
Das erwartet dich
- Woher die Lautstärke dieses Hundes kommt und warum sie kein Erziehungsfehler ist
- Was ein Zeitzeuge 1905 auf einem Markttag im Appenzellerland sah, annähernd dreißig bis vierzig dieser Hunde
- Was ein Rassekennzeichen von 1905 verlangte und was der heutige Standard daraus gemacht hat
- Warum die seltenste der vier Sennenhundrassen ausgerechnet an ihrer Zahl gemessen wird
- Was ein Treibhund im Alltag verlangt, dessen Vieh es nicht mehr gibt
Film
Verschaff dir im Film einen ersten Eindruck, bevor es in seine Geschichte geht.

Illustration: Richard Strebel, aus: „Die deutschen Hunde und ihre Abstammung“, Kern & Birner, Frankfurt am Main 1905 (Gemeinfrei). Die Zeichnung zeigt den Hund „Bläß Panaria“, Besitzer Eug. Vogt, Winterthur.
Kurzbeschreibung
Der Appenzeller Sennenhund ist ein mittelgroßer, fast quadratisch gebauter Hund, gedrungen und muskulös, dabei auffallend beweglich. Sein Stockhaar liegt fest an, darunter sitzt eine dichte Unterwolle, die ihn in den Bergen gegen jedes Wetter geschützt hat. Die Grundfarbe ist schwarz oder havannabraun, dazu kommen braunrote und weiße Abzeichen, eine weiße Blesse über Oberkopf und Nasenrücken und die dicht behaarte Rute, die er in der Bewegung eng über der Kruppe eingerollt trägt. Die Ohren sind dreieckig und hängen an den Backen an. Die Fellpflege ist genügsam, regelmäßiges Bürsten genügt. Im Wesen ist er lebhaft, selbstsicher und furchtlos, gegenüber Fremden zurückhaltend, und er teilt sich mit, laut und deutlich.
Wie die Rasse um 1900 beschrieben wurde
Richard Strebel hat diese Rasse nicht abgeschrieben, er ist zu ihr hingefahren. Zusammen mit seinem Freund Siber zog er ins Appenzeller Ländle, „um die Hunde an Ort und Stelle zu studieren“, und traf es an einem großen Markttag, „an dem alles von der Umgebung nach Appenzell strömt“. Die beiden sahen dort „annähernd 30 bis 40 Hunde, die ihre Herren teils so, teils als Viehtreiber begleitet hatten“ (Strebel, Die deutschen Hunde, Band 2, 1905, S. 42).
Sein Urteil fiel eindeutig aus: „Die Hunde waren sehr ausgeglichen, man merkte auf den ersten Blick, daß es eine durchgezüchtete Rasse war.“ Den Grund sah er nicht in einem Zuchtbuch, sondern in der Arbeit. Weil es „um instinktive Zucht auf Eigenschaften und Gebrauchsfähigkeiten hin“ gegangen sei, sei auch das Gebäude fast durchweg gut gewesen, „ebenso trat der Charakter, der in absoluter Folgsamkeit und Unbestechlichkeit gipfelt, bei allen sehr deutlich in die Erscheinung“ (Strebel, S. 42 bis 43). Hier stand eine Rasse, die niemand nach einem Papier geformt hatte, sondern danach, was sie können musste.
Gemeinsam mit Siber stellte Strebel für den Appenzeller und den Entlibucher eine gemeinsame Merkmalsliste auf. Sie beschreibt „einen Hund von mittlerer Größe, gedrungen, dabei behende und lebhaft“, der sich „durch große Unbestechlichkeit, Wachsamkeit und wenn es nötig ist, durch Schärfe“ auszeichne, „sehr lernbegierig und leicht abzurichten“ sei und neben dem Treiben der Viehherden zur Bewachung der Gehöfte benutzt werde, „worin er nicht leicht seines Gleichen findet“ (Strebel, S. 44). Zur Stimme heißt es knapp, sein Laut klinge „hell und schmetternd“.
Der Vergleich mit dem heutigen Standard ist an einer Stelle verblüffend. Die Rute solle „mit leichtem Bogen über dem Rücken getragen“ werden, „darf aber niemals geringelt sein“, und die Ringelrute steht in der Fehlerliste von 1905 (Strebel, S. 44). Heute verlangt der FCI-Standard genau das Gegenteil, nämlich eine Rute, die in der Bewegung eng über die Kruppe gerollt getragen wird; im Appenzellerland hat sie längst einen eigenen Namen, das „Posthörnchen“. Auch die Größenangabe lief damals mit 48 bis 58 Zentimetern über beide Geschlechter, und als Farben nannte die Liste allein Schwarz mit rotem Brand und weißen Abzeichen, während rot-weiße und blaue Hunde ausdrücklich als unerwünscht geführt wurden, also vorkamen.
Strebel ordnete den Appenzeller im Übrigen nicht bei den Sennenhunden ein, sondern bei den Schäferhunden, und leitete aus Schädelmaßen ab, er sei die vom Wolf am weitesten entfernte und deshalb älteste Form. Das ist Typenlehre von 1905 und keine Abstammungsforschung. Interessant ist es trotzdem, weil es zeigt, wie offen die Zuordnung dieser Hunde damals noch war.
Quelle: Richard Strebel (1905), Band 2, S. 42 bis 46. Vollständige Quellenangabe siehe Quellen.
Die Entstehung der Rasse
Am Anfang stehen keine Züchter, sondern Höfe. In den Kantonen Appenzell Innerrhoden und Ausserrhoden und im Toggenburg lebten dreifarbige Bauernhunde, die Vieh trieben, den Hof bewachten und Lastenkarren zogen. Was sie leisteten, entschied darüber, ob sie weiter verwendet wurden; Aussehen und Abstammung waren zweitrangig. Die erste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1853, aus der Enzyklopädie „Tierleben der Alpenwelt“. Der FCI-Standard gibt sie wieder als hellbellenden, kurzhaarigen Sennenhund, teils zur Hut der Hütte, teils zum Zusammentreiben der Herde. Bemerkenswert ist, womit die Beschreibung anfängt: Auffällig war an diesem Hund zuerst seine Stimme.
In den Jahren danach treten zwei Männer hervor, und der eine hat das Ergebnis nicht mehr erlebt. Max Siber, Forstmeister der Stadt Winterthur, wandte sich 1895 an die Schweizerische Kynologische Gesellschaft und bat darum, für diese Hunde etwas zu tun. 1898 stellte der Regierungsrat des Kantons St. Gallen 400 Franken zur Hebung der Zucht bereit, eine Kommission legte Rassekennzeichen fest, und an einem Jahrmarkt in Altstätten wurden neun Rüden und sieben Hündinnen aufgestöbert und mit Prämien zwischen fünf und zehn Franken bedacht. Kurz darauf traten acht Appenzeller an der ersten internationalen Hundeausstellung in Winterthur an, in einer versuchsweise eingeführten Klasse „Sennenhunde“. Siber starb am 27. Februar 1899, erst vierzig Jahre alt, an einer Blinddarmentzündung.
Wie zäh diese Anfänge waren, hat Strebel aus der Nähe festgehalten. Die Kynologische Gesellschaft habe hohe Preise für gute Hunde ausgesetzt, sei damit aber „auf ein so absolutes Unverständnis bei den Leuten“ gestoßen, „daß die Sache wieder einschlief“. Zwei Gründe nennt er: die vielen kastrierten Rüden im Appenzellerland und dass sich kein Züchter fand, der die Rasse übernahm. „Mit Prämien allein war es nicht getan“ (Strebel, S. 43). Das steht neben der offiziellen Erfolgsgeschichte, und beides stimmt.
Der zweite Mann war Albert Heim, Geologieprofessor und Kynologe, der sich der Schweizer Sennenhunde annahm und ihre Unterschiede herausarbeitete. Auf seine Anregung wurde 1906 in Appenzell der Schweizerische Club für Appenzeller Sennenhunde gegründet, mit dem erklärten Zweck, die Rasse in ihrer Natürlichkeit zu erhalten. Mit der Eintragung der Welpen in ein eigenes Stammbuch begann die planmäßige Reinzucht, und 1914 stellte Heim den ersten Rassestandard auf. In Deutschland wurde der Appenzeller ab 1924 bekannt. Die FCI erkannte ihn am 27. Juli 1954 endgültig an.
Ursprüngliche Verwendung und Entwicklung
Die Arbeit eines Treibhundes sieht anders aus als die eines Hütehundes. Er läuft nicht vorn und hält die Herde nicht zusammen, er geht von hinten heran und bringt Tiere in Bewegung, die schwerer sind als er. Sein Werkzeug dabei ist die Stimme, dazu Nähe und Druck am Hinterlauf. Ein Rind, das stehen bleibt, wird nicht überredet, sondern lauter und näher angegangen, bis es geht. Wachdienst und Karren, oben schon genannt, gehörten zur selben Stelle im Betrieb. Der Standard führt die Reihe bis heute so auf: Treib-, Hüte-, Wach-, Haus- und Hofhund.
Von dieser Arbeit ist wenig übrig. Der Appenzeller wird nur noch selten am Vieh geführt, und der Standard nennt ihn folgerichtig „heute auch vielseitiger Arbeits- und Familienhund“. Die Anlagen haben sich davon nicht beeindrucken lassen. Die Bellbereitschaft, die Aufmerksamkeit für alles, was sich am Rand des eigenen Bereichs bewegt, und die Neigung, von hinten heranzugehen, sind keine Eigenheiten einzelner Hunde, sondern das, worauf über Generationen ausgelesen wurde. Der Verband für das Deutsche Hundewesen hält fest, dass ein Appenzeller keinen Grund habe, damit aufzuhören, nur weil seine Familie kein Vieh hält (Vereinsangabe).
Was diese Rasse heute prägt
Dieser Hund meldet, weil Melden seine Arbeit war. Die helle, durchdringende Stimme, die schon 1853 als Erstes auffiel und die Strebel 1905 „hell und schmetternd“ nannte, ist kein Nebengeräusch eines aufgeregten Hundes, sondern das Werkzeug, mit dem seine Vorfahren Rinder bewegt und Höfe bewacht haben. Er setzt sie entsprechend selbstverständlich ein. Die Schweizer Stiftung ProSpecieRara beschreibt es schlicht so, dass er seinen Gefühlen oft mit seinem hellen Bellen Ausdruck verleihe.
Das trifft auf einen Hund, der sehr genau hinsieht, schnell lernt und eng an seinen Menschen und sein Zuhause gebunden ist. Fremden gegenüber bleibt er reserviert bis misstrauisch, der FCI-Standard nennt ihn einen „unbestechlichen Wächter“. Das ist keine Unfreundlichkeit, sondern der Zustand, in dem er zuerst hinsieht und einordnet. Was Wachsamkeit im Einzelnen ausmacht und warum Melden und Aggression zweierlei sind, steht im Sachthema Wachverhalten.
Was Hundehalter heute erwarten, und woran sie sich reiben
Wer einen Appenzeller sucht, sucht meist einen mittelgroßen, unkomplizierten, wetterfesten Hund mit kurzem Fell und Schweizer Bauernhundcharme. Das ist nicht falsch. Er ist wirklich genügsam in der Pflege, wirklich robust, wirklich anhänglich. Nur ist er eben kein ruhiger Begleiter, der nebenherläuft, sondern ein Arbeitshund mit lauter Stimme und ausgeprägter Meinung.
Die erste Reibung ist eine Lautstärkefrage, und sie entscheidet sich oft an der Wohnsituation. Ein Hund, der jede Veränderung meldet und im Zweifel nachlegt, ist auf einem Hof mit dreihundert Metern zum Nachbarn etwas anderes als im Reihenhaus oder im dritten Stock. Der Konflikt entsteht dabei nicht zwischen Hund und Halter, sondern zwischen Hund und Umfeld, und er ist deshalb schwer auszusitzen.
Die zweite Reibung betrifft die Art, wie er herangeht. ProSpecieRara benennt sie ungewöhnlich offen: Sein Beschützerinstinkt und die Gewohnheit des Treibhundes, sich von hinten zu nähern, hätten ihm bei Wandernden und Hofbesuchern den Ruf eines giftigen Kläffers und Wadenbeißers eingetragen. Die Stiftung führt dieses Verhalten auf Unterbeschäftigung und mangelnde Sozialisierung zurück und nicht auf die Rasse (Berichtsangabe). Das ist eine Einschätzung, und sie stammt von einer Stelle, die für die Rasse eintritt. Unbestritten bleibt der Ausgangspunkt: Ein Hund, der gezüchtet wurde, um sich von hinten an Bewegtes zu halten, tut das auch, wenn das Bewegte ein Jogger ist.
Anforderungen, die diese Rasse stellt
Ein Appenzeller braucht eine Aufgabe, bei der er den Kopf einsetzt. Nur laufen allein reicht ihm nicht. Wer ihn bloß müde macht, hat am Ende einen Hund, der zwar weite Strecken schafft, aber trotzdem jedes Auto vor dem Zaun bemerkt. Diese Aufmerksamkeit geht nicht weg, sie sucht sich nur ein Ziel. Beim Apportieren bekommt sie eines. Für diese Rasse ist das mehr als ein Zeitvertreib, denn es läuft genau andersherum als das Treiben: Am Vieh hat er etwas von sich weggeschoben, hier holt er etwas und bringt es zu seinem Menschen. Welche Aufgaben sich bei einem wachsamen Hund eignen, steht im Sachthema Wachverhalten.
Dann die Frage, wo er wohnt. Wie laut dieser Hund ist, steht weiter oben; hier geht es darum, wo das erträglich ist und wo nicht. In einem Haus mit Garten und etwas Abstand zum Nachbarn fällt das Bellen kaum auf. In einer hellhörigen Wohnung mit Nachbarn hinter der Wand fällt sie jedes Mal auf. Dazu kommt die Zeit. Ein Appenzeller, der jeden Tag stundenlang allein im Garten liegt, sucht sich etwas, worum er sich kümmert. Das sind dann die Leute auf dem Gehweg, fremde Hunde und jedes Geräusch von der Straße.
Und er braucht Regeln, die morgen noch gelten. Darf er heute aufs Sofa und morgen nicht, merkt er das sofort. Dann richtet er sich immer weniger am Menschen und entscheidet immer öfter selbst, was zu tun ist. Bei einem Hund, der ohnehin alles im Blick hat, heißt das: Er kümmert sich, und man hört es.
Gesundheit im Blick
Über die Gesundheit dieser Rasse ist wenig bekannt, und was bekannt ist, spricht nicht gegen sie. Rassetypische Erbkrankheiten sind keine bekannt: In den Zuchtbestimmungen des deutschen Rassevereins ist für ihn als einzige der vier Schweizer Sennenhundrassen keine zusätzliche Augen-, Ellbogen- oder Genuntersuchung vorgeschrieben, sondern allein das Röntgen der Hüften. An den Gelenken bleiben deshalb die Hüften im Blick, dazu die Kniescheiben.
Der eigentliche Punkt liegt woanders. Diese Rasse ist selten, und ihre Zuchtbasis ist schmal; das steht im FCI-Standard. Für die Gesundheit heißt das zweierlei: Die genetische Vielfalt ist der Faktor, an dem hier gearbeitet wird, und zugleich fehlt der Rasse genau deshalb das, was größere Rassen haben, nämlich Zahlen. Eine belastbare Studie zur Lebenserwartung des Appenzellers gibt es nicht, deshalb trägt der Steckbrief dort keine Zahl. Die Schweizerische Kynologische Gesellschaft nennt zwölf bis vierzehn Jahre. Für einen Hund dieser mittleren Größe wäre das ein normaler bis guter Wert, belegt ist er nicht.
Zahlen und Studien zur Gesundheit
Lebenserwartung: keine belastbaren Daten. Am 29. August 2026 in vier Quellen nachgesehen und viermal nicht gefunden. Die Leitquelle McMillan 2024 führt 155 Rassen, den Appenzeller nicht.[1] Lewis 2018 wertet Sterbealter nur für die 25 Rassen mit mindestens fünfzig Sterbemeldungen aus, er ist nicht darunter.[2] Die VetCompass-Sterbetafeln von 2022 decken achtzehn Rassen ab, keinen Sennenhund.[3] Die Schweizerische Kynologische Gesellschaft nennt zwölf bis vierzehn Jahre.[4] Das ist eine Vereinsangabe ohne Erhebung dahinter.
Hüftgelenke: deutliche Verbesserung über vierzig Jahre. Der Schweizer Sennenhund-Verein für Deutschland veröffentlicht die Auswertung der Röntgenbilder nach Geburtsjahrgängen.[5] In den Jahrgängen 2012 bis 2021 wurden 683 Appenzeller ausgewertet: 467 frei, 176 mit Verdacht, 34 leicht, 5 mittel, 1 schwer. Mittlere und schwere Befunde machen damit knapp ein Prozent aus. In den Jahrgängen 1982 bis 1991 waren es 11 von 96 Hunden, also gut elf Prozent. Vereinsangabe aus der eigenen Zuchtarbeit, keine unabhängige Studie.
Wie viele Hunde dahinterstehen. Für Zahlen aus der Zucht ist entscheidend, ob nur die Zuchttiere geröntgt werden. Derselbe Verein gibt die Röntgenrate an, also den Anteil der geröntgten an den gezüchteten Hunden.[5] Sie lag in den 1980er Jahren zwischen etwa fünfzehn und dreißig Prozent und in den Jahrgängen der 2010er Jahre bei rund siebzig bis sechsundsiebzig Prozent. Die Befunde oben beruhen damit auf einem großen Teil des Jahrgangs und nicht nur auf ausgewählten Tieren.
Kniescheiben, kleine Fallzahl. Die amerikanische Orthopedic Foundation for Animals führt den Appenzeller in ihrer Statistik zur Patellaluxation mit fünfzig Untersuchungen: 96,0 Prozent unauffällig, 4,0 Prozent auffällig, sämtlich im ersten Grad.[6] Fünfzig Untersuchungen sind die Mindestzahl, ab der die OFA eine Rasse überhaupt aufführt. Für Hüften und Ellbogen erscheint die Rasse dort nicht, dafür liegt die Schwelle bei 101 Untersuchungen. Ein Bestandswert für Europa ist das nicht.
Studienlage: praktisch keine. Eine Suche in PubMed am 29. August 2026 ergab zum Appenzeller Sennenhund keine einzige epidemiologische Arbeit.[7] Der einzige rassebezogene Treffer ist ein Fallbericht von 2024 über einen einzelnen Hund mit einer Genveränderung und einer Hautveränderung. Ein Einzelfall sagt nichts über die Häufigkeit in der Rasse. Dass zu einer über hundert Jahre alten Rasse nichts vorliegt, hat einen einfachen Grund: Sie ist zu selten, um in großen Auswertungen aufzutauchen.
Zuchtbasis. Der FCI-Standard schreibt in seinem eigenen Geschichtsabschnitt, die Zuchtbasis sei „immer noch sehr klein“.[8] Die Stiftung ProSpecieRara beschreibt die Bestandsentwicklung als „stabil bei enger Zuchtbasis“ und nennt als Zuchtziele die gezielte Erhaltungszucht wenig vertretener Linien und die Verbreiterung der genetischen Zuchtbasis.[9] Der VDH nennt ihn „den seltensten Vertreter der Sennenhundrassen“; in der VDH-Welpenstatistik 2022 stehen 114 Appenzeller Welpen gegenüber 139 Entlebuchern, 228 Großen Schweizern und 761 Bernern.[10]
Quellen: [1] McMillan und andere (2024), Longevity of companion dog breeds, Scientific Reports, Supplementary Table S3 (Volltext frei). [2] Lewis und andere (2018), Longevity and mortality in Kennel Club registered dog breeds in the UK in 2014, Canine Genetics and Epidemiology (Volltext frei). [3] Teng und andere (2022), Life tables of annual life expectancy and mortality for companion dogs in the United Kingdom, Scientific Reports (Volltext frei). [4] Schweizerische Kynologische Gesellschaft, Rasseseite (Vereinsangabe). [5] Schweizer Sennenhund-Verein für Deutschland e. V., Auswertungen Röntgenrate und Entwicklung der Hüftgelenksdysplasie, Stand Februar 2023, Datenquelle Dogbase (Vereinsangabe). [6] Orthopedic Foundation for Animals, Disease Statistics by Breed, Abschnitt Patella (Berichtsangabe). [7] PubMed, Suchbegriffe „Appenzeller Sennenhund“, „Appenzeller dog“ und „Sennenhund“ (Zusammenfassung frei). [8] FCI-Rassestandard Nr. 46, Abschnitt Kurzer geschichtlicher Abriss, siehe Belegblock (Volltext frei). [9] ProSpecieRara, Rasseporträt (Berichtsangabe). [10] Verband für das Deutsche Hundewesen, Rasse des Monats, mit Zahlen aus der VDH-Welpenstatistik 2022 (Vereinsangabe).
Die Methode bei dieser Rasse
Am Vieh war die Aufgabe klar verteilt. Der Appenzeller trieb von hinten, machte Druck und wurde deutlicher, wenn das Rind nicht reagierte. Wann Schluss war, entschied aber nicht der Hund, sondern der Bauer. Der Hund sollte dranbleiben, bis die Arbeit beendet war.
Genau dieses Dranbleiben kann sich heute an anderer Stelle zeigen. Es klingelt, jemand geht am Fenster vorbei oder ein Besucher steht im Flur. Der Hund meldet. Passiert aus seiner Sicht danach nichts, meldet er weiter. Für ihn ist die Sache noch nicht abgeschlossen. Darauf zu warten, dass er irgendwann selbst entscheidet, dass nun genug ist, passt deshalb schlecht zu dem Verhalten, für das diese Hunde einmal gebraucht wurden.
Was der Mensch in diesem Moment tut, entscheidet über den Rest. Steht er auf, schaut nach, und der Hund sieht, dass es angekommen ist, dann ist die Sache für ihn erledigt. Bleibt dieses Zeichen aus, bleibt sie offen, und er meldet weiter. Genau darum geht es bei den gruppenorganisierenden Verhaltensmustern: Hunde klären untereinander laufend, wer sich um was kümmert. Kümmert sich niemand sichtbar, kümmert sich der Hund. Aus dem kurzen Melden wird dann das Bellen an Tür, Fenster und Zaun, das nicht mehr aufhört.
Wie diese Übereinkunft im Alltag entsteht, steht in den Büchern und Onlinekursen von Anton Fichtlmeier, siehe Empfehlung.
Kurz zusammengefasst
- Der Appenzeller ist ein Treibhund, dessen wichtigstes Werkzeug seine Stimme war, und der bleibt sie auch ohne Vieh.
- Strebel beschrieb ihn 1905 als durchgezüchtete Gebrauchsrasse und hielt zugleich fest, dass die Förderung der Zucht zunächst scheiterte.
- Mehrere Merkmale haben sich seither umgekehrt, am deutlichsten die Rute: 1905 ein Fehler, heute Vorschrift.
- Zur Gesundheit liegt wenig vor, im Blick bleiben Hüften und Kniescheiben, das eigentliche Thema ist die schmale Zuchtbasis.
- Die entscheidende Frage im Alltag ist nicht, ob er meldet, sondern wer die Sache danach für erledigt erklärt.
Empfehlung
Für die Erziehung und Ausbildung des Appenzeller Sennenhundes passen folgende Angebote von Anton Fichtlmeier:
Bücher: Grunderziehung für Welpen, Der Hund an der Leine und Suchen und Apportieren.
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Weiterführende Informationen zur Fichtlmeier-Methode, zu Büchern, Seminaren und lizenzierten Hundeschulen findest du auf fichtlmeier.de.
Belege und Quellen
Zeitgenössische Quelle
Richard Strebel, „Die deutschen Hunde und ihre Abstammung“, Kern & Birner, Frankfurt am Main 1905, Band 2, S. 42 bis 46, Kapitel „Der Appenzeller Sennenhund“. Alle Zitate und Seitenzahlen wurden am 29. August 2026 an der Seitenabbildung des Originalscans gegengelesen. Gemeinfrei. Vollständige Angabe siehe Quellen.
Steckbriefdaten
FCI-Rassestandard Nr. 46, Publikation des gültigen offiziellen Standards 25. März 2003, deutsche Originalfassung (Volltext frei). Gruppe, Sektion, Verwendung, Widerristhöhe, Haarkleid und Rute stammen direkt aus dem Standard, ein Gewicht legt er nicht fest. Der Standard beschreibt das Zuchtziel, nicht den durchschnittlichen Hund.
Rute im Standard
FCI-Rassestandard Nr. 46, Abschnitt Rute: „Hoch angesetzt, kräftig, von mittlerer Länge, dicht behaart, Haare an der Unterseite etwas länger; In der Bewegung eng über die Kruppe gerollt, seitlich oder in der Mitte getragen.“ Die Merkmalsliste von 1905 steht in der zeitgenössischen Quelle, Band 2, S. 44.
Vereinsgeschichte
Sammelbeleg für den Abschnitt „Die Entstehung der Rasse“: FCI-Rassestandard Nr. 46, Abschnitt „Kurzer geschichtlicher Abriss“, sowie Schweizerischer Club für Appenzeller Sennenhunde, Abschnitt „Über uns“ (Vereinsangabe).
Max Siber, Namensform
Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen, Band 50 (1899), Rubrik „Forstliche Nachrichten“, S. 109 bis 110 (Volltext frei). Dort der Nachruf auf „Max Siber, Forstmeister der Stadt Winterthur“. Der FCI-Standard schreibt „Sieber“, der VDH „Siebert“; maßgeblich ist die zeitgenössische Schreibweise.
Bellbereitschaft und Verhalten am Menschen
Verband für das Deutsche Hundewesen, Rasse des Monats (Berichtsangabe), sowie ProSpecieRara, Rasseporträt (Berichtsangabe).
Zuchtbestimmungen
Schweizer Sennenhund-Verein für Deutschland e. V., Zuchtordnung, Stand April 2022, Paragraph 8 Absatz 2 Ziffern 3 und 4 (Vereinsangabe).
Gesundheitszahlen
stehen unter „Zahlen und Studien zur Gesundheit“ weiter oben.
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