
Das erwartet dich
- Wo die älteste Beschreibung dieses irischen Hundes herkommt und warum die Antwort überrascht
- Was ein Fachmann des 19. Jahrhunderts von den blauen Terriern hielt, als er sie zum ersten Mal ausgestellt sah
- Wie ein Hund der Kleinbauern in die Geschichte der irischen Unabhängigkeit geriet
- Warum die Welpen dieser Rasse schwarz zur Welt kommen und ihr Blau erst nach und nach bekommen
- Woran man merkt, dass dieser Hund von sich aus nicht aufhört
Film
Bevor es in Geschichte und Wesen des Kerry Blue Terriers geht, hier der blaue Ire zunächst im Bild.

Abb.: Philip Doyle mit seinem Hund „Terri“ auf der Killarney Show 1916, einer der ersten ausgestellten Kerry Blue Terrier. Fotograf unbekannt (Gemeinfrei).
Kurzbeschreibung
Der Kerry Blue Terrier ist ein mittelgroßer, kräftig bemuskelter Terrier auf hohen Läufen, dessen Haar ihn von allen anderen unterscheidet: weich, üppig und wellig, in jeder Schattierung von Blau. Der Kopf ist reichlich behaart, die kleinen Ohren fallen nach vorn, die Rute wird aufrecht getragen. Geschnitten wird es, nicht getrimmt. Eine Besonderheit fällt bei jedem Welpen auf: Er kommt schwarz zur Welt und färbt sich erst nach und nach ins Blaue um. Im Wesen fasst der Standard ihn in einem Satz: „Durch und durch ein Terrier.“ Den wachsamen, durchdringenden Ausdruck macht er zum entscheidenden Merkmal der Rasse.
Wie die Rasse um 1900 beschrieben wurde
Die älteste Spur ist von 1847, und sie führt nach Dublin, nicht nach Kerry. In jenem Jahr beschreibt der irische Autor H. D. Richardson einen kleinen Terrier, den er „Harlequin Terrier“ nennt. In der Form sei er ein englischer Terrier, in der Farbe dagegen „bluish slate-colour, marked with darker blotches and patches“, also schieferblau mit dunkleren Flecken, oft mit Loh an Läufen und Fang (Richardson, Dogs: their origin and varieties, 1847, S. 74). Auf genau diese Stelle beruft sich der FCI-Standard bis heute als vermutlich erste Erwähnung der Rasse.
Bemerkenswert ist, was dort nicht steht. Richardson nennt Kerry nicht, und Irland nennt er auch nicht. Seine Hunde stehen bei Herren in der Stadt, und über ihre Herkunft schreibt er nur, jemand habe sie ins Land gebracht, „but whence they originally came, I know not“: woher sie ursprünglich stammten, wisse er nicht. Der Hund, den die Rassegeschichte für den Urahn hält, war für seinen ersten Beschreiber ein eingeführtes Tier unbekannter Herkunft.
Fast fünfzig Jahre später taucht der Schlag bei Rawdon B. Lee auf, im Terrierband von 1894, und zwar zweimal. Beide Male spricht nicht Lee selbst, sondern ein irischer Kenner, dessen Zuschrift er abdruckt. Der erste rückt die Farbe endlich dorthin, wo der Name sie später festhalten wird: „In Kerry I think the black blue is most prevalent“, in Kerry sei das Blauschwarze am weitesten verbreitet, ganz schwarze Hunde dagegen selten und selten gut. Er kennt einen Züchter, der diesen Schlag hielt, lange bevor der Irish Terrier in Mode kam, und erinnert sich, dessen Hunde hätten zur Locke geneigt (Lee, Modern Dogs, The Terriers, 1894, S. 199).
Der zweite Zeuge ist der unbequemere. Er berichtet von einer Schau, auf der 1887 eine eigene Klasse für silberhaarige irische Terrier ausgeschrieben war und die vorgeführten Hunde schieferblau gewesen seien. Sein Urteil darüber ist vernichtend: „They were not to my mind a distinct variety, nor very terrier-like in appearance.“ Für ihn war das keine eigene Rasse, und nach Terrier sahen die Hunde auch nicht aus (Lee, Modern Dogs, The Terriers, 1894, S. 215).
So steht der Kerry Blue am Ende des 19. Jahrhunderts da: ein Schlag ohne Namen und ohne Standard, den man im Nebensatz einer Zuschrift über eine andere Rasse findet, ausgestellt und im selben Atemzug abgetan. Wer das ehrlich erzählt, sagt über die Herkunft dieses Hundes mehr als jede Legende.
Quellen: H. D. Richardson (1847), S. 74, und Rawdon B. Lee (1894), S. 199 und S. 215. Vollständige Quellenangaben siehe Quellen.
Die Entstehung der Rasse
Woher die blauen Terrier Irlands stammen, weiß niemand, und das hat der Fantasie Raum gelassen. Die schönste Legende lässt einen blauen Rüden vom Wrack eines Schiffs der spanischen Armada in die Bucht von Tralee schwimmen, so beherzt, dass die Bauern ihre Hündinnen von ihm decken ließen. Die zweite erzählt von Trotz: Den Irish Wolfhound zu halten war dem Adel vorbehalten, also hätten die einfachen Leute ihre eigenen Hunde heimlich mit ihm gekreuzt, um Größe und Ausdauer hineinzubekommen. Belegen lässt sich keine von beiden.
Sicher ist nur, dass dieser Hund lange keine Rasse war, sondern Inventar. Er gehörte den Kleinbauern und Häuslern, und wo niemand etwas aufschreibt, entsteht auch keine Zuchtgeschichte. Der FCI-Standard sagt das offen: Wegen der ursprünglichen Verwendung als Rattenfänger und Bauernhund finde man bis ins 20. Jahrhundert „wenn überhaupt, nur wenig Hinweise auf die Rasse“.
Dann geht alles sehr schnell, und der Grund dafür ist nicht die Hundezucht. 1913 steht der blaue Terrier zum ersten Mal in einem Ausstellungsring. Sieben Jahre später gründet sich in Dublin ein eigener Klub, und dessen erste Schau ist bereits eine politische Handlung: Sie findet ohne Lizenz des britischen Kennel Club statt, in einer Stadt unter Ausgangssperre, mitten im Unabhängigkeitskrieg. Unter den Ausstellern ist Michael Collins, auf dessen Ergreifung ein Kopfgeld ausgesetzt war. Sein Hund hieß „Convict 224″. So wurde aus einem Bauernhund das Zeichen einer jungen Nation.
Zwei Jahre darauf ging der Klub im neu gegründeten Irish Kennel Club auf, und der Kerry Blue Terrier war die erste Rasse, die dieser überhaupt anerkannte. Im selben Jahr nahm ihn auch der britische Kennel Club an, und er kam auf der Crufts in den Ring. Von dort an lief die Zucht im Ausstellungswesen weiter, und der Hund, den wir heute vor Augen haben, ist der geschnittene und gepflegte. Wie weit das vom Ausgangspunkt entfernt liegt, zeigt die Abbildung oben: Der Terrier, den Philip Doyle vier Jahre vor jener Dubliner Schau in Killarney an der Leine führte, sah anders aus.
Ursprüngliche Verwendung und Entwicklung
Was dieser Hund leisten musste, steht bis heute im ersten Absatz seines Standards, und es ist eine ungewöhnlich harte Aufgabenbeschreibung. Er werde eingesetzt, „bei der schweren Aufgabe […], Otter im tiefen Wasser anzugreifen, sich unterirdisch mit Dachsen auseinanderzusetzen und Raubzeug zu jagen“, dazu sei er ein guter Wachhund und treuer Begleiter. Unter „Kiefer“ verlangt derselbe Standard dazu passend Kiefer, die „stark und muskulös“ seien, „mit der Fähigkeit, jederzeit zupacken zu können“.
Das ist etwas anderes als die Arbeit der meisten Hunde, über die auf diesen Seiten geschrieben wird. Gesucht hat der Kerry durchaus, nach Ratten wie nach Dachsen. Nur endete seine Arbeit nicht beim Menschen: Er zeigte nichts an, er stand nichts vor, und er brachte nichts. Er ging an ein wehrhaftes Tier heran und erledigte die Sache dort, im Wasser wie unter der Erde, ohne dass jemand daneben stand und ihm sagte, wann Schluss ist. Dazu kam, was der Standard neben der Jagd nennt: Ratten fernhalten und den Hof bewachen.
Von dieser Arbeit ist heute nichts übrig. Der Standard selbst führt den Hund inzwischen als Wachhund und Begleiter, und die Otter, gegen die er einmal ging, stehen in Europa unter Schutz. Seine Anlagen sind davon unberührt geblieben. Sie sind kein Zierrat, sondern das, wofür er über Generationen ausgesucht wurde.
Was diese Rasse heute prägt
Drei Züge hat die alte Arbeit hinterlassen. Der erste ist die Wachsamkeit, und der Standard macht daraus unter „Verhalten und Charakter“ ausdrücklich das wichtigste Merkmal: „Das alles entscheidende Merkmal, der Ausdruck, muß durchdringend und wachsam sein.“ Sogar die Ohren begründet er damit, sie sollen den scharfen Terrierausdruck noch stärker betonen. Ein Kerry registriert, was an der Grenze seines Bereichs passiert, und er meldet es. Das ist keine Untugend und kein Erziehungsfehler, sondern das Zuchtziel.
Der zweite ist schwerer zu benennen und im Alltag wichtiger. Eine Arbeit, die daraus besteht, sich mit einem Dachs im Bau auseinanderzusetzen, belohnt keinen Hund, der abbricht. Sie belohnt den, der bleibt. Ein Kerry hört deshalb nicht von selbst auf, wenn eine Sache anstrengend wird oder lange dauert. Er steigert eher, als dass er nachlässt.
Der dritte überrascht viele, weil er zum harten Bild nicht passen will: Dieser Hund hängt sehr an seinen Menschen und will dabei sein. Der Standard nennt ihn neben dem Arbeitshund einen treuen Begleiter, und beides gilt gleichzeitig. Ein Kerry, der im Zwinger oder im Garten geparkt wird, ist ein unglücklicher Hund.
Was Hundehalter heute erwarten, und woran sie sich reiben
Die meisten kommen über das Aussehen zu dieser Rasse. Das weiche blaue Haar wirkt gepflegt und beinahe sanft, und dazu kommt ein Argument, das beim Kauf oft den Ausschlag gibt: Er haart nicht. Beides stimmt. Nur beschreibt es einen Ausstellungshund und nicht die Anlage darunter, und die ist die eines Terriers, dem seine Arbeit fehlt.
Zuerst fällt die Wachsamkeit auf. Ein Hund, dessen wichtigstes Zuchtmerkmal ein durchdringender, aufmerksamer Ausdruck ist, findet in einer Wohnstraße den ganzen Tag Anlässe, die er für meldenswert hält. Wer ihm das wegnehmen will, arbeitet gegen das Zuchtziel und verliert. Welche Aufgaben einem wachsamen Hund stattdessen weiterhelfen, nennt das Sachthema Wachverhalten.
Der zweite wird fast immer unterschätzt und betrifft das Haar. Ein Kerry haart kaum, weil sein Haar nicht ausfällt, sondern weiterwächst. Was nicht von selbst abgeht, muss ein Mensch entfernen, und zwar mit der Schere und nicht mit dem Trimmmesser. Ohne mehrmals wöchentliches Bürsten verfilzt es, und über den Augen wird es zum Problem, bevor es hübsch aussieht. Wer wenig Haare in der Wohnung wollte, hat den Aufwand nur verschoben, nicht gespart.
Der dritte betrifft das Tempo. Ein Kerry ist nicht schwer zu begeistern, er ist schwer zu bremsen. Was einmal angefangen hat, läuft weiter, und wer in diesem Moment mitmacht, weil der Hund ja Freude daran hat, übt genau das ein.
Anforderungen, die diese Rasse stellt
Die Fellpflege hört nie auf. Mehrmals in der Woche gründlich bürsten, dazu alle paar Wochen ein fachgerechter Schnitt, entweder selbst gelernt oder dauerhaft eingeplant. Das ist keine Phase im ersten Jahr, sondern eine Aufgabe über das ganze Hundeleben, und sie fällt auch dann an, wenn gerade keine Zeit ist.
Dazu kommen Aufgaben, und dabei zählt nicht die Dauer, sondern die Regelmäßigkeit. Eine kurze Übung an mehreren Tagen bringt mehr als eine lange am Wochenende. Zwei Aufgaben passen zu diesem Hund besonders gut, das Apportieren und die Personensuche. Beide dauern nicht lange, verlangen aber, dass der Mensch dabei ist und mitdenkt, statt nebenher zu gehen. Lange Spaziergänge helfen dagegen wenig. Sie machen einen Hund, der ohnehin ausdauernd ist, nur noch ausdauernder.
Das Dritte betrifft den Menschen. Der Kerry braucht jemanden, der ruhig und berechenbar bleibt, auch wenn ein Hund vor ihm steht und drängt. Anfänger sind mit ihm nicht überfordert, wenn sie sich Hilfe holen; wer im Umgang eher nachgibt, wird es schwer haben. Dazu kommt der Platz im Alltag: Dieser Hund gehört dorthin, wo die Familie ist, nicht in einen Zwinger. Und er braucht früh eine verlässliche Leinenführung, denn ein ausgewachsener Rüde bringt genug Kraft mit, dass sich das später nicht mehr nebenbei nachholen lässt.
Gesundheit im Blick
Britische Tierarztdaten weisen für den Kerry Blue ein medianes Lebensalter von rund 12,4 Jahren aus. Das ist ein guter Wert und liegt leicht über dem Vergleichswert der Mischlinge aus derselben Auswertung; statistisch gesichert ist der Unterschied allerdings nicht.
Im Blick bleiben vier erbliche Themen, für die es jeweils einen Gentest gibt. Die canine multiple Systemdegeneration ist eine Erkrankung des Kleinhirns und weiterer Hirnbereiche, die bei Welpen zwischen dem dritten und sechsten Lebensmonat beginnt und rasch fortschreitet; sie wurde bei dieser Rasse zuerst beschrieben. Zwei betreffen die Blutgerinnung: der Faktor-XI-Mangel, der im Alltag unbemerkt bleiben kann und erst bei einer Operation auffällt, und die Von-Willebrand-Erkrankung, bei der als einziger dieser vier Punkte auch erkrankte Tiere erfasst sind. Dazu kommt die degenerative Myelopathie, ein Nervenleiden, das erst im hohen Alter beginnt und die Hinterhand schwächer werden lässt. Alle vier werden über die Zuchtauswahl gesteuert, nicht behandelt.
Daneben stehen die Augen, wo vor allem kleinere Befunde an Linse und Lidern erfasst werden, und die Hüften, deren Zahlen im Block darunter stehen. Am Haar entstehen Probleme dort, wo es zu lang über den Augen steht.
Zahlen und Studien zur Gesundheit
Lebenserwartung. McMillan und andere werten britische Tierarztdaten aus und führen den Kerry Blue Terrier mit einem medianen Überlebensalter von 12,4 Jahren, Vertrauensbereich 11,9 bis 13,0. Die Auswertung stützt sich auf 536 Hunde, davon 168 gestorben. Die Sterberate liegt bei 0,93 gegenüber der Mischlingsgruppe, deren Median 12,0 Jahre beträgt. Dieser Unterschied ist nicht statistisch gesichert, der p-Wert liegt bei 0,31.[1]
Canine multiple Systemdegeneration. Eine Arbeit von 2024 hat die Ursache aufgeklärt: eine Veränderung im Gen SERAC1, die rezessiv vererbt wird. Betroffene Welpen zeigen ab dem dritten bis sechsten Lebensmonat Kopfzittern und Gangstörungen; wegen der fortschreitenden Schwere werden sie nach Angabe der Autoren in der Regel im Alter von 13 bis 18 Monaten eingeschläfert. Von 228 untersuchten Kerry Blue Terriern waren fünf betroffen und elf Anlageträger.[2]
Faktor-XI-Mangel. In der Screeningdatenbank der OFA steht der Kerry Blue bei diesem Gerinnungsdefekt auf Rang eins aller geführten Rassen. Von 116 Untersuchungen waren 97,4 Prozent unauffällig und 2,6 Prozent Anlageträger, betroffene Tiere wurden nicht erfasst. Der Rang sagt zunächst, dass in dieser Rasse gezielt darauf getestet wird, nicht dass sie häufiger erkrankt als jede andere.[3]
Von-Willebrand-Erkrankung. Ebenfalls nach OFA, Rang drei aller Rassen: Von 148 Untersuchungen waren 89,9 Prozent unauffällig, 8,1 Prozent Anlageträger und 2,0 Prozent betroffen. Das ist die einzige der drei Gerinnungs- und Nervenerkrankungen, bei der die Datenbank tatsächlich betroffene Tiere führt.[3]
Degenerative Myelopathie. Zwei Quellen, die zusammengehören. Die OFA führt 649 Gentests mit 53,9 Prozent unauffälligen Tieren, 37,3 Prozent Anlageträgern und 8,8 Prozent Tieren mit beiden Anlagen.[3] Eine Untersuchung an 558 Kerry Blue Terriern gibt die Häufigkeit der Anlage mit 0,34 an und weist die Erkrankung bei zwei Hunden dieser Rasse feingeweblich nach.[4] Zur Einordnung führt dieselbe Arbeit eine Nachbefragung über alle Rassen: Von 30 Hunden mit beiden Anlagen zeigten 18 später Krankheitszeichen, von 55 Anlageträgern dagegen nur 2. Ein Anlageträger ist also kein kranker Hund.
Gelenke und Augen. Nach OFA sind von 1.931 Hüftbefunden 93,8 Prozent unauffällig und 5,3 Prozent dysplastisch, von 322 Ellbogenbefunden 90,7 Prozent unauffällig. Bei den Augen nennt die Übersicht 97,4 Prozent von 273 Untersuchungen als unauffällig; die Einzelaufstellung derselben Erhebung führt jedoch nur 227 Hunde, also 83,2 Prozent, ganz ohne Eintrag. Die Differenz sind kleinere Befunde an Lidern und Linse, die eine Zuchtzulassung nicht verhindern.[3]
Quellen: [1] McMillan und andere (2024), Longevity of companion dog breeds, Scientific Reports, Zusatztabelle S3 (Volltext frei). [2] Zeng und andere (2024), Canine Multiple System Degeneration Associated with Sequence Variants in SERAC1, Genes 15(11):1378 (Volltext frei). [3] OFA, Rassestatistiken (Berichtsangabe), abgerufen am 4. September 2026. US-Population mit Selbstauswahl der Einsender, kein Bevölkerungsschnitt. [4] Zeng und andere (2014), Breed distribution of SOD1 alleles previously associated with canine degenerative myelopathy, Journal of Veterinary Internal Medicine (Volltext frei).
Die Methode bei dieser Rasse
Auf einen Hund, der im Bau nachließ, konnte sich niemand verlassen. Ausgelesen wurde der, der zulegte, wenn es schwer wurde. Das steckt bis heute in ihm, und anders als bei manchem Terrier sieht man es sofort: Ein Kerry, der etwas anfängt, hört nicht auf und wird auch nicht langsamer, sondern schneller.
Beim Apportieren lässt sich das an einem einzigen Nachmittag beobachten. Der erste Gang ist ruhig. Beim dritten kommt er zügiger zurück, beim fünften steht er vor dir, bevor du geworfen hast, und stupst dir die Hand an. Das sieht nach Freude aus, und deshalb wirft der Mensch weiter. Er ist aber nicht begeisterter geworden, sondern fordernder, und mit jedem Wurf fällt ihm das Aufhören schwerer.
Entscheidend ist deshalb der Zeitpunkt. Wer wartet, bis der Hund von selbst genug hat, wartet vergeblich, denn dieser Hund hat nie genug. Im Apportierkonzept ist das Abgeben ein eigener Teil der Arbeit und nicht ihr Nebenprodukt: Der Hund bringt, gibt ab, und danach passiert nichts mehr. Aufgehört wird zwei Gänge früher, als es sich richtig anfühlt, und zwar solange der Hund noch ruhig zurückkommt. So lernt er etwas, das seine Ursprungsarbeit ihm nie beigebracht hat, nämlich dass eine Sache auch dann zu Ende sein kann, wenn noch Kraft übrig ist. Wie sich das aufbauen lässt, beschreibt Anton Fichtlmeier in seinen Büchern und Onlinekursen, siehe Empfehlung.
Kurz zusammengefasst
- Die erste Beschreibung von 1847 nennt weder Kerry noch Irland, und 1894 hielt ein Zeitzeuge die blauen Terrier für keine eigene Rasse.
- Der Aufstieg ab 1920 war politisch. Der Hund wurde zum Zeichen der irischen Unabhängigkeit, und der Irish Kennel Club erkannte ihn 1922 als erste Rasse überhaupt an.
- Das Haar fällt nicht aus, sondern wächst weiter. Wenig Haare in der Wohnung heißt viel Arbeit am Hund, mit der Schere und ein Leben lang.
- Die Lebenserwartung ist gut, und vier erbliche Themen lassen sich über Gentests aus der Zucht heraushalten, darunter eine Kleinhirnerkrankung, die bei dieser Rasse zuerst beschrieben wurde.
- Seine Ursprungsarbeit hat ihm beigebracht, nicht abzubrechen. Deshalb wird bei ihm nicht der Anfang geübt, sondern das Ende.
Empfehlung
Für die Erziehung und Ausbildung des Kerry Blue Terriers passen folgende Angebote von Anton Fichtlmeier:
Bücher: Grunderziehung für Welpen, Der Hund an der Leine und Suchen und Apportieren.
Onlinekurse:
Weiterführende Informationen zur Fichtlmeier-Methode, zu Büchern, Seminaren und lizenzierten Hundeschulen findest du auf fichtlmeier.de.
Mitreden
Das Reel zu dieser Rasse findest du auf Instagram. Wenn du Fragen hast oder eigene Erfahrungen gemacht hast, diskutier dort mit.
Belege und Quellen
Zeitgenössische Quellen
H. D. Richardson, „Dogs: their origin and varieties“, James M’Glashan, Dublin 1847, S. 74. Rawdon B. Lee, „A history and description of the modern dogs of Great Britain and Ireland. The Terriers“, Horace Cox, London 1894, S. 199 und S. 215. Beide gemeinfrei, Zitate am 4. September 2026 gegen die Digitalisate der Erstausgaben gelesen. Vollständige Angabe siehe Quellen.
Zuschreibung der Lee-Zitate
Beide Stellen sind bei Lee abgedruckte Zuschriften, nicht seine eigenen Sätze. Die Kerry-Stelle auf S. 199 stammt von W. J. Cotton aus Blessington, County Wicklow, die Limerick-Stelle auf S. 215 von W. C. Bennett aus Dublin. Lee führt beide namentlich ein.
Steckbriefdaten
FCI-Rassestandard Nr. 3, Publikationsdatum 19. April 2005, deutsche Fassung, Originalsprache Englisch (Volltext frei). Gruppe, Sektion, Verwendung, Widerristhöhe, Gewicht, Haar und Farbe stammen daraus. Der Standard beschreibt das Zuchtziel, nicht den durchschnittlichen Hund.
Wortlaute aus dem Standard
Derselbe Standard, vier Abschnitte: Verwendung für die Otter-, Dachs- und Raubwildarbeit, Verhalten und Charakter für „Durch und durch ein Terrier“ und den durchdringenden Ausdruck, Kiefer für das Zupacken, Ohren für den betonten Terrierausdruck.
Farbe und Umfärbung im Standard
Derselbe Standard, Abschnitt Haarkleid: „Blau in jeder Schattierung, mit oder ohne schwarzen Abzeichen. Schwarz ist nur bis zum Alter von 18 Monaten zulässig, gleiches gilt für einen lohfarbenen Anflug.“
Frühe Rassegeschichte
Sammelbeleg für den Abschnitt „Die Entstehung der Rasse“: FCI-Rassestandard Nr. 3, Kurzer geschichtlicher Abriss, für 1847, 1913, 1920 und 1922. Für den Klub von 1920, Michael Collins und die Gründung des Irish Kennel Club: American Kennel Club, Kerry Blue Terrier History (Berichtsangabe).
Historische Abbildung
Foto von 1916, Philip Doyle mit „Terri“ auf der Killarney Show, dort auch die Angabe, dass es einer der ersten ausgestellten Kerry Blue Terrier war. Fotograf anonym, als gemeinfrei geführt über Wikimedia Commons (Bildangabe). Eine Erstveröffentlichung ist dort nicht nachgewiesen.
Lebenserwartung und Gesundheitszahlen
stehen unter „Zahlen und Studien zur Gesundheit“ weiter oben.
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