
Das erwartet dich
- Warum es diese Rasse überhaupt gibt und was 1994 im Westerwald der Anlass war
- Was ein französischer Zeitzeuge über seinen Vorfahren schrieb und warum dort schon vor Kreuzungen gewarnt wurde
- Wie es kommt, dass zwei Wäller nebeneinander kaum nach derselben Rasse aussehen
- In welchem Moment des Alltags sich zeigt, woher dieser Hund kommt
- Wo bei einer Rasse ohne Dachverband der Standard herkommt und was Papiere dann bedeuten
Film
Verschaff dir im Film einen ersten Eindruck vom Wäller, bevor es in seine Herkunft geht.

Illustration: „Sans Gêne“, Chien de Berger de Brie, im Besitz des Prince de Béarn, Stich aus dem Journal L’Éleveur, wiedergegeben in: Henri de Bylandt, „Les races de chiens“, 1897, S. 69 (Gemeinfrei). Die Abbildung zeigt nicht den Wäller, sondern den Briard, eine seiner beiden Ausgangsrassen.
Kurzbeschreibung
Der Wäller ist ein mittelgroßer, gut proportionierter Hund, etwa so hoch wie lang, geschmeidig und gut bemuskelt, ohne schwer zu wirken. Sein Haar ist gerade bis gewellt, deutlich lang und mit leichter Unterwolle unterlegt, es will regelmäßig gekämmt und nicht geschoren werden. Am Kopf bildet es Kinn- und Schnauzbart, die Augenbrauen verschleiern die Augen leicht. Die Ohren sitzen hoch und fallen oder kippen. Erlaubt sind alle Farben, auch Merle. Was auffällt, wenn man mehrere nebeneinander sieht: Sie ähneln einander weniger, als man das von einer Rasse gewohnt ist. Im Wesen ist er aufmerksam, lebhaft, leichtführig und arbeitsfreudig, Fremden gegenüber beim ersten Kontakt manchmal zurückhaltend.
Wie die Rasse um 1900 beschrieben wurde
Als Eugène Gayot 1867 das französische Hirtenhundkapitel seines Buchs „Le Chien“ schreibt, ist der Wäller noch 127 Jahre entfernt. Beschreiben lässt sich zu dieser Zeit nur seine eine Hälfte, der Briard, der damals chien de Brie hieß. Gayot gibt zunächst Pierre Pichot wieder, der Frankreich mehrere schöne Hirtenhundrassen bescheinigt und in erster Linie den chien de Brie nennt, „qui se distingue par son pelage long et soyeux, généralement de couleur fauve ou Isabelle“, der sich also durch sein langes, seidiges Haar auszeichne, meist von falber oder isabellfarbener Tönung (Gayot, Le Chien, 1867, S. 138, Übersetzung von mir).
Gayot selbst interessiert weniger das Aussehen als die Arbeit. Er gibt ein Wort des Agronomen Tessier wieder: „Le chien de Brie, disait Tessier, fait mouvoir les bêtes à laine quand il en a reçu l’ordre, comme un colonel fait manœuvrer un régiment“, der chien de Brie setze die Wolltiere auf Befehl in Bewegung wie ein Oberst ein Regiment manövrieren lasse (Gayot, Le Chien, 1867, S. 141, Übersetzung von mir). Wenige Seiten weiter zieht er daraus einen Schluss, der beim Wäller aufhorchen lässt. Die Rasse der Hirtenhunde, schreibt er, müsse rein von jeder Mischung erhalten werden, „pure de tout mélange“, jede fremde Berührung schade ihr, sie sei durch strenge Auslese in ihrem Zustand zu halten und vor unzeitgemäßen Kreuzungen zu bewahren (Gayot, Le Chien, 1867, S. 142, Übersetzung von mir).
Dreißig Jahre später steht der Hund erstmals in einem festen Rassestandard. Graf Henri de Bylandt beschreibt den „Chien de Berger de Brie“ als rustikalen Hund mittlerer Größe und guter Proportion, „d’une intelligence, activité et obéissance admirables“, von bewundernswerter Intelligenz, Aktivität und Gehorsamkeit, geschützt durch ein ziemlich langes Fell gegen Kälte und Nässe, mit einem Körper, der „beaucoup de fatigue“ ertragen könne, also viel Ermüdung (Bylandt, Les races de chiens, 1897, S. 69, Übersetzungen von mir). Die Ohren verlangt Bylandt damals kurz und aufrecht, „jamais tombantes“, niemals hängend.
Der heutige Wällerstandard liest sich in einem Punkt ähnlich und in einem anderen entgegengesetzt: intelligent, leichtführig, arbeitsfreudig auf der einen Seite, Hänge- oder Kippohren auf der anderen. Und die Rasse selbst ist genau auf dem Weg entstanden, vor dem Gayot 1867 gewarnt hat, allerdings mit umgekehrter Begründung, nämlich um Gesundheit und Wesen zu erhalten statt ein Aussehen. Ein Urteil über die Wällerzucht ist das nicht, wohl aber ein Hinweis darauf, dass die Frage, ob Kreuzung einer Hütehundrasse nützt oder schadet, älter ist als diese Rasse.
Quelle: Eugène Gayot (1867), S. 138 bis 142, und Henri de Bylandt (1897), S. 69. Vollständige Quellenangaben siehe Quellen.
Die Entstehung der Rasse
Der Wäller hat eine Geburtsstunde, die sich auf das Jahr genau benennen lässt. Im Herbst 1994 begann Karin Wimmer-Kieckbusch, den französischen Briard mit dem amerikanischen Australian Shepherd zu verpaaren. Beides sind Hütehunde, der eine aus dem Ackerbauland östlich von Paris, der andere aus der Viehwirtschaft im Westen der USA. Der Name der neuen Rasse hat mit ihrer Herkunft nichts zu tun, sondern mit dem Wohnort der Gründerin: Die Bewohner des Westerwalds heißen im Dialekt Wäller. 1995 wurde der 1. Wäller-Club Deutschland gegründet.
Der Gedanke dahinter richtet sich gegen eine bestimmte Zuchtpraxis. Der Verein begründet die Zucht damit, dass auf Ausstellungen vor allem das Äußere bewertet werde und die Ausstellungssieger anschließend bevorzugt in die Zucht gingen, oft über eng verwandte Verpaarungen, um äußere Merkmale schneller zu festigen. Charakter, Arbeitseigenschaften und Robustheit beider Ausgangsrassen sollten erhalten bleiben, bevor sie auf diesem Weg verloren gehen (Vereinsangabe). Deshalb steht beim Wäller das Wesen über dem Aussehen, und deshalb wird jede enge Verwandtschaftszucht vermieden, mit möglichst vielen verschiedenen Hunden gezüchtet und immer wieder gezielt Briard oder Australian Shepherd eingekreuzt.
Diese Entscheidung hat einen Preis, und sie zahlt ihn sichtbar. Größe und Aussehen schwanken auch nach mehreren Generationen. Ursprünglich war ein Wäller mit mittellangem Fell und deutlichem Kinn- und Schnauzbart gedacht. In der Praxis vererbt sich das kürzere Haar des Australian Shepherds kräftig, und so gibt es heute zwei Varianten, den bärtigen und den bartlosen. Zur Zucht zugelassen wird ein Hund nicht über einen Ausstellungstitel, sondern über tierärztliche Untersuchungen und eine vereinsinterne Prüfung.
Ab 2000 hörte die Rasse auf, die Sache eines einzigen Vereins zu sein. In jenem Jahr entstand die Wäller Freunde Zuchtgemeinschaft, die seither unter dem Dach des Vereins Internationaler Hundefreunde aller Rassen züchtet und dort ein eigenes Zuchtbuch führt. Später kamen weitere Zusammenschlüsse hinzu. Anders als der Gründerverein, der bis heute keinen Rassestandard veröffentlicht hat, haben diese Gruppen einen geschrieben, mit Angaben zu Größe, Gewicht, Fell, Ohren und Farbe. Der Steckbrief oben stammt aus einem davon.
Ursprüngliche Verwendung und Entwicklung
Am Anfang des Wällers stand keine Arbeitsaufgabe, sondern ein Zuchtziel: ein Familien-, Begleit- und Sporthund, der leicht zu führen und zu erziehen ist, freundlich und sicher im Wesen, gesund und bewegungsfreudig. Die Arbeit wurde also weggelassen und das behalten, was sie in den beiden Ausgangsrassen hinterlassen hatte.
Was das ist, lässt sich an der Aufgabe ablesen. Beide Rassen arbeiteten an Tieren, die sich bewegen, und beide taten es auf Anweisung eines Menschen, der weit weg stehen konnte. Verlangt war Ausdauer über den Tag, ein Auge für Richtung und Tempo einer Gruppe, die Bereitschaft, selbst zu entscheiden, und im selben Moment die Ansprechbarkeit, sofort wieder abzugeben. Diese Mischung aus Eigeninitiative und Anschluss ist das Erbe des Wällers, auch wenn er nie eine Herde sehen wird.
Als Verwendung nennt der heutige Standard Familien-, Sport- und Hütehund. Gehalten wird der Wäller in aller Regel als Familienhund, dazu im Hundesport und in der Rettungsarbeit, an Vieh nur selten. Was bleibt, sind die Anlagen ohne die Aufgabe, für die sie gedacht waren.
Was diese Rasse heute prägt
Prägend ist zuerst die Bindung. Beide Ausgangsrassen arbeiten am Menschen und nicht neben ihm, und das ist beim Wäller geblieben. Er sucht Anschluss, liest die Stimmung seines Menschen genau und richtet sich an ihm aus, ohne dass man viel dafür tun müsste. Diese Feinfühligkeit hat eine Kehrseite: Wer laut wird oder unberechenbar reagiert, bekommt einen Hund, der unsicher wird, statt einen, der besser hinhört.
Der zweite Zug ist der Arbeitswille, und der ist beim Wäller kein Bewegungsdrang. Er will nicht nur laufen, er will mitdenken und etwas zu Ende bringen. Dazu kommt ein mittleres Temperament ohne Nervosität: Der Standard verlangt einen Hund, der weder ängstlich noch aggressiv noch träge ist, freundlich und aufgeschlossen, beim ersten Kontakt manchmal reserviert. Ein Wäller bricht bei Lärm oder ungewohnten Bildern nicht zusammen, er sortiert sie ein. Das macht ihn im Alltag angenehm, verschleiert aber, wie viel Beschäftigung er tatsächlich braucht. Ein unterforderter Wäller ist kein hektischer Hund, er ist ein Hund, der sich selbst eine Aufgabe sucht.
Was Hundehalter heute erwarten, und woran sie sich reiben
Wer sich für einen Wäller interessiert, hat meist zwei Dinge gelesen: gesund und familientauglich. Beides trifft die Absicht der Zucht, nur ist familientauglich nicht dasselbe wie anspruchslos. Ein Reibungspunkt ist der Kalender. Ein Hund, der auf Arbeitsfreude und Bewegung gezüchtet wurde, kommt mit zwei Spaziergängen und Feierabend nicht aus, und weil er dabei nicht bellt und nicht zerlegt, fällt es lange nicht auf. Es zeigt sich anders: Er beginnt, den Alltag selbst zu organisieren, meldet jede Bewegung im Garten, treibt die Kinder zusammen, kontrolliert Türen.
Der zweite Punkt überrascht regelmäßig beim ersten Treffen mit anderen Wällern. Weil bewusst nicht auf ein einheitliches Bild gezüchtet wird, kann der eine zottelig und bärtig sein, der andere kurzhaarig und glatt, der eine hochbeinig und über dem Standardmaß, der andere darunter. Wer sich einen Hund nach einem Foto ausgesucht hat, muss damit rechnen, dass sein Welpe anders aussehen wird als das Foto. Das ist kein Zuchtfehler, das ist das Zuchtprinzip.
Dazu kommt der Aufwand am Fell. Beim langhaarigen Typ heißt das regelmäßiges Kämmen, und geschoren wird nicht, weil das Haar danach seine Beschaffenheit verliert. Und schließlich bringt auch ein Wäller die Erziehung nicht mit. Leichtführig ist ein Zuchtziel, kein Zustand bei der Abgabe.
Eine Rasse ohne Dachverband
Beim Wäller trifft man auf eine Situation, die es bei den meisten Rassen nicht gibt: Es gibt keine Stelle, die für alle spricht. Die FCI führt den Wäller nicht, der VDH auch nicht, und das ist keine Panne. Der Gründerverein schreibt selbst, eine Anerkennung durch einen größeren Zuchtverband würde ihm die Möglichkeit nehmen, weiterhin gezielt Australian Shepherds und Briards einzukreuzen, und genau das ist der Kern seines Zuchtprogramms (Vereinsangabe). Wer die Rasse offen halten will, kann nicht gleichzeitig in einem System stehen, das Reinzucht voraussetzt.
Die Folge ist eine Landschaft aus mehreren Vereinen. Der 1. Wäller-Club Deutschland züchtet nach dem Programm der Gründerin und führt keinen Rassestandard, sondern ein Zuchtziel und eine Zuchtordnung. Die Wäller Freunde Zuchtgemeinschaft im IHR e. V. und die Wäller Freunde Deutschland e. V. haben jeweils einen eigenen Standard geschrieben, dazu gibt es eine Interessengemeinschaft im Internationalen Hunde Verband. Die Standards ähneln sich, sind aber nicht deckungsgleich, und der Hund auf dem Papier ist deshalb nicht überall derselbe.
Rechtlich ist daran nichts zu beanstanden. In Deutschland ist die Hundezucht nicht an eine Verbandsmitgliedschaft gebunden. Das heißt aber nicht, dass außerhalb der Vereine gar keine Regeln gelten: Das Tierschutzgesetz gilt für jeden, unter anderem mit Paragraph 11b, der die Zucht verbietet, wenn züchterische Erkenntnisse erwarten lassen, dass die Nachkommen erblich bedingt leiden. Für den Wäller ist das kein theoretischer Satz: Merle ist im Standard der Zuchtgemeinschaft ausdrücklich erlaubt, und die Verpaarung zweier Merleträger ist der Fall, in dem aus einer Farbe ein Schaden wird. Der Gründerverein schließt sie in seiner Zuchtordnung aus, ebenso die Verpaarung zweier MDR1-Träger.
Damit stellt sich die Frage nach den Papieren anders als sonst. Eine Ahnentafel sagt hier nicht, dass ein Dachverband die Zucht kontrolliert hat, sondern welcher Verein welche Regeln angelegt hat. Drei Wege sind zu unterscheiden, die in der Diskussion meist in einen Topf geworfen werden. Es gibt die Zucht unter Vereinsregeln, mit Gesundheitsauflagen und Zuchtzulassung, wobei die Regeln von Verein zu Verein verschieden sind. Es gibt die Zucht ohne Vereinsanbindung, für die schlicht keine Auflagen der Zuchtvereine gelten und die deshalb legal ist. Und es gibt den illegalen Welpenhandel, der zusätzlich gegen Tierschutz- und Seuchenrecht verstößt. Wer wissen will, was hinter einem konkreten Wäller steht, muss also nachlesen, welche Ordnung für ihn galt. Diese Arbeit nimmt einem bei dieser Rasse niemand ab.
Anforderungen, die diese Rasse stellt
Der Wäller verlangt zuerst Zeit, und zwar Zeit mit Inhalt. Seine Ursprungsaufgabe gibt es nicht mehr: Er ist aus zwei Hütehundrassen gezogen worden, ohne dass eine Herde dazugehört hätte. Was bei ihm brachliegt, ist deshalb nicht saisonal, sondern von Anfang an offen, und der Mensch muss den ganzen Anteil beisteuern. Dafür tragen zwei Aufgaben, die Apportierarbeit und die Personensuche. In beiden bekommt er, was ihm sonst fehlt: etwas zu Ende bringen und dabei ansprechbar bleiben. Warum ausgerechnet diese beiden tragen, wenn die Herde fehlt, steht im Sachthema Hüteverhalten. Wer ganztags außer Haus ist, wird dem schwer gerecht.
Er verlangt außerdem Nähe. Ein Wäller, der im Zwinger oder am Rand des Familienlebens gehalten wird, verliert genau das, wofür er gezüchtet wurde. Er gehört mitten hinein, und das heißt auch, dass sein Mensch berechenbar sein muss: ruhig im Ton, gleich in der Sache, ohne Inkonsequenz.
Dazu kommen zwei handfeste Dinge. Beim langhaarigen Typ regelmäßige Fellpflege, gekämmt und nicht geschoren. Und der eigene MDR1-Status, den man kennen und beim Tierarzt angeben sollte, bevor eine Behandlung ansteht.
Gesundheit im Blick
Zur Lebenserwartung und zur Krankheitshäufigkeit gibt es für den Wäller keine belastbaren Daten. In der größten verfügbaren Auswertung zur Lebenserwartung von Hunderassen ist er nicht enthalten, ebensowenig in den systematischen Datenbanken aus Großbritannien und Schweden. Seltene Rassen ohne Dachverbandsanbindung fallen dort durchs Raster. Dass der Wäller auf Gesundheit und Langlebigkeit gezüchtet wird, ist ein Zuchtziel und beschreibt eine Absicht, keinen gemessenen Wert. Ein Zahlenwert zur Lebenserwartung lässt sich deshalb nicht seriös angeben, und einer von einer anderen Rasse hilft hier nicht weiter.
Was sich benennen lässt, sind die Themen. Das wichtigste ist der MDR1-Defekt, eine erblich bedingte Überempfindlichkeit gegen bestimmte Medikamente, die der Wäller aus der Australian-Shepherd-Linie mitbringt und die vor jeder Behandlung bekannt sein sollte. Dazu kommen erbliche Augenerkrankungen, unter anderem die Katarakt, also die Trübung der Augenlinse, sowie die Hüftgelenke und die Merlefärbung. Die Zuchtordnungen greifen alle vier auf, mit Augenuntersuchung, Röntgen der Hüften und Gentests.
Zahlen und Studien zur Gesundheit
Zur Lebenserwartung und zur Krankheitshäufigkeit liegen für den Wäller keine Rassezahlen vor. Er ist weder bei VetCompass noch bei Agria als eigene Rasse erfasst, und in der bislang größten Überlebenszeitanalyse britischer Hunde, die 155 Rassen abdeckt, ist er nicht enthalten.[1] Für eine junge Rasse ohne Anbindung an einen großen Dachverband ist das zu erwarten, es heißt aber auch, dass alle Aussagen zur Robustheit dieser Rasse bisher unbelegt sind.
Zu einem einzelnen Thema gibt es dagegen eine geprüfte Zahl. Das TransMIT-Zentrum für Pharmakogenetische Diagnostik der Universität Gießen, das den MDR1-Defekt beschrieben hat, hat weltweit mehr als 60.000 Hunde untersucht und führt für die prädisponierten Rassen die Allelfrequenz des defekten Allels. Für den Wäller liegt sie bei 17 bis 19 Prozent.[2] Das ist die Häufigkeit des Allels im Genpool, nicht der Anteil betroffener Hunde, und sie liegt deutlich unter den Werten für Collies, die dort mit 55 bis 68 Prozent geführt werden.
Zur Zuchtpraxis gibt es Vereinsangaben, keine unabhängige Auswertung. Die Zuchtordnung des 1. Wäller-Clubs Deutschland lässt zur Zucht nur Hunde mit HD-Befund A oder B zu, verlangt einen Nachweis über eine Untersuchung auf erbliche Augenerkrankungen ohne Befund und schließt Inzest- und Inzuchtverpaarungen bis zum vierten Verwandtschaftsgrad aus. Genetische Untersuchungen auf MDR1, Katarakt und Merle kann die Zuchtleitung anfordern.[3]
Quellen: [1] McMillan und andere (2024), Longevity of companion dog breeds: those at risk from early death, Scientific Reports (Volltext frei), Supplementary Table S3 am 7. August 2026 durchgesehen, der Wäller ist dort nicht geführt. [2] TransMIT-Zentrum für Pharmakogenetische Diagnostik, Universität Gießen, Tabelle „Prädisponierte Hunderassen MDR1 nt230(del4)“, Spalte „Allelfrequenz (weltweit) MDR1(-) in %“, modifiziert nach Müller und Geyer (2021) (Berichtsangabe). [3] 1. Wäller-Club Deutschland e. V., Zuchtordnung, Fassung vom 14. Januar 2001, letzte Änderung 1. Mai 2022 (Vereinsangabe).
Die Methode bei dieser Rasse
Der Moment, in dem es beim Wäller kippt, hat fast immer mit Bewegung zu tun, die von ihm wegführt. Die Kinder rennen im Garten los, ein Radfahrer zieht am Weg vorbei, jemand kommt zur Tür herein und geht schnell weiter. Der Wäller setzt sich in Bewegung, umläuft, schneidet ab, stupst in die Kniekehle. Das ist keine Unart, das ist die Arbeit seiner beiden Ausgangsrassen, des Briards und des Australian Shepherds, ausgeführt an einem Objekt, das dafür nicht gedacht ist. Und es passiert nicht, weil der Hund zu wenig gelaufen ist, sondern weil in diesem Augenblick niemand geklärt hat, ob er zuständig ist.
Genau dort greifen die fünf Freiraumzonen. Der Hund erfährt nicht im Moment des Loslaufens, was er darf, sondern vorher, und er weiß dann, wie viel Raum ihm gerade zusteht. Beim Wäller ist das aus einem zweiten Grund wichtig: Er ist feinfühlig und liest seinen Menschen genau. Wer erst reagiert, wenn der Hund schon treibt, muss laut werden, und Lautstärke bringt bei diesem Hund Unsicherheit statt Klarheit. Wer den Rahmen vorher setzt, kommt mit sehr wenig aus.
Der zweite Teil ist die Aufgabe. Ein Wäller, der etwas zu tun bekommt, an dem er denken muss und bei dem er sich am Menschen ausrichtet, sucht sich seltener selbst etwas. Wie sich Freiraum aufbauen und halten lässt, beschreibt Anton Fichtlmeier in seinen Büchern und Onlinekursen, siehe Empfehlung. Was dabei vereinbart wird und was der Hund von sich aus mitbringt, steht im Sachthema Hüteverhalten.
Kurz zusammengefasst
- Der Wäller ist eine geplante Rasse von 1994, aus Briard und Australian Shepherd, gezüchtet auf Wesen und Gesundheit statt auf ein einheitliches Aussehen.
- Dass zwei Wäller unterschiedlich aussehen, ist gewollt und der Preis für die breite genetische Basis.
- Die Anlagen zweier Hütehunde stecken in ihm, die Aufgabe dazu fehlt. Was daraus wird, entscheidet sich am Alltag.
- Ohne Dachverband gibt es mehrere Vereine mit unterschiedlichen Standards und Ordnungen. Was eine Ahnentafel wert ist, hängt hier davon ab, wer sie ausgestellt hat.
- Gesundheitszahlen zur Rasse fehlen fast vollständig. Belegt ist die Verbreitung des MDR1-Defekts, im Blick bleiben außerdem Augen, Hüften und Merle.
Empfehlung
Für die Erziehung und Auslastung eines Wällers passen folgende Angebote von Anton Fichtlmeier:
Bücher: Grunderziehung für Welpen, Der Hund an der Leine und Suchen und Apportieren.
Onlinekurse:
Weiterführende Informationen zur Fichtlmeier-Methode, zu Büchern, Seminaren und lizenzierten Hundeschulen findest du auf fichtlmeier.de.
Mitreden
Das Reel zu dieser Rasse findest du auf Instagram. Wenn du Fragen hast oder eigene Erfahrungen gemacht hast, diskutier dort mit.
Belege und Quellen
Zeitgenössische Quellen
Eugène Gayot, „Le Chien. Histoire naturelle, races, éducation, hygiène et maladies“, Paris 1867, S. 138 bis 142, sowie Henri de Bylandt, „Les races de chiens“, 1897, S. 69. Beide Fundstellen wurden am 7. August 2026 am Digitalisat gegengelesen, Gayot am durchsuchbaren Volltext, Bylandt an der Originalseite. Die Wiedergabe der Zitate auf Deutsch ist eine eigene Übersetzung und als solche gekennzeichnet. Beide Werke gemeinfrei (Digitalisat frei). Vollständige Angaben siehe Quellen.
Zuordnung der Zitate
Die Beschreibung des chien de Brie auf S. 138 stammt nicht von Gayot selbst, sondern von Pierre Pichot, den Gayot dort wiedergibt. Der Satz über das Manövrieren der Herde auf S. 141 stammt vom Agronomen Tessier, ebenfalls von Gayot wiedergegeben. Die Warnung vor Kreuzungen auf S. 142 ist Gayots eigene Aussage.
Steckbriefdaten
Rassestandard der Wäller Freunde Zuchtgemeinschaft im IHR e. V., abgerufen und vollständig gelesen am 7. August 2026 (Vereinsangabe). Der Standard trägt weder eine Nummer noch ein Fassungsdatum, deshalb steht im Steckbrief beides nicht. Der Wäller ist von der FCI nicht anerkannt, einen FCI-Standard gibt es nicht. Der Gründerverein, der 1. Wäller-Club Deutschland e. V., führt keinen Rassestandard, sondern ein Zuchtziel und eine Zuchtordnung, weshalb die Steckbriefwerte nicht von dort stammen können. Ein Rassestandard beschreibt das Zuchtziel, nicht den durchschnittlichen Hund, und bei einer Rasse mit bewusst breiter genetischer Basis weichen reale Tiere stärker ab als sonst.
Entstehung und Zuchtprinzip
Sammelbeleg für den Abschnitt „Die Entstehung der Rasse“: 1. Wäller-Club Deutschland e. V., Rubriken „Wissenswertes“, „Gründe zur Schaffung einer neuen Rasse“ und „Geschichte“ (Vereinsangabe). Von dort stammen das Gründungsjahr 1994, die Gründung des Vereins 1995, die Namensherkunft, die Ausgangsrassen, die Begründung des Zuchtprogramms, die Einkreuzung der Ausgangsrassen und die beiden Varianten bärtig und bartlos. Gründungsjahr der Zuchtgemeinschaft und Zuchtbuchführung: Wäller Freunde, Zucht (Vereinsangabe).
Ursprüngliche Verwendung
Sammelbeleg für den Abschnitt „Ursprüngliche Verwendung und Entwicklung“: Zuchtziel und Verwendung aus dem Rassestandard der Wäller Freunde Zuchtgemeinschaft im IHR e. V. und der Rassebeschreibung (Vereinsangabe). Die Beschreibung der Hütearbeit der beiden Ausgangsrassen stützt sich auf die zeitgenössischen Quellen oben, Gayot 1867, S. 141 für die Arbeit auf Anweisung.
Vereinslandschaft
1. Wäller-Club Deutschland e. V., FAQ zur Zucht für die Begründung, warum keine Anerkennung durch einen größeren Zuchtverband angestrebt wird (Vereinsangabe). Wäller Freunde Deutschland e. V., Zuchtordnung, gültig ab 1. März 2026 (Vereinsangabe). IG Wäller & Friends im Internationalen Hunde Verband (Vereinsangabe).
Rechtslage
Tierschutzgesetz, Paragraph 11b, Verbot der Zucht mit erblich bedingten Leiden. Im Portrait sinngemäß wiedergegeben, nicht zitiert. Die Zuchtordnungen der Vereine sind privates Vereinsrecht und keine staatliche Regelung.
Gesundheitszahlen
stehen unter „Zahlen und Studien zur Gesundheit“ weiter oben.
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