
Das erwartet dich
- Was der Vereinsstandard verspricht und welche Bedingung er im selben Absatz daranhängt
- Eine Ahnenreihe, die 1905 bei Richard Strebel steht, obwohl die Rasse dort nicht vorkommt
- Was es im Alltag bedeutet, wenn hinter den Papieren kein Verband steht
- Warum bei dieser Bracke der Rückweg schwerer wiegt als die Hetze
- Was der Vereinsstandard über Ohren, Augen und Gelenke tatsächlich sagt
Film
Verschaff dir zuerst einen Eindruck von diesem Hund, bevor es in seine Herkunft geht.

Illustration: Richard Strebel, „Bild 1. Bloodhound nach Geßner.“, aus: „Die deutschen Hunde und ihre Abstammung“, Kern & Birner, Frankfurt am Main 1905 (Gemeinfrei). Die Tafel zeigt nicht die Ardennenbracke, sondern den Bloodhound, für Strebel das letzte Glied der Kette vom Leithund über den französischen St. Hubert.
Kurzbeschreibung
Die Ardennenbracke ist eine mittelgroße Bracke von kräftigem, aber nicht schwerem Bau, eher quadratisch als gestreckt, mit gut bemuskeltem Körper und tiefer Brust. Ihr Haar ist kurz und liegt dicht an, darunter sitzt genügend Unterwolle für nasse Tage im Gelände. Die Behänge sind groß und hängen weich nach vorn, über den Augen bleibt oft eine deutliche Faltung stehen, die an den Hubertushund erinnert. Die Färbung reicht von ganz Schwarz über schwarzrot gebrandet bis zum reinen Hirschrot, häufig mit dunklem Sattel. Viel Aufwand macht das Fell nicht, die Ohren dafür schon. Im Umgang ist sie ruhig und anschmiegsam, auf der Jagd zeigt sie Schärfe und Beutewillen.
Wie die Rasse um 1900 beschrieben wurde
Richard Strebel kennt die Ardennenbracke nicht. In seinem Standardwerk „Die deutschen Hunde und ihre Abstammung“ von 1905 kommt der Name nicht vor, und das ist kein Versäumnis: Eine Zucht mit Zuchtbuch und eigenem Standard gibt es erst seit den achtziger Jahren. Was Strebel beschreibt, ist der Hund davor, der Leit- und Schweißhund, und in diesem Kapitel steht die Linie, auf die sich die heutige Zucht beruft.
Gleich im ersten Satz ordnet er die ganze Gruppe ein: „Aus dem Geschlecht der Bracken hervorgegangen, waren sie ursprünglich reine Bracken, die je nach ihrer Beanlagung Leit- und Schweißhunddienste auszuüben hatten, diese Auserwählten standen daher besonders bei uns in Deutschland in hohem Ansehen“ (Strebel, Die deutschen Hunde, Band 2, 1905, S. 157). Er weist darauf hin, dass schon das bajuwarische Gesetz drei Arten unterscheidet, den Leit-, den Trieb- und den Spurihund, und dass der Leithund von Anfang an nicht nur auf Wild angesetzt wurde. Aus dem alemannischen Gesetz zitiert er die Stelle „Canis ductor, qui in ligamine praecedens sequentum ducit ad latronem“ (S. 157). In eigener Wiedergabe: der führende Hund, der an der Leine vorangeht und die Nachfolgenden zum Räuber bringt. Der alte Name des Schweißhundes, „Klag’an“, stammt für ihn aus derselben Verwendung.
Wie diese Arbeit aussah, gibt Strebel mit einem Zitat aus Flemmings „Vollkomener Teutscher Jäger“ von 1719 wieder: „Und weil derselbe, Zeit währenden Gebrauchs an einem langen Riemen, das Henge-Seil genannt, stets geführt oder geleitet wird, wird er Leit-Hund genennet“ (S. 159). Der Hund am Riemen, der Mensch dahinter. Genau das ist die Arbeitsform, von der sich die Ardennenbracke heute unterscheidet, weil sie frei jagt und sich über den Laut meldet.
Die für diese Rasse entscheidende Stelle steht am Anfang des Bloodhoundkapitels: „Es unterliegt keinem Zweifel, daß, von unserem Leit- und Schweißhund angefangen, sich der Typus durch den Aargauer Laufhund, den französischen St. Hubert- bis zum englischen Bloodhound gleichmäßig gesteigert hat“ (S. 170). Den französischen St. Hubert nennt Strebel hier als Zwischenglied, ohne ihn weiter zu verorten. Es ist derselbe Name, auf den sich der Verein für die Herkunft seiner Hunde beruft, und damit steht diese Kette in einem Werk von 1905. Ein Abstammungsnachweis für die heutige Ardennenbracke ist das nicht, wohl aber ein Beleg dafür, dass der Typ, den sie erhalten will, damals als eigenes Glied dieser Reihe galt.
Quelle: Richard Strebel (1905), Band 2, S. 157 bis 170. Vollständige Quellenangabe siehe Quellen.
Die Entstehung der Rasse
Der Ausgangspunkt liegt in den Ardennen, in der Abtei Saint-Hubert. Ihre Hunde standen bei der französischen Jägerschaft in hohem Ansehen, und bis zur Revolution mussten die Äbte dem König jedes Jahr sechs Stück davon schicken. Mit den höfischen Meuten verschwand dieser Rahmen. Was blieb, waren Hunde in bäuerlicher und forstlicher Hand, verteilt über die Grenzregion zwischen Belgien, Luxemburg und Deutschland, und dort zählte nicht der Typ, sondern was ein Hund im Wald leistete. Gefragt war ein Hund, der einen ganzen Tag im Bewuchs durchhält und dabei die Nase behält, mit der ein Leithund arbeitet. Der Vereinsstandard nennt heute trotzdem Deutschland als Ursprungsland, denn er beschreibt nicht den historischen Hund, sondern die Zucht, die ihn seit den achtziger Jahren von hier aus wieder aufbaut.
Belege für das 20. Jahrhundert sind dünn und stammen aus zweiter Hand. Für 1958 und 1959 hält der Verein fest, dass Ardennenbracken auf Prüfungen des Vereins Hirschmann geführt wurden, und dass Herzog Albrecht von Bayern schwarzrote Hunde aus Belgien in seiner Meute hatte. Ein Foto aus dieser Zeit ist erhalten. Danach reißt die Dokumentation ab. Ob die Hunde, die heute unter diesem Namen laufen, in gerader Linie von den alten Ardenner Hunden abstammen, lässt sich nicht mehr zeigen. Was für den Zusammenhang spricht, sind nach Angaben des Vereins Übereinstimmungen im Bild und in der Arbeitsweise, allen voran die Freude am Wasser.
Die neuere Zucht setzt in den achtziger Jahren wieder ein. Der Verein datiert die Erhaltungszucht auf etwa 1986, der Vereinsstandard nennt eine nachgewiesene Zucht seit 1989. Im September 2009 gründeten Besitzer und Führer dieser Hunde den Verein Ardennenbracke e. V., der seither das Zuchtgeschehen ordnet. Der Standard, den der Verein sich gab, trägt den Stand Juli 2011 und ist am 3. März 2012 ausgegeben worden. Er hält selbst fest, dass das Zuchtwesen sich im Aufbau befindet.
Um Inzuchtschäden zu vermeiden, kreuzt der Verein regelmäßig passende, gesunde Hunde anderer Brackenrassen ein. Er bezeichnet die Ardennenbracke selbst noch als Schlag und nicht als fertige Rasse und nennt als Ziel, sie wieder zu einer eigenständigen Rasse zu machen. Eine Anerkennung durch die FCI gibt es nicht, einen Eintrag beim VDH ebenso wenig. Die Zuordnung zu Gruppe 6, Sektion 1.2, die im Standard steht, hat der Verein selbst vorgenommen.
Ursprüngliche Verwendung und Entwicklung
Gebraucht wurde dieser Hund für zwei Aufgaben am Hochwild. Auf der Bewegungsjagd sucht er große Flächen ab, findet das Stück, jagt es laut und hält es in Bewegung, damit es an den Ständen vorbeikommt. Auf der Nachsuche arbeitet er die Fährte des kranken Stücks aus, auch wenn sie kalt geworden ist und über anderes Wild führt. Beides verlangt denselben Hund: eine Nase, die sich auf ein bestimmtes Stück festlegt und dabei bleibt, genug Schärfe, um am Wild zu bestehen, und die Fähigkeit, stundenlang ohne Ansage weiterzuarbeiten. Der Standard fasst das als hohe Anforderungen an Ausdauer und Beweglichkeit bei Nachsuche und Bewegungsjagd zusammen.
Daran hat sich wenig geändert. Die Ardennenbracke wird nach wie vor fast ausschließlich jagdlich geführt, und der Verein prüft Leistung, Schwarzwildschärfe und Gesundheit, bevor ein Hund in die Zucht darf. Als Stöberhund ist sie zusätzlich brauchbar, als Hund unter der Flinte im Niederwild kaum, dafür ist ihre Arbeit zu weiträumig. Wer heute einen Welpen bekommt, bekommt also keinen Hund mit einer abgelegten Vergangenheit, sondern einen, dessen Anlagen im laufenden Zuchtgeschehen jedes Jahr neu abgefragt werden.
Was diese Rasse heute prägt
Die Ardennenbracke hält den Kontakt zu ihrem Menschen über die Stimme. Sie jagt spurlaut bis sichtlaut, und dieser Laut ist kein Nebengeräusch, sondern eine laufende Meldung nach draußen: Solange er kommt, hat der Hund etwas, und man weiß ungefähr, in welche Richtung es geht. Verstummt er, ist das ebenfalls eine Nachricht. Für einen Hund, der über eine Stunde außer Sicht bleibt, ist das der einzige offene Kanal.
Der Standard beschreibt die Rasse im Umgang als sanft und anschmiegsam und nennt im selben Absatz Wildschärfe und Beutewillen auf der Jagd. Beides gehört zusammen und beschreibt keinen Widerspruch, sondern zwei Betriebsarten. Die gewaltfreie Ausbildung nehme der Hund gerne an, heißt es dort weiter, vereinzelt komme aber ein Eigensinn vor, der Geduld fordert. An dieser Stelle entscheidet sich vieles, denn Härte trifft bei dieser Rasse die Bindung, auf die später alles hinausläuft.
Im Alltag laufen beide Anlagen ohne Zutun weiter. Die Nase nimmt auf, was da ist, der Laut kommt, sobald etwas läuft. Und der ruhige Hund im Haus, den der Standard beschreibt, ist derselbe Hund, der vormittags mit dem Kopf gearbeitet hat.
Was Hundehalter heute erwarten, und woran sie sich reiben
Der Vereinsstandard beschreibt die Rasse als familien- und kinderfreundlich, wachsam und selbstbewusst im Haus, im Umgang sanft und anschmiegsam. Zwei Absätze später steht dort der Satz, an dem alles hängt: Sie sei ein Hund für den Jägerhaushalt, in dem sie Familienanschluss hat und ausreichend jagdlich beschäftigt wird. Wer nur den ersten Teil liest, hält sie für einen seltenen, angenehmen Begleiter abseits der Mode. Der zweite Teil ist die Bedingung dafür, und er ist nicht verhandelbar.
Wo diese Bedingung fehlt, zeigt sich das an zwei ganz konkreten Stellen. Die erste ist der Spaziergang. Wer einen Hund erwartet, der in Sichtweite bleibt, hat die falsche Rasse vor sich: Diese Bracke geht dorthin, wo die Witterung sie hinführt, und dann steht ihr Mensch am Feldweg und wartet, ohne zu wissen, wie lange. Die zweite ist die Nachbarschaft. Was im Wald die Verständigung mit dem Führer trägt, ist am Ortsrand eine Zumutung für alle, die dort wohnen, und im Feld ohne Jagdauftrag eine Wildstörung.
Beides lässt sich nicht abstellen, sondern nur unterbringen. Genau darum geht es in dem Halbsatz des Standards, den die meisten überlesen.
Was ohne Verbandsanschluss gilt
Die Ardennenbracke steht organisatorisch allein, und das hat praktische Folgen, die man vor der Anschaffung kennen sollte. Der Verein beschreibt die Lage selbst: Er nennt die Ardennenbracke einen Schlag und keine anerkannte Rasse und gibt als Ziel aus, sie wieder zu einer eigenständigen Rasse zu machen. Seinen Standard hat er sich selbst gegeben, die Einordnung in Gruppe 6, Sektion 1.2 darin ebenfalls. Und seine Prüfungsordnung regelt ausdrücklich, wie Vereinsrichter zu verfahren haben, die zugleich Verbandsrichter im Jagdgebrauchshundverband sind, nämlich nur im Auftrag des Vereins. Zuchtbuch, Zuchtordnung, Standard und Prüfungswesen liegen damit vollständig bei ihm.
Praktisch wird das bei der Brauchbarkeit. Der Verein führt eigene Zucht- und Brauchbarkeitsprüfungen durch und bescheinigt danach die jagdliche Brauchbarkeit. In seiner Prüfungsordnung vom 7. Juli 2020 sagt er allerdings selbst, was diese Bescheinigung nicht leistet: „Eine Anerkennung dieser Prüfungen als Nachweis der Brauchbarkeit durch die Unteren Jagdbehörden der Länder wird nicht garantiert.“ Und weiter: „Es kann zusätzlich erforderlich sein, dass Ardennenbracken ihre jagdliche Brauchbarkeit auf entsprechenden Prüfungen der Landesjagdverbände nachweisen.“ Der Verein verweist damit selbst auf die beiden Stellen, an denen die Sache tatsächlich entschieden wird, und die liegen nicht bei ihm.
Die Trennung wirkt in beide Richtungen. Dieselbe Prüfungsordnung hält fest, dass Vereinsrichter, die zugleich Verbandsrichter im JGHV sind, bei Prüfungen des Vereins ausdrücklich nur in dessen Auftrag richten. Wer mit einer Ardennenbracke an JGHV-gebundenen Prüfungen teilnehmen will, klärt das gesondert. Und wer sie im Revier führen will, fragt bei seiner unteren Jagdbehörde nach, nicht beim Verein.
Für die Zucht gilt dasselbe in anderer Form, und dabei sind drei Sachverhalte zu unterscheiden. Ein Teil der Hunde fällt unter die Vereinsregeln, mit Leistungsprüfung, Untersuchung auf Hüft- und Ellbogendysplasie und Zuchtzulassung. Ein zweiter Teil entsteht ohne Vereinsanbindung. Das Tierschutzrecht gilt dort wie überall, Zuchtauflagen im Sinne von Gesundheitsprüfung und Zuchtzulassung gibt es dort nicht. Das Dritte ist der illegale Welpenhandel, bei dem Herkunft und Alter der Tiere nicht stimmen und Papiere gefälscht sind.
Eine Studienlage gibt es dazu nicht, es geht um Verbandsrecht und Verwaltungspraxis, nicht um Medizin. Wer über diese Rasse nachdenkt, sollte den Anruf bei der Behörde vor dem Welpen erledigen und nicht danach.
Anforderungen, die diese Rasse stellt
Fangen wir beim Platz an, denn dort wird es ungewöhnlich konkret. Eine Bracke, die auf wenigen hundert Hektar arbeiten soll, arbeitet ständig über deren Grenzen hinaus. Wer sie jagdlich führt, braucht also ein großes Revier oder die Einladung in fremde Bewegungsjagden. Zu Hause gilt das Gegenteil: Sie lebt mit im Haus, der Standard nennt den Familienanschluss ausdrücklich als Bedingung. Und der Alltag muss einen Hund vertragen, der sich hören lässt.
Teurer als der Platz ist der Mensch selbst. Weil der Eigensinn, den der Standard nennt, Geduld fordert, ist jemand gefragt, der in unklaren Momenten trotzdem entscheidet, ohne laut zu werden, und der das über Jahre durchhält, nicht über einen Winter.
Bleibt die Zeit, in der nicht gejagt wird, und das ist der größere Teil des Jahres. Bewegungsjagden liegen im Winter, Nachsuchen fallen an, wann sie anfallen. Dazwischen ruht das, worauf bei dieser Rasse alles hinausläuft: über eine lange Strecke ohne Ansage weiterarbeiten und den Rückweg selbst antreten. Dafür taugt die freie Verlorensuche beim Apportieren, weil dort genau dieser Rückweg gearbeitet wird. Das gilt im Jägerhaushalt wie im Haushalt ohne Jagd, nur muss dort der ganze Anteil vom Halter kommen. Was das für Jagdhunde allgemein bedeutet, steht im Sachthema Jagdverhalten.
Gesundheit im Blick
Belastbare Zahlen zur Gesundheit dieser Rasse gibt es nicht. Wo sonst nachgesehen wird, ist sie nicht geführt, und der Verein veröffentlicht keine Statistik. Das ist keine Aussage über ihre Robustheit, sondern über die Datenlage, und es heißt auch, dass es keine belegte Lebenserwartung für sie gibt. Was sich sachlich benennen lässt, kommt aus dem Bau des Hundes und aus dem Standard. Die großen Behänge liegen dicht über dem Gehörgang, und bei Rassen mit hängendem Ohr werden Ohrentzündungen häufiger diagnostiziert; regelmäßige Kontrolle gehört deshalb dazu. An den Augen nennt der Standard ein herkunftsbedingtes leichtes Ektropium und führt starkes Ektropium und Entropium unter den Fehlern. An den Gelenken untersucht der Verein vor der Zuchtzulassung auf Hüft- und Ellbogendysplasie, Kryptorchismus und andere vererbbare Erkrankungen führen zum Zuchtausschluss. Im Blick bleibt außerdem die Magendrehung.
Zahlen und Studien zur Gesundheit
Rasseweite Daten. Für die Ardennenbracke liegt keine unabhängige Auswertung vor. Bei VetCompass und bei Agria fehlt sie als eigene Rasse. In der Rassetabelle von McMillan und anderen (2024), der bislang größten britischen Auswertung zur Lebensdauer, steht sie unter den dort aufgeführten Rassen nicht.[2] Der Verein veröffentlicht Zuchtvorgaben, aber keine Auswertung der Befunde.[1]
Lebenserwartung. Ein Rassewert existiert nicht. Der nächstgelegene veröffentlichte Wert ist ein Gruppenwert: Teng und andere (2022) geben für die Kennel-Club-Gruppe Hound eine Lebenserwartung im Alter null von 10,71 Jahren an (95-Prozent-Konfidenzintervall 10,53 bis 10,89), gegenüber 11,23 Jahren über alle erfassten Hunde.[3] Diese Gruppe umfasst Wind- und Laufhunde britischer Registrierung. Die Ardennenbracke ist darin nicht enthalten, der Wert ist eine Orientierung und keine Rassezahl.
Ohren. O’Neill und andere (2021) werteten eine Zufallsstichprobe von 22.333 Hunden aus 905.554 in britischer tierärztlicher Betreuung aus und kamen auf eine Jahresprävalenz der Otitis externa von 7,30 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 6,97 bis 7,65).[4] Für Rassen mit hängendem Ohr lag die Chance einer Diagnose rund 1,8-mal höher als bei Rassen mit Stehohr (Odds Ratio 1,76, 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,48 bis 2,10). Die Auswertung ordnet nach Ohrform, nicht nach dieser Rasse; die Übertragung ist ein Schluss über das Merkmal.
Quellen: [1] Verein Ardennenbracke e. V., Zuchtvoraussetzungen (Vereinsangabe). [2] McMillan und andere (2024), Longevity of companion dog breeds: those at risk from early death, Scientific Reports, Supplementary Table S3 (Volltext frei). [3] Teng und andere (2022), Life tables of annual life expectancy and mortality for companion dogs in the United Kingdom, Scientific Reports (Volltext frei). [4] O’Neill und andere (2021), Frequency and predisposing factors for canine otitis externa in the UK, Canine Medicine and Genetics (Volltext frei).
Die Methode bei dieser Rasse
Wer sich einen Hund vorstellt, der eine Stunde lang außer Sicht jagt, denkt zuerst an den Rückruf. Bei einer Bracke geht das am Kern vorbei, denn in der Stunde, um die es geht, ruft niemand.
So sieht diese Stunde aus. Der Führer steht bei der Bewegungsjagd an seinem Platz. Die Bracke ist weg, erst laut, dann weiter weg, dann still. Er hört nichts mehr, er sieht nichts, er kann nichts entscheiden. Und er tut trotzdem etwas: Er bleibt, wo er ist.
Das ist die eigentliche Arbeit des Menschen bei dieser Rasse. Die Verbindung läuft hier in die andere Richtung als sonst. Der Hund meldet über den Laut, der Mensch hört zu, und was er beisteuert, ist, auffindbar zu bleiben.
Geübt wird deshalb nicht das Zurückholen, sondern das Warten. Ein junger Hund, dem sein Mensch bei jeder größeren Entfernung hinterhergeht, lernt genau das Falsche: dass der Punkt, an dem er ankommen soll, sich bewegt. Wie man einem Junghund beibringt, dass dieser Punkt eben stehen bleibt, steht in den Büchern und Onlinekursen von Anton Fichtlmeier, siehe Empfehlung. Was bei der Stöber- und Bewegungsjagd sonst verlangt wird, steht im Sachthema Jagdverhalten.
Kurz zusammengefasst
- Die Ardennenbracke ist der Arbeitsschlag des Hubertushundes, gezüchtet für Nachsuche und Bewegungsjagd, laut und weiträumig. Ohne Arbeit im Kopf ist sie kein ruhiger Hund.
- Strebel hält 1905 die Kette vom Leit- und Schweißhund über den französischen St. Hubert zum Bloodhound fest; ein Abstammungsnachweis für die heutige Rasse ist das nicht.
- Ohne FCI, VDH und JGHV liegt alles beim Verein, und über die Brauchbarkeit im Revier entscheidet trotzdem die untere Jagdbehörde des Landes.
- Zur Gesundheit dieser Rasse gibt es keine Zahlen, wohl aber Themen: Ohren, Gelenke, Lidfehler, Magendrehung.
- Der Hund arbeitet über Stunden außer Sicht, und die Aufgabe des Menschen in dieser Zeit besteht darin, an seinem Platz zu bleiben.
Empfehlung
Für die Erziehung und Ausbildung der Ardennenbracke passen folgende Angebote von Anton Fichtlmeier:
Bücher: Die Prägung des Jagdhundwelpen, Grunderziehung für Welpen, Suchen und Apportieren und Die Ausbildung des Jagdhundes.
Onlinekurse:
- Jagdhundeausbildung Grundlagen
- Apportieren für Jagdhunde
- Spurarbeit und Apport am Wasser
- SP Mantrailing für Jagdhunde
- Das Geheimnis der Spurensuche
- Der Paradigmenwechsel
Weiterführende Informationen zur Fichtlmeier-Methode, zu Büchern, Seminaren und lizenzierten Hundeschulen findest du auf fichtlmeier.de.
Mitreden
Das Reel zu dieser Rasse findest du auf Instagram. Wenn du Fragen hast oder eigene Erfahrungen gemacht hast, diskutier dort mit.
Belege und Quellen
Zeitgenössische Quelle
Richard Strebel, „Die deutschen Hunde und ihre Abstammung“, Kern & Birner, Frankfurt am Main 1905, Band 2, S. 157 bis 170, Kapitel „Die Leit- und Schweißhunde“ und „Der (Bloodhound) Bluthund“. Alle Zitate und Seitenzahlen wurden am 14. August 2026 am Originalscan gegengelesen. Gemeinfrei. Vollständige Angabe siehe Quellen.
Steckbriefdaten
Rassestandard des Vereins Ardennenbracke e. V., Stand Juli 2011, ausgegeben am 3. März 2012, Verfasser Arno Dietz (Vereinsangabe). Er beschreibt das Zuchtziel, nicht den durchschnittlichen Hund, reale Tiere weichen ab.
Selbstzuordnung und Rassestatus
Derselbe Standard, Abschnitt Klassifikation und Kurzer geschichtlicher Abriss. Von dort stammen die Einordnung in Gruppe 6, Sektion 1.2, die nachgewiesene Zucht seit 1989 und der Satz, dass sich das Zuchtwesen im Aufbau befindet.
Vereinsgeschichte
Sammelbeleg für den Abschnitt „Die Entstehung der Rasse“: Verein Ardennenbracke e. V., Seiten Geschichte, Die Geschichte der Ardennenbracken und Vereinszweck (Vereinsangabe). Von dort stammen das Kloster Saint-Hubert, die Angaben zu 1958 und 1959, Herzog Albrecht von Bayern, die Erhaltungszucht ab etwa 1986, die Gründung im September 2009 und die Einkreuzungen.
Prüfungen und Brauchbarkeit
Prüfungsordnung des Vereins Ardennenbracke e. V. vom 7. Juli 2020, Paragraf 1, 2 und 11 (Vereinsangabe). Die beiden im Text zitierten Sätze zur Anerkennung durch die unteren Jagdbehörden und zu den Prüfungen der Landesjagdverbände stehen in Paragraf 2, die Regelung zu den JGHV-Verbandsrichtern in Paragraf 11.
Gesundheitszahlen
stehen unter „Zahlen und Studien zur Gesundheit“ weiter oben.
Abbildung
Strebel, Band 2, S. 170, Tafel mit der gedruckten Unterschrift „Bild 1. Bloodhound nach Geßner.“ Ohne Hundenamen, also eine Typdarstellung.
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