
Das erwartet dich
- Was ein Apportierhund im Jagdbetrieb leisten muss und wie schmal seine Aufgabe zugeschnitten ist
- Was Richard Strebel 1905 über den Retriever schrieb und welche Farbe der damalige Standard verlangte
- Wie aus einem einzigen Wurf in den schottischen Highlands eine Rasse mit rund zweitausend Welpen im Jahr wurde
- Was hinter der Trennung in Show- und Arbeitslinie steckt und was daran wirklich belegt ist
- Warum die Krebszahlen dieser Rasse je nach Land weit auseinandergehen und was das für die Einordnung heißt
Film
Verschaff dir im Film einen ersten Eindruck, bevor es in die Geschichte des Golden Retriever geht.

Illustration: Richard Strebel, wellhaariger Retriever, Champion „Black Queen“, Bes.: Mr. J. Harding Cox, Watford, aus: „Die deutschen Hunde und ihre Abstammung“, Kern & Birner, Frankfurt am Main 1905 (Gemeinfrei). Die Tafel zeigt den schwarzen Vorläuferschlag, aus dem der Golden Retriever hervorging, nicht die Rasse selbst.
Kurzbeschreibung
Der Golden Retriever stammt aus Großbritannien, wo er als Apportierhund für die Flintenjagd gezüchtet wurde. Rüden erreichen nach dem FCI-Standard eine Widerristhöhe von 56 bis 61 cm, Hündinnen von 51 bis 56 cm. Ein Gewicht legt der Standard nicht fest. Seine Lebenserwartung liegt im Median bei rund 13 Jahren. Sein Haar liegt glatt an oder ist leicht gewellt, mit deutlicher Befederung an Läufen, Brust und Rute und einer dichten, wasserabstoßenden Unterwolle. In der Farbe zeigt er jede Schattierung von Gold oder cremefarben. Für die Fellpflege genügt regelmäßiges Bürsten. Sein Charakter ist freundlich und ausgeglichen, sein Wesen stark auf den Menschen bezogen.
Wie die Rasse um 1900 beschrieben wurde
Als Richard Strebel 1905 im zweiten Band seines Werks „Die deutschen Hunde und ihre Abstammung“ auf den Retriever zu sprechen kommt, gibt es den Golden Retriever als eigene Rasse noch nicht. Was er beschreibt, ist der Schlag, aus dem sie hervorgehen wird, und er beschreibt ihn mit dem nüchternen Blick eines Mannes, der die englische Hundewelt kannte, aber vom deutschen Vorstehhund überzeugt war.
Die Entstehung erklärt Strebel aus einem Konflikt in der Arbeit: „Der Retriever ist neueren Ursprungs und zwar entstand er, als man anfing einzusehen, daß der Pointer und Setter durch das Apportieren keine fermen Steher blieben“ (Strebel, Die deutschen Hunde, Band 2, 1905, S. 118). Wer seinen Vorstehhund apportieren ließ, verdarb ihm das ruhige Stehen vor dem Wild. Also brauchte es einen zweiten Hund, der nichts anderes tat als bringen. Dass sich England das leisten konnte, hält Strebel ausdrücklich fest: In einem Lande wie England, „wo man sich den Luxus erlauben kann, für jeden jagdlichen Sport einen besonderen Hund zu halten“, sei das der naheliegende Weg gewesen (S. 118). Als Baumaterial nennt er den Pudel und den „Neufundländer oder Labradorhund“, die er beide als hervorragende Apporteure von Naturbeanlagung einordnet, und er unterscheidet zwei Varietäten: den kraushaarigen Retriever, geschaffen mit Irish Waterspaniel oder Pudel, und den wellhaarigen, geschaffen mit dem Setter (S. 118).
Der wellhaarige Retriever ist der direkte Vorläufer des Golden. Strebel bildet ihn auf S. 120 als Champion „Black Queen“ ab und gibt die Rassemerkmale wieder. Beim Punkt Farbe steht dort: „Tiefes Schwarz, nicht ins Bräunliche spielend. Niemals weiße Abzeichen“ (S. 120). Zu dem Zeitpunkt lagen die ersten gelben Würfe in Guisachan bereits über dreißig Jahre zurück. Die Farbe, die den Golden Retriever heute ausmacht, kommt in dem Standard, den Strebel wiedergibt, nicht vor. Ein Beleg dafür, dass es gelbe Retriever damals nicht gab, ist das nicht, wohl aber einer dafür, wie weit sie 1905 noch vom anerkannten Bild der Rasse entfernt waren.
Zwei Jahre später zeichnet L. P. C. Astley in England dasselbe Bild, im Kapitel über den Flat-Coated Retriever in Robert Leightons „The New Book of the Dog“. Er datiert das entscheidende Zuchtmaterial auf die Zeit um 1850, als ein schwarzer Hund aus Labrador nach England kam, und hält fest, dass die Kreuzung mit dem English Setter nicht belegt, sondern nur erschlossen sei (Astley, in: Leighton, The New Book of the Dog, 1907, S. 254 f., eigene Zusammenfassung). Auch bei ihm ist der Retriever schwarz oder leberfarben.
Strebel schließt sein Kapitel mit einer Einschätzung zum deutschen Markt: „Er ist bei uns sehr selten und wird es auch bleiben, da wir in unserm deutschen Vorstehhunde einen nach jeder Richtung für jede Art Jagd geeigneten Hund besitzen“ (S. 118).
Quelle: Richard Strebel (1905), Band 2, S. 118 bis 121, sowie L. P. C. Astley (1907), in: Robert Leighton, The New Book of the Dog, S. 254 f. Vollständige Quellenangaben siehe Quellen.
Die Entstehung der Rasse
Woher der Retriever als Typ kommt, steht oben. Was die zeitgenössischen Quellen zur Herkunft des Golden Retriever nicht liefern, ist der Weg davor und die Chronologie danach. Davor steht ein Handelsweg. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts brachten britische Fischereischiffe aus Neufundland Hunde mit nach England, die im kalten Wasser arbeiteten. Dieser Schlag, die St. John’s Hunde, ist heute ausgestorben.
Die Rasse selbst beginnt in den schottischen Highlands, auf dem Anwesen Guisachan von Dudley Marjoribanks, dem späteren Lord Tweedmouth. Er hatte einen Rüden namens Nous erworben, einen gelben Retriever, der als einziger gelber Welpe in einem sonst schwarzen Wurf gefallen war, und verpaarte ihn 1868 mit Belle, einer Hündin des ebenfalls ausgestorbenen Tweed Water Spaniel. Aus diesem Wurf stammen vier gelbe Hündinnen, überliefert sind ihre Namen: Crocus, Primrose, Cowslip und Ada. In den folgenden zwei Jahrzehnten kamen weitere wellhaarige Retriever, Tweed Water Spaniels, ein Irish Setter und in einer Linie ein sandfarbener Bluthund dazu.
Lange war das nicht bekannt. Die Zuchtaufzeichnungen von Guisachan wurden erst 1952 vom sechsten Earl of Ilchester veröffentlicht, aufgearbeitet von der Züchterin Elma Stonex und 1960 vom Kennel Club übernommen. Bis dahin hielt sich eine andere Geschichte: Die Rasse gehe auf russische Zirkushunde zurück, die Lord Tweedmouth einem Wanderzirkus abgekauft habe. Verbreitet hat sie Colonel W. le Poer Trench, ein früher Fürsprecher der Rasse, der seine Hunde auf diese Herkunft zurückführte. Die Zuchtbücher haben sie erledigt.
1911 gründete sich in England der Golden Retriever Club, 1913 erkannte der englische Kennel Club die Rasse an. 1921 richtete der Club die ersten Field Trials aus, die ausschließlich dieser Rasse vorbehalten waren. 1936 wurde der Standard geändert und die cremefarbene Schattierung ausdrücklich zugelassen. Nach Deutschland kam die Rasse spät: Der erste Wurf wurde 1962 beim VDH eingetragen. Heute trägt die Welpenstatistik des VDH rund zweitausend Golden Retriever im Jahr ein.
Ursprüngliche Verwendung und Entwicklung
Der Golden Retriever ist auf einen schmalen Ausschnitt der Jagd gezüchtet, und darin auf Perfektion. Seine Aufgabe beginnt erst nach dem Schuss. Bis dahin sitzt er neben seinem Führer, verfolgt mit den Augen, wo das Wild fällt, und merkt sich die Stelle. Erst auf Anweisung geht er, sucht das Stück, nimmt es mit weichem Fang auf, bringt es und gibt es ab. Wasser gehört selbstverständlich dazu, der Standard nennt ihn Apportierhund für die Flintenjagd und verlangt eine wasserabstoßende Unterwolle. Ruhe auf dem Stand, ein genaues Gedächtnis für Fallstellen, feine Nase, Ausdauer und ein Maul, das die Beute nicht beschädigt, das ist sein Anforderungsprofil.
Der Menschbezug ist Teil dieser Arbeit, nicht ein netter Nebeneffekt. Ein Hund, der neben dem Schützen wartet und dann auf Zeichen weit hinaus arbeitet, muss die Verbindung über Distanz halten und bereitwillig mitarbeiten. Der FCI-Standard nennt genau diese Anlage: die natürliche Bereitschaft zu arbeiten und sich am Menschen auszurichten.
Heute steht der Golden Retriever in Deutschland weit überwiegend in Familien, nicht in Revieren. Daneben arbeitet er als Rettungs- und Assistenzhund, in der Sprengstoff- und Rauschgiftsuche und als Blindenführhund. Die Anlagen sind dieselben geblieben. Sie kommen nur seltener bei der Arbeit zum Zug, für die sie entstanden sind.
Was diese Rasse heute prägt
Im Charakter des Golden Retriever fällt zuerst seine Zugewandtheit auf. Er sucht den Kontakt zum Menschen, arbeitet gern mit ihm zusammen und nimmt Anweisungen bereitwillig an. Das macht ihn leicht führbar und erklärt, warum er in so vielen Einsatzbereichen zu finden ist. Es macht ihn zugleich empfindlich für alles, was diese Verbindung stört: langes Alleinsein, ein Alltag ohne gemeinsame Aufgabe, wechselnde und unklare Ansagen.
Dazu kommt der Teil, der im Familienalltag oft unterschätzt wird. Der Golden ist ein Jagdhund. Er hat eine feine Nase, einen ausgeprägten Willen zu finden und einen kräftigen Bring- und Beutetrieb. Wo eine Aufgabe fehlt, sucht sich dieser Antrieb ein Ziel, und das ist dann alles, was sich bewegt: Wild, Radfahrer, joggende Menschen. Die Wasserfreude gehört ebenfalls dazu und ist keine Marotte, sie steckt in der Arbeit, für die er entstanden ist. Kein Tümpel ist ihm zu trüb.
Was Hundehalter heute erwarten, und woran sie sich reiben
Der Golden Retriever trägt ein festes Bild vor sich her. Er gilt als der freundliche Familienhund, geduldig mit Kindern, unkompliziert im Umgang, immer gut gelaunt. An diesem Bild ist viel richtig, und trotzdem führt es in die Irre, wenn daraus ein Hund wird, der nebenherläuft.
Die erste Reibung entsteht beim Bewegungs- und Beschäftigungsbedarf. Ein Golden Retriever, der nur spazieren geführt wird, ist nicht ausgelastet, auch wenn die Runden lang sind. Er braucht Aufgaben, an denen er Nase und Kopf einsetzt. Bleibt das aus, wird er unruhig, sucht sich selbst etwas, und bei einem Hund mit diesem Bringtrieb heißt das meist: Er trägt Dinge herum, die er nicht tragen soll, oder er entscheidet draußen selbst, wohin er läuft.
Die zweite Reibung ist der Jagdtrieb. Er wird bei dieser Rasse regelmäßig übersehen, weil das freundliche Wesen ihn überstrahlt. Ein Golden, der eine Wildspur aufnimmt, ist genauso weg wie jeder andere Jagdhund, und die Bereitschaft, dem Menschen zu gefallen, hilft in diesem Moment nicht, wenn er nie gelernt hat, in Erregung ansprechbar zu bleiben.
Die dritte betrifft die Bindung selbst. Wer ganztägig außer Haus ist, wird dieser Rasse schwer gerecht. Der enge Anschluss, der den Golden Retriever so angenehm macht, ist zugleich seine empfindlichste Stelle.
Show- und Arbeitslinie
Beim Golden Retriever laufen seit Langem zwei Zuchtrichtungen nebeneinander her: die Arbeitslinie, gezüchtet für die jagdliche Arbeit, und die Showlinie, gezüchtet für die Ausstellung. Die Trennung ist alt: Schon 1921 richtete der englische Rasseclub eigene Field Trials aus, die ausschließlich dieser Rasse vorbehalten waren. Damit standen Ausstellung und Feldarbeit von früh an als zwei getrennte Maßstäbe nebeneinander.
Beschrieben werden die Unterschiede meist so: Hunde der Arbeitslinie seien leichter, schlanker und temperamentvoller, ihr Fell kürzer und dunkler, von Gold bis Dunkelgold. Hunde der Showlinie seien schwerer und kompakter gebaut, mit breiterem Kopf, kürzeren Läufen, längerem Haar und heller Farbe von Creme bis Hellgold. So beschreibt es der VDH.
Zwei Dinge sind dabei zu unterscheiden. Dass es die beiden Zuchtrichtungen gibt und wie sie beschrieben werden, ist unstrittig. Ob sie sich genetisch bereits zu getrennten Teilpopulationen entwickelt haben, ist beim Golden Retriever dagegen nicht untersucht. Für den Labrador Retriever liegt eine solche Untersuchung vor: An 728 Hunden fand sie eine deutliche Untergliederung innerhalb der Rasse, die mit der Verwendung als Arbeits-, Ausstellungs- oder Familienhund zusammenhing.[1] Für den Golden gibt es das nicht, und ein genetisches Diagnostiklabor, das die Rasse untersucht, hält ausdrücklich fest, dass ein solcher Nachweis noch aussteht.[2] Genetisch belegt ist die Trennung für diese Rasse also nicht.
Der FCI-Standard kennt die Unterscheidung nicht. Er gilt für die ganze Rasse und lässt bei der Farbe „jede Schattierung von Gold oder cremefarben“ zu, ausgenommen Rot und Mahagoni. Beide Erscheinungsbilder liegen damit innerhalb des Standards. Auch die Arbeitsprüfung, an die die FCI die Rasse bindet, gilt für alle.
Für die Praxis heißt das: Der Unterschied zwischen zwei Golden Retrievern aus verschiedenen Linien kann größer sein als das, was viele von der Rasse erwarten. Ein Hund aus einer jagdlich geführten Linie bringt nach den Beschreibungen der Verbände mehr Antrieb mit und braucht entsprechend mehr Aufgabe. Der Rassename allein sagt darüber wenig.
Anforderungen, die diese Rasse stellt
Ein Golden Retriever verlangt drei Dinge: gemeinsame Zeit, tägliche Auslastung und regelmäßige Fellpflege. Er ist kein Hund für einen Haushalt, in dem tagsüber niemand da ist. Zur Auslastung gehört täglich Bewegung, die über das Abgehen einer Runde hinausgeht, und regelmäßige Aufgaben, bei denen er seine Nase gebrauchen darf.
Er braucht einen Menschen, der ruhig bleibt und in seinen Ansagen gleichbleibend ist. Härte ist nicht gefragt, Klarheit sehr wohl, und zwar von allen im Haushalt, nicht nur von einem.
Dazu kommt der Aufwand, den ein Hund dieser Größe mit dichtem Haar und Freude am Wasser nun einmal macht: regelmäßiges Bürsten, ein Auto und eine Wohnung, in denen nasser Hund kein Drama ist, und ein finanzieller Rahmen, der laufende Gesundheitsvorsorge und im Alter auch teurere Behandlungen trägt.
Gesundheit im Blick
Unter den Krankheiten des Golden Retriever ist es der Krebs, mit dem die Rasse am häufigsten verbunden wird, allen voran das Hämangiosarkom, ein Tumor der Blutgefäße, und das Lymphom. Wie stark die Belastung ausfällt, hängt davon ab, welche Population gezählt wird, und unterscheidet sich zwischen den Ländern erheblich. Die Lebenserwartung leidet darunter weniger, als der Ruf der Rasse vermuten lässt: Nach der größten verfügbaren Auswertung liegt sie bei 13,2 Jahren im Median, gegenüber 12,0 Jahren bei Mischlingen derselben Arbeit.
Daneben stehen die Gelenke, vor allem die Hüftgelenksdysplasie und die Ellenbogendysplasie, für die Röntgenuntersuchungen und Zuchtauflagen existieren. An den Augen sind der hereditäre Katarakt, mehrere Formen der progressiven Retinaatrophie und die pigmentäre Uveitis bekannt, eine Entzündung im Augeninneren, die vor allem ältere Hunde trifft. Als vererbte Hauterkrankung kommt die Ichthyose hinzu, eine Verhornungsstörung, für die ein Gentest verfügbar ist. Die Zahlen zu alldem stehen unten.
Zahlen und Studien zur Gesundheit
Die Datenlage ist gut, aber uneinheitlich, weil die Auswertungen aus verschiedenen Ländern und aus verschieden zusammengesetzten Gruppen stammen.
Zur Lebenserwartung: Die größte verfügbare Auswertung, gestützt auf 584.734 Hunde aus britischen Datenbeständen, kommt für den Golden Retriever auf eine mediane Lebenserwartung von 13,2 Jahren, erhoben an 11.506 Hunden mit 4.252 Sterbefällen. Der Vergleichswert für Mischlinge liegt in derselben Arbeit bei 12,0 Jahren, das Sterberisiko des Golden Retriever ist gegenüber dieser Vergleichsgruppe niedriger, mit einer Hazard Ratio von 0,76.[3]
Zu den Todesursachen: Eine britische Erhebung von 5.663 Sterbemeldungen nennt für den Golden Retriever bei 373 gemeldeten Todesfällen als häufigsten Grund das Alter mit 19,84 Prozent, gefolgt von Krebs ohne nähere Bezeichnung mit 7,24 Prozent, dem Lymphom mit 5,90 Prozent, dem Nierenversagen mit 4,56 Prozent und dem Knochentumor mit 3,49 Prozent.[4] Diese Arbeit wertet gemeldete Sterbefälle aus und ist mit der oben genannten Überlebenszeitanalyse nicht vergleichbar, ihre Altersangaben fallen niedriger aus.
Zum Krebs: Schwedische Versicherungsdaten der Jahre 2011 bis 2016 weisen 33 Prozent aller Todesfälle als krebsbedingt aus, bei einem medianen Alter von 8,6 Jahren zum Zeitpunkt des Krebstodes.[5] Eine Besitzerumfrage des amerikanischen Rasseclubs mit 1.511 verstorbenen Hunden ordnet dagegen allein dem Hämangiosarkom 24,5 Prozent der Todesfälle zu, 11,1 Prozent dem Lymphom und 3,6 Prozent dem Osteosarkom.[6] Die Erhebungen sind unterschiedlich angelegt und betreffen unterschiedliche Populationen, ihre Prozentwerte lassen sich nicht direkt vergleichen. Der Abstand zwischen den britischen, den schwedischen und den amerikanischen Zahlen ist trotzdem auffällig.
Zu den Hüften: Die amerikanische Auswertungsstelle für Gelenkbefunde gibt für eingesandte Röntgenaufnahmen einen Anteil von 20,3 Prozent mit Hüftgelenksdysplasie an, eine Besitzerumfrage von 2006 kam auf 11,3 Prozent.[7] Beide Werte beruhen auf eingesandten beziehungsweise gemeldeten Fällen, eine Zufallsstichprobe der Rasse ist keiner von beiden.
Zur Ichthyose: Die Trägerraten für die ursächliche Genvariante werden je nach Population mit 83 Prozent in Europa, 61 Prozent in Amerika und 52 Prozent in Australien angegeben.[8] Träger erkranken nicht, die Zahlen zeigen aber, wie tief die Variante in der Rasse sitzt.
Quellen: [1] Wiener und andere (2017), Genomic data illuminates demography, genetic structure and selection of a popular dog breed, BMC Genomics (Volltext frei), erhoben am Labrador Retriever. [2] Veterinary Genetics Laboratory, University of California Davis, Genetic Diversity Testing for Golden Retrievers (Volltext frei). [3] McMillan und andere (2024), Longevity of companion dog breeds: those at risk from early death, Scientific Reports (Volltext frei), Werte für den Golden Retriever aus Supplementary Table S3. [4] Lewis und andere (2018), Longevity and mortality in Kennel Club registered dog breeds in the UK in 2014, Canine Genetics and Epidemiology (Volltext frei), Todesursachen aus Tabelle 3. [5] Agria Breed Profiles 2011 bis 2016, wiedergegeben im Rassebericht Get a GRIHP! on Golden Retrievers der International Partnership for Dogs (Berichtsangabe). [6] Golden Retriever Club of America, Electronic Health Survey at 1 Year (Vereinsangabe). [7] Golden Retriever Club of America, Improving the Odds for Obtaining a Healthy Golden Retriever Puppy, unter Bezug auf Daten der Orthopedic Foundation for Animals (Vereinsangabe). [8] Rassebericht der International Partnership for Dogs, siehe [5] (Berichtsangabe).
Die Methode bei dieser Rasse
In der Erziehung des Golden Retriever kommt es auf eine Abfolge an, auf die er gezüchtet ist. Sie besteht aus zwei Teilen, und der erste ist der schwierigere: warten, während etwas fällt, und erst auf Freigabe starten. Genau dieser erste Teil wird ihm im Familienalltag systematisch abtrainiert, meist ohne dass es jemandem auffällt. Der Golden ist der Hund, dem man Bälle wirft. Die Hand geht hoch, der Hund ist schon unterwegs, das Werfen selbst wird zur Freigabe. Jeder Wurf bestätigt: Bewegung heißt losrennen.
Zwischen den beiden steckt der eigentliche Verlust. Aufnehmen und Zutragen ist eine Verständigung, bei der etwas ausgehandelt wird. Ein geworfener Ball ist keine, er ist ein Reiz und eine Reaktion. Wer täglich wirft, tauscht das eine gegen das andere ein, ohne es zu merken.
Das ist der Moment, in dem es kippt, und er zeigt seine Wirkung erst später, an ganz anderer Stelle. Der Hund, der gelernt hat, dass er beim Anblick von Bewegung startet, startet auch, wenn ein Reh aus der Dickung wechselt oder ein Radfahrer vorbeizieht. Kein Rückruf holt einen Hund zurück, der schon in Fahrt ist. Deshalb geht es beim Golden Retriever nicht darum, ihn stärker zurückzurufen, sondern darum, dass die Freigabe vom Menschen kommt und nicht vom Reiz. Der Hund lernt: Ich sehe etwas, ich schaue dich an, du entscheidest. Damit bleibt er auch in Erregung ansprechbar.
Wie sich das Schritt für Schritt aufbauen lässt, beschreibt Anton Fichtlmeier in seinen Büchern und Onlinekursen, siehe Empfehlung. Was beim Aufnehmen und Abgeben zwischen Hund und Mensch ausgehandelt wird, steht im Sachthema Jagdverhalten.
Kurz zusammengefasst
- Der Golden Retriever wurde als Spezialist für die Arbeit nach dem Schuss gezüchtet, sein Menschbezug stammt aus dieser Aufgabe.
- Strebel beschreibt 1905 den wellhaarigen Retriever als schwarzen Hund, die Farbe Gold kommt in seinem Standard nicht vor.
- Show- und Arbeitslinie unterscheiden sich in Bau und Temperament, eine genetische Trennung ist für diese Rasse nicht belegt.
- Der Krebs prägt das Gesundheitsbild, die Lebenserwartung liegt mit 13,2 Jahren im Median trotzdem über dem Wert von Mischlingen.
- Der kritische Moment ist die Freigabe: Wer sie dem Hund überlässt, bekommt einen Hund, der selbst startet.
Empfehlung
Für die Erziehung und Ausbildung des Golden Retriever passen folgende Angebote von Anton Fichtlmeier:
Bücher: Die Prägung des Jagdhundwelpen, Grunderziehung für Welpen, Suchen und Apportieren und Die Ausbildung des Jagdhundes.
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- Jagdhundeausbildung Grundlagen
- Apportieren für Jagdhunde
- Spurarbeit und Apport am Wasser
- SP Mantrailing für Jagdhunde
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Mitreden
Das Reel zu dieser Rasse findest du auf Instagram. Wenn du Fragen hast oder eigene Erfahrungen gemacht hast, diskutier dort mit.
Belege und Quellen
Zeitgenössische Quellen
Richard Strebel, „Die deutschen Hunde und ihre Abstammung“, Kern & Birner, Frankfurt am Main 1905, Band 2, S. 118 bis 121, Kapitel „Der Retriever“, mit den Tafeln auf S. 119 und S. 120. Alle Zitate und Seitenzahlen wurden am 6. August 2026 am Originalscan gegengelesen. Gemeinfrei. L. P. C. Astley, „The Flat-Coated Retriever“, in: Robert Leighton (Hg.), „The New Book of the Dog“, Cassell, London 1907, Kapitel XXV „The Retrievers“, S. 254 f., am 30. September 2026 am Scan gelesen. Leighton hat den Text 1910 fast wortgleich in „Dogs and All About Them“, Kapitel XXIV, übernommen und nennt im Vorwort die Beiträger des älteren Werks als Quelle. Im Portrait steht die Stelle als Zusammenfassung, nicht als wörtliches Zitat. Vollständige Angaben siehe Quellen.
Steckbriefdaten
FCI-Rassestandard Nr. 111, Publikationsdatum des gültigen offiziellen Standards 28. Juli 2009, deutsche Fassung (Volltext frei). Gruppe, Sektion, Widerristhöhe, Haar und Farbe stammen direkt aus dem Standard, ein Gewicht legt er nicht fest. Der Standard beschreibt das Zuchtziel, nicht den durchschnittlichen Hund, reale Tiere weichen je nach Linie ab.
Rassegeschichte
Sammelbeleg für den Abschnitt „Die Entstehung der Rasse“: The Golden Retriever Club, Club History (Vereinsangabe), von dort die Gründung des Clubs 1911, die ersten Field Trials 1921 und die Zulassung der cremefarbenen Schattierung 1936; Golden Retriever Club of America, The Origins of the Golden Retriever Revisited (Vereinsangabe) für die Guisachan-Zuchtbücher, deren Veröffentlichung 1952 durch den sechsten Earl of Ilchester, die Arbeit von Elma Stonex und die Widerlegung der Zirkushundgeschichte; VDH, Rasselexikon Golden Retriever (Verbandsangabe) für die Anerkennung durch den englischen Kennel Club 1913 und die Eintragung des ersten Wurfes beim VDH 1962; Golden Retriever Club of America, Early Ancestors of the Golden Retriever (Vereinsangabe) für die St. John’s Hunde aus Neufundland, den Rüden Nous, die Tweed-Water-Spaniel-Hündin Belle, den Wurf von 1868 mit vier gelben Hündinnen und die späteren Einkreuzungen von Irish Setter und sandfarbenem Bluthund.
Ursprüngliche Verwendung
Sammelbeleg für den Abschnitt „Ursprüngliche Verwendung und Entwicklung“: FCI-Rassestandard Nr. 111, Abschnitte Verwendung und Haarkleid, für die Arbeit als Apportierhund bei der Flintenjagd und die wasserabstoßende Unterwolle; Deutscher Retriever Club, Golden Retriever, ausführliche Rassebeschreibung (Vereinsangabe) für die Arbeitsweise nach dem Schuss, das weiche Maul, das Merken der Fallstelle und die heutigen Einsatzfelder als Rettungs-, Assistenz-, Blindenführ- und Suchhund.
Welpenzahlen
Welpenstatistik des VDH (Verbandsangabe). Eingetragene Golden-Retriever-Welpen: 2020 2.121, 2021 2.412, 2022 2.166, 2023 1.941, 2024 1.952.
Show- und Arbeitslinie
Die Beschreibung der beiden Zuchtrichtungen folgt der Rassedarstellung des VDH (Verbandsangabe). Die Belege zur genetischen Frage stehen als [1] und [2] im Abschnitt „Zahlen und Studien zur Gesundheit“.
Gesundheitszahlen
stehen unter „Zahlen und Studien zur Gesundheit“ weiter oben.
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