnimmt und über Stunden hält, war für diese Arbeit brauchbar, und für rund ein halbes Jahrhundert war sie seine Hauptaufgabe. Beides ist ihm inzwischen genommen. Ratten fängt niemand mehr mit dem Hund, und im Dienstbereich haben ihn andere Rassen abgelöst. In der Zuchtordnung des betreuenden Vereins ist die alte Linie trotzdem noch verzeichnet: Als Leistungskennzeichen gelten beim Airedale Terrier die IPO beziehungsweise VPG der Stufen 1 bis 3 sowie vergleichbare Diensthundeprüfungen von Polizei und Zoll (Vereinsangabe). Verlangt wird das nicht, es berechtigt nur zu einem Vermerk auf der Ahnentafel. Der Hund, den man heute trifft, ist ein Familienhund, mit den Anlagen von damals.

Was diese Rasse heute prägt

Zwei Dinge sind von den alten Aufgaben übrig, und sie hängen zusammen. Das erste ist die Nase. Sie ist das Einzige, was die Quellen an ihm ohne Vorbehalt loben, und sie arbeitet im Alltag genauso weiter wie im Dienst. Ein Airedale nimmt am Wegrand etwas auf, das niemand sonst bemerkt, und bleibt daran.

Das zweite ist der Start. Dieser Hund wartet nicht, bis ihn jemand schickt. Seine Ursprungsarbeit bestand gerade darin, allein anzufangen und allein weiterzumachen, und der Bericht, den Strebel 1905 wiedergibt, beschreibt das an einem zehn Monate alten Rüden, dem niemand beigebracht hatte, eine Spur durch die Stadt zu halten. Der Standard fasst denselben Zug in die Wendung „jederzeit voll gespannter Erwartung“: Der Hund steht schon unter Spannung, bevor etwas passiert ist.

Dazu kommt die Wachsamkeit. Sie gilt dem Bereich, in dem er lebt: Er meldet, was sich an dessen Rand bewegt, und er meldet es deutlich. Der Standard nennt ihn dabei ausdrücklich nicht aggressiv, aber furchtlos, und Strebels Gewährsmann beschreibt genau das: ein Hund, der Fremde stellt und Laut gibt, aber ausweicht statt zu beißen.

Was Hundehalter heute erwarten, und woran sie sich reiben

Der Airedale wird oft über sein Äußeres gewählt, und das Bild, das dabei entsteht, ist nicht falsch, sondern unvollständig. Ein großer, würdevoller Hund mit Bart, der kaum Haare in der Wohnung verliert und den man den König der Terrier nennt. Wer daraus auf einen ruhigen, gemächlichen Begleiter schließt, hat die Größe gesehen und das Temperament übersehen. Unter dem Sattel steckt ein Terrier, dem lediglich die Terrierarbeit fehlt.

Eine Erwartung lässt sich vorweg klären, weil sie beim Kauf oft den Ausschlag gibt. Dass ein Hund wenig haart, macht ihn nicht verträglicher für Allergiker. Eine niederländische Untersuchung hat den Airedale Terrier als eine von vier Rassen geprüft, die als hypoallergen beworben werden, und in Haar und Fell sogar höhere Werte des maßgeblichen Hundeallergens gefunden als bei den Vergleichsrassen; in der Raumluft der Wohnungen war kein Unterschied messbar. Wer wegen einer Allergie in der Familie sucht, sucht mit dem Fell also am falschen Merkmal.

Die erste Reibung entsteht an der Grenze des eigenen Bereichs. Was der Standard als Wachsamkeit beschreibt, heißt im Reihenhaus mit Gehweg vor dem Zaun, dass den ganzen Tag über etwas zu melden ist. Halter deuten das schnell als Unfreundlichkeit oder als Fehler in der Erziehung und versuchen, es abzustellen. Dass ein Hund, der Laut gibt, damit noch nichts androht, behandelt das Sachthema Wachverhalten.

Die zweite Reibung trifft den Spaziergang. Wer die Runde verlängert, weil der Hund abends noch aufdreht, macht sie damit nicht ruhiger: Ein Airedale, der zwei Stunden gelaufen ist, ohne dass sein Kopf etwas zu tun hatte, ist müde und trotzdem nicht zufrieden. Das ist der Punkt, an dem viele Halter anfangen, immer weitere Strecken zu gehen, und an dem sie merken, dass Strecke nicht die Antwort ist.

Anforderungen, die diese Rasse stellt

Das Erste ist das Fell, und hier liegt der häufigste Irrtum. Dass ein Airedale kaum haart, heißt nicht, dass er wenig Arbeit macht. Das abgestorbene harte Haar fällt nicht von selbst aus, sondern muss regelmäßig von Hand ausgezupft werden. Wer das nicht selbst lernen will, muss die professionelle Fellpflege dauerhaft einplanen. Wird sie versäumt, verfilzt das Haar und verliert seine typische Struktur.

Das Zweite ist Zeit, und zwar Zeit für eine Aufgabe. Ein Hund, der von sich aus anfängt und über lange Zeit an einer Sache bleibt, braucht eine Aufgabe, die ihm der Mensch vorgibt. Sonst sucht er sich selbst eine. Die Personensuche passt hier besonders gut, weil sie genau diese Anlage aufnimmt: Er nimmt eine Spur auf und bleibt daran, so wie er es ohnehin tut. Diesmal folgt er jedoch nicht einer selbst gewählten Spur, sondern einer klar gestellten Aufgabe. Was die Personensuche ist, steht im Sachthema Personensuche, und welche weiteren Aufgaben sich für einen wachsamen Hund eignen, im Sachthema Wachverhalten.

Das Dritte betrifft den Menschen selbst. Er muss sich bewusst Zeit für den Airedale nehmen und ihm regelmäßig Aufgaben stellen, auch an Tagen, an denen sonst nichts Besonderes ansteht. Das ist kein Hund, der sich einfach nebenher mitführen lässt. Und ein ausgewachsener Airedale bringt genug Gewicht mit, dass eine verlässliche Leinenführung frühzeitig aufgebaut werden muss.

Gesundheit im Blick

Der Airedale Terrier wird alt genug, sein medianes Überleben liegt bei rund 12 Jahren. Große reinrassige Hunde liegen in derselben Auswertung bei 11,9 Jahren, er steht also knapp darüber. Die Frage bei dieser Rasse ist deshalb weniger, wie lange sie lebt, als woran sie stirbt.

Darauf geben zwei voneinander unabhängige Halterbefragungen, eine britische und eine amerikanische, dieselbe Antwort: Krebs, und zwar mit weitem Abstand vor allem anderen. Er trägt in beiden Erhebungen knapp 40 Prozent der Todesfälle. In der amerikanischen liegt das mittlere Sterbealter daran bei rund elf Jahren, also am Ende eines normalen Hundelebens und nicht davor. Zweiter Schwerpunkt sind Nieren und Harnwege.

Daneben stehen vier Bereiche, die den Hund seltener das Leben kosten, aber den Alltag prägen: die Schilddrüse, die Gelenke, die Augen und die Haut. Für Hüften, Ellenbogen und Augen verlangt der betreuende Verein vor der Zuchtzulassung eine Untersuchung.

Eine Sache gehört ausdrücklich dazugesagt, weil sie bei einem großen, tiefbrüstigen Hund anders zu erwarten wäre: Die Magendrehung ist bei dieser Rasse selten, und das ist gemessen, nicht angenommen.

Zahlen und Studien zur Gesundheit

Lebenserwartung. Die bislang größte Auswertung britischer Hunde führt den Airedale Terrier mit 1270 lebenden und 556 verstorbenen Tieren. Das mediane Überleben beträgt 12,0 Jahre, das Konfidenzintervall reicht von 11,8 bis 12,3 Jahren.[1] Gegenüber der Mischlingsgruppe derselben Arbeit, die bei 12,0 Jahren liegt, ergibt sich ein Hazard Ratio von 1,04 mit einem Intervall von 0,96 bis 1,13 und einem p-Wert von 0,31. Ein gesicherter Unterschied zu Mischlingen besteht danach nicht. Große reinrassige Hunde liegen in derselben Arbeit bei 11,9 Jahren, alle reinrassigen bei 12,7.[1]

Zwei ältere Erhebungen nennen ein niedrigeres Sterbealter, messen aber etwas anderes. Die britische Halterbefragung von 2004 kommt aus 81 Todesmeldungen auf einen Median von 10 Jahren und 9 Monaten, gegenüber 11 Jahren und 3 Monaten über alle Rassen der Erhebung.[2] Die amerikanische Klubbefragung von 2001 nennt 11,6 Jahre für Hündinnen und 11,9 für Rüden, hat aber nur Hunde aufgenommen, die zu einem Stichtag lebten, und lässt jung Verstorbene damit außen vor.[3] Ein Median des Sterbealters und ein Überlebensmedian sind zwei verschiedene Maße und dürfen nicht gegeneinander gestellt werden.

Krebs, die häufigste Todesursache. Hier stimmen beide Erhebungen fast auf den Punkt überein, obwohl sie drei Jahre, einen Ozean und verschiedene Fragebögen trennen: 32 von 81 Todesfällen in Großbritannien, also 39,5 Prozent, meist ohne Typangabe, daneben Lymphom und Leukämie.[2] In den Vereinigten Staaten 63 von 165 tierärztlich bestätigten Todesfällen, also 38,2 Prozent, bei einem mittleren Sterbealter von 10,9 Jahren.[3] Die amerikanischen Autoren halten fest, Krebs sei die führende Todesursache der Rasse.

Lymphom im Einzelnen. Ein kroatisches Register wertete von 2009 bis 2023 alle 374 Lymphomdiagnosen unter 28.681 eingesandten Hundefällen aus. Bezogen auf die jeweils überwiesenen Hunde einer Rasse hatte der Airedale Terrier mit 6,67 Prozent die zweithöchste Lymphomrate, hinter dem Bullmastiff mit 8,14 Prozent.[4] Das ist eine Überweisungspopulation und keine Bevölkerungsstichprobe, die Fallzahl je Rasse ist klein, und der Wert lässt sich nicht auf den deutschen Bestand übertragen.

Nieren und Harnwege. Die amerikanische Erhebung führt Nierenversagen als zweithäufigste Todesursache, 28 von 165 Fällen oder 17,0 Prozent, mittleres Sterbealter 10,6 Jahre.[3] Die britische nennt 7 von 81 Todesfällen aus dem Harnbereich, 8,6 Prozent, darunter Blasenruptur und chronisches Nierenversagen.[2] Dazu kommt eine ältere Klinikauswertung von 115 Blasen- und Harnröhrentumoren, in der der Airedale Terrier neben Beagle und Scottish Terrier signifikant überrepräsentiert war; die Autoren mahnen wegen der Klinikpopulation selbst zur Vorsicht.[5]

Hüften und Ellenbogen. In der amerikanischen Screeningdatenbank liegen 7348 Hüftauswertungen vor, die größte Zahl aller hier genannten Register: 87,3 Prozent normal, aufgeteilt in 7,7 Prozent exzellent, 59,7 Prozent gut und 19,9 Prozent noch ausreichend, dazu 11,5 Prozent dysplastisch, davon 7,7 leicht, 3,3 mittel und 0,5 schwer.[6] Für die Ellenbogen sind es 951 Auswertungen, 91,3 Prozent normal, 8,7 Prozent auffällig, davon 7,9 Prozent im leichtesten Grad. Das britische Verfahren zählt Punkte statt Grade und ist deshalb nicht verrechenbar: Dort liegt der Fünfjahresmedian bei 11 Punkten auf einer Skala von 0 bis 106, aus 254 in fünf Jahren bewerteten Hunden.[7]

Schilddrüse. Hier steht die Rasse auf Rang 2 von 129 Rassen des Registers, und genau dieser Rang ist mit Vorsicht zu lesen. Er beruht auf 82 Auswertungen. Davon sind 76,8 Prozent normal, 12,2 Prozent zeigen eine kompensierte Autoimmunthyreoiditis, 1,2 Prozent eine Autoimmunthyreoiditis und 9,8 Prozent einen grenzwertigen Befund.[6] Bei dieser Fallzahl und freiwilliger Einsendung sagt ein Rangplatz mehr über die Auswahl der eingesandten Hunde als über die Rasse. Der betreuende Verein führt die Schilddrüsenunterfunktion als eigenes Gesundheitsthema.[8]

Augen. 377 Untersuchungen liegen vor, 90,2 Prozent ohne Befund. Häufigster Einzelbefund ist die Distichiasis, also eine fehlgerichtete zweite Wimpernreihe, mit 38 Hunden oder 10,1 Prozent. Es folgen persistierende Pupillarmembranen von Iris zu Iris mit 19 Hunden oder 5,0 Prozent und Linsentrübungen unklarer Bedeutung mit 18 Hunden oder 4,8 Prozent.[6] Die Summe übersteigt den Anteil der auffälligen Hunde, weil ein Hund mehrere Befunde tragen kann.

Haut. Ein Hautbefund trägt die Rasse sogar im Titel. Eine amerikanische Auswertung von 24 Fällen saisonaler Flankenalopezie zwischen 1985 und 1992 bestand zur Hälfte aus Airedale Terriern, die andere Hälfte waren Boxer; das mittlere Erkrankungsalter lag bei 3,6 Jahren, betroffen waren überwiegend kastrierte Hündinnen.[9] Es handelt sich um einen jahreszeitlich wiederkehrenden, meist selbst abheilenden Haarverlust an den Flanken. In der britischen Erhebung ist die Haut die dritthäufigste Diagnosegruppe.[2]

Herz, und ein Punkt für die Narkose. Nach zwei Zwischenfällen mit verlangsamtem Herzschlag unter Narkose untersuchte eine deutsche Arbeit 42 gesunde Airedale Terrier im Ruhe-EKG. Kein einziger Hund hatte ein vollständig unauffälliges EKG: bei 32 wich die elektrische Herzachse ab, 22 zeigten niedrige Ausschläge, 14 einen AV-Block ersten Grades. Nur die AV-Blöcke werteten die Autoren als Hinweis auf Narkoserisiko.[10] Eine ältere Auswertung von 189 Hunden mit dilatativer Kardiomyopathie führt die Rasse unter den überrepräsentierten.[11] Die Screeningdatenbank ist dagegen unauffällig, 181 Herzuntersuchungen ohne einen abweichenden Befund.[6]

Magendrehung, ein Negativbefund mit Beleg. In der amerikanischen Erhebung ist die Magendrehung für genau 1 von 165 Todesfällen verantwortlich, 0,6 Prozent. Die Autoren schreiben ausdrücklich, ihre Häufigkeit sei bei dieser Rasse sehr niedrig im Vergleich zu Rassen ähnlicher Größe.[3] Bei einem großen Hund mit tiefer Brust ist das die Ausnahme und nicht die Regel, und es ist der Grund, warum die Magendrehung in diesem Portrait nicht unter den Hauptrisiken steht.

Was nicht vorliegt. Weder VetCompass noch Agria führen eine eigene Auswertung zum Airedale Terrier, und bei DogWellNet gibt es keinen Rassebericht, abgefragt am 1. September 2026. Die große britische Sterblichkeitsauswertung von 2018 enthält die Rasse nicht. Die Erhebung des Kennel Club über 192 Rassen erfasst zwar 186 Airedale Terrier, berichtet für sie aber keine eigenen Erkrankungshäufigkeiten.[12] Belastbare Aussagen stützen sich damit auf zwei Halterbefragungen, zwei Screeningregister und wenige ältere Einzelarbeiten, nicht auf eine laufende Bevölkerungserhebung.

Quellen: [1] McMillan und andere (2024), Longevity of companion dog breeds: those at risk from early death, Scientific Reports 14:531, Supplementary Table S3 (Volltext frei). [2] Kennel Club und BSAVA Scientific Committee (2004), Purebred Dog Health Survey, Rassebericht Airedale Terrier (Berichtsangabe). [3] Airedale Terrier Club of America (2001), National Health Survey, Tabelle 62 und Abschnitt Mortalität (Vereinsangabe). [4] Kurilj und andere (2025), Canine lymphoma in Croatia: a fourteen-year retrospective study, BMC Veterinary Research (Volltext frei). [5] Norris und andere (1992), Canine bladder and urethral tumors: a retrospective study of 115 cases, Journal of Veterinary Internal Medicine (Zusammenfassung frei). [6] Orthopedic Foundation for Animals, Rassestatistiken, abgerufen am 1. September 2026 (Berichtsangabe). [7] BVA und Kennel Club, Hip Dysplasia Scheme Breed Specific Statistics 2024 (Berichtsangabe). [8] Klub für Terrier von 1894 e. V., Gesundheitsseiten zum Airedale Terrier (Vereinsangabe). [9] Miller und Dunstan (1993), Seasonal flank alopecia in boxers and Airedale terriers: 24 cases, Journal of the American Veterinary Medical Association (Zusammenfassung frei). [10] Tierärztliche Praxis (1996), EKG-Veränderungen beim Airedale Terrier (Zusammenfassung frei). [11] Journal of the American Animal Hospital Association (1997), A retrospective study of canine dilated cardiomyopathy, 189 Fälle (Zusammenfassung frei). [12] Wiles und andere (2017), Large-scale survey to estimate the prevalence of disorders for 192 Kennel Club registered breeds, Canine Genetics and Epidemiology (Volltext frei).

Die Methode bei dieser Rasse

Ein Airedale von sechs Jahren, der nie gelernt hat, seine Wahrnehmungen mit seinem Menschen abzustimmen, teilt sich den Tag selbst ein. Er steht auf, wenn er etwas hört, geht nachsehen, meldet und legt sich wieder hin. Er tut dabei nichts Verbotenes. Er hat nur über Jahre gelernt, solche Situationen allein zu beurteilen. Deshalb entscheidet er auch dann selbst, wenn sein Mensch etwas anderes von ihm erwartet.

Das beginnt lange vorher, und zwar in Situationen, in denen niemand mit einem Problem rechnet. Der junge Hund findet etwas oder meldet etwas, und seine Entscheidung ist richtig. Der Mensch reagiert nicht, weil es keinen Anlass zum Eingreifen gibt. Genau dadurch lernt der Hund unbemerkt: Ich bin dafür zuständig. Bei einem Hund, dessen Entscheidungen häufiger nicht passen, fällt das früh auf. Beim Airedale kann es jahrelang unbemerkt bleiben, gerade weil er vieles richtig macht.

Deshalb ist die entscheidende Frage bei diesem Hund nicht, wie man ihn später korrigiert, sondern wie man seine Selbstständigkeit von Anfang an in gemeinsame Aufgaben einbindet. Im Apportierkonzept erhält er die Aufgabe vom Menschen, sucht selbstständig und trifft unterwegs eigene Entscheidungen. Anschließend bringt er das Gefundene zurück und orientiert sich wieder an seinem Menschen. Auch bei der Personensuche gibt der Mensch das Ziel vor, während der Hund die Spur eigenständig ausarbeitet. Seine Selbstständigkeit wird also nicht unterdrückt, sondern erhält einen klaren Rahmen. Den Aufbau dieser Aufgaben beschreibt Anton Fichtlmeier in seinen Büchern und Onlinekursen, siehe Empfehlung.

Kurz zusammengefasst

  • Von der alten Arbeit sind zwei Dinge geblieben, die Nase und die Bereitschaft, ohne Auftrag anzufangen. Beides lässt sich nicht abstellen, nur beschäftigen.
  • Das Fell kostet Handarbeit, und es macht ihn nicht allergikerfreundlich. Wenig Haare bedeuten nicht wenig Allergen.
  • Er wird alt genug, aber zwei unabhängige Erhebungen nennen übereinstimmend Krebs als häufigste Todesursache, dahinter Nieren und Harnwege.
  • Die Magendrehung ist bei ihm nachweislich selten, anders als bei den meisten großen Hunden mit tiefer Brust.
  • Weil er selten Fehler macht, wird bei ihm leicht versäumt, ihm überhaupt etwas zu sagen.

Empfehlung

Für die Erziehung und Ausbildung des Airedale Terriers passen folgende Angebote von Anton Fichtlmeier:

Bücher: Grunderziehung für Welpen, Der Hund an der Leine und Suchen und Apportieren.

Onlinekurse:

Weiterführende Informationen zur Fichtlmeier-Methode, zu Büchern, Seminaren und lizenzierten Hundeschulen findest du auf fichtlmeier.de.

Belege und Quellen

Zeitgenössische Quelle
Richard Strebel, „Die deutschen Hunde und ihre Abstammung“, Kern & Birner, Frankfurt am Main 1905, Band 1, S. 109 bis 112, dazu die ganzseitige Tafel bei diesem Kapitel. Alle Zitate und Seitenzahlen wurden am 1. September 2026 gegen die geprüfte Transkription des Originals gegengelesen. Sammelbeleg auch für den Abschnitt „Die Entstehung der Rasse“. Gemeinfrei, Digitalisat frei einsehbar. Vollständige Angabe siehe Quellen.

Steckbriefdaten
FCI-Rassestandard Nr. 7, Publikationsdatum des gültigen offiziellen Standards 27. Juli 2021, deutsche Fassung (Volltext frei). Gruppe, Sektion, Widerristhöhe, Haarkleid, Farbe und Rute stammen daraus, ein Gewicht legt der Standard nicht fest. Die Wesenszitate stehen im Abschnitt „Verhalten / Charakter“. Der Standard beschreibt das Zuchtziel, nicht den durchschnittlichen Hund.

Herkunft des Namens und Dienstgeschichte
FCI-Rassestandard Nr. 7, Abschnitt „Kurzer geschichtlicher Abriss“, Fundstelle für Namensherkunft, Herkunftsgewässer und Dienstgeschichte. Quellenangabe siehe „Steckbriefdaten“ (Volltext frei).

Zuchtvorgaben in Deutschland
Zucht-Ordnung des Klub für Terrier von 1894 e. V., Paragraph 7.2, rassespezifischer Teil Airedale Terrier (Vereinsangabe). Dort stehen die Pflicht zur Untersuchung auf Hüft- und Ellenbogengelenksdysplasie, die Augenuntersuchung bei einem Tierarzt des Dortmunder Kreises samt Wiederholung nach dem vierten und dem sechsten Lebensjahr sowie die IPO beziehungsweise VPG 1 bis 3 als Leistungskennzeichen.

Kupieren, Rechtslage
Tierschutzgesetz Paragraph 6, Absatz 1 (Volltext frei). Das Amputieren von Körperteilen ist verboten; die Ausnahme setzt voraus, dass der Eingriff „bei jagdlich zu führenden Hunden für die vorgesehene Nutzung des Tieres unerlässlich“ ist. Rassen nennt das Gesetz nicht. Ländervergleich und Stand der Gesetzgebung stehen im Sachthema Kupieren der Rute.

Lebenserwartung
McMillan und andere (2024), siehe Zahlenblock, Quelle [1]. Erhoben an britischen Hunden. Die Übertragung auf den deutschen Bestand ist eine Näherung.

Allergene im Fell
Vredegoor und andere (2012), Can f 1 levels in hair and homes of different dog breeds: lack of evidence to describe any dog breed as hypoallergenic, Journal of Allergy and Clinical Immunology (Zusammenfassung frei). Der Airedale Terrier ist dort eine der vier untersuchten, als hypoallergen beworbenen Rassen.

Gesundheitszahlen
stehen unter „Zahlen und Studien zur Gesundheit“ weiter oben, mit zwölf einzeln nachgewiesenen Fundstellen.