
Das erwartet dich
- Warum der Name in eine Landschaft östlich von Paris führt und wie wenig davon wirklich belegt ist
- Was zwei französische Autoren im 19. Jahrhundert über ihn schrieben und worin sich ihr Hund vom heutigen unterscheidet
- Was der Rassestandard über seine Aufgabe sagt und was davon im heutigen Alltag ankommt
- Welche Aufgabe an die Stelle der Herde tritt, wenn keine da ist
- Wie eine Augenerkrankung dieser Rasse in die Medizingeschichte geführt hat
Film
Bevor es in Geschichte und Wesen des Briard geht, hier der bärtige Franzose zunächst im Bild.

Abb.: „Tambour“, ein Berger de Brie im Besitz von M. M. Maillard, Paris. Illustration: Louis Van der Snickt, aus: Henri de Bylandt, „Les races de chiens“, Brüssel 1897, Tafel zwischen S. 70 und S. 72, Gravur aus dem Journal „Chasse et Pêche“ (Gemeinfrei).
Material zum Reel: @eblesusanne
Kurzbeschreibung
Der Briard ist ein kräftiger, geschmeidig gebauter Hütehund mit einem Haarkleid, das der Rassestandard als ziegenartig beschreibt: lang, trocken, geschmeidig und mit wenig Unterwolle. Kinnbart, Schnauzbart und buschige Augenbrauen rahmen einen langen, kräftigen Kopf und verdecken die Augen leicht. Die Ohren sitzen hoch, liegen nicht am Kopf an, werden flach getragen und sind mit langem Haar bedeckt. Der Körper ist etwas länger als hoch, gut bemuskelt, mit tiefer Brust und einer tief getragenen Rute, die am Ende einen Haken bildet. An den Hinterläufen trägt er doppelte Afterkrallen, ein Merkmal, das der Standard ausdrücklich verlangt. Im Wesen soll er ausgeglichen sein, weder aggressiv noch ängstlich, ruhig und furchtlos. Das lange Haar will regelmäßig und gründlich durchgekämmt werden.
Wie die Rasse um 1900 beschrieben wurde
Als Eugène Gayot 1867 die französischen Hirtenhunde beschreibt, steht der chien de Brie ganz vorn. Gayot gibt dazu Pierre Pichot wieder, der Frankreich mehrere sehr schöne Hirtenhundrassen zuschreibt und darunter „en première ligne le chien de Brie, qui se distingue par son pelage long et soyeux, généralement de couleur fauve ou isabelle“ nennt, in eigener Wiedergabe: an erster Stelle den chien de Brie, der sich durch sein langes und seidiges Haar auszeichnet, gewöhnlich von falber oder isabellfarbener Färbung (Gayot, Le Chien, 1867, S. 138). Der Name Briard fällt bei Gayot nicht ein einziges Mal.
Worauf es Gayot ankommt, ist die Arbeit. Er hält ein Wort des Agronomen Tessier fest: „Le chien de Brie […] fait mouvoir les bêtes à laine quand il en a reçu l’ordre, comme un colonel fait manœuvrer un régiment“, in eigener Wiedergabe: der chien de Brie setzt die Wolltiere in Bewegung, wenn er den Befehl dazu erhalten hat, wie ein Oberst ein Regiment manövrieren lässt (Gayot, Le Chien, 1867, S. 141). Das ist keine Beschreibung eines Hundes, der selbst entscheidet, sondern eines Hundes, der eine Ansage umsetzt und dann alleine durchführt. Gayot notiert außerdem, dass die Pariser Ausstellungen den chien de Brie stark hervorgehoben hätten (Gayot, Le Chien, 1867, S. 144).
Dreißig Jahre später fasst Graf Henri de Bylandt den Hund in eine Punkteliste. Er beschreibt einen rustikalen Hund von mittlerer und gut proportionierter Größe, „d’une intelligence, activité et obéissance admirables“, in eigener Wiedergabe: von bewundernswerter Intelligenz, Aktivität und Fügsamkeit, gehüllt in ein ziemlich langes Fell, das ihn vor Kälte und Nässe schützt, mit braunen, sehr klugen Augen und einem Körper, der viel Ermüdung ertragen kann (Bylandt, Les races de chiens, 1897, S. 69). Als Ursprung gibt er knapp die Kreuzung des Beauce-Hütehundes mit dem Barbet an (Bylandt, Les races de chiens, 1897, S. 72).
In der Größe hat sich seither wenig getan. Bylandts Angabe von 60 bis 70 Zentimetern Widerristhöhe deckt sich weitgehend mit der Spanne, die der heutige Standard vorschreibt (Bylandt, Les races de chiens, 1897, S. 72). Zwei andere Angaben lesen sich dagegen fremd. Das Haar beschreibt er als „long et laineux“, in eigener Wiedergabe lang und wollig, in schmutzigschwarz oder dunklem Schiefergrau (S. 72), während der heutige Standard trockenes Haar von ziegenartiger Struktur verlangt und neben Schwarz auch Fauve, Grau und Blau kennt. Und die Ohren notiert er als „courtes et droites, jamais tombantes“, in eigener Wiedergabe kurz und aufrecht, niemals hängend (S. 69), dazu die Rute als oft kupiert (S. 72). Der Standard von 2008 beschreibt flach getragene, mit langem Haar bedeckte Ohren und lässt kupierte Ohren ausdrücklich nur in Ländern zu, in denen das Kupieren nicht verboten ist. In Deutschland ist es das seit 1987.
Quelle: Eugène Gayot (1867), S. 137 bis 145, und Henri de Bylandt (1897), S. 69 und 72. Vollständige Quellenangaben siehe Quellen.
Die Entstehung der Rasse
Vor dem Namen stand die Landschaft. Der FCI-Standard hält fest, dass diese Hunde sehr lange unter der Sammelbezeichnung Chiens de Berger français de Plaine liefen, als französische Flachlandschäferhunde also, ohne eigenen Rassenamen. Nicht die Region gab ihnen ihre Bezeichnung, sondern die Art des Geländes: offenes Land ohne Zäune, in dem eine Herde nur zusammenbleibt, solange ein Hund sie zusammenhält.
Woher der Name kommt, ist weniger sicher, als es klingt. Der Standard nennt das Jahr 1809 und als Fundort das „Cours complet d’agriculture“ des Abbé Rozier, der französische Rasseclub dieselbe Jahreszahl und dasselbe Werk. Nur trägt das 1809 gedruckte Werk dieses Titels einen Zusatz und mehrere Verfasser: Der „Nouveau cours complet d’agriculture théorique et pratique“ führt neben Rozier auch Antoine Augustin Parmentier und die Landwirtschaftssektion des Institut de France. Die Stelle selbst ist nicht belegt. Gesichert ist also, dass Standard und Rasseclub 1809 nennen, nicht, dass der Name dort steht. Hinzu kommt: Die Brie ist eine kleine Landschaft östlich von Paris, und dass der Hund dort häufiger gewesen wäre als anderswo, sagt keine der beiden Quellen.
Fassbar wird die Zucht erst mit den Hundeausstellungen. Die folgende Kette gibt der französische Rasseclub so wieder (Vereinsangabe): 1863 wird auf einer Pariser Ausstellung eine Hündin namens Charmante prämiert, die er als sehr briardtypisch beschreibt. 1885 trägt sich der erste Briard ins französische Zuchtbuch ein, ein schwarzer Rüde namens Sans Gêne im Besitz des Prince de Béarn. Auf S. 69 seines Werks bildet Bylandt zwölf Jahre später einen Sans Gêne im Besitz des Prince de Béarn ab, nach Name und Besitzer derselbe Hund. 1888 trennt der Militärtierarzt Mégnin die französischen Schäferhunde in zwei große Varietäten, den kurzhaarigen Berger de Beauce und den langhaarigen Berger de Brie, und veröffentlicht eine Beschreibung in der Zeitschrift „L’Éleveur“. Den ersten Standard schreiben 1897 die Züchter und Richter, die beim zweiten Hüteleistungswettbewerb im südlich von Paris gelegenen Angerville zusammenkommen. Neu gefasst wurde er seither mehrfach, zuletzt 2008; über die Jahreszahlen dazwischen gehen die Angaben des französischen und des deutschen Vereins auseinander, siehe Belege.
Die FCI erkannte den Briard am 14. Dezember 1954 endgültig an. In Deutschland fand die Gründungsversammlung am 14. November 1975 in Karlsruhe statt, am 22. Januar 1976 wurde der Deutsche Briard-Club e. V. ins Vereinsregister eingetragen, und schon auf der ersten Jahreshauptversammlung am 13. November 1976 benannte er sich in Club für französische Hirtenhunde um. Erste Vorsitzende war Ruth Oeß. Heute betreut der Verein Briard, Beauceron und Picard. Im Ursprungsland gehen die Eintragungen zurück: In der Zuchtbuchstatistik des französischen Dachverbands stehen für 2004 noch 1258 eingetragene Berger de Brie, für 2025 sind es 201.
Ursprüngliche Verwendung und Entwicklung
Der FCI-Standard nennt als Verwendung „Hütehund und Wachhund“, und im geschichtlichen Abriss steht, er sei wegen seiner Fähigkeit gezüchtet und ausgewählt worden, Herden zu führen und zu bewachen. Das sind zwei verschiedene Arbeiten. Das Führen heißt: die Herde in Bewegung halten, sie an den Rändern zusammenhalten, sie auf Ansage in eine Richtung schieben und dabei den ganzen Tag durchhalten. Das Bewachen heißt: entscheiden, wer sich der Herde nähern darf und wer nicht, und zwar in dem Moment, in dem der Schäfer gerade woanders ist. Die eine Arbeit verlangt Ausdauer und ein Auge für Bewegung, die andere Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, ohne Rückfrage zu handeln.
Beide Fähigkeiten waren auch außerhalb der Weide gefragt. Der Standard hält fest, dass die französische Armee den Briard in beiden Weltkriegen einsetzte, unter anderem als Wachposten und zur Suche nach Verletzten auf den Schlachtfeldern.
Die Verwendung, die der Standard nennt, ist dieselbe geblieben, der Alltag nicht: Aus der Weide sind Familie, Hundesport und Rettungshundearbeit geworden. Was wegfällt, ist die Aufgabe, nicht die Anlage.
Was diese Rasse heute prägt
Der Briard bearbeitet zwei Fragen gleichzeitig: Wo ist meine Gruppe, und wer nähert sich ihr. Die erste zeigt sich in seiner Nähe zum Menschen. Er bleibt in Sichtweite, sammelt ein, was auseinanderläuft, und wird unruhig, wenn die Familie sich auf dem Spaziergang verteilt. Das ist kein Anhänglichkeitsbedürfnis, sondern das Muster der Herdenarbeit an einer Gruppe, die sich nicht wie eine Herde verhält.
Die zweite Frage zeigt sich an Grenzen. Am Gartentor, am Tisch im Straßencafé, am Rand einer Gruppe wird eingeschätzt, wer sich nähert, lange bevor er heran ist. Das ist die Kombination, die die Arbeit verlangte und die der Standard bis heute beschreibt: ein Hund, der Fremdes bemerkt, ohne die Nerven zu verlieren.
Dazu kommt die Selbstständigkeit. Ein Hund, der zwischen zwei Ansagen alleine weiterarbeiten musste, wartet nicht auf die nächste. Von Jagd ist im Standard dabei nirgends die Rede. Sein Thema ist nicht die Beute, sondern die Ordnung.
Was Hundehalter heute erwarten, und woran sie sich reiben
Das Aussehen weckt eine Erwartung, bevor der Hund überhaupt etwas getan hat. Das lange Haar, der Bart, die Augen hinter den Brauen, das wirkt weich und ein bisschen altmodisch, wie ein Hund aus einem Bilderbuch. Erwartet wird ein ruhiger, gutmütiger Familienhund, der schön aussieht und mitläuft. Was ankommt, ist ein Arbeitshund mit zwei Aufträgen, von denen der Halter meist nur den einen kennt.
Die erste Reibung entsteht an seiner Zurückhaltung gegenüber Fremden. Ein Briard begrüßt nicht jeden, er sieht erst hin, und was ihm auffällt, meldet er. Für die Halter sieht das nach schlechter Sozialisierung aus, und die üblichen Ratschläge zielen darauf, ihn freundlicher zu machen. Das trifft die Sache nicht. Er ist nicht unfreundlich, er hält sich für zuständig. Warum ein wachsamer Hund einen Bereich für den Seinen hält, steht im Sachthema Wachverhalten.
Die zweite Reibung entsteht an seiner Eigeninitiative. Wer ihm keine Aufgabe gibt, bekommt eine von ihm: Er organisiert den Spaziergang, treibt die Kinder zusammen, kontrolliert den Garten, kommentiert die Straße.
Anforderungen, die diese Rasse stellt
Ein Briard verlangt zuerst Zeit, und zwar täglich und zu verlässlichen Zeiten. Dazu einen Menschen, der Zuständigkeiten klar verteilt und dabei bleibt. Die Wohnform ist zweitrangig, entscheidend ist, wie viel an der Grenze passiert: Ein Haus am belebten Gehweg mit Blick aufs Tor fordert ihn mehr als eine Wohnung im Hinterhof. Dazu kommen Sozialkontakte, die früh und ruhig angelegt werden, und eine feste Zeit für das Fell. Ziegenartiges Haar verfilzt langsamer als weiches, aber es verfilzt, und zwar zuerst dort, wo niemand nachsieht: hinter den Ohren, in den Achseln, an den Hosen.
Der schwierigste Punkt ist die Aufgabe. Ein Briard an Schafen ist heute die Ausnahme, und auch er steht zwischen den Einsätzen ohne Herde da. Für alle anderen gibt es die Ursprungsaufgabe gar nicht. Beide brauchen dieselbe Antwort.
An die Stelle der Herde tritt zuerst die Apportierarbeit. Sie hat denselben Bau wie die Arbeit, die Gayot beschreibt: eine Ansage, dann eine Strecke, die der Hund alleine zu Ende bringt.
Daneben trägt die Personensuche, beim Briard aus einem eigenen Grund: Sie dreht seine zweite Anlage um. Der fremde Mensch ist für ihn von Haus aus ein Meldeanlass, in dieser Arbeit wird er zum Ziel. Warum gerade diese beiden Aufgaben die Anlage eines Hütehundes aufnehmen, steht im Sachthema Hüteverhalten.
Gesundheit im Blick
Das rassetypische Gesundheitsthema des Briard sitzt im Auge. Eine Mutation im RPE65-Gen führt zu einer erblichen Netzhautdystrophie, lange als kongenitale stationäre Nachtblindheit bezeichnet. Betroffene Hunde sehen bei schwachem Licht schlecht, der Erbgang ist rezessiv, und es gibt einen Gentest, mit dem sich betroffene Verpaarungen vermeiden lassen. An dieser Erkrankung wurde 2001 erstmals bei einem Hund das Sehvermögen durch eine Gentherapie wiederhergestellt, woraus später die erste zugelassene Gentherapie gegen eine erbliche Netzhauterkrankung beim Menschen hervorging.
Daneben stehen die Hüftgelenke sowie zwei Krebsformen, für die der Briard in Auswertungen auffällig häufig vertreten ist: das multizentrische Lymphom und das Plattenepithelkarzinom an den Zehen. Als großer, tiefbrüstiger Hund gehört außerdem die Magendrehung zu den Risiken, auch wenn dazu keine rassespezifischen Zahlen vorliegen. Die mediane Lebenserwartung liegt in der größten verfügbaren Auswertung über der der Mischlingsgruppe und über dem Wert für alle dort erfassten Hunde. Die Datenlage ist insgesamt dünn: Der Briard ist in keiner VetCompass-Auswertung separat geführt, und die schwedischen Versicherungszahlen sind nicht frei einsehbar. Die Zahlen und ihre Belege stehen weiter unten.
Zahlen und Studien zur Gesundheit
Zum Briard gibt es wenige große Auswertungen. Was vorliegt, sind Genotypdaten, zwei Krebsauswertungen aus Klinik- und Labormaterial, eine Röntgenstatistik und eine große Überlebenszeitanalyse.
Netzhautdystrophie durch RPE65. Die zugrunde liegende Mutation ist eine Deletion von vier Basenpaaren im RPE65-Gen. Sie wurde 1998 an fünfzehn Briards beschrieben, von denen zehn erkrankt waren, und 1999 an einer schwedischen Zuchtlinie als autosomal rezessiv bestätigt.[1][2] Zur Häufigkeit gibt es eine Erhebung an 173 Briards aus Tschechien und Nachbarländern: 88,4 Prozent waren genetisch unauffällig, 11,0 Prozent Anlageträger und 0,6 Prozent selbst betroffen, die Frequenz des mutierten Allels lag bei 0,061.[3] Dieselbe Arbeit gibt für 108 Briards aus den USA 10,2 Prozent Anlageträger an.[3] Beides sind Einsendungen aus der Zucht, keine Zufallsstichproben, und die Zahlen sind über fünfzehn Jahre alt.
Gentherapie. 2001 erhielten drei betroffene Hunde eine Injektion des Genkonstrukts unter die Netzhaut, alle drei erlangten ihr Sehvermögen zurück.[4] 2017 ließ die amerikanische Arzneimittelbehörde auf dieser Grundlage das erste Präparat zur Behandlung der RPE65-bedingten Netzhautdystrophie beim Menschen zu.[5]
Hüftgelenke. Im britischen Röntgenprogramm von BVA und Kennel Club wurden über fünfzehn Jahre 304 Briards bewertet, davon 64 in den letzten fünf Jahren. Der Median des Hüftwerts liegt über fünfzehn Jahre bei 11 und über fünf Jahre bei 12, bei einer Spanne von 0 bis 44.[6] Der Wert ist eine Punktesumme von 0 bis 106, kein Anteil erkrankter Hunde, und die Einsendung ist freiwillig. Eine französische Auswertung über 14 Jahre stellte beim Briard einen signifikanten Rückgang der Häufigkeit fest, die Rassezahl selbst steht nicht im frei zugänglichen Teil.[7]
Multizentrisches Lymphom. In einer deutschen Auswertung von 411 erkrankten Hunden war der Briard gegenüber zwei Vergleichsgruppen überrepräsentiert, mit einem Odds Ratio von 5,6 gegenüber der Klinikpopulation und 9,5 gegenüber versicherten Hunden in Deutschland.[8] Ein Odds Ratio ist ein Chancenverhältnis, keine Häufigkeit, und die Zahl der Briards in der Gruppe wird nicht genannt.
Plattenepithelkarzinom der Zehen. Unter 2912 amputierten Zehen, die zwischen 2014 und 2019 an ein deutsches Labor eingesandt wurden, zählte der Briard zu den prädisponierten Rassen.[9] Eine französische Auswertung von 154 Fällen nennt Beauceron und Briard als zwei neu auffällige Rassen und hält fest, dass 92 Prozent der betroffenen Hunde dunkles Haar hatten.[10] Beides sind Einsendungen an Pathologien, also vorausgewählte Fälle.
Lebenserwartung. Die größte verfügbare Auswertung stützt sich auf 584.734 Hunde aus britischen Datenquellen und kommt für den Briard auf 12,6 Jahre im Median, Konfidenzintervall 11,3 bis 13,4, gegenüber 12,0 Jahren bei Mischlingen und 12,5 Jahren für alle erfassten Hunde.[11] Die Rasse ist dort mit 201 lebenden Tieren und 76 Sterbefällen vertreten. Das Hazard Ratio von 0,82 gegenüber der Mischlingsgruppe ist nicht statistisch abgesichert, der Unterschied kann also auch Zufall sein.
Keine belastbaren Daten liegen vor zum ektopischen Ureter, der beim Briard immer wieder genannt wird, ohne dass eine Rassestudie mit Vergleichsgruppe existiert, sowie zur Magendrehung. Der Briard ist in keiner VetCompass-Publikation separat ausgewertet, in den schwedischen Agria-Daten zwar erfasst, die Zahlen sind aber nicht frei zugänglich, und ein Rassegesundheitsprofil bei IPFD gibt es nicht.
Quellen: [1] Aguirre und andere (1998), Molecular Vision (Volltext frei). [2] Veske und andere (1999), Genomics (Zusammenfassung frei). [3] Bechyňová und andere (2008), Czech Journal of Animal Science 53, S. 176 bis 179 (Volltext frei). [4] Acland und andere (2001), Nature Genetics (Zusammenfassung frei); die Zahl der behandelten Hunde nach Switonski (2020), Journal of Applied Genetics (Volltext frei). [5] US Food and Drug Administration, Luxturna (Berichtsangabe). [6] BVA und Kennel Club, Hip Dysplasia Scheme, Breed Specific Statistics 2024 (Berichtsangabe). [7] Genevois und andere (2008), Veterinary and Comparative Orthopaedics and Traumatology (Zusammenfassung frei). [8] Ernst und andere (2016), Tierärztliche Praxis Kleintiere (Zusammenfassung frei). [9] Grassinger und andere (2021), Veterinary Sciences (Volltext frei). [10] Belluco und andere (2013), Veterinary Pathology (Zusammenfassung frei). [11] McMillan und andere (2024), Scientific Reports, Rassewerte in Supplementary Table S3 (Volltext frei).
Die Methode bei dieser Rasse
Gib ihm eine Aufgabe, dann ist Ruhe. Der Satz stimmt, und an einer Stelle greift er trotzdem nicht.
Ihr geht spazieren, das Kind läuft vor, jemand bleibt zurück. Der Briard hört auf zu schnüffeln, geht nach vorn, stellt sich dem Kind in den Weg, bis es langsamer wird, dreht ab, läuft zurück zum Nachzügler und meldet einmal kurz. Er hat das nicht aus Langeweile getan. Er hat eine Aufgabe erledigt, die er sich selbst gegeben hat, und er hat sie gut erledigt.
Anton Fichtlmeier nennt solches Verhalten Gruppenorganisierende Verhaltensmuster, kurz GrOVM. Hunde regeln ihr Zusammenleben nicht über einen festen Rang, sondern indem sie sich fortlaufend aufeinander abstimmen. Ein Hund mit der Anlage, zu strukturieren, geht dabei jeden an, der an der Unruhe beteiligt ist, und hört erst auf, wenn Ruhe eingekehrt ist. Beim Briard ist das nicht die Eigenart eines einzelnen Tieres, sondern die Zuchtaufgabe.
Deshalb reicht Beschäftigung an dieser Stelle nicht. Für die Ordnung in der Gruppe ist der Mensch zuständig, und diese Frage wird nicht dadurch beantwortet, dass der Hund daneben etwas anderes zu tun bekommt. Wie sich das aufbauen lässt, steht in seinen Büchern und Onlinekursen, siehe Empfehlung.
Kurz zusammengefasst
- Der Briard ist der Hund der französischen Ackerbauebenen. Gayot führte ihn 1867 an erster Stelle der französischen Hirtenhunde, Bylandt beschrieb ihn 1897 wolliger, dunkler und mit aufrechten Ohren.
- Gezüchtet ist er auf zwei Aufgaben, Führen und Bewachen. Die zweite bestimmt seinen Alltag heute stärker als die erste.
- An die Stelle der Herde treten Apportierarbeit und Personensuche, die eine nach dem Bau der Hütearbeit, die andere über seinen Blick für Fremde.
- Im Blick bleiben die RPE65-Netzhautdystrophie, für die es einen Gentest gibt, dazu Hüften, Lymphom und Zehenkarzinom.
- Wer die Gruppe ordnet, ist Sache des Menschen. Überlässt man es dem Hund, nimmt er die Aufgabe an und gibt sie nicht wieder ab.
Empfehlung
Für die Erziehung passen folgende Angebote von Anton Fichtlmeier:
Bücher: Grunderziehung für Welpen, Der Hund an der Leine und Suchen und Apportieren.
Onlinekurse:
- Der Weg des Vertrauens
- Der Hund an der Leine
- SP Mantrailing für Jagdhunde
- Das Geheimnis der Spurensuche
- Der Paradigmenwechsel
Weiterführende Informationen zur Fichtlmeier-Methode, zu Büchern, Seminaren und lizenzierten Hundeschulen findest du auf fichtlmeier.de.
Mitreden
Das Reel zu dieser Rasse findest du auf Instagram. Wenn du Fragen hast oder eigene Erfahrungen gemacht hast, diskutier dort mit.
Belege und Quellen
Zeitgenössische Quellen
Eugène Gayot, „Le Chien. Histoire naturelle, races d’utilité et d’agrément“, Firmin-Didot, Paris 1867, Kapitel „Les chiens de berger“, S. 137 bis 145 (Digitalisat frei). Gemeinfrei, Zitate nach dem OCR-Text des Digitalisats. Die Stellen auf S. 138 und S. 141 gibt Gayot seinerseits wieder, nach Pierre Pichot und nach dem Agronomen Tessier.
Comte Henri de Bylandt, „Les races de chiens“, Brüssel 1897, Abschnitt „Chiens de Berger français“, Rasse „Chien de Berger de Brie“, S. 69 und S. 72 (Digitalisat frei). Gemeinfrei, Zitate und Seitenzahlen am Originalscan gegengelesen. Vollständige Angaben siehe Quellen.
Abbildung
Bylandt, ganzseitige unpaginierte Tafel zwischen S. 70 und S. 72, gezeichnet „L. v.d. Snickt“ 95, gestochen „Fl. Colens“. Unterschrift im Original: „« TAMBOUR » appartenant à M. M. Maillard, Paris. (Gravure extraite du Journal Chasse et Pêche.)“ Die Tafel zeigt einen benannten Hund der Rasse, keine Typdarstellung.
FCI-Rassestandard Nr. 113
Standard Nr. 113 (Volltext frei), Publikationsdatum des gültigen offiziellen Standards 4. November 2008, verbindliche Originalsprache Französisch, endgültige Anerkennung der Rasse 14. Dezember 1954. Aus dem Standard stammen sämtliche Steckbriefdaten sowie die Angaben im Text zu Verwendung, Rute, Afterkrallen und Ohren, letztere im Abschnitt Ohren. Ein Gewicht legt er nicht fest. Der Standard beschreibt das Zuchtziel, nicht den durchschnittlichen Hund.
Kupierverbot
Paragraph 6 Absatz 1 Tierschutzgesetz (Volltext frei). Das Ohrenkupierverbot kam mit der Novelle vom 12. August 1986 und gilt seit dem 1. Januar 1987. Die Ausnahme für jagdlich zu führende Hunde trifft den Briard nicht.
Name und Erstnennung
Standard und Association du Berger de Brie (Vereinsangabe) nennen beide 1809 und Rozier. Titel und Verfasserschaft des 1809 erschienenen Werks nach dem Metadatensatz bei archive.org (Berichtsangabe). Die Stelle selbst ist an keinem Digitalisat nachgeschlagen.
Rassegeschichte in Frankreich
Sammelbeleg für „Die Entstehung der Rasse“: Association du Berger de Brie, Abschnitt „Origines de la race“ (Vereinsangabe). Von dort die Chronologie von 1863 bis zum ersten Standard 1897 und die Liste der Fassungen 1925, 1978, 1982 und 2008. Der deutsche Rasseverein nennt abweichend 1897, 1909, 1925 und 1978.
Eintragungszahlen: Société Centrale Canine, Zuchtbuchstatistik (Berichtsangabe): 1258 im Jahr 2004, 315 im Jahr 2024, 201 im Jahr 2025.
Vereinsgeschichte in Deutschland
Club für französische Hirtenhunde e. V., Abschnitt Vereinsgeschichte (Vereinsangabe). Von dort die vier Daten von der Gründung 1975 bis zur Umbenennung 1976, die erste Vorsitzende und die drei heute betreuten Rassen.
Gruppenorganisierende Verhaltensmuster
Anton Fichtlmeier, „Grunderziehung für Welpen“, Kosmos, Stuttgart 2026, Kapitel „Der Hund als soziales Wesen“, S. 25 bis 37. Tragend für den Methodenabschnitt sind S. 25 zur fehlenden starren Hierarchie und S. 37 zum strukturierenden Hund und zur Verantwortung des Menschen.
Gesundheitszahlen
stehen unter „Zahlen und Studien zur Gesundheit“ weiter oben.
Weiterstöbern
