
Das erwartet dich
- Was ein Zeitzeuge von 1905 über die Herkunft schrieb und wem er widersprach
- Worüber die Züchter um 1900 stritten und was das mit Tarnung im Revier zu tun hat
- Aus welcher älteren Jagdhundart er kommt und woran man das heute noch sieht
- Was Schärfe beim Jagdhund heißt und warum sie ohne Jagd eine Frage ist
- Warum in den Büchern der Autoren kaum ein kupierter Weimaraner zu sehen ist
- Was hinter dem „Blauen Weimaraner“ steckt und was die Genetik dazu sagt
- Welche Gesundheitszahl hier alles andere in den Schatten stellt
Film
Verschaff dir im Film einen ersten Eindruck vom Grauen, bevor es in seine Geschichte geht.

Illustration: Richard Strebel, Buntbild „Weimeraner und dreifarbiger Württemberger Vorstehhund.“, aus: „Die deutschen Hunde und ihre Abstammung“, Kern & Birner, Frankfurt am Main 1905, Band 2, Tafel zwischen S. 274 und 275 (Gemeinfrei). Links der graue Weimaraner, rechts davor der dreifarbige Württemberger. Die Tafel trägt Strebels Signatur von 1904 und zeigt keine benannten Hunde, sondern die beiden Schläge im Typ.
Kurzbeschreibung
Der Weimaraner ist ein mittelgroßer bis großer Jagdgebrauchshund, sehnig gebaut und kräftig bemuskelt, ohne wuchtig zu wirken. Seine Farbe ist ein einfarbiges Grau, silber-, reh- oder mausgrau, an Kopf und Behang meist etwas heller. Dazu kommen die bernsteinfarbenen Augen, die beim Welpen noch himmelblau sind, und breite, ziemlich lange Behänge. Sein Haar ist kurz, kräftig und sehr dicht, liegt glatt an und hat wenig oder gar keine Unterwolle; die Pflege ist entsprechend genügsam. Im Wesen ist er leichtführig und wesensfest, passioniert bei der Arbeit, aber nicht hektisch, und er bindet sich außergewöhnlich eng an seine Menschen. Dieses Portrait beschreibt den kurzhaarigen Weimaraner, die langhaarige Varietät hat ein eigenes.
Wie die Rasse um 1900 beschrieben wurde
Richard Strebel widmet dem Weimaraner 1905 im zweiten Band seines Standardwerks ein eigenes Kapitel und schreibt den Namen dort durchgehend „Weimeraner“. Er beginnt mit einer Feststellung, die der gängigen Erzählung widerspricht: „Wie ich bereits nachwies, ist diese schöne Abart unseres glatthaarigen deutschen Vorstehhundes viel älter als man ursprünglich annahm; trotzdem hat es lange gedauert, bis er offiziell anerkannt wurde“ (Strebel, Band 2, 1905, S. 274).
Die Erzählung, gegen die er anschreibt, ist bis heute in Umlauf. Karl Brandt hatte berichtet, zur Zeit des Großherzogs Karl August von Weimar sei ein grauer Rüde aus einer Kreuzung von Pointer und Kurzhaar gefallen, und aus diesem sei der Weimaranerstamm hervorgegangen. Strebels Urteil darüber ist knapp: „Das Bild van Dycks beweist, daß diese Hunde älter sind; das Heranholen des Pointers ist etwas gewagt“ (S. 274). Gemeint ist ein Porträt, das er als Vollbild bringt und als „bereits der graue Weimeraner des Prinzen Rupprecht von der Pfalz, von A. van Dyck im Jahre 1631 gemalt“ bezeichnet (S. 261). Dass dieser Hund ein Weimaraner sei, ist Strebels Deutung eines Gemäldes, kein gesicherter Befund.
Für die Farbe hat er eine eigene Erklärung. Grau entstehe aus Schwarz, und bei starker Inzucht mit grauen Hunden entstehe mit der Zeit Haarlosigkeit; er erinnert sich an einen im Bau tadellosen, fast nackten Hund in Seesen. „Die Inzucht drohte überhaupt diesem Geschlechte gefährlich zu werden“ (S. 274). Man habe daraufhin Blut anderer Kurzhaariger zugeführt. Seine Farbbeschreibung steht dem heutigen Standard nahe: „Silbergrau bis mausgrau, gewöhnlich an Kopf und Behang heller“ (S. 275). Weiße Abzeichen an Brust und Zehen kannte er bei den meisten Hunden und hielt es für zweckmäßig, sie wegzuzüchten.
Genau diese Spanne von Silbergrau bis Mausgrau war damals ein Streit. Ein Handbuch von 1901 schildert ihn als offene Feindschaft: „Es giebt silbergraue und mausegraue Weimaraner […] so erhitzt heut die erbitterten Gegner der Streitpunkt, ob: »silbergrau oder mausegrau!«“ (Zorn, 9. Auflage, Zahna 1901, Abschnitt 38). Gestritten wurde nicht über Schönheit, sondern über Tarnung. In der Dämmerung leuchte das Silbergrau zu stark und sei „geradezu unpraktisch“, während die dunklen Farben fast vollständig verschwänden und den Jäger dem Wild nicht verrieten, schreibt Karl Brandt 1909 (Unser Jagdhund, Nr. 23, 1909, S. 354). Wie offen die Sache war, zeigen die ersten Zuchtbücher: Dort stehen nebeneinander hellsilbergrau, mausgrau, grau, aschgrau, dunkelgrau und hellgrau.
Quellen: Richard Strebel (1905), Band 2, S. 261 und S. 274 bis 275; Carl Zorn (1901); Karl Brandt (1909). Vollständige Angaben siehe Quellen und Belegblock.
Die Entstehung der Rasse
Der FCI-Standard hält sich bei der Herkunft auffallend zurück. „Über die Entstehung des Weimaraner Vorstehhundes gibt es zahlreiche Theorien“, heißt es dort, und als gesichert gilt nur, dass er „schon im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts am Hof zu Weimar gehalten wurde“ und damals „noch sehr viel Leithundblut führte“. Den Namen hat die Rasse von der Stadt, eine Gründungsurkunde hat sie nicht. Schon 1901 hielt ein Fachbuch dagegen, die Wiege habe gar nicht in Weimar gestanden, die Ahnen seien aus Böhmen eingeführt worden.
Vom Leithund her lässt sich einiges lesen. Er arbeitete an langem Riemen, langsam, mit tiefer Nase und still: eine Arbeit für einen Hund, der über Stunden konzentriert bleibt und dem Menschen dicht folgt, nicht für einen, der weit vorausgeht.
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts lag die Zucht fast ausschließlich bei Berufsjägern und Förstern um Weimar und in Thüringen, die nach Leistung züchteten. Als die Tage des Leithundes vorbei waren, kreuzten sie mit dem Hühnerhund. Damit kam das Vorstehen zur alten, gründlichen Nasenarbeit hinzu.
Die Anerkennung als eigene Rasse fiel im Mai 1895 in Dresden bei der Delegierten Commission. 1896 wurden die Rassekennzeichen in neun Punkten festgelegt, und am 28. Juni 1897 gründete sich anlässlich der Erfurter Ausstellung der „Verein zur Reinzucht des silbergrauen Weimaraner-Vorstehhundes“. Wie der Farbstreit ausging, lässt sich an dem Namen ablesen: Er wurde kurz darauf geändert in „Verein zur Züchtung des Weimaraner Vorstehhundes“, alle grauen Nuancen galten fortan als gleichberechtigt. In den Anfängen war er allein als Kurzhaar anerkannt; die langhaarigen Silbergrauen, die in einzelnen Würfen fielen, wurden in das Zuchtbuch „Langhaar“ eingetragen. 1935 wurden die Rassekennzeichen erweitert und die Varietät Langhaar aufgenommen (Fichtlmeier und Fichtlmeier, Weimaraner, 2010, S. 30).
Durch das 20. Jahrhundert trug die Rasse ein Mann: Major Robert Herber, ab 1921 an der Spitze des Klubs. Er sammelte die nach dem Ersten Weltkrieg verbliebenen Hunde und wollte die Rasse nur in Jägerhände abgegeben wissen. Bis heute steht auf jeder Ahnentafel einer seiner Leitsprüche: „Nicht die Rasse, sondern die Zuchtauswahl aus ihr ist die Bürgschaft für höchste Form und beste Leistung“ (Fichtlmeier und Fichtlmeier, Weimaraner, 2010, S. 27). Nach dem Zweiten Weltkrieg drohte sie wieder eine Unterart des Kurzhaars zu werden; im Oktober 1951 wurde der Klub in Nienburg neu gegründet.
Der FCI-Standard fasst zusammen: Der Weimaraner sei seit seiner zuchtbuchmäßigen Erfassung „im Wesentlichen frei von Einkreuzungen fremder Rassen, vor allem von Pointern geblieben“. Das stimmt für das Ergebnis, nicht für den Weg dorthin. Noch 1899 lief auf der ersten Klubsuche ein Hund mit dem Vermerk „Vater und Mutter unbekannt“, und bis 1928 wurden regelmäßig Hunde unbekannter Abstammung eingetragen. In den 1960er Jahren scheiterten zwei Anläufe, Pointer einzukreuzen. Was Strebel 1905 als offene Streitfrage behandelte, steht heute als Selbstbeschreibung im Standard.
Ursprüngliche Verwendung und Entwicklung
Was der Weimaraner leisten soll, steht im Standard als Leistungsprofil: Er muss „für alle Arbeiten im Feld, Wald und Wasser leistungsbezogen vor und nach dem Schuss brauchbar sein“. Das Besondere liegt in der Gewichtung. Verlangt wird eine „systematische und ausdauernde Suche, jedoch nicht übermäßig temperamentvoll“, eine „Nase von bemerkenswerter Güte“ und eine „bemerkenswerte Neigung zur Arbeit nach dem Schuss“. Also kein Hund, der das Feld im Galopp abreißt, sondern einer, der planmäßig arbeitet und die Nase tief trägt. Genau das macht ihn dort stark, wo es auf Gründlichkeit ankommt: auf der Schweißfährte und beim Verlorenbringen. Dazu verlangt der Standard einen Hund, der „raubzeug- und wildscharf“ und „auch wachsam, jedoch nicht aggressiv“ ist. Die Wehrhaftigkeit steht bei dieser Rasse also nicht am Rand, sondern im Zuchtziel.
Dass er langsam und gründlich geblieben ist, hat einen Grund. Beim Deutsch-Kurzhaar wurde mit viel englischem Blut ein schneller Feldhund geschaffen, beim Weimaraner geschah das sehr viel langsamer. Gezüchtet wurde er fast ausschließlich in Thüringen und geführt in kleinen Jagden, wo man die Suche unter der Flinte mit langsamen Hunden bevorzugte (Petri 2007, S. 125).
Daran hat sich wenig geändert. Vorrangiges Ziel des Weimaraner Klubs sei es immer gewesen und sei es heute noch, den leistungsstarken, zuverlässigen und gesunden Vorstehhund für alle im Jagdbetrieb anfallenden Arbeiten zu züchten, schreiben Gila und Anton Fichtlmeier (Fichtlmeier und Fichtlmeier, Weimaraner, 2010, S. 35). Ein Weimaraner ist auf gründliche, ausdauernde Nasenarbeit und auf enge Bindung gezüchtet, und beides bringt er mit, ob er jagdlich geführt wird oder nicht.
Was diese Rasse heute prägt
Zwei Anlagen bestimmen den Alltag mit diesem Hund, und beide kommen direkt aus seiner Arbeit.
Die erste ist die Nase, genauer: die Art, sie zu gebrauchen. „Es zeigt sich bis heute bei dieser Rasse die Neigung zur Arbeit mit tiefer Nase“, schreiben Gila und Anton Fichtlmeier, und daraus folge der Schwerpunkt nach dem Schuss, bei der Nachsuche und beim Verlorenbringen; die alten Schläge zeichne eine ruhige, überlegt wirkende Arbeitsweise aus (Fichtlmeier und Fichtlmeier, Weimaraner, 2010, S. 61). Ein Hund mit dieser Anlage ist im Wald kein Sprinter, sondern einer, der eine halbe Stunde später immer noch derselben Fährte folgt. Im Revier ist das sein größtes Kapital. Im Alltag ist es der Grund, warum man ihn schwer erreicht, sobald er die Nase am Boden hat: Er ist dann bei der Arbeit und hört zu spät hin.
Die zweite ist die Bindung. Der Weimaraner Klub beschreibt eine „manchmal fast aufdringliche Anhänglichkeit gegenüber seinem Führer und den ihm bekannten Personen“ und leitet daraus die Leichtführigkeit und die unermüdliche Bringfreude der Rasse ab (Vereinsangabe). Aus derselben Bindung folgt aber auch der Schutztrieb, den der Klub als „oft angewölft“ bezeichnet. Was zu seinem Menschen gehört, gehört für diesen Hund zu ihm. Dazu kommt, dass er spätreif ist und klug genug, stures Wiederholen zu durchschauen. Auf stupides Pauken reagiere er nicht selten mit Arbeitsverweigerung, heißt es beim Klub, und wolle respektiert statt zum Befehlsempfänger gemacht werden (Vereinsangabe).
Was Hundehalter heute erwarten, und woran sie sich reiben
Viele Menschen entscheiden hier zuerst über das Aussehen. Das Grau, die bernsteinfarbenen Augen, die Eleganz: Der Weimaraner ist ein Fotohund, und die Nachfrage von Menschen ohne jagdlichen Bezug ist entsprechend groß. Dazu kommt ein Wort aus dem Rassestandard, das gern falsch verstanden wird. Leichtführig steht dort, und gemeint ist der Jagdgebrauch. Gila und Anton Fichtlmeier schreiben dazu in ihrem Rassebuch: „Leichtführigkeit heißt eben nicht: ‚Das ist ein Hund, der in der Familie leicht und locker mitläuft.'“ (Fichtlmeier und Fichtlmeier, Weimaraner, 2010, S. 61) Erwartet wird trotzdem genau das: ein anhänglicher, eleganter Familienhund. Anhänglich ist er tatsächlich, und daran entzündet sich der erste Konflikt.
Diese Anhänglichkeit ist keine Kuschelqualität, sondern ein Anspruch. Der Hund will dabei sein, überall, den ganzen Tag. In einem Haushalt, in dem tagsüber niemand ist, wird daraus ein Hund, der die Trennung nicht aushält. Der zweite Konflikt sitzt an der Haustür. Ein Hund, der Haus, Hof und Menschen als seins begreift, meldet Besuch nicht nur, er will auch wissen, was mit ihm geschieht. Was dabei Anlage ist und wer die Zuständigkeit übernimmt, steht im Sachthema Wachverhalten. Der dritte Konflikt ist die Nase. Ein Hund, der gründlich und ausdauernd sucht, ist an einer frischen Spur schwer zu erreichen.
Dazu kommt eine Entwicklung, die mit dem einzelnen Hund nichts zu tun hat. Neben der Zucht im Weimaraner Klub, der seine Welpen vorrangig an Jäger abgibt, gibt es eine Zucht außerhalb davon, für die in Deutschland keine Auflagen gelten, und den illegalen Welpenhandel. In dieses Umfeld gehört auch der als „Blauer Weimaraner“ beworbene Farbschlag, dazu weiter unten mehr. Das wirkt zurück: Weil viele Interessenten den Hund nicht jagdlich führen wollen oder können, gerät der Anspruch an Charakter und Verhalten des Jagdgebrauchshundes in den Hintergrund. Gila und Anton Fichtlmeier beobachten, dass in einzelnen Zuchtlinien neben schönen und leistungsfähigen Hunden inzwischen auch „nervöse, hyperaktive, krankheitsanfällige und schwierige (gerade im Aggressionsbereich auffällige) Hunde“ stehen (S. 63).
Schärfe und Schutztrieb
Beim Weimaraner steht ein Thema im Rassestandard, das man kennen sollte. Verlangt wird ein Hund, der „raubzeug- und wildscharf“ ist und „auch wachsam, jedoch nicht aggressiv“. Als Schutzhund ist der Weimaraner in der jagdlichen Literatur nie propagiert worden, wohl aber immer wieder als der klassische Försterhund, und er ist, anders als oft behauptet, nicht von Natur aus scharf (Petri 2007, S. 24). Gila und Anton Fichtlmeier trennen in ihrem Rassebuch drei Dinge, die in der Diskussion meist zusammenfallen. Was Schärfe beim Jagdhund allgemein heißt, steht im Sachthema Jagdverhalten. Warum Wachen und Schützen zweierlei sind, steht im Sachthema Wachverhalten.
Wildschärfe meint die Wehr- und Aggressionsbereitschaft gegenüber Wild. Sie wird von jedem Hund verlangt, der nach dem Schuss arbeitet. Die Frage, die das Buch daran anschließt, ist die entscheidende für jeden Haushalt ohne Jagd: „Was jedoch fängt eine Familie mit einem solchen Spezialisten an, der das ‚süße Bambi‘, das nicht schnell genug weglaufen kann, niederzieht und tötet?“ (Fichtlmeier und Fichtlmeier, Weimaraner, 2010, S. 62)
Raubwildschärfe ist dasselbe gegenüber wehrhaftem Raubwild wie Fuchs, Dachs oder Waschbär, zusammen mit der Unempfindlichkeit, die man Härte nennt. So gut wie jeder Weimaraner bringt beides mit. Der Rassestandard nennt das mit dem älteren Wort raubzeugscharf.
Der Schutztrieb ist das dritte, und er richtet sich gegen Menschen. Er hat einen historischen Grund: In Zeiten, in denen Wilderei und Holzdiebstahl häufiger vorkamen, war ein wesensfester, ruhiger und standhafter Hund bei Forstbeamten besonders gesucht (S. 62, dazu Petri 2007, S. 24). Woher der Trieb kommt, steht weiter oben: Er wächst aus derselben engen Bindung wie die Leichtführigkeit und die Bringfreude.
Wie tief das in der Zuchtgeschichte sitzt, zeigt der Wesenstest. Seine erste Form hieß nicht Wesenstest, sondern „Test zur Feststellung des Schutztriebes“ (S. 34). Geprüft wurde bis 2001, wie ein Hund einen bedrohend Herannahenden abwehrte und einen Rucksack gegen einen Dieb bewachte (S. 62). Anton Fichtlmeier gehörte zu den Mitgliedern, die den Test ganz abschaffen wollten, „um die Kriterien für die Zuchtauswahl weg vom Schutztrieb hin zur jagdlichen Brauchbarkeit zu lenken“ (S. 34). Im März 2001 wurde er in Fulda überarbeitet: Seither zählt die Unbefangenheit gegenüber Menschen und Artgenossen, und der Passus „… auch mannscharf …“ fiel aus dem FCI-Standard. Schutztrieb muss ein Junghund bis heute nicht zeigen, gezeigter wird nur vermerkt (Petri 2007, S. 25).
Geändert hat das wenig: „Viele Weimaraner zeichnen sich immer noch durch Schärfe und Härte aus, und das leider nicht nur am Wild, sondern auch gegenüber Artgenossen und Menschen. Immer häufiger sogar innerhalb der eigenen Familie, was diese Rasse sicherlich zu keinem Hund für jedermann macht“ (S. 35). Belastbare Zahlen dazu gibt es nicht, und das gilt in beide Richtungen.
Die Position der Autoren ist eindeutig: „Nicht den Schutztrieb, sondern soziale Kompetenz und Unbefangenheit gegenüber Mensch und Tier sollte man beim Weimaraner fördern“ (S. 62). Zugleich steht die Warnung in die andere Richtung: „Viele Weimaraner zeigen einen Schutzinstinkt. Dieser darf nicht unterschätzt werden, sonst sind Probleme vorprogrammiert“ (S. 63).
Beides gehört zusammen. Die Anlage ist Teil des Zuchtziels und nicht abgeschafft, und sie ist nicht bei jedem Hund gleich stark ausgeprägt. Was daraus folgt, entscheidet der Mensch, der den Hund führt.
Kupieren der Rute
Beim Weimaraner war das Kupieren lange keine Frage, sondern Gewohnheit. Jedem Welpen wurde die Rute in den ersten Lebenstagen gekürzt, und bei jagdlich geführten Hunden geschieht das bis heute. Der FCI-Standard hält daran fest, allerdings mit Vorbehalt: „In Ländern, in denen der Gesetzgeber dieses erlaubt, kann die Rute beim Kurzhaar-Weimaraner für den Jagdgebrauch zweckmäßig gekürzt werden.“ In Deutschland erlaubt der Gesetzgeber das nur über eine eng gefasste Ausnahme für jagdlich geführte Hunde, in der Schweiz und in Österreich gar nicht. Wie diese Ausnahme zustande kam, was die Studien hergeben und was sie nicht hergeben, steht im Sachthema Kupieren der Rute.
Dass sich in dieser Rasse etwas bewegt hat, liegt auch an einzelnen Züchtern und Hundeführern, die es anders gehalten haben. Gila und Anton Fichtlmeier führen selbst seit Jahrzehnten Weimaraner. Nur ihr erster, Quebec von der Wapelburg, genannt „Herr Quibinger“, war noch kupiert. Er durfte eine einzige Hündin belegen, und auch das erst, nachdem der Züchter zugesagt hatte, den ganzen Wurf unkupiert zu lassen. Bei den folgenden Hunden hielten sie es genauso. In ihren Büchern ist kaum ein kupierter Weimaraner abgebildet.
Für die Arbeit mit diesem Hund kommt ein praktischer Punkt dazu. Der Weimaraner zeigt mit dem ganzen Körper an, wann er Wild wahrnimmt, und die Rute gehört zu diesem Bild. Wer sie ihm nimmt, nimmt sich selbst einen Teil der Information, auf die es in den zwei Sekunden vor dem Vorstehen ankommt.


Der blaue Weimaraner
Seit Jahren werden Weimaraner in der Farbe Blau angeboten. Der Unterschied ist keine Laune des Lichts, sondern liegt im Erbgang. Alle Weimaraner tragen eine Verdünnung der Fellfarbe. Was Grau von Blau trennt, ist die Grundfarbe darunter: Braun ergibt verdünnt das bekannte Weimaranergrau, Schwarz ergibt verdünnt die blaue Tönung. Mit dem Grad der Aufhellung hat das nichts zu tun, ein stark verdünntes Blau kann heller wirken als Mausgrau.
Anerkannt ist die Farbe hier nicht. Der FCI-Standard führt „Farbe anders als grau. Blaue Tönung“ unter den disqualifizierenden Fehlern. Blaue Weimaraner bekommen keine Ahnentafel des Klubs, sind von dessen Zucht ausgeschlossen und werden zu jagdlichen Prüfungen nicht zugelassen. Nach Darstellung des Rassebuchs hat er eine Anfrage des Weimaraner Club of America 1970 abschlägig beschieden und erklärt, einen Antrag bei der FCI nicht zu beabsichtigen; 2008 wurde eine erneute Anfrage ebenso beantwortet.
In den Vereinigten Staaten liegt der Fall anders, was regelmäßig verwechselt wird. Der amerikanische Standard nannte Blau 1944 ausdrücklich, erst die 1971 genehmigte Fassung erklärt ein ausgesprochen blaues oder schwarzes Fell zum Ausschlussgrund. Registriert werden diese Hunde beim American Kennel Club aber bis heute als Weimaraner. Ausgeschlossen sind sie allein von der Formbewertung; an Leistungsprüfungen und Feldarbeit dürfen sie teilnehmen.
Woher die schwarze Grundfarbe stammt, ist der eigentliche Streit, und dazu gibt es eine Untersuchung. Eine Arbeitsgruppe der Ruhr-Universität Bochum verglich das Erbgut von 24 blauen Weimaranern aus vier Ländern mit dem von 20 grauen. Alle grauen Hunde trugen zwei nicht funktionsfähige Kopien des Gens, das über Braun oder Schwarz entscheidet, alle blauen mindestens eine funktionsfähige. Das zugehörige Erbmuster fand sich bei keinem einzigen grauen Weimaraner, wohl aber bei anderen Rassen mit schwarzem Fell. Eine Rückmutation innerhalb der Rasse halten die Autoren für praktisch ausgeschlossen; sie erklären die Farbe durch eine Einkreuzung. Wann die stattfand, lassen sie ausdrücklich offen, vor oder nach der Gründung der Rasse. Aus der Luft gegriffen ist die frühe Variante nicht: Schon 1899 hielt ein Fachblatt für fraglich, dass die Stammeltern graue Hunde waren, sie könnten „ebenso gut schwarz oder braun gewesen sein“.
Dieselbe Arbeit bestätigt, dass sich die amerikanischen blauen Weimaraner nach den Zuchtbüchern auf einen einzigen dunklen Hund aus Deutschland zurückführen lassen, der 1947 fotografisch dokumentiert wurde und 195 eingetragene Nachkommen hatte. Es ist Cäsar von Gaiberg. In den Zuchtunterlagen des Klubs, wo sein Wurf 1949 eingetragen wurde, steht zu ihm: „Schwarzer Anflug über den gesamten Rücken. Behänge mehr als kurz. Augen nicht bernsteinfarbig.“ Das Urteil daneben: für die Zucht unbrauchbar. Er ging in die USA.
Für den einzelnen Hund folgt daraus weniger, als die Debatte vermuten lässt. „In Exterieur und Wesen ist der Blaue dem Grauen näher als der Langhaar“, heißt es im Rassebuch. Wer einen blauen Welpen kauft, kauft außerhalb der Vereinszucht, und dort gelten in Deutschland keine Auflagen. Was geprüft wurde, muss er sich vom Züchter zeigen lassen. Ein Wurf aus dem Klub nimmt ihm diese Arbeit nur zum Teil ab. Geprüft werden dort Hüften, Augen, Wesen und jagdliche Leistung. Die Magendrehung, das mit Abstand größte Gesundheitsproblem dieser Rasse, erfasst keine dieser Vorgaben.
Eine Frage bleibt: Macht die Verdünnung selbst krank? Bei einigen Rassen ja. Die Farbmutantenalopezie trifft ausschließlich Hunde mit Verdünnung und führt zu irreversiblem Haarausfall und entzündeter Haut. Beim grauen Weimaraner spielt sie nach dem Merkblatt der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz „keine Rolle“, und das Qualzucht-Evidenz-Netzwerk führt die klassische Zuchtrichtung als Farbschlag ohne dokumentierte Fälle. Für den blauen setzt dasselbe Merkblatt einen ausdrücklichen Vorbehalt: Weil die Farbe aus einer Einkreuzung stammt, können diese Hunde betroffen sein. Ein histologisch gesicherter Fall ist veröffentlicht, ein zweijähriger blauer Weimaraner. Wie häufig das ist, weiß niemand, gezählt wurde es nie. Was daraus rechtlich folgt, steht auf der Seite Qualzucht.


Anforderungen, die diese Rasse stellt
Der Weimaraner verlangt zuerst Zeit am Stück, nicht Zeitfenster. Er ist ein Hund, der mitgeht: ins Auto, ins Büro, in den Urlaub. Wer das im eigenen Alltag nicht abbilden kann, sollte das vorher wissen.
Dazu kommt eine Aufgabe, die Nase und Kopf fordert. Im Jägerhaushalt ist das die Jagd, sie hängt aber an den Jagdzeiten und ruht dazwischen. Auch der geführte Weimaraner braucht die Arbeit deshalb in den Monaten ohne Revier, und ohne Jagdschein braucht er sie durchgehend. Was bei ihm trägt, ist die Arbeit auf einer Spur. Er nimmt sie auf und bleibt auf ihr, langsam, mit tiefer Nase, am langen Riemen und dicht bei seinem Menschen. So hat sein Leithundvorfahr gearbeitet, und das ist ihm geblieben. Ob die Spur von einem Stück Wild stammt oder von einem Menschen, ändert für ihn wenig, und deshalb trägt bei ihm die Personensuche ebenso wie die Nachsuche im Revier. Dazu kommt das Apportieren, in dem seine Bringfreude aufgeht, vor allem in der freien Verlorensuche. Strecke allein reicht bei diesem Hund nicht. Ein rein sportlich ausgelasteter Weimaraner wird ausdauernder, nicht ruhiger. Warum das auch für den jagdlich geführten Hund gilt, steht im Sachthema Jagdverhalten.
Beim Wohnumfeld geht es weniger um Quadratmeter als um Besucherverkehr und darum, wer die Tür regelt. Und es braucht einen Menschen mit Geduld für einen spätreifen Hund und mit einer Konsequenz, die ohne Härte auskommt.
Gesundheit im Blick
Das beherrschende Thema beim Weimaraner ist die Magendrehung. Er gehört zu den Rassen, bei denen sie in Auswertungen aus der tierärztlichen Praxis deutlich überdurchschnittlich häufig auftritt. Sie ist ein Notfall, der ohne Operation innerhalb weniger Stunden tödlich endet.
Daneben stehen zwei Themen des Junghundes. Die hypertrophe Osteodystrophie ist eine schmerzhafte Erkrankung der Wachstumsfugen, die beim Weimaraner mehrfach im zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen beschrieben wurde. Dazu kommt ein Mangel an Immunglobulinen, der sich in wiederkehrendem Fieber, Mattigkeit und Entzündungen zeigt. An den Gelenken bleiben die Hüften im Blick.
Für den Weimaraner sind drei erbliche Bewegungsstörungen genetisch aufgeklärt: die spinale Dysraphie, eine angeborene Fehlbildung des Rückenmarks, eine belastungsinduzierte paroxysmale Bewegungsstörung und das sogenannte Bunny Hopping Syndrom. Für alle drei gibt es Gentests; den auf das Bunny Hopping Syndrom verlangt der Klub inzwischen für Zuchthündinnen. Dazu kommen die Augen: Zur Zucht kommen nur kataraktfreie Hunde, und die jährliche Untersuchungspflicht begründet der Klub mit der Verbreitung von Kataraktformen in der Rasse (Vereinsangabe).
Bei der Lebenserwartung steht der Weimaraner besser da, als diese Liste erwarten lässt. Die Zahlen stehen im nächsten Abschnitt.
Zahlen und Studien zur Gesundheit
Magendrehung. In einer Auswertung britischer Notfallpraxen (77.088 Hunde, September 2012 bis Februar 2014) hatten 34 von 480 Weimaranern eine Magendrehung, das sind 7,1 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 5,0 bis 9,8). Über alle Hunde der Auswertung lag der Anteil bei 0,64 Prozent (0,58 bis 0,70). Im multivariablen Modell liegt die Chance einer Diagnose beim Weimaraner rund 51-mal höher als beim Mischling (adjustiertes Odds Ratio 50,8; 25,2 bis 102,7).[1] Das sind Werte aus einer Notfallpraxis-Population, keine Inzidenz und kein Lebenszeitrisiko.
Lebenserwartung. Die größte verfügbare Auswertung britischer Hunde nennt für den Weimaraner ein medianes Sterbealter von 12,8 Jahren (95-Prozent-Konfidenzintervall 12,6 bis 13,0), berechnet an 2.990 Hunden mit 1.229 Todesfällen. Das Sterberisiko lag dabei rund ein Fünftel unter dem der Mischlingsgruppe (Hazard Ratio 0,80; 0,75 bis 0,84; p kleiner als 0,001). Dieselbe Arbeit nennt für die Mischlingsgruppe 12,0 Jahre und für alle Rassehunde zusammen 12,7 Jahre.[2] Eine ältere Auswertung von Todesmeldungen aus dem Bestand des britischen Kennel Club (Erhebung 2014) kommt dagegen auf 120 Monate, also 10,0 Jahre, stützt sich für den Weimaraner aber nur auf 51 gemeldete Todesfälle. Dieselbe Arbeit nennt den Weimaraner unter den Rassen mit erhöhtem Sterberisiko durch Magendrehung.[10]
Hypertrophe Osteodystrophie und Immunglobulinmangel. Eine Fallserie von 53 Weimaranern (2009 bis 2011) berichtet, dass 28 der 53 Hunde, also 52,8 Prozent, betroffene Wurfgeschwister hatten und dass alle 53 Hunde 1 bis 30 Tage vor Beginn der Erkrankung geimpft worden waren.[3] Eine zweite Arbeit beschreibt 25 junge Weimaraner mit niedrigen Immunglobulinkonzentrationen im Serum und Entzündungserkrankungen.[4] Beides sind Fallserien und sagen nichts darüber, wie häufig diese Erkrankungen in der Rasse sind.
Erbliche Bewegungsstörungen. Drei sind für den Weimaraner genetisch aufgeklärt. Zur spinalen Dysraphie kartierte eine genomweite Assoziationsstudie an 4 betroffenen und 96 nicht betroffenen Weimaranern einen Genabschnitt, am besten vereinbar mit einem rezessiven Erbgang.[5] 2023 kam eine belastungsinduzierte paroxysmale Bewegungsstörung dazu, Ursache ist eine Veränderung im Gen TNR.[6] 2025 folgte das Bunny Hopping Syndrom: Drei von elf Welpen eines Wurfes setzten die Hinterläufe nur noch gleichzeitig, Ursache ist eine Verdopplung von zwei Basenpaaren im Gen EFNB3, der Erbgang autosomal rezessiv.[7] Das ist ein einzelner Wurf, keine Häufigkeitsangabe. Der Weimaraner Klub verlangt den Gentest seit der Zuchtperiode 2025 für Zuchthündinnen und stellt klar, dass das Bunny Hopping Syndrom nicht mit der spinalen Dysraphie gleichzusetzen ist (Vereinsangabe).[8]
Hüftgelenke. Nach der Statistik der amerikanischen Orthopedic Foundation for Animals sind von 14.670 ausgewerteten Weimaraner-Hüften 8,5 Prozent als dysplastisch beurteilt worden, aufgeteilt in 5,7 Prozent mild, 2,4 Prozent mittel und 0,4 Prozent schwer.[9] Die Einsendung ist freiwillig, der Wert beschreibt also die eingesandten Hunde, nicht die Rasse.
Quellen: [1] O’Neill und andere (2017), Gastric dilation-volvulus in dogs attending UK emergency-care veterinary practices, Journal of Small Animal Practice (Volltext frei). [2] McMillan und andere (2024), Longevity of companion dog breeds: those at risk from early death, Scientific Reports, Werte aus Supplementary Table 3 (Volltext frei). [3] Safra und andere (2013), Clinical manifestations, response to treatment, and clinical outcome for Weimaraners with hypertrophic osteodystrophy: 53 cases, Journal of the AVMA (Zusammenfassung frei). [4] Foale, Herrtage und Day (2003), Retrospective study of 25 young weimaraners with low serum immunoglobulin concentrations and inflammatory disease, Veterinary Record (Zusammenfassung frei). [5] Safra und andere (2013), Genome-wide association mapping in dogs enables identification of the homeobox gene NKX2-8, PLoS Genetics (Volltext frei). [6] Christen und andere (2023), A TNR frameshift variant in Weimaraner dogs with an exercise-induced paroxysmal movement disorder, Movement Disorders (Zusammenfassung frei). [7] Schwarz und andere (2025), EFNB3 frameshift variant in Weimaraner dogs with a condition resembling a congenital mirror movement disorder, Movement Disorders (Volltext frei). [8] Weimaraner Klub e. V., Mitteilung des Vorstands zum BHS1-Gentest (Vereinsangabe). [9] OFA, Teststatistik Weimaraner (Datenbankabfrage). [10] Lewis und andere (2018), Longevity and mortality in Kennel Club registered dog breeds in the UK in 2014, Canine Genetics and Epidemiology (Volltext frei).
Die Methode bei dieser Rasse
Der Hund steht. Der Kopf hoch, ein Vorderlauf angezogen, der ganze Körper reglos. Vor ihm im Bewuchs sitzt etwas, das du noch nicht siehst. Dieser Moment dauert vielleicht zwei Sekunden. Was du in diesen zwei Sekunden tust, entscheidet, ob der Hund bei dir bleibt oder gleich hinter dem Wild her ist.
Diese zwei Sekunden sind das eigentliche Geschenk dieser Rasse an den Menschen, der sie führt. „Diese Vorstehanlage ist beim Weimaraner erblich verankert“, schreiben Gila und Anton Fichtlmeier, sie zeige sich bei dieser eher spät ausreifenden Rasse aber nicht immer von Anfang an. Sie empfehlen deshalb, das Vorstehen zu fördern, „weil Ihnen ein gefestigtes Vorstehverhalten des Hundes hilft, in freier Natur sofort zu erkennen, wann Ihr Silbergrauer Wild wahrnimmt. So können Sie rechtzeitig reagieren und ihn präventiv abrufen, ohne dass er loshetzt oder es zu Wildkontakt kommt“ (Fichtlmeier und Fichtlmeier, Weimaraner, 2010, S. 61).
Das ist etwas anderes als eine jagdliche Ausbildung, die dieselben Autoren für den als Familienhund geführten Weimaraner ausdrücklich ablehnen: „Erst wird er zum Jagen ausgebildet und dann wird ihm das Jagen verboten!“ (S. 38) Das Vorstehen zu fördern weckt nichts, es macht nur sichtbar, was der Hund ohnehin wahrnimmt.
Was in diesen zwei Sekunden trägt, ist nicht das lauteste Signal, sondern das, was vorher geklärt ist: wie viel Raum diesem Hund in diesem Gelände überhaupt zusteht. Genau das beantworten die fünf Freiraumzonen der Fichtlmeier-Methode, und zwar lange bevor die Situation entsteht. Dann ist das Vorstehen kein Vorspiel zur Hetze, sondern ein Halt, an dem ihr beide ansetzen könnt. Wie sich das Schritt für Schritt aufbauen lässt, beschreibt Anton Fichtlmeier in seinen Büchern und Onlinekursen, siehe Empfehlung. Was bogenrein und unter der Flinte im Revier heißen, steht im Sachthema Jagdverhalten.
Kurz zusammengefasst
- Die Herkunft der Rasse ist bis heute nicht geklärt, und schon 1905 war die gängige Erklärung umstritten.
- Um 1900 stritten die Züchter über Silbergrau gegen Mausgrau, und der Streit ging über Tarnung im Revier, nicht über Schönheit.
- Aus dem Leithund kommen tiefe Nase, Gründlichkeit und Ausdauer statt Tempo, und daher seine Stärke nach dem Schuss. Dieselbe Arbeit trägt ihn heute auf der Spur, ob sie von Wild stammt oder von einem Menschen.
- Die enge Bindung, wegen der viele sich für ihn entscheiden, ist zugleich sein größter Anspruch an den Alltag.
- Schärfe und Schutztrieb stehen im Zuchtziel und sind nicht abgeschafft, belastbare Zahlen dazu, wie oft sie sich zeigen, gibt es nicht.
- Kupiert wird beim Weimaraner bis heute, erlaubt ist es in Deutschland nur über eine Ausnahme für jagdlich geführte Hunde.
- Die Farbe Blau ist in Europa nicht anerkannt; eine genetische Untersuchung erklärt sie durch eine Einkreuzung, deren Zeitpunkt offen bleibt.
- Gesundheitlich beherrscht die Magendrehung das Bild, dazu kommen zwei Themen des Junghundes, drei erbliche Bewegungsstörungen, die Hüften und die Augen.
Empfehlung
Für die Erziehung und Ausbildung des Weimaraners passen folgende Angebote:
Bücher: Weimaraner von Gila und Anton Fichtlmeier, Kosmos Verlag, dazu von Anton Fichtlmeier Die Prägung des Jagdhundwelpen, Grunderziehung für Welpen, Suchen und Apportieren und Die Ausbildung des Jagdhundes.
Onlinekurse von Anton Fichtlmeier:
- Jagdhundeausbildung Grundlagen
- Apportieren für Jagdhunde
- Spurarbeit und Apport am Wasser
- SP Mantrailing für Jagdhunde
- Das Geheimnis der Spurensuche
- Der Paradigmenwechsel
Weiterführende Informationen zur Fichtlmeier-Methode, zu Büchern, Seminaren und lizenzierten Hundeschulen findest du auf fichtlmeier.de.
Mitreden
Das Reel zu dieser Rasse findest du auf Instagram. Wenn du Fragen hast oder eigene Erfahrungen gemacht hast, diskutier dort mit.
Belege und Quellen
Zeitgenössische Quellen
Richard Strebel, „Die deutschen Hunde und ihre Abstammung“, Kern & Birner, Frankfurt am Main 1905, Band 2, S. 261 sowie S. 274 bis 275, dazu das Buntbild zwischen S. 274 und 275. Gemeinfrei, gegengelesen am Original am 5. August 2026. Zum Farbstreit: Carl Zorn, „Des edlen Hundes Aufzucht, Pflege, Dressur und Behandlung seiner Krankheiten“, 9. Auflage, Selbstverlag Caesar & Minka, Zahna 1901, Abschnitt 38 „Der graue Weimaraner“; Karl Brandt, „Der Weimaraner-Vorstehhund“, in: Unser Jagdhund, Beilage zur Deutschen Jägerzeitung, Verlag Neumann, Neudamm, Nr. 23, 1909, S. 353 und 354; „Ueber die Entstehung der Weimaraner“, in: Sportblatt für Züchter und Liebhaber von Rassehunden, I. Jahrgang, Nr. 34, 1899, S. 399 und 400. Alle drei als Faksimile in der Weimaraner-Chronik von Karl Meier, am Bild gegengelesen am 19. August 2026. Die Blätter von Zorn und vom Sportblatt tragen keine eigene Jahres- beziehungsweise Seitenzählung; die Fundstelle bei Zorn ist deshalb die Abschnittsnummer, das Jahr des Sportblatts folgt der Datierung der Chronik und wird durch den Bezug auf die Bernburger Schau von 1898 gestützt.
Steckbriefdaten
FCI-Rassestandard Nr. 99, Publikationsdatum des gültigen offiziellen Standards 19. März 2015, deutsche Fassung. Gruppe, Sektion, Widerristhöhe, Gewicht, Haarkleid, Farbe und Augenfarbe stammen direkt aus dem Standard. Der Standard beschreibt das Zuchtziel, nicht den durchschnittlichen Hund, reale Tiere weichen je nach Linie ab.
Herkunft und Zuchtgeschichte
Zwei Sammelbelege für den Abschnitt „Die Entstehung der Rasse“. Erstens FCI-Rassestandard Nr. 99, Abschnitt „Kurzer geschichtlicher Abriss“: Leithundblut, Hof zu Weimar im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts, Zucht durch Berufsjäger und Förster in Mitteldeutschland, Einkreuzung des Hühnerhundes und die Aussage zur Reinzucht seit 1900. Zweitens das Rassebuch, S. 22 bis 30: Anerkennung im Mai 1895 in Dresden, Rassekennzeichen in neun Punkten 1896, Vereinsgründung 1897 in Erfurt, Anerkennung zunächst nur des Kurzhaars und Aufnahme der Varietät Langhaar 1935. Zu Major Herber und zur Neugründung 1951 in Nienburg an der Weser: Rassebuch, S. 26 und 27.
Wesen und Zuchtzulassung des Vereins
Weimaraner Klub e. V., Rasseportrait (Vereinsangabe), abgerufen am 5. August 2026. Von dort stammen die Formulierungen zur Anhänglichkeit, zum oft angewölften Schutztrieb, zur Spätreife und zur Arbeitsverweigerung bei stupidem Pauken. Die Zuchtvoraussetzungen, also HD-Befund B2 oder besser, vereinsinterner Wesenstest, Herbstzuchtprüfung oder Verbandsgebrauchsprüfung mit Mindestleistungen und Augenuntersuchung, dazu die Kataraktregel: Weimaraner Klub e. V., Zuchtbedingungen (Vereinsangabe), abgerufen am 5. August 2026.
Wesen im Standard
FCI-Rassestandard Nr. 99, Abschnitt Verhalten und Charakter: „Vielseitiger leichtführiger, wesensfester und passionierter Jagdgebrauchshund mit systematischer und ausdauernder Suche, jedoch nicht übermäßig temperamentvoll; Nase von bemerkenswerter Güte; raubzeug- und wildscharf; auch wachsam, jedoch nicht aggressiv; zuverlässig im Vorstehen und in der Wasserarbeit; bemerkenswerte Neigung zur Arbeit nach dem Schuss.“
Rassebuch
Gila Fichtlmeier und Anton Fichtlmeier, „Weimaraner. Geschichte, Haltung, Ausbildung, Beschäftigung“, Franckh-Kosmos, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-440-11853-5. Herangezogen sind die Kapitel „Die Geschichte des Weimaraners“ und „Der Weimaraner wird zur Rasse“ (S. 16 bis 35), „Ein Jagdhund mit Passion“ (S. 38 und 39) sowie „Wesen und Charakter“ (S. 60 bis 63). Von dort stammen die Vereins- und Zuchtgeschichte mit ihren Jahreszahlen, die Angaben zu Major Herber, die Chronologie des Wesenstests, die Unterscheidung von Wildschärfe, der dort Raubzeugschärfe genannten Schärfe gegenüber wehrhaftem Raubwild und dem Schutztrieb, der Försterhund, die Aussagen zum Schutztrieb heute, die Beobachtung zu den Zuchtlinien sowie die Sätze zur Leichtführigkeit, zur Arbeit mit tiefer Nase, zur Förderung des Vorstehens und zur Jagdausbildung für Nichtjäger.
Position der Autoren
Rassebuch, S. 62 und 63, siehe oben. Die im Sonderabschnitt wiedergegebene Haltung stammt von Gila und Anton Fichtlmeier gemeinsam.
Zweitquelle zu Zuchtgeschichte, Schärfe und Schutztrieb
Werner Petri, „Weimaraner heute“, Kynos Verlag Dr. Dieter Fleig, 3. Auflage 2007, ISBN 978-3-933228-30-7. Herangezogen sind Kapitel 4 „Kann man einen Weimaraner auch zum Schutzhund/Wachhund ausbilden?“, S. 24 bis 31, Kapitel 14 „Stammt der Weimaraner wirklich aus Weimar?“, S. 124 bis 131, und Kapitel 15 zur Zuchtgeschichte, S. 132 bis 145. Petri war langjährig im Weimaraner Klub tätig und hat dessen Informationsschrift verfasst; er ist damit keine vom Verein unabhängige Quelle, wohl aber eine ältere und namentlich zurechenbare.
Der blaue Weimaraner
FCI-Rassestandard Nr. 99, disqualifizierende Fehler: „Farbe anders als grau. Blaue Tönung.“ Zum amerikanischen Standard: AKC-Rassestandard Weimaraner, Fassung vom 14. Dezember 1971; die Farbdefinitionen von 1943 und 1944 sind im Rassebuch wiedergegeben. Zur Genetik und zur Herkunft der Farbe: Gerding, Schreiber, Dekomien und Epplen (2011), Tracing the origin of „blue Weimaraner“ dogs by molecular genetics, Journal of Animal Breeding and Genetics, Band 128, S. 153 bis 160. Der Wortlaut des Zuchtbuchvermerks zu Cäsar von Gaiberg, dessen Wurf 1949 eingetragen wurde, nach Petri (2007), S. 141. Die Studie datiert die fotografische Dokumentation des Hundes auf 1947; Geburtsjahr und Eintragungsjahr fallen also auseinander, beide Angaben stehen so in ihren Quellen. Die Anfragen von 1970 und 2008 sind nach dem Rassebuch wiedergegeben, eine unabhängige Fundstelle liegt nicht vor. Zur Farbmutantenalopezie: Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz, Merkblatt Nr. 141, Dezember 2023, Seite 17; Qualzucht-Evidenz-Netzwerk, Merkblatt Nr. 25, Color Dilution Alopecia, Bearbeitungsstand 20. Juli 2026, Abschnitt 3; LABOKLIN aktuell, Dermatologie 10/2023, Seite 4, dort auch die Abbildung eines histologisch gesicherten Falls bei einem zweijährigen blauen Weimaraner. Eine Häufigkeitsangabe für blaue Weimaraner liegt in keiner dieser Quellen vor.
Kupieren der Rute
FCI-Rassestandard Nr. 99, Abschnitt Rute. Rechtslage, Fristen, Ländervergleich und Studienlage stehen im Sachthema Kupieren der Rute. Die Angaben zu den eigenen Hunden stammen von Gila und Anton Fichtlmeier.
Fotos
Alle Fotos im Text stammen von Gila Fichtlmeier. Auch die Aufnahmen zum Abschnitt „Der blaue Weimaraner“ zeigen blaue Hunde, die sie selbst fotografiert hat.
Gesundheitszahlen
stehen unter „Zahlen und Studien zur Gesundheit“ weiter oben.
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