
Das erwartet dich
- Warum der Name dieser Rasse in die Irre führt und was der Rassestandard selbst dazu sagt
- Was ein Hütehund auf einer amerikanischen Ranch leisten musste und was davon heute noch in ihm steckt
- Welche Aufgabe an die Stelle der Herde tritt, wenn keine da ist
- Was der MDR1-Defekt für jeden Tierarztbesuch bedeutet
- Woran sich die Auseinandersetzung um den Merle-Faktor festmacht
Film
Verschaff dir im Film einen ersten Eindruck, bevor es in die Geschichte des Australian Shepherd geht.
Material zum Reel: @holliauf4pfoten sowie @louhu.badhomburg
Kurzbeschreibung
Der Australian Shepherd, kurz Aussie, ist trotz seines Namens ein Hütehund aus den USA, gezüchtet für die Arbeit auf Farmen und Ranches, mittelgroß, etwas länger als hoch und kräftig gebaut, ohne Schwere. Der FCI-Standard bevorzugt bei Rüden eine Widerristhöhe von 51 bis 58 cm, bei Hündinnen von 46 bis 53 cm. Ein Gewicht legt er nicht fest, die Lebenserwartung liegt im Median bei rund 13,7 Jahren. Das mittellange, wetterbeständige Haar macht außer im Fellwechsel wenig Arbeit, als Farben führt der Standard Blue Merle, Schwarz, Red Merle und Rot, und an der Merlefärbung entscheidet sich bei dieser Rasse die Qualzuchtfrage. Im Charakter ist er aufmerksam und lebhaft, gutmütig und ausgeglichen, beim ersten Kontakt kann er reserviert wirken.
Die Entstehung der Rasse
Bei der Herkunft des Australian Shepherd führt der Name in die Irre, und der Rassestandard sagt das selbst. „Obschon es zahlreiche Theorien über den Ursprung des Australischen Schäferhundes gibt, wissen wir heute, dass diese Rasse sich ausschließlich in den USA entwickelt hat“, heißt es im geschichtlichen Abriss. Den Namen führt der Standard auf die Annahme zurück, dass um 1800 baskische Schafhirten bei ihrer Einwanderung von Australien nach Amerika diese Hunde mitbrachten. Der Hund heißt also nach einer Zwischenstation seiner Menschen, nicht nach seiner Heimat.
Dahinter steht ein Stück Wirtschaftsgeschichte. Mit der Schafwirtschaft im amerikanischen Westen wuchs der Bedarf an Tieren und an Leuten, die mit ihnen umgehen konnten, und mit den importierten Herden kamen die baskischen Hirten samt ihren Hunden. Was diese Hunde dort vorfanden, war eine andere Welt als die europäische Kulturlandschaft: weite, offene Flächen, wenig Personal, lange Tage, Vieh, das über Kilometer bewegt werden musste.
Aus welchen Vorgängern der heutige Typ zusammenwuchs, ist nicht lückenlos dokumentiert. Der VDH nennt Langhaar-Collies, Kurzhaar-Collies, Deutsche Schäferhunde, Pyrenäen Schäferhunde, Australian Cattle Dogs und Australian Kelpies. Der FCI-Standard beschreibt, worauf die Farmer in den USA bei der Weiterentwicklung achteten: auf die Erhaltung „seiner scharfen Intelligenz, seines ausgesprochenen Herdentriebes“ und seines attraktiven Erscheinungsbildes. Ein Zuchtbuch gab es zu dieser Zeit noch lange nicht.
Bekannt wurde die Rasse über einen Umweg. Der Standard hält fest, dass ihre Beliebtheit nach dem Zweiten Weltkrieg parallel zur Western-Reiterei zunahm, die über Rodeos, Pferderennen, Kino und Fernsehen volkstümlich wurde. In dieselbe Zeit fällt Jay Sisler, der in den 1950er und 1960er Jahren mit seiner Vorführung und seinen Hunden Shorty und Stub vor Rodeopublikum auftrat. 1957 entstand der Australian Shepherd Club of America, nach eigener Angabe der Mutterverein der Rasse. Die FCI erkannte den Australian Shepherd am 4. Juni 1996 vorläufig und am 21. Mai 2007 endgültig an, der gültige Standard wurde am 26. März 2009 veröffentlicht. In Deutschland fanden sich 2001 einige Züchter zu einer Interessengemeinschaft zusammen, aus der der Club für Australian Shepherd Deutschland hervorging; er wurde im Oktober 2004 vorläufiges und im Oktober 2007 endgültiges Mitglied im VDH.
Der Name Mini Australian Shepherd meint keine Linie dieser Rasse, sondern eine eigene. Nach ihrem FCI-Standard entstand sie Ende der 1960er Jahre in Kalifornien aus kleinen Australian Shepherds und hieß ursprünglich Miniature Australian Shepherd. Heute heißt sie Miniature American Shepherd, ist von der FCI seit 2019 vorläufig anerkannt und misst 35,5 bis 46 cm bei Rüden, 33 bis 43,5 cm bei Hündinnen.
Ursprüngliche Verwendung und Entwicklung
Der Standard nennt als Verwendung schlicht „Farm und Ranch Hütehund“, und darin steckt mehr Arbeit, als das Wort vermuten lässt. Gefragt war ein Hund, der Schafe und Rinder sammelt, hält und über Strecke treibt, der dabei auf Distanz zum Menschen arbeitet und trotzdem auf ihn hört. Der Standard beschreibt ihn als intelligenten Arbeitshund mit ausgeprägtem Hüte- und Bewachungsinstinkt, der fähig ist, „mit Ausdauer den ganzen Tag zu arbeiten“, und er verlangt einen Hund, der „flink und fähig sein“ muss, „augenblicklich einen Richtungswechsel vorzunehmen“ oder in eine andere Gangart zu wechseln. Genau das ist Hütearbeit: Bewegung lesen, sich richtig dazu stellen, in Sekundenbruchteilen umschalten. Dazu kam die Bewachung von Hof und Vieh, also eine Aufgabe, die niemand ansagt.
Diese Arbeit hat er in Europa fast nirgends mehr. Über die Westernreiterei wurde er zunächst als Bild bekannt, dann als Hund, und heute steht der weit überwiegende Teil der Australian Shepherds in Familien, im Hundesport, in der Rettungs- oder Assistenzarbeit. Innerhalb der Rasse haben sich dabei Schwerpunkte gebildet: Der VDH beschreibt auf die Hütearbeit spezialisierte Zuchten neben solchen, die den Schwerpunkt auf Begleit- und Familienhunde legen. Die Anlagen verschwinden dadurch nicht, sie verlieren nur ihren Gegenstand.
Was diese Rasse heute prägt
Das Thema im Charakter des Australian Shepherd ist Bewegung. Ein Hütehund reagiert nicht auf Beute, sondern auf Ortsveränderung: Was läuft, wird eingeholt, in einem Bogen an der richtigen Seite abgefangen und dorthin gebracht, wo es hin soll. Dieses Muster braucht kein Vieh, um anzuspringen. Ein Fahrrad genügt, ein Jogger, ein rennendes Kind, ein anfahrendes Auto.
Dazu kommt der zweite Teil derselben Herkunft, die Bewachung. Der Standard beschreibt ihn als pflichtgetreuen Gefährten, der beim ersten Kontakt etwas reserviert sein mag. In der Familie ist er anhänglich bis anhängend, nach außen hält er eine Grenze, die ihm niemand beigebracht hat.
Der dritte Zug ist die Ausdauer. Ein Hund, der gezüchtet ist, einen ganzen Arbeitstag durchzuhalten, schaltet nicht von selbst ab, wenn die Runde zu Ende ist. Er kommt aus der Bewegung nicht heraus, sondern hinein.
Was Hundehalter heute erwarten, und woran sie sich reiben
Die meisten Menschen kommen über das Bild zu dieser Rasse: über das Fell, die Merlezeichnung, die blauen Augen, dazu über den Ruf, ein besonders kluger und williger Hund zu sein. Erwartet wird ein aktiver Familienhund, der überall mitgeht, schnell lernt und gerne gefällt. Vieles davon stimmt, und trotzdem reibt es sich an drei Stellen.
Die erste ist der Alltag draußen. Erwartet wird ein Hund, der neben einem herläuft, tatsächlich fängt er an zu arbeiten, ohne dass jemand ihn beauftragt hat. Für den Halter sieht das aus wie eine Unart oder wie ein Erziehungsfehler. Wer daraufhin schimpft, bekämpft eine Anlage, und wer es laufen lässt, bekommt sie täglich in stärkerer Form.
Die zweite ist die Zurückhaltung gegenüber Fremden. Sie trifft auf die Erwartung eines Hundes, der jeden begrüßt. Ein Aussie, der beim Besuch erst einmal Abstand hält und meldet, ist nicht schlecht sozialisiert, sondern rassetypisch, und das ist etwas, mit dem man leben muss und nicht etwas, das man abtrainiert.
Die dritte ist die Ruhe. Weil dieser Hund viel will, füllen viele den Tag mit Bewegung, Hundeplatz und Kursen. Das Ergebnis ist häufig ein Hund, der immer schneller hochfährt und immer schlechter herunterkommt. Der Aussie muss Ruhe genauso lernen wie Arbeit, und das ist der Punkt, an dem gut gemeinte Auslastung ins Gegenteil kippt.
Anforderungen, die diese Rasse stellt
Wer einen Australian Shepherd hält, braucht täglich Zeit zu festen Zeiten, für seine Auslastung und für echte Ruhephasen. Ob er für Anfänger geeignet ist, entscheidet weniger die Erfahrung als ein Mensch, der berechenbar bleibt und Regeln nicht heute so und morgen anders setzt. Die Wohnsituation ist zweitrangig gegenüber der Reizlage der Umgebung. Eine Wohnung an einer ruhigen Straße ist einfacher als ein Haus am stark befahrenen Radweg, ausgeschlossen ist keines von beiden. Dazu kommen regelmäßige Fellpflege, im Fellwechsel täglich, und früh angelegte, ruhige Sozialkontakte.
Am schwersten wiegt die Aufgabe. In Deutschland fällt sie bei dieser Rasse fast vollständig weg, und wer seinen Hund tatsächlich an Schafen oder Rindern arbeiten lässt, tut es in Schüben mit Wochen dazwischen.
An die Stelle der Herde treten zwei Aufgaben, und beide haben beim Australian Shepherd einen eigenen Grund. In der Apportierarbeit bleibt sein Blick beim Menschen, statt an dem zu hängen, was sich gerade bewegt. Die Personensuche verlangt, eine bestimmte Spur gegen alles andere zu halten, und bindet damit genau die Reizoffenheit, die sich sonst am nächsten Radfahrer festmacht. Sie passt deshalb auch dem Hund in der Stadt. Warum gerade diese beiden Aufgaben die Anlage eines Hütehundes aufnehmen, steht im Sachthema Hüteverhalten.
Gesundheit im Blick
Der wichtigste Punkt beim Australian Shepherd ist keine der typischen Krankheiten, sondern ein Gendefekt. Hunde mit der MDR1-Mutation vertragen eine Reihe gängiger Wirkstoffe nicht: bestimmte Entwurmungs- und Antiparasitenmittel, Loperamid gegen Durchfall, einzelne Beruhigungs- und Schmerzmittel sowie mehrere Krebsmedikamente. Sie reagieren darauf schwer bis lebensbedrohlich, meist mit neurologischen Ausfällen. Ob ein Hund betroffen ist, klärt ein einfacher Gentest.
Daneben stehen Augenerkrankungen mit erblichem Anteil, vor allem der erbliche Katarakt und die Collie Eye Anomaly, dazu Hüftgelenks- und Ellbogendysplasie sowie die idiopathische Epilepsie.
Die Lebenserwartung liegt in der größten verfügbaren Auswertung über der der Mischlingsgruppe und auch über dem Durchschnitt aller dort erfassten Hunde. Die Datenlage ist trotzdem dünner als bei verbreiteten britischen Rassen: Der Australian Shepherd ist weder in den VetCompass-Auswertungen noch in den frei zugänglichen Agria-Profilen separat geführt, und eine belastbare freie Zahl zur Hüftgelenksdysplasie der Rasse gibt es nicht. Die Zahlen und ihre Belege stehen weiter unten.
Zur Qualzuchtfrage
Bei dieser Rasse geht es um den Merle-Faktor. Warum bei den Zahlen zur Taubheit Vorsicht geboten ist und was Qualzucht rechtlich bedeutet, steht im Sachthema Qualzucht.
Merle ist eine Aufhellung, die das Pigment fleckig aufreißt und die marmorierten blauen und roten Muster erzeugt. Ein Hund mit einer einzigen Merle-Kopie ist in aller Regel unauffällig. Kritisch wird die Verpaarung zweier Merleträger: Rechnerisch trägt ein Viertel der Welpen den Faktor doppelt. Diese Hunde sind großflächig weiß, und bei ihnen treten Taubheit und Fehlbildungen der Augen gehäuft auf. In der Referenzuntersuchung, die merlefarbene Hunde aus zehn Rassen zusammenfasst, darunter 32 Australian Shepherds, waren 15 Prozent der doppelt merlefarbenen Hunde beidseitig taub.
Der Rassestandard verlangt diese Verpaarung nicht. Er führt Blue Merle und Red Merle als zwei von vier Farben und hält ausdrücklich fest, dass keine Farbe vor der anderen bevorzugt werden soll. Er verlangt außerdem, dass die Augen vollständig von Farbe und Pigment umgeben sind und Weiß am Kopf nicht vorherrscht, und er führt Hunde mit deutlichen physischen Abnormalitäten unter den disqualifizierenden Fehlern. Das Problem liegt also nicht in der Farbe, sondern in einer bestimmten Verpaarung.
In Deutschland fällt diese Verpaarung unter das Zuchtverbot des Paragraphen 11b des Tierschutzgesetzes. Das Qualzuchtgutachten von 1999 nennt den Merle-Faktor beim Namen und empfiehlt ein Zuchtverbot für den Paarungstyp Merle mal Merle und für die homozygoten Tiere selbst.
In der Praxis gibt es dabei eine Schwierigkeit: Merle ist nicht immer sichtbar. Es gibt Varianten des Merle-Allels, die sich im Fell kaum oder gar nicht abzeichnen, und dann lässt sich eine Merle-mal-Merle-Verpaarung ohne Gentest nicht sicher ausschließen. Der Test ist hier also keine zusätzliche Vorsichtsmaßnahme, sondern die Voraussetzung dafür, die Regel überhaupt einhalten zu können.
Eine flächendeckende Zuchtkontrolle gibt es für diese Rasse in Deutschland nicht. Nur ein Teil der Welpen fällt unter Vereinsregeln mit Gesundheitsauflagen; wie groß dieser Teil ist, ist nicht belegt.
↓ Die genauen Zahlen und die Belege dazu stehen unter „Zahlen und Studien zur Gesundheit“.
Zahlen und Studien zur Gesundheit
Zum Australian Shepherd liegen weniger große Auswertungen vor als zu den verbreiteten britischen Rassen. Was es gibt, sind Genotypdaten aus Testlaboren, eine Auswertung von Röntgenbefunden und eine große Überlebenszeitanalyse, nach der die Lebenserwartung im Median bei 13,7 Jahren liegt.[6]
MDR1. In einer israelischen Auswertung lag die Allelfrequenz der Mutation nt230(del4) beim Australian Shepherd bei 31,4 Prozent, 9,0 Prozent von 145 Hunden trugen sie doppelt.[1] Dieselbe Arbeit ordnet die Werte aus den USA, Europa und Japan mit 25 bis 33 Prozent ein und nennt für Großbritannien und Australien höhere Werte.[1] Die Washington State University gibt für die Rasse eine Häufigkeit von „approximately 50 %“ an, allerdings ohne Fallzahl und ohne anzugeben, ob Allel- oder Genotypfrequenz gemeint ist.[2]
Augen. Eine europäische Auswertung von Testergebnissen an 2.595 Australian Shepherds nennt mutante Allelfrequenzen von 9,71 Prozent für die Collie Eye Anomaly, 11,64 Prozent für den erblichen Katarakt und 1,58 Prozent für die prcd-PRA.[3] Das sind Frequenzen unter getesteten Hunden, keine Erkrankungshäufigkeiten in der Gesamtpopulation, und getestet wird bevorzugt dort, wo ein Verdacht besteht.
Merle. Die Referenzarbeit untersuchte 153 merlefarbene Hunde, davon 32 Australian Shepherds. Von den heterozygoten Hunden waren 2,7 Prozent einseitig und 0,9 Prozent beidseitig taub, von den homozygoten 10 Prozent einseitig und 15 Prozent beidseitig.[4] Die Gruppe der homozygoten Hunde ist mit 40 Tieren klein, und eine neuere Arbeit, die diese Werte an einer größeren Gruppe prüft, liegt nicht vor.
Gelenke. In einer Auswertung der OFA-Datenbank lag die Häufigkeit der Ellbogendysplasie beim Australian Shepherd bei 2,7 Prozent von 3.346 ausgewerteten Hunden.[5] Eine vergleichbar belastbare, frei einsehbare Zahl zur Hüftgelenksdysplasie der Rasse liegt nicht vor.
Lebensdauer. Die größte Auswertung stützt sich auf 584.734 Hunde aus britischen Datenquellen und kommt für den Australian Shepherd auf ein medianes Lebensalter von 13,7 Jahren, Konfidenzintervall 12,8 bis 14,6, gegenüber 12,0 Jahren bei Mischlingen und 12,5 Jahren für alle in der Arbeit erfassten Hunde. Das Sterberisiko liegt unter dem der Mischlingsgruppe, das Hazard Ratio beträgt 0,69.[6] Die Rasse ist dort mit 224 lebenden Tieren und 62 Sterbefällen vertreten, also mit einer kleinen Gruppe, worauf das breite Konfidenzintervall hinweist.
Epilepsie. Eine Untersuchung an 50 an idiopathischer Epilepsie erkrankten Australian Shepherds nennt einen Median des Anfallsbeginns von 2,5 Jahren, und 80 Prozent der Hunde zeigten Cluster-Anfälle oder einen Status epilepticus.[7] Das ist eine Fallserie zu Verlauf und Therapieansprechen, keine Prävalenzstudie: Wie häufig die Erkrankung in der Rasse ist, sagt sie nicht.
Quellen: [1] Dekel und andere (2017), BMC Veterinary Research, 145 Australian Shepherds in Israel (Volltext frei). [2] Washington State University, Program in Individualized Medicine, Tabelle „Dog breeds commonly affected by MDR1 mutation“ (Berichtsangabe). [3] Majchrakova und andere (2023), PLOS ONE, 2.595 Australian Shepherds aus europäischen Ländern, Testdaten 2012 bis 2022 (Volltext frei). [4] Strain und andere (2009), Journal of Veterinary Internal Medicine, 153 merlefarbene Hunde aus zehn Rassen (Volltext frei). [5] Baers und andere (2019), Frontiers in Veterinary Science, OFA-Daten 1970 bis 2018, 3.346 Australian Shepherds (Volltext frei). [6] McMillan und andere (2024), Scientific Reports, 584.734 Hunde, Rassewerte in Supplementary Table S3 (Volltext frei). [7] Weissl und andere (2012), Journal of Veterinary Internal Medicine, 50 erkrankte Australian Shepherds aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (Volltext frei).
Die Methode bei dieser Rasse
Es gibt einen Moment, an dem in der Erziehung des Australian Shepherd alles hängt, und er dauert etwa eine Sekunde. Auf dem Feldweg taucht weit vorn ein Radfahrer auf. Der Hund hebt den Kopf, dann senkt er ihn, der Blick wird fest, das Gewicht geht nach vorn. In diesem Augenblick ist er noch ansprechbar. Zwei Schritte später, wenn er sich flach macht und Fahrt aufnimmt, ist er es nicht mehr, weil er dann in der Arbeit steht, für die er gezüchtet wurde. Ein Ruf erreicht ihn dort nicht.
Deshalb setzt die Arbeit vor dem Fixieren an und nicht danach. Bei Anton Fichtlmeier regeln das die fünf Freiraumzonen: Sie legen fest, wie viel Raum der Hund in welcher Lage bekommt, und zwar bevor etwas auftaucht, nicht wenn es schon läuft. Auf dem offenen Feldweg mit Sicht nach vorn ist das viel, am Radweg, an der Straße und in der Nähe von Vieh ist es wenig. Der Hund erlebt dabei nicht, dass er etwas nicht darf. Er kommt gar nicht erst in die Entfernung, in der der Reiz die Führung übernimmt.
Wie der Raum im Einzelnen bemessen und verändert wird, steht in den Büchern und Onlinekursen, siehe Empfehlung.
Kurz zusammengefasst
- Der Australian Shepherd ist ein amerikanischer Ranchhund. Den Namen trägt er wegen des Umwegs, den seine Hirten genommen haben, gearbeitet hat er in Australien nie.
- Sein Thema ist Bewegung. Ohne Aufgabe nimmt er die Bewegung, die da ist: Fahrrad, Jogger, rennendes Kind.
- An die Stelle der Herde treten Apportierarbeit und Personensuche. Beides geht ganzjährig, ohne Vieh und ohne Gelände.
- Vor Narkose und Wurmkur zählt der MDR1-Status. Die Verpaarung zweier Merleträger ist der Punkt, an dem aus einer Farbe ein Tierschutzfall wird.
- Der kritische Moment liegt vor dem Losrennen, nicht danach. Ist der Hund erst in Bewegung, erreicht ihn kein Ruf mehr.
Empfehlung
Für die Erziehung passen folgende Angebote von Anton Fichtlmeier:
Bücher: Grunderziehung für Welpen, Der Hund an der Leine und Suchen und Apportieren.
Onlinekurse:
- Der Weg des Vertrauens
- Der Hund an der Leine
- SP Mantrailing für Jagdhunde
- Das Geheimnis der Spurensuche
- Der Paradigmenwechsel
Weiterführende Informationen zur Fichtlmeier-Methode, zu Büchern, Seminaren und lizenzierten Hundeschulen findest du auf fichtlmeier.de.
Mitreden
Das Reel zu dieser Rasse findest du auf Instagram. Wenn du Fragen hast oder eigene Erfahrungen gemacht hast, diskutier dort mit.
Belege und Quellen
FCI-Rassestandard Nr. 342
Standard Nr. 342 (Volltext frei), Publikationsdatum des gültigen offiziellen Standards 26. März 2009, deutsche Fassung, vorläufige Anerkennung der Rasse 4. Juni 1996, endgültige 21. Mai 2007. Vollständige Gruppenbezeichnung: Gruppe 1 Hütehunde und Treibhunde (ausgenommen Schweizer Sennenhunde), Sektion 1 Schäferhunde, ohne Arbeitsprüfung. Ein Gewicht legt der Standard nicht fest. Er beschreibt das Zuchtziel, nicht den durchschnittlichen Hund.
Aus ihm stammen sämtliche Steckbriefdaten sowie im Text: „Farm und Ranch Hütehund“ aus dem Abschnitt Verwendung, die Zitate zu Arbeitshund, Hüte- und Bewachungsinstinkt, Ausdauer und Reserviertheit aus dem Abschnitt Verhalten / Charakter, das Zitat zum Richtungswechsel aus dem Abschnitt Gangwerk, die Farbregel samt Augenpigment und der disqualifizierende Fehler „deutlich physische Abnormalitäten“ aus dem Abschnitt Haarkleid, Farbe und der Fehlerliste, und im Abschnitt „Kurzer geschichtlicher Abriss“ die Entwicklung in den USA, die Namensherkunft über die baskischen Schafhirten, die Weiterentwicklung durch die Farmer samt den Zitaten „scharfe Intelligenz“ und „ausgesprochener Herdentrieb“ sowie die Beliebtheit nach dem Zweiten Weltkrieg parallel zur Western-Reiterei.
Entstehungsgeschichte
Sammelbeleg für „Die Entstehung der Rasse“ neben dem Standard: VDH, Abschnitte „Wie wir wurden, was wir sind“ und „Unterschiedliche Zuchtlinien“ (Vereinsangabe), für die beteiligten Rassen, Jay Sisler mit Shorty und Stub, die heutige Nutzung und die Aufteilung in hütebetonte und familienbetonte Zuchten. Für die Vorläufer gibt es keine zeitgenössische Quelle, die Aufzählung ist Vereinsangabe und durch kein Zuchtbuch der Entstehungszeit gedeckt.
Australian Shepherd Club of America, Vereinsgeschichte (Vereinsangabe): „ASCA was established as the parent club for the breed in 1957“, in eigener Übersetzung: die ASCA wurde 1957 als Mutterverein der Rasse gegründet. Club für Australian Shepherd Deutschland, Vereinsgeschichte (Vereinsangabe): Interessengemeinschaft 2001, vorläufige Aufnahme in den VDH im Oktober 2004, endgültige Mitgliedschaft im Oktober 2007.
Miniature American Shepherd
FCI-Standard Nr. 367 (Volltext frei), gültiger Standard vom 4. September 2019, deutsche Fassung vom 28. August 2020, vorläufig anerkannt. Aus dem Abschnitt „Kurzer geschichtlicher Abriss“ die Entstehung in Kalifornien und der ursprüngliche Name, aus „Größe und Gewicht“ die Widerristhöhen.
MDR1
Die Liste der Wirkstoffe nach dem Washington Animal Disease Diagnostic Laboratory der Washington State University, Abschnitt „Problem Medications“ (Berichtsangabe). Genannt sind dort unter anderem Ivermectin, Milbemycin, Moxidectin und Selamectin, Loperamid, Acepromazin und Butorphanol sowie Doxorubicin, Vinblastin und Vincristin. Die Häufigkeitszahlen stehen im Zahlenblock.
Rechtslage
Paragraph 11b Tierschutzgesetz und das Gutachten zur Auslegung von Paragraph 11b (Volltext frei) der Sachverständigengruppe „Tierschutz und Heimtierzucht“, Abschnitt 2.1.1.1.7 zum Merle-Faktor. Empfehlung dort im Wortlaut: „Homozygote Merle-Weißtiger (MM) weisen regelmäßig Sinnesorganstörungen auf und sind somit Leiden ausgesetzt. Daher muss für Weißtiger sowie für den Paarungstyp Tiger x Tiger (Mm x Mm) ein Zuchtverbot empfohlen werden.“ Die dort genannten Sinnesorgandefekte an Gehör und Augen tragen den entsprechenden Satz im orangen Kasten, die Zahl zur Taubheit dagegen Strain und andere (2009), siehe Zahlenblock. Ländervergleich siehe Sachthema Qualzucht.
Nicht sichtbare Merle-Varianten
Langevin und andere (2018), PLOS ONE (Volltext frei), sowie Murphy und andere (2018), Mobile DNA (Volltext frei). Beide führen Australian Shepherds im Untersuchungsgut und beschreiben die Längenvarianten des Allels, sie erheben keine Gesundheitsdaten.
Lebenserwartung
McMillan und andere (2024), Longevity of companion dog breeds: those at risk from early death, Scientific Reports (Volltext frei), Rassewert in Supplementary Table S3, erhoben an britischen Hunden.
Gesundheitszahlen
stehen unter „Zahlen und Studien zur Gesundheit“ weiter oben.
Weiterstöbern
